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Die Stimme · 1931-08-13 · Heft 188 (13.8.1931) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 188 (13.8.1931)
Date
1931-08-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 DIE STIMME Nr. 188 — 13. August 1931; | AasneueAeWnteraicAfgftudk j' „Jtadawar“! i von J. Herzberg i i ] | für das Erlernen des Hebräisch-Lesens und ] | J [ -Schreibens und der Anfangsbegriffe der hebräischen j j ( i Sprache in 38 Lektionen. i i || ÜÖcrtatt «rftilTrflicrtf jj Markante Frauengeastlten auf der letzten Wizokonferenz Von Dr. Amalie Kantor. E* ist gewiß nicht verwunderlich, daß jemand, der die führenden Persönlichkeiten der zionistischen Frauenbewegung bisher nur aus dem brieflichen Verkehr und von ihrer literarischen Tätigkeit her kannte, voll hochgespannter Erwartungen den diesjährigen Beratungen entgegenblickte. So war es denn für mich ein bedeutsames Erlebnis, die große Zahl der Delegierten aus den verschiedensten Ländern zu gemeinsamer Arbeit versammelt zu sehen, zumal ich bis danin - noch nie Gelegenheit hatte, einer Wizokonferenz beizutföhnen.' Die — meiner Ansicht nach — markantesten Gestalten unter den anwesenden Frauen waren Chana Meisel - Schochat und Ada F i s h m a n n. Chana Meisel-Schochat, die Leiterin der Mädchenschule in Nahalal, zeigt uns mit ihrem gutmütigen Gesicht, ihrem liebenswürdigen Lächeln und ihren lebhaften Augen die typische Gestalt einer mütterlichen Erzieherin. Ohne mit ihr poch ein Wort gewechselt zu haben, würde ihr jede Mutter “schon auf den ersten Blick ihr Kind ruhig anvertrauen. Wenn •Chana Meiscl-Schochat spricht, so tut sie dies mit vollster -Kraft der Ueberzeugung in ihrer Rede, und doch ist sie be- ‘reit, nachzugeben, ist sie imstande, Kompromisse einzugehen und dort verständnisvolles Entgegenkommen zu zeigen, wo * 'es sich darum handelt, um der edlen Sache willen alles Tren- ‘ hende zurückzustellen. Man merkt es, daß dies ihrer ausgeprägten Individualität nicht immer leicht fällt, und doch tut sie es, um das Gedeihen des großen Frauenwerkes vorwärts zu bringen. Sie verlor auch in dem Augenblick nicht den Mut, als sie erkennen mußte, daß alle ihre Bemühungen, die altbewährten Mitglieder der Exekutive zu halten, fruchtlos waren. Sie kennt kein Zagen und ist sofort bereit, nach der aufregenden Konferenzarbeit an die Galuthfront zu eilen und dort mit Wort und Tat für den Aufbau des Frauenwerkes der 'Wizo zu wirken. Sie selbst äußert sich voller Zuversicht über die Aussichten ihrer weiteren Palästinaarbeit Sie setzt in die festen Richtlinien der Wizo ihr vollstes Vertrauen und ist überzeugt davon, daß die Mitglieder der neugewählten Exekutive in ihren Bestrebungen vom besten Erfolge begleitet werden. Chana Meisel-Schochat ist die wahre Verkörperung des Pioniergeistes der jüdischen Frau, die wir stets in den vordersten Reihen der Frauenbewegung finden werden. Bleibenden Eindruck wird auch meine Bekanntschaft mit Ada Fishmann in mir zurücklassen. In ihrem Gesichte ‘ Spiegelt sich die tiefe Sorge um das Gedeihen des Frauen- .-.Werkes in Palästina w;der. Aus ihren klugen, durchdringen- Augen liest man den ganzen Ernst der Situation, die fliest der Verantwortung für die übernommenen Pflichten „heraus. Ada Fishmann war es, die bei den Beratungen der ^Konferenz mit ganzer Ueberzeugungskraft und größter ‘ Energie für das bisherige Programm der Wizoarbeit einge- .rtpeten . ist. Es konnte sich denn auch die Mehrheit der Konferenzteilnehmerinnen den überzeugenden Argumenten Ada Pishmanns nicht verschließen und lehnte mit ihr jede Erweiterung des Aufgabenkreises der Wizo auf andere Gebiete ab. Dieser persönliche Erfolg der Fishmann war nicht zuletzt . auf. die Art und Weise zurückzuführen, in der sie in die Dis- ' kusiion einzugreifen pflegte. Gestützt auf ihre umfassende ..Kenntnis der Lebensbedingungen des Menschenmaterials /‘Palästinas vermochte sie es, ihren sachkundigen Worten eine .‘‘solche Ueberzeugungskraft zu verleihen, daß auch die eine 'öder die andere Delegierte, die ursprünglich anders gesinnt? war, schließlich doch für ihre Ansichten gewonnen werden . konnte. Wie nicht anders zu erwarten, tat Ada Fishmann 'alles, was in ihren Kräften stand, um die so peinliche Per- ,‘sonenfrage auf der Konferenz einer friedlichen Lösung zuzu- ‘führen. Um so schmerzlicher und befremdlicher mußte sie es;'daher empfinden, wenn gerade die ihrem Standpunkt Rech- ' fiung tragende Ansicht, die auf der Konferenz schließlich . durchdrang, Anlaß zu einer tiefgreifenden Verstimmung wa?. •‘Es traten nämlich daraufhin mehrere altbewährte Mitarbeiterinnen der Wizo, die sich vielfach bleibende Verdienste um die Wizo erworben haben, von ihren Aemtern zurück. Wollen i wir annehmen, daß dies wohl nur ein rasch vorübergehender \ Zustand sein, und daß die gemeinsame Arbeit auch wieder * die so notwendige Zusammenfassung aller Kräfte herbeiführen •wird.' Beispielgebend auch in dieser Hinsicht geht hier wief-derum Ada Fishmann voran, die trotz aller Gegensätze unverzagt Propagandareisen für die Wizo unternimmt und un- . ter anderem im Oktober auch in Wien sprechen wird. Es ist zu hoffen, daß die persönliche Fühlungnahme Ada Fishmanns mit uns Wiener Frauen gleichfalls ihre Wirkung nicht ver- * fehlen wird. . Aua den mabiathen (fresse ' Wettere Stimmen zur Ernennung des neuen High-Commissioners und zum Kongreß «M a r a t h - a 1 - S c h a r k» weist darauf hin, der Oberkommissär habe den Arabern helfen wollen, sich viele Freunde unter ihnen verschafft, aber das Kolonialamt habe ‘ seine Pläne stets gestört, und die Juden würden gern den v Mann scheiden sehen, der ihre Politik durchschaut und gehindert habe. Jetzt wolle die Regierung ihre Politik mit «eiserner Hand» durch einen Militär durchführen: den Landentwicfciungsplan, den Gesetzgebenden Rat und die Wahlen zum Obersten Muslemischen Rat. Sie sei in ihrem Entschluß dadurch bestärkt worden, daß die Periode Lord Plumers keine politische Bewegung kannte und still und friedlich verlief. ‘ Darum wolle sie die Zeiten wieder herbeiführen, in denen ' der Obefkommissar erklärt: «Dies ist mein Wille, und so " geschehe es», eine Epoche der Militärherrschaft. «Al-Sirat», das Organ der muslemischen Opposition, ' meint, es sei möglich, daß der Oberkommissär ernannt stl, um die Anweisungen der Untersuchungskommissionen und Sachverständigen zugunsten der Juden durchtufflhren. Aber selbst wenn er den Juden freundlieh gesinnt sei, werde es ihm ergehen, wie es anderen Beamten erging: wenn er erst die Juden kennen lerne, werde er seine Meinung ändern. «Alef-Ba», ein in Damaskus erscheinendes Blatt, befaßt sich ln einem Aufsatz: «Wasser in einem Mörser zerstoßen» mit Weizmanns Rede, es lobt Geschmack und Kultiviertheit des Redners, lehnt aber seine Meinung ab. Die Araber Palästinas sehen zwar in Bagdad, Damaskus, Mekka Hauptstädte Ihrer Stammesgenossen, vergessen aber nicht, daß auch Jerusalem eine arabische Hauptstadt ist. — Was Weizmanns Erklärung betrifft, daß die Zionisten die Araber nicht beherrschen wollen, so darf man an die gute Absicht glauben. Wir wollen auch den Ausspruch «Palästina jüdisch wie England englisch» vergessen. Stellen wir uns eine Zukunft von Einheit und Gleichheit vor! Wie lange kann dieser ideale Zustand dauern? Auch die Utopie «Im Jahre 2000» schloß mit Ungleichheit. Und wenn das für eine sozialistische Welt gilt, die keinen Volksgegensatz und kein Nätlonalheim kennt, wie viel mehr bei dem Kampfe zweier Völker, wie der Juden und Araber, in dem man sich des Kapitals, der Kraft und der Waffengewalt bedient! «F a 1 a s t i n» leistet sich einen großen Hetzartikel. Der Kongreß stelle eine Verschwörung gegen die Araber, ihre Existenz, ihren Boden, Ihren Handel, ihre Industrie und zweifellos auch gegen ihr bloßes Leben dar. — Die zionistischen Kongresse verurteilen uns zum Tode, und die Agency hat dies Urteil am lichten Tage bestätigt. Worauf warten wir noch? Daß der Henker erscheint? Werden wir sofort aufhören, den Juden Boden zu verkaufen? Wird der arabische Kapitalist nicht von seinem Vermögen zur Rettung seines Volkes, d. h. zu seiner eigenen Rettung spenden? Warten wir darauf, daß ein anderer uns rettet? 3692 3692 WoIlenSieZeit,Mfibe n.ßeld sparen? Dann gratulieren Sie Ihren Verwandten, Freunden und Bekannten, Kunden und Klienten zu RÖSCH HASCHANAH durch die „STIMME“ die in verstärktem Umfang mit interessanten Festbeiträgen am 10. September erscheinen wird. Der Preis für das Einheitsinserat beträgt S 6.—, in doppelter Größe S 10.—. Um allen jenen, die durch die «Stimme» gratulieren, die Gewißheit zu geben, daß ihre Gratulation auch alle jene Familien und Personen erreicht, denen sie zu gratulieren beabsichtigen, werden wir an alle Adressen, die uns mit der Gratulationsbestellung aufgegeben werden, je ein Exemplar kostenfrei zusenden. «DIE STIMME», Administration. Stimmen zum Landentwlcklungsplan Ein anderer Artikel des «F a 1 a s 11 n» beschäftigt sich mit dem Landentwicklungsplan. Die Zeitung wundert sich, daß noch 50.000 LP. für eine Untersuchung ausgegeben werden, die nach dem Simpson-Bericht Überflüssig Ist, und daß man nicht sofort alle Fellachen, die zur Liquidation gezwungen sind, und alle Verdrängten ansiedelt. Eine Verständigung zwischen Juden und Arabern, wie sie in dem Plane vorgesehen sei, sei ausgeschlossen, denn die Araber könnten keiner Erweiterung der jüdischen Siedlung zustimmen. Noch seltsamer erscheint es «F a 1 a s t i n», daß die Regierung daran denkt, auch den jüdischen Kolonisten Kredite zu gewähren, obwohl sie doch im Gegensatz zu den Fellachen ihre eigenen Institute besitzen; das bedeute indirekte Unterstützung der jüdischen nationalen Fonds. «Mar&thal Schar k» sieht in der Verordnung keine Lösung der Fellachenfrage; es sei nur eine Morphiumeinspritzung, die für ein paar Jahre reiche. «Al Karmel» ist bisher das einzige Organ, das entschieden gegen die Ausführung des Planes ist, da er eine neue imperialistische Fessel sei. Besser wäre es, wenn die Regierung die Steuern ermäßigte, weniger britische und jüdische Beamte beschäftigte, und die Ausgaben für Sicherheit, sowie die zionistische Einwanderung und Politik beschränkte. Die Anleihe werde in erster Reihe den Juden, in zweiter den Engländern zugutekommen, denn die Anrpliorierung des Bodens diene vor allem zur Aufnahme neuer Einwanderer. Die Anzahl der Araber, die Boden bearbeitet haben, bevor er den Juden verkauft worden sei, und die dann ohne Boden oder Versorgung geblieben seien, sei klein: daher würden die Araber nicht viel von der Anleihe profitieren. Aua (fatüatina Oxforder Studenten ln Jerusalem Unter der Führung von Rev. Graham Brown sind in Jerusalem 38 Hörer der Wycliff Hall, der theologischen Ab* teilung der Universität Oxford, zu mehrwöchigem Studium der historischen Qeographie Palästinas eingetroffen. Reverend Brown war auch der Führer der Gruppe von Studenten aus Oxford, die sich im August 1929 an der Verteidigung der jüdischen Stadtviertel von Jerusalem beteiligt hat, Wassermangel in Jerusalem Infolge der anhaltenden Dürre in Palästina sind die Wasservorräte in Jerusalem außerordentlich stark gesunken. Die Gemeindeverwaltung hat sich daher genötigt gesehen, die tägliche Wasserzufuhr von 800.000 auf 400.000 Gallonen herabzusetzen. Telephonverbindung zwischen Palästina und Syrien Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird demnächst eine regelmäßige telephonische Verbindung zwischen Palästina und Syrien hergestellt werden. Zehn Oelrafflnerien in Haifa Die Berliner «Industrie- und Handels-Zeitung» bringt in ihrer Nummer 153 vom 4. August folgende Meldung aus Haifa: Nachrichten vom baldigen Beginn der Arbeiten an der Rohrleitung Haifa-Mossul haben einen Run von Oelgesellschaften der verschiedenen Nationen um ihre Installierung am hiesigen Endpunkt der Pipeline zur Folge. Nach Mitteilungen aus zuverlässiger Quelle werden im Laufe des nächsten Jahres ln Haifa und Umgegend nicht weniger als zehn große moderne Ölraffinerien gebaut werden. Auch aa anderen Stellen Palästinas entfalten einzelne Petroleumkonzeme eine eifrige Tätigkeit. Nachrichten aus Jerusalem zufolge ist es den Geologen der Anglo Perslan Company gelungen, wichtige Ölvorkommen in der Nähe des Toten Meeres und in der Nähe von Baissan zu entdecken. Rückgang der Arbeitslosigkeit Belm Zentralen Arbeitsamt des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverbandes Palästinas waren am 15. Juli 1500 Vollarbeitslose und 650 teilweise Arbeitslose vorgemerkt. Am J5. Mai hatte es 2000 Vollarbeitslose und 900 teilweise Arbeitslose gegeben. Diese große Entspannung der Arbeitslage im Monat Juli Ist vor allem auf eine Reihe von Arbeiten zurückzuführen, die dank den Bemühungen des Zentralen Arbeitsamtes im letzten Monat von nationalen und privaten Körperschaften und von der Regierung durchgeführt werden, und die 600 Arbeitslose absorbierten. Ueber weitere größere Arbeiten, die in den nächsten Wochen noch 300 Arbeiter beschäftigen werden, sind die Verhandlungen bereits abgeschlossen und die Vorbereitungen getroffen worden. Ein- und Auswanderung im Juni Nach den soeben veröffentlichten offiziellen statistischer Daten sind im Monat Juni 415 Juden nach Palästina eingewandert und 69 Juden aus Palästina ausgewandert. Traueneiern Anläßlich des Jahrestages des Ausbruches der judenfeindlichen Ausschreitungen i. J. 1929 fanden in zahlreichen Synagogen Palästinas Gedenkgottesdienste statt. Auf den Gräbern der Pogromopfer auf den Friedhöfen in Jerusalem, Tel-Aviv und anderen Orten wurden Kränze niedergelegt. Ein Appell Einsteins an die Keine Forschungsarbeit im Dienste von Kriegsvorbereitungen Lyons (Jowa, U. S. A.). (J. T. A.) In Lyons wurde eine international- Konferenz der Kriegsdienstverweigerer eröffnet. Zu Beginn der ersten Sitzung wurde eine Zuschrift Professor Albert Einsteins verlesen, in der dieser einen Appell an die Gelehrtenwelt richtet, wissenschaftliche Untersuchungen zu Kriegszwecken zu verweigern. In dem Schreiben Einsteins heißt es u. a.: Diejenigen, die giauoen, daß die Kriegsgefahr Überwunden sei, leben ln einem Narrenparadies. Wir stehen heute einem Militarismus gegenüber, der noch weit mächtiger und destruktiver ist als jener Militarismus, der das Unheil des Weltkrieges herbeigeführt hat. Das Ist der Erfolg der Regierungen. Aber unter den Völkern der Erde gewinnt der Gedanke der Kriegsdienstverweigerung an Ausbreitung. Ich appelliere an die Intellektuellen der ganzen Welt, ich appelliere an meine Kollegen ln der wissenschaftlichen Arbeit, Kooperation bei Forschungsarbeit zu Kriegszwecken zu verweigern. Ich richte an alle Männer und Frauen den Appell, vor dem Zusammentritt der Abrüstungskonferenz in Genf im Februar zu erklären, daß sie künftighin jede Mitwirkung am Kriege oder an Kriegsvorbereitungen ablehnen werden. Ich fordere Sie auf, diesen Entschluß Ihren Regierungen schriftlich mitzutellen und mich über diesen Schritt zu informieren. Hebraica, Judaica, Zionistica sowie jüdische Literatur in größter Auswahl. Seidene und wollene Tallessim zu billigen Preisen. Buchhandlung JOöEF BELF WIEN, I. RABENSTEIG 3 Prospekte kostenlos. 3^515522

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