Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 189 (20.8.1931)
- Date
- 1931-08-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1*50, vierteljährl. S 4*20, ganzjährL . . S 16*— DeutschM. vierteljährl.. . . RM 3*— Tschechoslowakei viertel]. Kc 24*— Jugoslawien vierteljährl. Din. 40*— Polen vierteljährlich . . Zloty 6*50 Ungarn Vierteljahr lieh . . Pengö 4*20 Rumänien vierteliährl. . Lei 120*— Uebriges Ausland vierteljährl. Schw jg Franken 4*50 mrnummmmmmu Jüdisdke Zeitung Preis 35 g Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien, L Kärntnerstraße 28 Tel R-27-4-86 Postsparkassenkonti: Oesterr D 113.546 Polen 191.199 Tschechoslowakei 500.230 fugoslawien 40.879 4« Jahrgang Wien, Donnerstag, 20. August 1931 (7. Elul 5691) Stimmer 1 ■■■■■MT ' Heute (ßeginn des Homanes „Der große Wahnsinn” Von Jtvigdot Hameiri <:fette 3>___(fette 3) Der 15. August in Palästina ruhig verlaufen Nirgends Demonstrationen, nur in Nablus einige Läden geschlossen — Wirksame Vorkehrungen der Regierung — Ueberfall auf einen jüdischen Arbeiter Der Kampf ums Recht Philipp Halsmann hat durch seine Rechtsanwälte beim Innsbrucker Gericht ein Gesuch um die Wiederaufnahme des Verfahrens eingereicht. So handelt kein Schuldiger. Ein Schuldiger wäre froh, daß durch den Akt der Begnadigung die tragische Angelegenheit ein Ende genommen hat. Ein Schwacher würde schon längst mürbe geworden sein und Gott dafür danken, daß er nun Ruhe habe. Aber Philipp Halsmann, der nie aufgehört hat, seine Unschuld zu beteuern, der seit Jahren — erfolglos — gegen die Anklage, seinen eigenen Vater ermordet zu haben, kämpft, gibt den Kampf noch immer nicht auf. Es sind Momente dazugekommen, die die Mordtat von einer neuen Seite beleuchten. Die Selbstbeschuldigung eines anderen, späterhin allerdings zurückgezogen und zum Teil durch ein amtlich eingeholtes Alibi entkräftet, offenbart eine überraschende Kenntnis des Tatortes und der mit der Tat in Zusammenhang stehenden Umstände. Daß Johann Schneider der Mörder ist oder nicht, kann heute und hier keinesfalls mit Entschiedenheit behauptet werden. Aber daß die Aussagen Schneiders die Möglichkeit offen lassen, daß Max Halsmann nicht von seinem Sohne, sondern von jemand anderem umgebracht worden ist, steht außer Frage. Die Affäre Halsmann ist nicht allein eine jüdische Angelegenheit. Sie ist ein Alp, der auf der ganzen Menschheit lastet. Die antisemitische Atmosphäre des ersten Innsbrucker Prozesses gehört längst der Vergangenheit an. Die humane und objektive Verhandlungsleitung des Vorsitzenden im zweiten Prozesse, die aufopfernde Tätigkeit Halsmanns christlicher Verteidiger stehen noch in allgemeiner Erinnerung. Auch der Direktor der Strafanstalt gab sich alle Mühe, um dem unglücklichen Rigaer Studenten die Schwere der Strafe nach Möglichkeit zu erleichtern. Und, last but not least, der höchste Würdenträger der Republik, Bundespräsident Miklas, hat von seinem Rechte .der Begnadigung Gebrauch gemacht und Halsmann einen großen Teil der über diesen verhängten Strafe geschenkt. Was also in der Affäre Halsmann seit dem zweiten Prozeß geschehen, ist vielleicht nicht ein Ausfluß des Hasses oder des bösen Willens, sondern ein Unglück: einmal in die Maschen des Paragraphennetzes hineingeraten, konnte sich Philipp Halsmann nicht mehr daraus befreien. Aber die Möglichkeit eines Justizirrtums ist nicht aus der Welt geschaffen worden, eines Irrtums, demzufolge ein vielleicht Unschuldiger mit der gräßlichen Schmach des Parricidiums behaftet bleibt, worunter er unermeßlich leidet, auch wenn er längst schon ein freier Mensch ist. Das Innsbrucker Gericht wird zu entscheiden haben, ob dem Wiederaufnähmegesuch stattzugeben sei. Wir hoffen alle, daß dies geschehe — nicht allein wir Juden, sondern wir Menschen, denen die Tatsache unerträglich ist, daß die Gerechtigkeit irren und dadurch ungerecht handeln kann. In die finstere Alpentragödie kann neues Licht gebracht werden. Wir hoffen, daß es Einlaß finden wird. Wir hoffen, daß die österreichische Justiz es als ihre Pflicht erachten wird, den Versuch, das Rätsel zu lösen, neuerdings zu unternehmen, wenn nur irgendeine Möglichkeit hierfür besteht. Es wird gewiß nicht am guten Willen der Menschen scheitern, sondern höchstens an der Unbiegsamkeit der Gesetzesvorschriften. Wenn sie aber diesmal überwunden werden, so wird wohl zugleich mit dem Licht, das in das Kriminalrätsel gebracht wird, eine Sonne der äußeren und inneren Freiheit auch für Philipp Halsmann erglänzen. w. Gallen-, Nieren- und Blasensteinkranke sowie Leute, die an übermäßiger Harnsäurebildung und Gichtanfällen leiden, regeln durch Gebrauch des natürlichen «Franz-Jo8ef»-Bitterwasser ihre träge Darmseenichtung. In Apotheken und Drogerien m haben. Jerusalem, 16. August. (J. T. A.) Der mit großer Spannung erwartete 15. August, an dem nach den Weisungen der vor kurzem in Nablus abgehaltenen arabischen Konferenz im ganzen Lande Demonstrationen gegen das Bestehen versiegelter Waffenlager in den exponierten jüdischen Kolonien veranstaltet werden sollten, ist in vollständiger Ruhe verlaufen. Nach den Berichten sämtlicher offiziellen Stellen ist die arabische Bevölkerung fast nirgends der von den extremen arabischen Nationalisten ausgegebenen Parole gefolgt. Das Leben in den Städten und Kolonien zeigte das gewohnte Bild; bloß in Nablus hielten einige arabische Ladenbesitzer ihre Geschäfte geschlossen. Die Regierung hatte, nachdem sie wiederholt ihre Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht hatte, am 15. August keinerlei Demonstrationen zuzulassen, noch in den letzten Tagen alle Maßnahmen getroffen, um einer drohenden Panik vorzubeugen. Trotzdem hatte am Donnerstag und Freitag eine teilweise Umsiedlung jüdischer und arabischer Familien aus den gemischten Bezirken Jerusalems stattgefunden. Generalstreik der Araber in Palästina Der «Neuen Freien Presse» wird am 17. August aus Jerusalem gemeldet: Die arabische Exekutive proklamierte den Generalstreik für ganz Palästina als Protest gegen die Ueberlassung von Waffenvorräten an die abgelegenen jüdischen Kolonien. Er soll Sonnabend, am Jahrestag der letzten Unruhen, beginnen. Weitere Einschränkung des Bodenerwerbs? Wie die «Jüdische Telegraphen-Agentur» erfährt, soll am 20. August, dem Tage der Ankunft des Landentwicklungsdirektors French in Jerusalem, eine neue Verordnung über den Grundstückverkehr in Palästina erlassen werden, die einen Teil der auf eine Einschränkung des Grundstückverkehrs abzielenden Gesetzgebung darstellt, die mit der Pächterschutzverordnung begonnen wurde. „Ländereien, die in jüdische Hände fielen“ Passfield antwortet Goodman London, 16. August, (i. T. A.) Paul Goldman, der Vorsitzende der politischen Kommission der English Zionist Federation, hat vor einiger Zeit an den Minister für die Kolonien Lord Passfield ein Schreiben gerichtet, in dem er seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, daß in der von Lord Passfieid erlassenen Instruktion zur Durchführung des Land- Ei n Zwischenfall in Reha via, einer neuen jüdischen Vorstadt in Jerusalem, hatte am Freitag Anlaß zu einer Steigerung der nervösen Stimmung in der Stadt gegeben. Der an einem Bau in dieser Vorstadt beschäftigte 23jährige jüdische Arbeiter Mordechai Misrachi war von einem Araber mit einem Dolch attackiert worden, doch gelang es ihm, nach kurzem Kampfe dem Angreifer die Waffe zu entwinden. Dem Arbeiter Misrachi, der leichte Verletzungen erlitten hatte, wurde im Hadassah-Spital erste Hilfe geleistet, worauf er sich in häusliche Pflege begeben konnte* Der Araber war nach dem mißlungenen Angriff entflohen und konnte von den ihn verfolgenden Arbeiten! nicht mehr eingeholt werden. Nach Safed, wo das Gerücht verbreitet war, daß trotz des Verbotes der Regierung Demonstra* tionen stattfinden würden, war militärische Verstärkung entsandt worden. Auch in Afuleh und in der gesamten Jezreel-Ebene herrschte im Hinblick auf di® angekündigten Kundgebungen eine gewisse Beunruhigung. entwicklungsplanes der Ausdruck «Ländereien, die in jüdische Hände fielen» gebraucht wurde. Paul Goodman hat nunmehr von Lord Passfield ein Antwortschreiben erhalten, in dem dieser erklärt, er könne nicht verstehen, inwiefern der beanständete Ausdruck einen ungünstigen Eindruck hervorrufen könne. Durch die in dem betreffenden Absatz der Instruktion enthaltenen Weisungen sollte der im Brief des Ministerpräsidenten an Dr. Weizmann am 13. Februar angekündigten Politik entsprochen werden. Lord Passfield könne in dem Absatz nichts erblicken, was als herabsetzend empfunden werden könnte. Eine Sitzung der zionistischen Exekutive Für Montag, den 17. August, wurde nach Zürich eine dringende Sitzung der zionistischen Exekutive einberufen. Gegenstand der Verhandlungen waren finanzielle und politische Angelegenheiten, insbesondere die Fragen des Landentwicklungsplanes und der neuen palästinensischen Agrargesetze. Revolte im Gefängnis von Akko Jerusalem, 16. August. (J. T. A.) Aus dem Gefängnis in Akko sollten am 13. August drei Araber die in dem Gefängnis ihre Strafen wegen Teilnahme an den judenfeindlichen Ausschreitungen im August 1929 verbüßen, nach Jerusalem gebracht worden, Die übrigen Insassen des Gefängnisses protestierten stürmisch gegen diese Maßnahme der Gefängnhverwaltung. Es kam zu einer Revolte, die erst, nachdem sie einen halben Tag gedauert hatte, unterdrückt werden konnte. Die Gefängnisleitung hat sich genötigt gesehen, ihre Absicht, die VerurtüiW nagb Jerusalem zu bringen, fallen zu lassen, - A T i