Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 188 (13.8.1931)
- Date
- 1931-08-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DIE STIMME Nr. 188 — 13. August 11)31 Nach dem Volksentscheid in Prenßen Jüdische Politiker über die Bedeutung des Volksentscheids vom jüdischen Standpunkt Berlin, 10. August. (J. T. A.) Der Ausfall des Volksentscheids in Preußen am 9. August wird im In- und Auslande allgemein als ein Wendepunkt in der politischen Entwicklung Preußens und damit des Gesamtreiches gewertet. Die Befürchtungen, die vielfach in jüdischen Kreisen des Auslandes bezüglich eines weiteren Anwachsens der radikalen und antisemitischen Gruppen in Deutschland gehegt wurden, sind durch das Abstimmungsergebnis, das fast überall ein Abflauen der antisemitischen reaktionären Welte in Deutschland erkennen läßt, zweifellos zerstreut worden. Die große Bedeutung, die in diesem Zusammenhang auch von jüdischer Seite der am 9. August getroffenen Entscheidung der preußischen Wählerschaft beigemessen wird, hat die Jüdische Telegraphen-Agentur veranlaßt, sich an führende jüdische Persönlichkeiten Deutschlands mit der Bitte zu wenden, ihre Meinung über die nach dem Volksentscheid gegebene Situation zu äußern. Der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin, R.-A. Helnricn Stern, erklärte: Ich bin der Ansicht, daß von jüdischer Seite der Ausfall des Volksentscheides nicht anders gewertet werden kann als vom allgemeinen deutschen Gesichtspunkt aus. Wie alle vernünftigen Deutschen müssen sich auch die Juden sagen, daß jede radikale Lösung der heutigen politischen und wirtschaftlichen Lage uns nur unabsehbaren Schaden zufügen kann. Der Führer der Jüdischen Volkspartei, R.-A. Dr. Alfred Klee, äußerte sich folgendermaßen: Nach den von fanatischem Haß erfüllten nationalsozialistischen Anwürfen gegen die Juden, die Tag für Tag die nationalsozialistische Presse füllen, war es gewiß begreiflich, daß weite jüdische Kreise ernstlich um die Erhaltung ihrer Staatsbürgerrechte besorgt sind. Daß hinter diesen nationalsozialistischen Gruppen keine wirkliche Macht steckt, hat erfreulicherweise das Volksbegehren gezeigt. Uebrigens habe ich eine akute Gefahr nicht angenommen und sehe sie auch heute nicht. Trotzdem ist es selbstverständlich Aufgabe kluger, vorausschauender Politik, die erforderlichen Mittel zu ergreifen, um die zweifellos immer noch bestehende latente Göfahr, die vom Nationalsozialismus und den ihm gesinnungsmäßig verwandten Kreisen dem deut schen Judentum droht, zu beseitigen. Dr. Alfred Wiener, Syndikus des Ceniraivereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, nimmt zu dem Ergebnis des Volksentscheides folgendermaßen Stellung: Mit allen verantwortungsbewußten Deutschen, die ir. einer Zeit schwerster w'rtschaftlieher und politischer Sorgen die Autwi'.hlung politischer Leidenschaften für gefährlich halten, begrüßen auch die deutschen Juden das Scheitern des Volksentscheids. Führende Nationalisten haben sich, je näher der 9. August rückte, um so zügelloser in judenhetzerischen, fast zu Pogromen auffordernden Aeußerungen betätigt. So schrie der berüchtigte Dr. Goebbels am Vorabend des Volksentscheides vor 15.000 Zuhörern im Berliner Sportpalast, daß jetzt ein Ende gemacht werden müsse mit der 13 Jahre währenden Herrschaft der jüdischen Hetzer und der jüdischen Bluthunde. Jetzt käme der Augenblick der allgemeinen Abrechnung, man werde höflich bis zur letzten Galgensprosse sein, aber gehängt werden würde doch. Es ist eine politische Erfahrung, daß bei Bündnissen zwischen Radikalen und Gemäßigten Tonart und Richtung von den Radikalen bestimmt wird. Einen Erfolg hätten die Nationalsozialisten ausschließlich ihren Parolen zugeschrieben und in ihm die Möglichkeit erblickt, die lang versprochene Entrechtung der deutschen Juden in die Wege zu leiten. Die Ablehnung durch die überwiegende Mehrzahl der preußischen Wahlberechtigten hat erwiesen, daß der Radikalisierung Grenzen gesetzt sind und daß die Zahl derer, die in der Mitarbeit aller, die guten Willens sind, die sicherste Gewähr für den deutschen Wiederaufbau sehen, im Wachsen begriffen ist. „Near East and India“ über den Landentwicklungsplan -Die dem Kolonialamt nahestehende Zeitschrift «Near East and India» nimmt zur Durchführung des Landentwicklungsplanes Stellung und erklärt, die Ernennung eines neuen ‘High Commissioners könne keine Aenderung der für die »Landentwicklungspolitik in Palästina festgelegten Richtlinien :mit sich bringen. - In dem Artikel wird darauf hingewiesen, daß bezüglich -des Landentwickiungsplans anscheinend Mißverständnisse . obwalten. Es werde allgemein angenommen, daß durch den 'Landentwicklungsplan ebensoviel Ausgaben zugunsten der Araber wie zugunsten der Juden gemacht werden sollen. In Wirklichkeit aber sollen Aufwendungen weder zugunsten der Araber als solcher noch der Juden als solcher . gemacht werden, vielmehr sollen alle Aufwendungen dem ganzen Lande Palästina zugute kommen. Wenn die Frage der depossedlerten Araber oder die der kreditbedürftigen jüdischen Siedler geprüft werden würde, so werde dies auf Grund ihrer Stellung Innerhalb des Gesamt lande«, nicht innerhalb ihrer besonderen Gemeinschaft, geschehen. Kommunisten schüren . . . «Dawar» behauptet, daß die arabische Bewegung gegen den Schutz der jüdischen Kolonien von den Kommunisten geschürt wird. An der Konferenz arabischer Führer in Nablus sollen im geheimen drei Beauftragte der Komintern teilgenommen und die Araber zu verschärftem Vorgehen aufgefordert haben. Tel-Aviv. (J. T. A.) In Tel-Aviv wurde Benzion Friedländer, ein Sohn des im Jahre 1020 in der Ukraine während einer für das Joint Distribution Committee unternommenen Reise vom Pogrompöbel ermordeten Professors am New Yorker Jewish Theological Seminary Israel Friedländer, verhaftet, well er versucht hatte, in der Nähe des Herzl-Gymnasiums eine rote Flagge zu hissen. Auch zwei junge georgische Juden, die den gleichen Versuch an der Straße zwischen Jaffa und Tel-Aviv unternommen hatten, wurden verhaftet. Unbekannte Täter haben in der Nähe der Moschee eine rote Flagge gehißt. Unser«': geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groscnen täglich. Keine Nebengebtihren. Für Anfragen Telephon R 41-4-20. E Milch-Trink- und. Speisehalle M. Eilen JI., Untere Au garten Straße 13 (Eingang, II:, Förstergasse Nr. 7) Vegetarische und diätetische Speisen, volkstümliche Preise, bis 12 Uhr nachts offen Samstag geschlossen. (Eventuell Vormerkung für Samstag) Befürchtungen wegen eines Interregnums Jerusalem. (J. T. A.) Im Hinblick darauf, daß High Commissioner Sir John Chancellor beabsichtigt, in absehbarer Zelt Palästina zu verlassen, und somit ein Interregnum bis zum Amtsantritt des neuen High Cofnmissioners General Arthur Grenfell Wauchope am 1. November d. J. eintreten würde, bestehen in jüdischen Kreisen Besorgnisse, daß diese Zeit von extremistischen Elementen benutzt werden könnte, um Unruhen hervorzurufen. Der Waad Leumi hat den High Commissioner auf diese Befürchtungen der jüdischen Bevölkerung aufmerksam gemacht. Das Präsidium der palästinensischen Agudath Jisroel hat den High Commissioner schriftlich aufgefordert, die Geschäfte bis zur Ankunft des neuen High Commissioners persönlich fortzuführen. „Haam“ verboten Jerusalem, 9. August. (J. T. A.) Die Palästina- Regierung hat die revisionistische Tageszeitung «Haam» verboten. In der offiziellen Begründung des Verbotes wird erklärt, «Haam» habe der Regierung den Vorwurf gemacht, sie habe die arabische Hetzkampagne unterstützt. Versammlutigsverbot in Palästina Jerusalem, 9, August. (J. T. A.) Das Verbot öffentlicher Versammlungen und des Waffentragens Im Gesamtgebiete Palästinas wurde von der Palästinareglerung auf weitere drei Monate verlängert. Amnestie tiir die illegal nach Palästina Eingewanderten 10.000 Juden erhalten das Aufenthaltsrecht Die «Offlcial Gazette», das palästinensische Amtsblatt, veröffentlicht eine Verordnung, durch die es auch Personen, die weniger als 1000 Pfund blitzen, ermöglicht wird, sich als Einwanderer der Kapitalistenkategorie registrieren zu lassen. Die neue Verordnung ist als eine Amnestie für alle zur Zeit der Veröffentlichung der Verordnung in Palästina wohnhaften Personen, die auf illegale Weise ins Land gekommen sind, aufzufassen. Ihre Geltungsdauer endet am 30. September 1931. Auf Grund dieser Verordnung werden ungefähr 10.000 Juden und eine beträchtliche Anzahl von Arabern, die illegal eingewandert sind, das Aufenthaltsrecht in Palästina erlangen. Dadurch wird die bevorstehende Volkszählung in Palästina wesentlich erleichtert. In jüdischen Kreisen wird die neue Verordnung als die weitherzigste und entgegenkommendste Maßnahme gegenüber den Juden während der gesamten Amtsperiode des gegenwärtigen High Commissioners Sir John Chancellor betrachtet. Chautieurstreik in Palästina Jerusalem, 7. August. (J. T. A.) Am Donnerstag, den 6. August, fand ein 24stündiger Streik der Chauffeure Palästinas statt. Der Streik hatte auch auf Transjordanien übergegriffen; die Verbindung zwischen Jerusalem und Amman war unterbrochen. Es ist nirgends zu Ruhestörungen gekommen. Die Palästinaregierung hatte die Vertreter der Handelskammer, der Lohnautobesitzer und der Chauffeure zu einer Konferenz eingeladen, um in letzter Minute den Ausbruch des angekündigten Chauffeurstreiks zu verhüten. Auf Vorschlag der Regierungsvertreter war beschlossen worden, eine Kommission zur Untersuchung der augenblicklichen Lage der palästinensischen Industrie, die sich durch den angekündigten Streik in ihren Interessen schwer bedroht sah, einzusetzen. An die Organisationen der Lohnautobesitzer und der Chauffeure ist der Appell gerichtet worden, von der Proklamierung eines Streiks bis zur Veröffentlichung des Berichtes dieser Kommission abzusehen. Der Verband der Chauffeure hat zu den Vorschlägen der Konferenz in einer ganztägigen Beratung Stellung genommen und im Hinblick auf die Zugeständnisse der Regierung beschlossen, die Dauer des Streiks auf 24 Stunden zu beschränken. Durch den Streik sollte der Protest dagegen, daß die Regierung nicht alle Forderungen der Chauffeure erfüllt hat, zum Ausdruck gebracht werden, ln dem Kampf des Lohnautogewerbes gegen die Regierung wurde eine vollkommen geschlossene jüdisch-arabische Front hergestellt. Obwohl die jüdischen Autobesitzer und Chauffeure sich im Hinblick auf die noch immer gespannte Atmosphäre in Palästina in diesem Zeitpunkt nur schwer zum Anschluß an den Streik entschließen konnten, haben sie dem Streikbeschluß doch aus Solidaritätsgründen zugestimmt. Auch die arabischen Autobesitzer und Chauffeure waren von der Notwendigkeit eines Streiks bei der nunmehr gegebenen Sachlage nicht durchaus überzeugt. In jüdischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Proklamierung des Streiks zum Teil auf einen von seiten der arabischen nationalistischen Politiker ausgeübten Druck auf die arabischen Mitglieder der Berufsverbände des Autogewerbes zurückzuführen ist. Die Mörder von Jadjur gefunden? Jerusalem. (J. T. A.) In einem Beduinenlager zwischen Djedda und Mischniar-ha-Emek wurden drei Beduinen unter dem Verdacht verhaftet, an dem Ueberfall auf eine jüdische Arbeitergruppe aus Jadjur, bei dem drei jüdische Arbeiter getötet wurden, teilgenommen zu haben. Ein aus 150 englischen und palästinensischen Polizisten bestehendes Detachement umzingelte das Lager und sperrte jeden Verkehr während der von Mitternacht bis 10 Uhr vormittags dauernden Durchsuchung ab. Die Durchsuchung erfolgte auf Grund einer von der Palästinaregierung beim Kolonialamt eingeholten Ermächtigung, außerordentliche Maßnahmen zur Ausforschung der Mörder von Jadjur zu ergreifen. Die verhafteten Beduinen wurden einem ganztägigen Verhör unterzogen. Unter den Verhafteten befindet sich auch der Führer des Beduincnstanuncs Scheik Obeid Kakheilu. alle Familienfeierlichkeiten (Hochzeiten, Brith Milah, Bar Mizwah etc.) bekannt. Der Keren Kajemeth wird bei diesen Gelegenheiten durch seine Freunde Sammlungen für den Keren Kajemeth durchführen t