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Die Stimme · 1931-08-06 · Heft 187 (6.8.1931) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 187 (6.8.1931)
Date
1931-08-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 1«S7 — 6. Autist Ia/i Berl Lockers Rede auf dem Kongreß der Arbeiter-Internationale In der Schlußsitzung des Wiener Kongresses der Arbeiter-Internationale hielt im Namen der Poale Zion der Kongreßdelegicrte Berl Locker, neugewähltes Mitglied der zionistischen Exekutive, zum Punkt Weltwirtschaftskrise folgende, vom Kongresse mit großer Aufmerksamkeit aufgenommene Rede: Genossen und Genossinnen! Ich will die wenigen Minuten, die mir zur Verfügung stehen, benützen, um dem Kongreß zu sagen, daß zusammen mit den Arbeitern der ganzen Welt die Augen von Tausenden und Abertausenden jüdischer Proletarier aller Länder auf diesen Kongreß gerichtet sind Und daß die Probleme, die wir hier behandelt haben, insbesondere die Frage, die in diesem Augenblick zur Diskussion steht, für diese tausende jüdischer Proletarier nicht nur von der gleichen Bedeutung, wie für die Arbeiter anderer Völker ist, sondern vielleicht von einer viel tragischeren, viel tieferen Bedeutung. Wir haben in allen Ländern mit jüdischer Massensiedlung nach dem Kriege einen Prozeß der Deklassierung durchgemacht, der an Umfang und an Tiefe im Laufe vieler Jahrzehnte, ja vielleicht Jahrhunderte seinesgleichen auch im jüdischen Leben nicht hatte. Die Tragik des jüdischen Lebens der Nachkriegszeit besteht darin, daß die Tendenzen des Ueberganges zu produktiver Arbeit, des Eindringens in Handwerk und Industrie wieder fast gänzlich verschwunden sind und es ist die Tragik eines ganzen Volkes, das im Laufe von Jahrhunderten mit dem Fluche des Nichtarbeitendürfens belastet war, daß dieser Fluch ihm jetzt wieder entgegentritt in der Form der Deklassierung, des Boykotts jüdischer Arbeit, des Hinausgedrängtwerdens aus seinen Berufen, sei es durch die wirtschaftlichen Tatsachen, sei es durch die Praxis der Regierungen der Länder, in welchen diese jüdischen Massen wohnen. Deswegen sind die jüdischen Arbeiter an den Erscheinungen der Weltwirtschaftskrise vielleicht noch tiefer interessiert und sehen den Anstrengungen des internationalen Proletariats, dieser Weltwirtschaftskrise mit den Mitteln des Klassenkampfes zu begegnen, mit noch größeren Hoffnungen entgegen. Wir kämpfen in allen Ländern für das Recht auf Arbeit und wir betrachten es als Pflicht der Bruderparteien dieser Länder, diesen Kampf des jüdischen Arbeiters zu dem ihrigen zu machen. Gestatten Sie mir ein paar Worte über das Land, das ich offiziell vertrete. Es ist ein alt-junges Land. Es ist jung in der internationalen Arbeiterbewegung. Denn es besitzt eine Arbeiterklasse, die gerade in den letzten Jahren erst im begriffen ist. Aus den Nöten des jüdischen Volkslebens ist der Drang entstanden, durch Kolonisation, durch Eindringen in Landwirtschaft, Industrie und alle Zweige produktiver Arbeit eine Erneuerung des Volkslebens durch freie Arbeit in Palästina durchzuführen. Wir haben im Laufe der letzten zehn Jahre eine neue Arbeiterklasse geschaffen, wir haben sie in die Stagnation von Vorderasien hineingestellt. Ich kann mit Stolz sagen, daß sie der einzige, jedenfalls der einzig sichtbare Vorposten des internationalen Sozialismus im Orient ist. Diese Arbeiterklasse begegnet Problemen, von denen die europäische Arbeiterbewegung wenig weiß. Unsere Freunde von der 1. L. P. haben heute unter Punkt C ihrer Anträge zu den Statuten verlangt, daß die Internationale mit den nationalistischen Bewegungen im Orient, mit den unterdrückten Völkern und Rassen in Verbindung trete. Wir sind mit der Tendenz dieses Gedankens durchaus einverstanden und wünschen, daß die internationale mehr Interesse als bisher für die kolonialen Probleme zeigt, daß sie sich in noch stärkerem Maße als bisher bemüht, die Anfänge einer Arbeiterbewegung in den Ländern des Orients zu unterstützen. Wie kommt cs aber, daß unsere Freunde von der 1. L. P. in Europa die Klassengegensätze so klar sehen, aber offenbar zu übersehen scheinen, daß es auch im Orient Klassengegensätze gibt, weshalb jede sozialistische Partei sehr vorsichtig sein müßte, bevor sie sich mit irgend jemandem dort verbindet. Wir wünschen, daß die Internationale große Kraft daran setzt, die Arbeiterbewegung nicht mehr zu einer Angelegenheit Europas und Amerikas allein zu machen, sondern auch einer starken Arbeiterbewegung in allen Ländern des Orients zur Geburt verhilft. Ich möchte zum Schluß noch den englischen Genossen sagen, daß wir die Hilfe dankbar anerkennen, die sie uns bisher als eine große Partei Englands in unserer Anstrengung zur Durchsetzung von Arbeiterschutzgesetzen, zur Durchsetzung der Anerkennung der Arbeiterbewegung in Palästina haben angedeihen lassen. Aber wir stehen noch am Anfang. Die junge Arbeiterbewegung Palästinas hat aus eigener Kraft, ja gegen die Regierung den Achtstundentag in den wichtigsten Zweigen der Wirtschaft durchgesetzt, sie hat aus eigener Kraft die Erhöhung des Lebensniveaus auch der arabischen Arbeiter durchzusetzen begonnen. Aber es geht nicht, daß wir in diesem Kampfe allein stehen und die britische Administration uns dauernd hindert und stört. Wir sind überzeugt davon, daß es unsere britischen Genossen noch viel mehr als bisher für ihre Pflicht halten werden, diese junge Arbeiterbewegung in Palästina, die den Kern für eine große Arbeiterbewegung im ganzen Orient bildet, mit aller Kraft in ihrem Kampfe zu unterstützen. Die Ausführungen Berl Lockers wurden vom Kongreß mit großem Beifall aufgenommen. Die Palästina-Delegation auf dem sozialistischen Kongreß Die Arbeiterschaft Palästinas war auf dem Kongreß durch folgende Delegierte vertreten: Berl Locker, Anselm Reiß, Melech Neustadt, Nuchim Kantorowicz, öurwicz, Berl Katzenelspn, Dr. Chaim Ariosor o f f, Dov H o s, Ing. Salomon K a p 1 a n s k y, Dr. Saul Soka 1, Israel Mereminsky und Elieser Kaplan. Die Delegierten Palästinas waren in allen Kommissionen vertreten und haben sich auch an allen Tagungen beteiligt, die neben dem Kongreß liefen. (Frauenkonferenz, Erziehungskonferenz, Konferenz für Arbeiterbildungswesen etc.) Der Angriff des „Bund“ Auf dem Kongreß der zweiten Internationale verbreitete der jüdische «Bund» ein Broschüre, betitelt «Unser W e g», in der neben allgemeinen Bemerkungen sehr scharfe Angriffe auf den Zionismus enthalten waren. Der Zionismus wird dort als eine bürgerlich-reaktionäre Bewegung hingestellt; insbesondere werden die jüdischen Arbeiter Palästinas und die Poale Zion angegriffen. Es wird die Beschuldigung ausgesprochen, daß für die jüdischen Arbeiter Palästinas die Verdrängung der arabischen Arbeiter ein «heiliges Gebot» sei. Ferner wird wieder einmal der Bankrott des Zionismus «festgestellt», was angeblich der letzte Kongreß besiegelt haben soll, Diese Broschüre wurde unter den Delegierten des Kongresses verteilt. Die Poale Zion haben aber sofort den Verleumdern in einer von ihnen herausgegebenen, ebenfalls unter allen Delegierten verteilten und mit »Antwort an den Bund» betitelten Broschüre die gebührende Antwort erteilt. In dieser überaus interessanten Arbeit wird u. a. ausgeführt: ...Der Bund'hat sich auch diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, um wieder einmal vom Bankrott des Zionismus zu orakeln. Nun, der Bund hat im Laufe von mehr als drei Jahrzehnten den Zionismus dauernd jahrein, jahraus für «endgültig» tot erklärt. Nur daß der Zionismus in seiner Eigenwilligkeit sich an diese Erklärung nicht gebunden fühlte. Der Zionismus ist nicht bloß am Leben geblieben, er hat in den letzten zehn Jahren nicht mehr zu zerstörende Grundlagen für die Errichtung der nationalen Heimstätte für das landlose jüdische Volk gelegt. Dieser zionistische Verwirklichungsprozeß ist auch ein Stück sozialistischer Aufbauarbeit geworden. Das liegt vor allem an der Tatsache, daß jüdische Masseneinwanderung in Palästina natumotwendig in erster Linie mit dem Uebergang zu produktiver Arbeit in Stadt und Land verbunden sein muß. Andererseits hat die Arbeiterbewegung es in steigendem Maße verstanden, gestützt auf diesen objektiven sozialen Inhalt des Zionismus, das jüdische Siedlungswerk in Palästina mit ihrem sozialistischen Gestaltungswillen zu erfüllen. In der Zeit, in welcher der gewiß berechtigte Kampf um das Recht auf Arbeit in Polen bedauerlicherweise — wie der Bund selbst zugibt — nur sehr geringe Erfolge gezeigt hat; in der Zeit, in welcher der Prozeß wirtschaftlicher Verdrängung und Deklassierung in allen Ländern jüdischer Massensiedlung verheerende Formen angenommen hat; in der Zeit, da dem ungeheuer angewachsenen Auswanderungsbedürfnis in Osteuropa fast bis zum Nullpunkt gesunkene Einwanderungsmöglichkeiten in den Ueberseeländern gegenüberstehen; in dieser Zeit hat der totgesagte Zionismus unter führender Beteiligung der Arbeiterbewegung über 100.000 Juden nach Palästina gebracht, sie in Landwirtschaft, Industrie und sonstigen produktiven Berufen verwurzelt und die Saat für das weitere Wachstum des Werkes gelegt, ln dieser Zeit haben wir, die der Bund als <objektiv reaktionär» bezeichnet, Zehntausende von Kindern des hoffnungslos dahinvegetierenden jüdischen Kleinbürgertums in schaffende freie Arbeiter in Palästina verwandelt, haben wir das winzige Häuflein von zwei- bis dreitausend Arbeitern im Lande auf mehr als dreißigtausend gebracht, eine selbstbewußte, fest organisierte und disziplinierte Arbeiterklasse mitten in die halbfeudale Stagnation Vorderasiens hineingepflanzt. Sie ist nicht nur die stärkste politische, wirtschaftliche und moralische Kraft im jüdischen Leben Palästinas geworden, sondern sie kann heute schon als der wichtigste Vorposten der internationalen Arbeiterbewegung im vorderen Orient gelten. Wir haben in dieser Zeit durch die schöpferische Tat bewiesen, daß der durch Jahrtausende verwahrloste Boden Palästinas menschliche Arbeit mit vervielfachten Erträgen belohnen kann und daß die Kinder des Ghetto diese harte Erde meistern können, wenn ihre Arbeit vom Pathos nationaler Erneuerung und sozialer Arbeit beflügelt ist. Wir haben Überdies in unseren Siedlungen bewiesen, daß der Gedanke des kollektivistischen, auf Arbeitssolidarität beruhenden Lebens kein Traum ist, sondern von Menschen verwirklicht werden kann, nicht unter militärischem Zwange, sondern durch freien Willen, Wir sind uns dessen bewußt, daß diese Leistung nur ein Anfang ist. Sie zu vervielfachen, zu steigern, mit der Auswanderungsnot und dem Umschichtungsbedtirfnis der jüdischen Massen in Einklang zu bringen, ist die Aufgabe unserer Generation. Der Bericht über Palästina Dem Kongreß der Arbeiterinternationale wurden in der Form eines dicken Bandes Berichte des Sekretariates der sozialistischen Arbeiterinternationale vorgelegt, unter denen auch ein Bericht über die jüdische Arbeiterpartei Palästinas (Miflegeth Poale Erez Israel — Hauptsektion des jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes Poale Zion) enthalten ist. ln dem Berichte werden genaue statistische Daten über Parteimitgliederzahl, Gewerkschaftsbewegung, Jugend-, Frauen- und Bildungsorganisationen, über die Parteipresse, parlamentarische Vertretung usw. der jüdischen Arbeiterpartei Palästinas angegeben. Es folgt eine Uebersicht über die Vorgänge in den letzten zwei Janren. Unterstrichen wird die Vereinigung des Achduth Haawoda mit dem Hapoel Hazair. Ferner werden Ziffern über die Siege der jüdischen Arbeiterschaft bei den Wahlen zur Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiter, zum Waad Leumi und zum zionistischen Kongreß angegeben. Dann sind darin die Aktionen der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas nach den Augustunruhen erwähnt: der Appell an die Internationale, das Memorandum der Poale Zion an die britische Arbeiterpartei, das Memorandum an die Shaw-Kommission und das zweite Memorandum an diese Kommission, als sie den Versuch machte, die jüdische Arbeitereinwanderung und den aneblich drohenden Landmangel als Ursache des Pogroms inzusteilen. Als im Mai 1930 die Arbeitereinwanderung nach Palästina zeitweilig eingestellt wurde, protestierte die jüdische Arbeiterschaft Palästinas durch einen eintägigen Demonstrationsstreik. Im Juni 1930 beteiligten sich Delegierte der Arbeiterpartei Palästina an der Konferenz der Arbeiter- Barteien des britischen Reiches in London, bei der eine 'ebatte Über die Lage in Palästina stattfand. Im Oktober 1930 nahm die jährliche Konferenz der britischen Arbeiterpartei eine Resolution der englischen Poale Zion an, in der beschlossen wurde, die Politik des Palästinamandats zu fördern und zur jüdischen Einwanderung und zur geschlossenen Siedlung zp ermutigen. Kurz darauf erschien das Passfieldsche Weißbuch, das einen heftigen Proteststurm unter allen Schichten des jüdischen Volkes entfachte. Kaplansky rief damals die Hilfe der Arbeiterpartei an, weil «die jüdische Arbeiterschaft durch die Arbeiterregierung gedemütigt wurde», ln dieser kritischen Situation hat die Nationale Exekutive der Labour Party in wahrhaft proletarischer Solidarität interveniert. Fortschritte sind auch in der Organisierung der arabischen Arbeiter zu verzeichnen, um dte sich die Palästina- Partei bemüht. Arabische Arbeiterklubs entstehen und eine Reihe von Lohnkämpfen arabischer Arbeiter wurden von der Histadruth unterstützt. Die jüdisch-arabische Eisenbahnergewerkschaft entwickelt sich gut. Es folgt nun ein kurzer Bericht über die Poale-Zion- Partei in Polen, Rumänien, Litauen und Lettland. Vertreterinnen Palästinas auf der IV. Internationalen sozialistischen Frauenkonferenz. In Verbindung mit dem Kongreß der zweiten sozialistischen Internationale fand in Wien die IV. Internationale sozialistische Frauenkonferenz statt, zu deren Vorsitzender Miß J. L. A d a m s o n, Mitglied des London County Council, gewählt wurde. — Die von Frau Adelheid Popp eröffnete Tagung behandelte eine Reihe wichtiger und wegweisender Fragen für die Zukunft der internationalen Arbeiterinnenbewegung. war Palästina durch zwei Delegierte, Ada F i s h m a n n für Im Rahmen der von 27 Ländern beschickten Konferenz den Arbeiterinnenrat (Moazath Hapoaloth) und Dr. Martha Hofmann (Poale Zion) vertreten. Bei der feierlichen Begrüßungssitzung sprach Ada F i s h nr a n n über die Gesamtlage der jüdischen Arbeiter und insbesondere der Arbeiterinnen Palästinas. — In der Debatte zu dem Referate Popp über die Frauenrechtslage sprach Dr. Martha Hofmann über den relativ erfolgreichen Kampf der palästinensischen Arbeiterinnen sowie der bürgerlichen jüdischen Frauen Palästinas unr die Gleichberechtigung in politischer und ökonomischer Hinsicht. Viel Beachtung fand im Rahmen der Buchausstellung dieser Tagung das bekannte Werk von Ada Fishmann «Die arbeitende Frau in Palästina», mit dem sich die Referentinnen verschiedener Länder in ihren Berichten an ihre Heimatpresse befaßten. Denket an die Krawalle an der Handelshochschule! unentgeltlich«9 Stellenvermittlung I der Hakoah Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art und aller Branchen braucht, wende sich an die HAKOAH» I., Wieslngerstr. 11 t Tel, R-25-0-10 alle Familienfeierlichkeiten (Hochzeiten, Brith Milah, Bar Mizwah etc.) bekannt. Der Keren Kajemeth wird bei diesen Gelegenheiten durch seine Freunde Sammlungen für den Keren Kajemeth durchführen

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