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Die Stimme · 1931-08-13 · Heft 188 (13.8.1931) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 188 (13.8.1931)
Date
1931-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1*50, Vierteljahr!. S 4*20, ganzjlhrl . . S I6‘- Deiitschld. Vierteljahr I. RM 'V— Tschechoslowakei viertel]. Kc 24*-* Jugoslawien vierteljährl. Din 40 - Po en Vierteljahr lieh Zlotj 6*50 Ungarn Vierteljahr lieh Pengö 4*20 Riimänieb viertel jährl. I.ei 120’ — Uebrige* Ausland vierteljährl. Schw Franken 4*50 Jüdisdke Zeitung 4. Jahrgang Wien, Donnerstag, 13. August 1931 (30. Ab 5691) Preis 35g Ersckei&t je dien Donners tagf Redaktion und Administration Wen. L Kärntner* etreße 28 Tel R-274-86 Postsparkassen- X (D Konti: £ Oesterr. D 113-546 O Polen . 19U99 H lechecho* -p Slowakei . 500.230 »*> . :ctf lugoslawien 40.879 . S ,H Nummer 1& nniMif Ruhe in Paläfflna Sie sind nicht umsonst gefallen Es war vor zwei Jahren. Ueber dem jüdischen Palästina wütete ein Sturm, der den ganzen Jischuw dem Boden gleichzumachcn drohte. In Hebron und Safed fanden fürchterliche Massaker statt. Im ganzen Lande sonst, in jüdischen Kolonien und Städten, verteidigten die Juden heldenhaft ihr Werk gegen eine feindliche Uebermacht. Hundertzweiunddreißig von ihnen fielen in jenen Schreckenstagen. Hundertzweiunddreißig Männer, Frauen und Kinder, deren das jüdische Volk für ewige Zeiten gedenken wird. Hundertzweiunddreißig, die in Hebron, Jerusalem, Safed, Tel-Aviv, Moza, Haifa, Ejn Zejtim, Ber Tuwia und Hulda im Laufe einer Woche von mörderischer Angreiferhand starben zur Zeit, als England kaltblütig zuschaute. Ein Woche lang wütete ein Pogrom in Palästina. Ein Pogrom? Nein. Nur in Hebron und Safed, in den ehrwürdigen Städten der jüdischen Gelehrsamkeit, im alten Jischuw, vermochten Raubtiere in Menschengestalt, von gewissenlosen Hetzern angeführt, ein Blutbad zu verrichten. Aber in jüdischen Siedlungen und Städten, im jungen, in unserem Palästina, stießen sie auf einen hartnäckigen Widerstand, der auch sie viele Opfer kostete und ihnen bewies, daß das verjüngte jüdische Volk sein Heiligstes, die wiedereroberte Heimat, mit Erfolg zu verteidigen versteht. Zwei Jahre sind seit jenen Tagen vergangen. Zwei Jahre schwersten politischen und wirtschaftlichen Ringens, Jahre der Niederlagen, des Stillstandes, des Pessimismus. Bei aller Tragik der Geschehnisse vom August 1929 muß als noch tragischer die Tatsache gewertet werden, daß der Ueberfall auf das jüdische Palästina einen Ausgangspunkt zu einem Generalangriff gegen den Zionismus bildete, und daß England, anstatt die wahren Schuldigen zu bestrafen und die Mandatsverpflichtungen in größerem Maße als bis dahin zu erfüllen, sich Schritt für Schritt immer mehr zurückzog und seine Mandatsverpflichtungen in einem Sinne auslegte, mit dem wir uns nie einverstanden erklären werden können. Von dem Berichte der Shaw-Kommission über das Passfieldsche Weißbuch und den Simpson-Bericht, über die Einstellung der Einwanderung bis zur letzten Erklärung Dr. Shiels* über den Landentwicklungsplan bildet die britische Palästinapolitik eine Reihe von den Zionismus schwer treffenden Akten, in der nur der Mac- Donald-Brief einen einzigen Lichtblick darstellt. Dieses Paradoxon ist wahrhaftig tragisch: Ein verbrecherischer, mörderischer Ueberfall bringt den Verbrechern und Mördern Vorteile jeder Art... Zwei Jahre sind vergangen. Damals, im August, blutete der Jischuw. Dann blutete zwei Jahre lang die zionistische Bewegung. Und heute? Heute ist Palästina noch lange nicht zur Ruhe gekommen, wie die Ereignisse voriger Woche beweisen. Auch heute möchten gewissenlose Elemente einen Brand legen, einen Sturm entfachen, das jüdische Land in eine Mord-, Brand- und Plünderungsstätte verwandeln. Es ist ihnen diesmal mißlungen. Aber auf der Hut muß der Jischuw und mit ihm das nationale Judentum der ganzen Welt nach wie vor sein. Unsere vielen Feinde schlafen nicht. Und unsere Feinde sind in ihren Mitteln nicht wählerisch. Zum zweiten Male jährt sich das tragische und traurige Augustereignis. Niederlagen fielen auf uns, aber ungebrochen stehen wir da. Hundertzweiunddreißig Tote haben wir zu beklagen, aber unser Glaube bleibt trotz allem bestehen, der Glaube, daß unser Ringen um die freie Zukunft schließlich von einem Sieg gekrönt sein wird und daß die Hundertzweiunddreißig nicht umsonst gefallen seien. w. Bel fahler, graugelber Hautfärbung. Mattigkeit der Augen, üblem Befinden, trauriger Gemütsstimmung, schweren Träumen ist es ratsam, einige Tage hindurch früh nüchtern ein Glas natürliches «Frairz-Josef»-Bitterjwasser zu trinken. In Apoth. u. Drog. erhältlich. Der jüdische Jischuw in Palästina erlebte vorige Woche bange Stunden und Tage. Die arabische Hetzkampagne, die schon zur Zeit des Kongresses begonnen hatte, erreichte ihren Höhepunkt. Die Lage war äußerst gefährlich und es drohte eine Wiederholung der Revolte vom August 1929. Zum Olück ist es nicht so weit gekommen. Die Regierung scheint diesmal fest entschlossen zu sein, Unruhen im Keime zu ersticken. Ihre energische Haltung verfehlte nicht die Wirkung: Die arabische Hetze flaute ab und es kam nicht zum Ausbruch, der unabsehbare Folgen nach sich hätte ziehen können. Nachstehend bringen wir die Nachrichten über die Lage in Palästina in chronologischer Reihenfolge: Die hetzerische Versammlung in Nablus Jerusalem, 4. August (J. T. A.) In Nablus fand eine von der mohammedanischen Vereinigung junger Männer zum Zweck des Protestes gegen die angebliche Bewaffnung der jüdischen Kolonisten in Palästina einberufene Konferenz statt, an der 60 Delegierte teünahmen. Es wurden aufreizende Reden gehalten und drohende Resolutionen angenommen. Aus zahlreichen Städten des Landes waren Anhänger und Gegner des Größmufti erschienen, die einander in Hetzreden zu überbieten Süchten. Unter anderem wurden Massendemonstrationen in ganz Palästina für den 15. August angekündigt In einer Resolution wird erklärt, die Araber würden alle notwendigen Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn die Regierung fortfahren werde, die jüdischen Kolonisten zu bewaffnen. Es wurde ein Komitee eingesetzt, das beauftragt wurde, von der Regierung die Bewaffnung der arabischen Stämme und Dorfbewohner zu fordern und «die gesamte mohammedanische Welt einschließlich der Könige und Fürsten über den Schaden zu unterrichten, den die Palästinaregierung durch die Bewaffnung der Juden angerichtet hat». Maschinengewehre! Zur Sicherung von Ruhe und Ordnung hatte die Palästinaregierung anläßlich der Tagung der arabischen Konferenz Panzerwagen und mit Maschinengewehren armierte Lastautos nach Nablus entsandt. Eine jüdische Deputation beim High- Commissioner Jerusalem, 5. August. (J. T. A.) Im Hinblick darauf, daß die arabische Agitation gegen die Juden ln der Presse und in Versammlungen einen Grad der Intensität erreicht hat, wie er etwa vor Ausbruch der Unruhen im Jahre 1929 festzustellen war, hat eine jüdische Deputation, bestehend aus den Herren Colonel Kisch, Ben Zwi, Elmaleh, Smllanski und Golum beim High Commissioner vorgesprochen, um in zwölfter Stunde ihren Befürchtungen über die möglichen Folgen der Verhetzung Ausdruck zu verleihen. Sir John Chancellor erklärte, die Regierung werde entsprechende Maßnahmen gegen die Pressehetze ergreifen. Militär und Polizei seien hinreichend stark und gerüstet, jeden Versuch, Ruhe und Ordnung zu stören, im Keim zu ersticken. Ueber den Verlauf der Unterredung wurde ein offizielles Communiquö herausgegeben, in dem auch die Maßnahmen der Regierung angesichts des bevorstehenden Chauffeurstreiks bekanntgegeben waren. Die Presse wird gewarnt Der Chefsekretär der Palästinaregierung M. A. Young berief angesichts der gespannten Lage die Redakteure sämtlicher in Palästina erscheinenden Tageszeitungen zu sich und warnte die Zeitungen davor, Hetzartlkel zu veröffentlichen. An die Vertreter der jüdischen Presse richtete er im besonderen die Aufforderung, die Regierung nicht zu beschuldigen, daß sie die Araber bei der Aufreizung zu Angriffen oder bei deren Vorbereitung unterstütze, denn dies entspreche nicht den Tatsachen. Schließlich ermächtigte Chefsekretär Young die Ver^eter der Presse^ folgende Erklärung zu I veröffentlichen: Die Regierung hat die Situation voll* kommen in der Hand. Sie ist zur Unterdrückung etwaiger Unruhen viel besser gerüstet als im Jahre 192% Die versiegelten Waffenlager bleiben Jerusalem, 5. August. (J. T. A.) Infolge der in letzter Zeit mit besonderer Heftigkeit betriebenen Agitation der arabischen nationalistischen Kreise gegen die Institution der versiegelten Waffenlager in den jüdischen Kolonien hat sich die Palästinaregierung veranlaßt gesehen, in einem offiziellen Communiquö darzulegen, wie es zur Einrichtung dieser Waffenlager ge* kommen ist. In dem Communiqug wird ferner erklärt« die Regierung betrachte die Anlage dieser Waffendepotf als richtige Maßnahme, die der Politik der Regierung entspricht und die sie nicht ändern wolle. An die arabische Presse wird die Aufforderung gerichtet, die Agitation gegen diese Einrichtung aufzugeben, widrigenfalls energische Maßnahmen gegen sie ergriffen werden würden. Proteststreik der arabischen Zeitungen Jerusalem, 6. August. (J. T. A.) Die führenden arabischen Zeitungen teilen mit, daß sie zum Protest gegen die Einschränkung der Pressefreiheit jjgf Erscheinen vom 10. August angefangen auf sieben Tagt einstellen werden. Die Einschränkung der Pruafifreiheit erblicken die arabischen Zeitungen darin, daß in dem Communiquö erklärt wird, «jede Zeitungsveröffentlichung und jede Aeußerung eines Redners, di# darauf berechnet sei, die Annahme, daß das Bestehen von Waffenlagern ln jüdischen Kolonien die friedlich# Bevölkerung bedrohe, zu stützen, werde von der Regierung als absichtliche und mutwillige Gefährdung der öffentlichen Sicherheit betrachtet und dementsprechend behandelt werden». Entspannung Jerusalem, 6. August. (J. T. A.) Die revisio* nistische Tageszeitung «Haam» nimmt in einem Artikel zu dem Regierungscommuniqug Stellung, in dem das Verbot jeder Agitation gegen die Einrichtung der versiegelten Waffenlager in den jüdischen Kolonien mitgeteilt wird. Das Blatt erklärt, das Katz’-und-Maus« Spiel der Regierung sei unerträglich. Erst habe die Regierung die maßlose Verhetzung zugelassen und sogar eine Versammlung der «Hauptpogromisten» in Nablu# erlaubt, und dann habe sie eine Erklärung veröffentlicht, ln der sie Verfügungen gegen die Hetzpropaganda« die gegen das Bestehen der Waffenlager in den Kolonien geführt wird, zu einem Zeitpunkt trifft, in dem diese Propaganda sich nicht mehr bloß auf eine Zeitungskampagne beschränkt, sondern von Mann zu Mann getragen wird. Aber selbst in diesem Zeitpunkt habe sie die für den 15. August in Aussicht genommen# Demonstration nicht verboten. Die übrigen Blätter veröffentlichen das Regierungscommunlqu6 ohne jeden Kommentar. Die Veröffentlichung des Communiquto durch dl# Palästinaregierung hat wesentlich zur Entspannung der Atmosphäre beigetragen. Auf Ersuchen einer Delegation amerikanischer Juden hat der amerikanische Konsul Knabeshue beim High Commissioner Sir John Chancellor vorgesprochen. Der High Commissioner versicherte dem Konsul, daß der Ausbruch von Unruhen nicht zu erwarten sei, daß aber die Regierung für diesen Fall alle Vorbereitungen getroffen habe. Die hebräischen Zeitungen stellen übereinstimmend fest, daß gegenwärtig kein Grund mehr zu einer Beunruhigung vorhanden ist. Auch die revisionistisch# Tageszeitung «Haam» erklärt, «die Regierung wünsch# jetzt keine Unruhen und daher werde es auch nicht zu solchen kommen». Militärische Verstärkungen Der Warschauer jiddischen Tageszeitung «Hajnfcfc wird aus Jerusalem mitgeteilt, daß in den letzten Tagen 20 Flugzeuge und sechs Bataillone Infanterie au# Transjordanien und Palästina abkommandiert wonM sind« t

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