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Die Stimme · 1931-08-06 · Heft 187 (6.8.1931) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 187 (6.8.1931)
Date
1931-08-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1*50, vierteljährl. S 4'20, ganzjährl. . . . S 16*— Deutschld. vierteljährl.. . . RM 3*—- Tschechoslowakei viertelj. Kc 24’— Jugoslawien vierteljährl. Din. 40*— Polen vierteljfihrlieh . Zloty 6*50 Ungarn vierteljährlich . Pengö 4*20 Rumänien vierteljährl. Lei 120*— Uehriges Ausland vierteljährl. Schw. Franken 4*50 Preis 35 g Jüdisdke Zeitung Er sc’ _ a ~ i*' Donn © rj Redi 4-> o und Adtn ♦H Wien, L rH n etrai •H -P Tel. R- CQ -P Postspa > tn ko: •H £* Ö © Oesterr. j »3 > Polen •H m C* Tscheche* -P £) Slowakei *H Jugoslawe« E-4 r—1 Jahrgang Wien, Donnerstag, 6. August 1931 (23. Ab 5691) Nummer 187 Erschwerung des Bodenkaufs in Palästina? Neue Erklärungen Shiels’ über die Durchführung des Landentwicklungsplanes 4. _ ■QBBamRBHBSBBnamnaenanmHBBsnimBBHni G. B. Shaws Sowjetkomplex Zur Abwechslung — für ihn, nicht für uns — hat er diesmal die ätzende Schärfe seiner Paradoxa über unsere Wunden gegossen. Mitten in der Sowjetbegeisterung, die den großen Greis anläßlich seiner Rußlandreise wie irgendeinen kritiklosen Jugendlichen gepackt hat, fand er einige Minuten Zeit, sich in einem Gespräch über das jüdische Problem zu äußern. Da sagte er manches, was man anerkennen und würdigen muß. Die rücksichtslose Verurteilung des Antisemitismus macht dem hervorragenden Iren Ehre. Aber schließlich dürften wir von einem Geiste seinesgleichen nichts anderes erwarten. Es muß einen nur wimdernehmen, daß der bestimmt nicht einfallsarme Dichter sich verurteilende Definitionen des Antisemitismus von der geistigen Schatzkammer eines Stalin entleihen mußte. Was er aber anschließend daran dem Moskauer J. T. A.-Vertreter sagte, ist zumindest sonderbar. Da bekommen wir zu hören, daß das jüdische Problem nur durch Mischehen gelöst werden könne, die den Unterschied zwischen Juden und Christen aufheben, und — höret und staunet — dadurch, daß die Juden ihren Superioritätskomplex aufgeben. Mit anderen Worten: Er empfiehlt uns eine Assimilation bis zu den Grenzen des Aeußersfen und* eraütfflTttnsn ferner, uns großväterlich auf die Schulter klopfend, die Arroganz abzulegen. «Eine solche Arroganz ist in der proletarischen Welt, in der wir leben, nicht am Platz», sagt Shaw. In der wir leben, oder in der, die sich von ihm augenblicklich beweihräuchern läßt? . . . Doch der Clou kommt erst dann: «Die Welt hat längst schon Frieden mit den Juden geschlossen. Aber der Jude will nicht Frieden mit der Welt schließen.» Ist das ein Druckfehler? Eine Verstümmelung des Telegrammes? Kann Shaw das wirklich gesagt haben? Doch. Er kann und er will es anscheinend. Dem Verfasser des «Menschen und Uebermenschen» ist eine geistreiche Wendung wichtiger als die Wahrheit. Die Wahrhe’it opfert er gerne für ein espritspriihendes Paradoxon. Er kann es sich leisten. Seit Jahr und Tag hängen die Augen der Kulturmenschen an seinem Munde, seit Jahr und Tag richten seine unvorhergesehenen Pointen unterhaltende Verwirrung an. Seit Jahr und Tag ist man daran gewöhnt, daß G. B. Shaw über alle Dinge seine eigene ironisch witzige Meinung hat. Aber wir wissen, wie es um uns bestellt ist. Nicht seit Jahr und Tag, sondern seit Jahrtausenden. Und wir können den sprunghaften, auf holperige Abwege des Paradoxon geratenen Aeußerungen Shaws über die Juden nicht folgen. Wir wissen, daß die Beschuldigung einer militanten Einstellung unsererseits der Welt gegenüber ein Wahnwitz ist, etwas, das tatsächlich para doxam — gegen die Logik, gegen die Vernunft, gegen die Wahrheit ist. Und uns schmerzt die Feststellung, daß derjenige, der vom Antisemitismus als von einem Ueberbleibsel der für die Aera des Kannibalismus charakteristischen unmenschlichen Sitten spricht, andererseits die Mentalität eines großen Vorgängers seiner Zunge annimmt, wie sie sich in der durchsichtigen Tendenz des «Kaufmann von Venedig» äußert. Man muß wie vor den Kopf geschlagen sein. Ist es wirklich Shaw, G. B. Shaw, der große, weise, allmenschliche Dichter, der dies gesagt hat? Sollte er wirklich daran glauben, daß die Welt (wer ist diese Welt? wo ist diese Welt?) schon lange mit den Juden Frieden geschlossen hat, und daß nur wir ein derart unversöhnliches Volk sind, daß wir in unserer Arroganz Justament weiter Krieg führen wollen? Hat G. B. S. je die jüdische Geschichte gelesen? Hat er den verzweifelten Abwehr kampf «des jüdischen Volkes in der jetzigen Zeit verfolgt?. London, 30. Juli. (J. T. A.) Auf mehrere Anfragen des Arbeiterführers Abg. Ben Titlet gab Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels im Unterhaus drei wichtige Erklärungen über die Durchführung des Landentwicklungsplans in Palästina ab. Erstens gab Dr. Shiels bekannt, daß der Landentwicklungsdirektor bei der Wiederbesiedlung von Arabern, deren Boden in jüdische Hände übergegangen ist, keinen Unterschied zwischen Arabern, die ihren Boden dadurch verloren haben, daß er von den Großgrundbesitzern verkauft wurde, und solchen, die ihr Land aus freiem Willen an Juden verkauft haben, machen werde. Zweitens erklärte Dr. Shiels, es werde dem Landentwicklungsdirektor überlassen bleiben, die Frage in Erwägung zu ziehen, ob verschiedene Organisationen von der Regierung in ihren Versuchen, kol- Gespannte Atmosphäre in Paläste» Eitle Meldung des Reuter-Büros Jerusalem, 5. August. Zufolge der hier herrschenden gespannten Atmosphäre besteht die Befürchtung, daß die Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden in ganz Palästina wieder aufleben. Verschiedene jüdische Kolonien fordern Polizeischutz an. Die Redakteure der arabischen und der jüdischen Blätter wurden zur Regierung vorgeladen und man glaubt zu wissen, daß sie davor gewarnt wurden, zu Gewalttätigkeiten aufzureizen. Gestern hat der Oberkommissär einer jüdischen Delegation gegenüber versichert, daß die Regierung die Lage aufmerksam verfolge und Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von Friede und Ordnung getroffen habe. Ober die Aufgaben der neuen Exekutive Das neugewählte amerikanische Mitglied der zionistischen Exekutive, Emanuel Newman, äußerte sich in einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter über die besonderen Aufgaben, die er in der neuen zionistischen Exekutive zu erfüllen haben werde, und entwickelte hierbei auch Richtlinien einer künftigen Palästina- Politik der Exekutive. Es ist wesentlich, erklärte Herr Newman, daß wir sobald als möglich die Spaltungen und Konflikte des 17. Kongresses überwinden. Die Revisionisten haben der neuen Exekutive schärfste Opposition angekündigt. Ich verzweifle jedoch nicht an der Möglichkeit, Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit aller Parteien in den praktischen Aufgaben zustandezubringen. Ebenso wird die Exekutive sich in jeder Weise bemühen müssen, die Mitarbeit jener Elemente, die das Ausscheiden Dr. Weizmanns aus der Leitung besonders schmerzlich empfinden, zu sichern. Mein Hauptinteresse an der Arbeit der Exekutive, fuhr Emanuel Newman fort, gilt der Förderung; der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas nach den von Der irische Olympiker braucht aber, wie es scheint, keine Empirie. Sein souveräner Geist, von der großen Masse der Kleinen abgöttisch verehrt, kann es sich erlauben, auch Unwahrheiten in die Welt hinauszup.osaunen, wenn sie nur das gefällige, buntschillernde Gewand eines Paradoxon tragen. Superioritätskomplex? Militanter Charakter der Juden? Nein. Nur akut gewordener Sowjetkomplex eines verwöhnten Dichters. w. lektiven Kauf und Kultivierung von Boden durchzuführen, fernerhin ermutigt werden sollen. Drittens stellte Dr. Shiels fest, daß alle Entscheidungen über Bodentransaktionen in Palästina dem High Commis« sioner Vorbehalten bleiben sollen. In jüdischen Kreisen wird befürchtet, daß diese von Dr. Shiels im Unterhaus angekündigten Maß« nahmen den jüdischen Bodenkauf in Palästina wesentlich beeinträchtigen könnten. Man nimmt an, daß auf Grund solcher Verfügungen den jüdischen Organisationen Hindernisse beim Bodenerwerb in den Weg gelegt werden könnten. Auch die Bestimmung, daß in Hinkunft ohne Einverständnis des High Commissiöners Bodenbesitz weder veräußert noch erworben werden kann, wird als Erschwerung des jüdischen Bodenkaufs in Palästina aufgefaßt. der amerikanischen Delegation auf dem Kongreß vorgeschlagenen Grundsätzen. Wir sind tief davon überzeugt, daß die Verwirklichung unserer Ziele in. Palästina die Heranziehung der jüdischen Hilfsquellen in einer Weise und in einem Ausmaß erfordert, wie dies bisher noch nicht versucht wurde. Wir schlagen vor, in Palästina eine aus Fachleuten zusammengesetzte Organisation zu bilden, die die in Industrie und Handel tätigen Palästinenser beraten und unterstützen, den Juden in der Diaspora verläßliche Informationen über wirtschaftliche Verhältnisse und Möglichkeiten in Palästina liefern und im Wege der in verschiedenen Ländern der Diaspora zu errichtenden wirtschaftlichen Palästina-Komitees die Einwanderung von Mittelstandssiedlern und die zur Durchführung eines wohldurcli* dachten Wirtschaftsprogramms erforderliche Kapitalsaufbringung fördern soll. Ich hoffe, bereits im Herbst die Arbeit in der dargestellten Weise aufnehmeti w» können. Es wird auch meine Aufgabe sein, erklärte EmatHtel Newman weiter, die Verbindung zwischen der Zionistischen Weltorganisation und der großen amerikanischen Landesorganisation aufrecht zu erhalten. Ich habe noch eine weitere Funktion zu erfüllen: Die neue Exekutiv« ist eine Koalitionsexekutive. Sie umfaßt Vertreter von Gruppen, die auf dem Kongreß verschiedene Standpunkte vertreten haben. Ich hoffe, daß die Exekutive bald eine eigene Politik entwickeln wird, die eine gewisse Synthese dieser verschiedenen Standpunkte darstellt. Hierbei wird es meine Aufgabe sein, den Standpunkt meiner Gruppe in Uebereinstimmung mit den Resolutionen des Kongresses zur Geltung zu bringen. Die Diskussion darüber, ob die neue Exekutive eine «Weizmannistische» Exekutive ist oder nicht, halte ich für müßig. Die Resolutionen des Kongresses deuten eine bestimmte Politik, einen bestimmten politischen Zug an. Die Exekutive ist an die Entscheidung des Kongresses gebunden und wird nicht nur den Wortlaut, sondern auch den Geist seiner Resolutionen zu berück*' sichtigen haben. Personalveränderungen in der Palästina» Verwaltung L o n d o n, 29. Juli. (J. T. A.) in der am woch, den 29. Juli nachmittags abgehaltenen Sitzung] des Unterhauses kündigte Unterstaatssetkretär für dfel Kolonien, Dr. Drummond Shiels weitere Veränderun*. gen im Personalstand der palästinensischen Verwal-j tungs- und Gerichtsbehörden an. Dr. Shiels erklärte,! diese Veränderungen hätten sich auf Grund der Untersuchungen der unter der Leitung von Sir Samuel Perry! O'Donnell gestandenen außerordentlichen Finanz* kommission als notwendig erwieset^ » 0274

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