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Die Stimme · 1931-07-30 · Heft 186 (30.7.1931) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 186 (30.7.1931)
Date
1931-07-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Äefte 8 DIE STIMME Nr. 186 — 30. Jul! 1031 Einwanderungsschikatien Schwierigkeiten, die man Palästina-Einwanderern entgegensetzt Von Jacob de Haas, New York. (Aus einem Gespräch.) Unser Sonderberichterstatter beim 17, Zionistenkongreß in Basel hatte Gelegenheit, mit Herrn Jacob de Haas, einem führenden Mitglied der amerikanischen zionistischen Organisation, zu sprechen. Herr Jacob de Haas ist ein alter Zionist, der sich schon am 1. Zionistenkongreß in Basel im Jahre 1897 beteiligte. In der zionistischen Organisation Amerikas führt er das Referat über Einwanderungsfragen. Seine untenstehenden Aeußerungen beleuchten die bedauerliche Praxis der Palästinaverwaltung kapitalskräftigen Einwanderern gegenüber. Wir erwarten, daß die neue Exekutive sich dieser Angelegenheit tatkräftig annehmen wird, Die Redaktion. Die derzeitige Leitung der zionistischen Organisation in den Vereinigten Staaten amtiert seit dem 4. Juli 1930. Seither sind bei uns schon Hunderte von Juden erschienen, die nach Palästina auswandern wollten, und zwar zum Teil mittellose Personen, die sich um Einwanderungszertifikate bewarben, aber auch kapitalskräftige Menschen. Der Andrang von Einwanderungsbewerbern ist ständig im Wachsen begriffen, insbesondere nach dem Erscheinen von Passfields Weißbuch war ein starker Zustrom zu vei eichnen. Das hatte zwei Gründe: Einerseits hatte sich die ökonomische Lage verschlechtert, anderseits aber erweckte die Erbitterung gegen das Unrecht des Weißbuches viele Juden aus ihrer Lethargie, und sie beschlossen, nach Palästina zu gehen, um durch praktische Arbeit in Palästina das Weißbuch zu paralysieren. Im Durchschnitt erhielten wir wöchentlich zehn Anfragen von Juden, die nach Palästina auswandern wollen. Viele von ihnen besitzen das Minimalkapital von 5000 Dollar, das sind 1000 Pfund. Es gibt aber viele Bewerber, die mehr Kapital haben, darunter zum Beispiel einen mit 120.000 Dollar. Die meisten Bewerber sind Familienväter, die mit ihrer Familie nach Erez Israel gehen und sich dort als Kleinindustrielle betätigen wollen. Dieser Auswanderungsdrang wird aber durch die Palästinaregierun" systematisch gehemmt. Alle Ansuchen um Visa nach Palästina, soweit sie von Bewohnern Amerikas und Kanadas kommen, gehen durch das Bureau des englischen Konsulats in New York. Der englische Konsul in New York behauptet nun, er habe kein Hecht, Kapitalisten Visa zu erteilen, ohne vorher bei der Palästinaregierung angefragt zu haben; er habe dieses Recht auch dann nicht, wenn das derzeit notwendige Mindestkapital von 1000 Pfund 5000 Dollar nachgevviesen werde, ln jedem einzelnen Fall muß der Einwanderungsbewerber einen Fragebogen ausfüllen, der im Wege des Konsulats mit der Post nach Palästina gesendet wird. Viele Fragebogen kommen zurück an den Konsul mit dem Auftrag, Untersuchungen anzustelien. Die kleinste Frist, binnen welcher das Visum an Kapitalisten erteilt wird, ist drei Monate, normalerweise aber vergehen vier bis sechs Monate. Man kann den Einwanderungslustigen schwer begreiflich machen, daß ein Jude, der noch dazu <3eld ins Land bringen will, nicht nach Palästina reisen darf, ohne monatelang darauf zu warten. Es kommen Fälle vor, daß Familien tausende Meilen weit mit ihrer Familie nach New York fahren, um nach Palästina zu übersiedeln, ln New York erfahren sie zu ihrem Schrecken, daß die Visaerteilung einige Monate in Anspruch nimmt. Sie müssen dann in New York eine Wohnung mieten, und diese Bedauernswerten kommen jeden Tag in unser Bureau, um zu fragen, ob die Antwort schon da sei. Viele von ihnen, die mit dem Mindestkapital von 1000 Pfund gekommen sind, verbrauchen in dem teuren New York das Geld zum Teil, sind dann gar nicht in der Lage, nach Palästina zu gehen und stehen schließlich mittellos und ohne irgendwelche Zukunftsaussichten da. Im vergangenen Jahr gab es mindestens 300 zur Auswanderung bereite Familien, die zusammen (bei vorsichtigster Schätzung) ein Kapital von etwa 3,000.000 Dollar nach Palästina gebracht hätten. Bisher ist es höchstens 35% der Bewerber gelungen, das Visum zu erhalten. Durch die langsame Bearbeitung der einzelnen Fälle seitens der Palästinaregierung gehen viele jüdische Energien und viel jüdisches Geld verloren. Auch die zionistische Organisation in Amerika leidet schwer unter dieser Praxis der Palästinaregierung, die dem Geiste des Mandats widerspricht. Wir gaben etwa 5000 Dollar allein für Depeschen und andere Unkosten aus, die mit der Visaerteilung in Zusammenhang stehen. In Kanada gibt es einige tausende jüdische Familien, von denen etwa zweihundert, die ausschließlich vom Ackerbau leben, gern ihre Tätigkeit in Kanada wegen der schlechten Getreidepreise liquidieren und nach Palästina auswandern möchten. Sie trauen sich aber nicht, ihren Grundbesitz zu verkaufen, wenn sie nicht vorher die Zusicherung erhalten, daß sie ins Land einwandern könen. Auch für diese Menschen müßte eine Möglichkeit geschaffen werden, ihnen die Kapitalistenvisa zu sichern, ehe sie ihren Grundbesitz verkaufen. Man kann diesen Leuten nicht zumuten, daß sie zuerst ihren Grundbesitz verkaufen, dann monatelang warten und schließlich die Einwanderungsbewiiligung nicht erhalten. Die ökonomische Struktur des jüdischen Mittelstandes in Amerika hat sich in den letzten fünf lahren gründlich zum schlechten geändert. Der Bankenkrach hat die Lage nur verschärft. Vorher gab es tausende jüdische Familien, die sich durch den Betrieb von Detailgeschäften in allen Branchen ihr Brot verdienten. Im Jahre 1926 begann in Amerika der Aufschwung der chain Stores (wörtlich Kettengeschäfte). Es handelt sich hiebei um Organisationen, die allmählich die Detailgeschäfte aufkaufen und unter einer einheitlichen Leitung zusammenfassen. Diese Bewegung ist ungeheuer groß; m manchen Fällen werden drei- Dis vierhundert Geschäfte von einer Gesellschaft erfaßt. Es gibt auch Kettenorganisationen, die acht- bis zwölftausena Geschäfte aufgekauft haben. Viele derartige Organisationen gaben auch Aktien heraus. Die früheren Detailkaufleute wurden Beamte und erhielten den Kaufpreis für ihr Geschäft in Aktien. Tausende von selbständigen, erwerbenden jüdischen Existenzen wurden auf diese Weise vernichtet. Man weiß, daß sich die Juden als selbständige Geschäftsleute wohler fühlen als im Beamtenstand. Viele von diesen ehemals selbständigen Existenzen haben das von der Gesellschaft erhaltene Geld in den großen Spekulationsepochen seit 1927 an der Börse verloren. Viele jüdische Existenzen büßten einen großen Teil ihres Vermögens dadurch ein, daß ihr Aktienbesitz entwertet wurde. Viele stehen heute ohne alle Mittel und ohne Beruf da. Diese traurige Tatsache ist in ganz Nordamerika, von New York bis Francisco, zu beobachten. Das ist auch der Grund dafür, warum es jetzt in Amerika so schwer ist, Geld für zionistische Zwecke zu erhalten; denn wie überall in der Welt war es auch in Amerika der jüdische Mittelstand, der für zionistische Zwecke über seine Verhältnisse hinaus Geld geopfert hat. Trotz ßankenkrach und Vernichtung von vielen jüdischen Existenzen des Mittelstandes gibt es heute noch viele jüdische Mittelständler, die soviel Geld haben, um als Kapitalisten nach Palätsina gehen zu können. Infolge der teuren Lebensverhältnisse und der erschwerten Erwerbsmöglichkeiten würden diese Leute in kurzer Zeit in Amerika ihren letzten Dollar ausgegeben haben. Wenn es aber diesen Menschen möglich wäre, mit ihrem Kapital nach Palästina auszmvandern und dort nutzbringende Arbeit zu leisten, wäre damit die Möglichkeit gegeben, viele hunderte Familien vor dem Untergang zu retten und damit gleichzeitig Palästina zu nützen. Diese Menschen wollen auch deswegen nach Palästina aiiswandern, weil sie für ihre Kinder in den Vereinigten State» keine Existenzmöglichkeit sehen. Der Antisemitismus wird von Tag zu Tag größer. Viele Berufsschulen, zum Beispiel Rechtsschulen, Architekturschulen usw., verschließen ihre Pforten überhaupt vor Juden. So breitet sich in Amerika eine große Judenriot aus, die Erleichterung durch Auswanderung nach Palästina sucht. Unser Freund und Gesinnungsgenosse Brodie hat daher mit besonderem Nachdruck beim Kongreß die Notwendigkeit der Förderung der Privatinitiative durch Mittelstandskolonisation in Palästina vertreten. Wir hoffen, daß die Exekutive tatkräftig dahin wirken wird, daß Kapitalisten, die nach Palästina auswandern wollen, dies ungehindert tun können — ohne, wie bisher, durch eine schikanöse Praxis der Palästinaadministration gehindert zu werden. Jlus Palästina Die Stadtverwaltung von Haifa darf nur ln England kaufen. Die Regierung hat die Gemeindeverwaltung von Haifa beauftragt, das Röhrenmaterial für die Kanalisierungsaniage der Stadt in England zu kaufen. Bisher bezog die Gemeindeverwaltung die Kanalisationsröhren aus Belgien und Deutschland zu einem niedrigeren Preis, als sie in England zu haben sind. Die Regierung hat die Stadtverwaltung auch daran gehindert, die Röhren von der Röhrenfabrik in Tel-Aviv, mit der die Stadtverwaltung von Haifa einen Vertrag abschließen wollte, zu beziehen. Die Anordnung der Palästina-Verwaltung steht im Widerspruch zum Artikel 18 des Palästina-Mandats, in dem festgelegt wird, daß in Palästina eine unterschiedliche Behandlung von Waren aus irgendeinem dem Völkerbund angehörenden Staate - nicht gemacht werden darf. Amnestie für illegale Einwanderer in Palästina? Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, sollen alle seit der letzten palästinensischen Volkszählung illegal nach Palästina eingewanderten Juden, deren Zahl auf fast 10.000 geschätzt wird, im Wege einer allgemeinen Amnestie anläßlich der bevorstehenden Volkszählung . die gesetzliche Aufenthaltsbewilligung und das Recht zur Eintragung in die Volkszählungslisten erlangen. Erleichterung der jüdischen Mittelstandseinwanderung? Es verlautet, daß die Pa'.ästinaregierung die gesetzlichen Bestimmungen für die Einwanderung nach Palästina in der Weise abzuändern gedenkt, daß künftighin Angehörige des jüdischen Mittelstandes, die auch weniger als 1000 Pfund besitzen, zur Einwanderung in der Kategorie der Immigranten mit eigenem Kapital zugelassen werden sollen. Ein rabbinischer Berater für Klagemauerfragen. Für die in der Entscheidung der Klagemauerkommission vorgesehene Stellung eines bevollmächtigten Vertreters des Rabbinats von Jerusalem, der einen ständigen Kontakt mit der Palästinaregierung zum Zweck der Regelung des jüdischen Andachtsdienstes vor der Kiagemauer aufrechterhalten soll, wurde vom Jerusalemer Oberrabbinat im Einvernehmen mit Rabbi Sonnenfeld, dem Oberhaupt der Agudas Jisroel-Gemeinde, Rabbi Isaac Ornstein nominiert. Ein neuer Gouverneur für den Distrikt Jerusalem. Es verlautet, daß der Gouverneur von Jerusalem Keith Roach entweder Palästina verlassen oder zum Gouverneur von Nordpalästina ernannt werden soll. Zum Gouverneur von Jerusalem und ganz Südpalästina soll der bisherige Gouverneur des Jaffaer Distrikts Campbell, der wegen seiner wohlwollenden und korrekten Haltung gegenüber den Juden bekannt ist, ernannt werden. Keine Intervention der Agudath Jisrael beim Mufti. Die Zentrale der Agudath Jisrael dementiert die in der palästinensischen Presse gebrachte Nachricht, daß sie sich an den Mufti mit dem Ersuchen wandte, auf die moslemischen Fußballmannschaften in Beiruth und Aegypten einzuwirken, sich an Fußballkämpfen in Jerusalem am Sabbath nicht zu beteiligen. Jüdische Arbeiter wegen Widerstandes gegen die Polizei angeklagt. Gegen 7 von den 12 jüdischen Arbeitern, die vor einem Monat in Afuleh anläßlich einer Demonstration für das Recht jüdischer Arbeiter, bei dem Bau der durch Afulah führenden Straße beschäftigt zu werden, verhaftet worden waren, wurde ein Verfahren wegen Teilnahme an einer unerlaubten Versammlung und tätlichen Widerstandes gegen die Polizei eingeleitet. Palästinensische Revisionisten an Jabotinsky. Die Exekutive der revisionistischen Partei Palästinas, die Leitung der Jugendorganisation Brith Trumpeldor, die revisionistische Arbeiterpartei und der Redaktionsstab der revisionistischen Tageszeitung «Haam» haben an Wladimir Jabotinsky ein Telegramm folgenden Inhaltes gerichtet: «Wir stehen zu Ihnen, dem Schöpfer der neuen zionistischen Organisation.» pioaoioioiOBOBoaoRoaoicgi ö Wenn 3/inen unser fötatt äefüttt, empfehlen Sie es, bitte, bei iedei Qetegenheit alten Ihren Freunden und Bekanntem Geben Sie am Adressen an, an die wir Probe• r nummern unserer Zeitung ab- ] senden können. ■sBOBOBOBCDBOBOBOBOBOBOBol ■ 0 ■ 0 ■ 0 ■ 0 Prof. Brodetsky gegen Dr. Eder Dr. M. D. Eder, der Präsident der englischen zionistischen Organisation, gab der J. T. A. ein Interview, in dem er u. a. über die neue Exekutive ausführte: Farbstein hat während des Kongresses mit den Revisionisten für ihre Judenstaatsdeklaration gestimmt. Newman ist ein Anhänger von Dr. Wise und Locker ein Marxist. Dr. Arlosoroff soll zum Brith Schalom hinneigen. Von der neuen Exekutive muß angenommen werden, daß sie der Mandatarmacht unfreundlich gegenübersteht und an der Araberfragc kein Interesse zeigt. Auf diese Anwiirfe Edcrs antwortete Brodetsky in einem offenen Brief, in dem er sagt: «Ich bedaure, feststellen zu müssen, daß Sie mit Ihrer Erklärung über die neue Exekutive dem Zionismus keinen Dienst erwiesen haben. Ihr« Behauptungen sind das Gegenteil der Wahrheit. Der Kongreß hat eine Exekutive gewählt, von der man sagen muß, daß sie die sogenannte Weizmannsche Politik fonsetzt, da sie in ihrer Majorität bekannte Anhänger und Mitarbeiter Weizmanns enthält.» Brodetsky wirft dann Eder vor, daß er, obwohl er bereits am Mittwoch den Kongreß verlassen mußte, die nachher eingetretenen Ereignisse nicht würdigt. Er schreibt weiter: «Wir standen vor folgender Want: sollten wir die Misrachisten und die Allgemeinen Zionisten der Gruppe B in eine Alliance mit den Revisionisten treiben oder sollten wir die Misrachisten und die Gruppe B der Allgemeinen Zionisten zu einer Alliance mit den Arbeitern und der Gruppe A der Allgemeinen Zionisten veranlassen? Die erste Alternative hätte politischen und finanziellen Zusammenbruch unmittelbar nach sich gezogen, tn einer Konferenz führender britischer Zionisten, an der u. a. Dr. Weizmann, Goldbloom, Stein und Simon Marks, ferner britische und amerikanische Nichtzionisten und Allgemeine Zionisten der Gruppe A teilnahmen, wurde beschlossen, die zweite Alternative zu wählen,» Wenn Dr. Eder sagt, daß die neue Exekutive aus heterogenen Elementen zusammengesetzt ist, so muß an Brodetskys Antwort erinnert werden, daß Eder im Jahre 1929 in Zürich für eine derartige Exekutive gestimmt habe, die sich auf Rabbi Berlin bis Kaplansky erstreckte. Wenn die britischen Zionisten mit Dr. Eder übereinstimmen sollten, dann sei eine Hoffnung auf eine erfolgreiche Tätigkeit Brodetskys stark herabgedrückt und er würde die entsprechenden Konsequenzen ziehen müssen- Antisemitismus in alter 'Wett Antisemitische Propaganda In Polen Das Zentralorgan der Nationaldemokratischen Partei «Gazeta Warszawska» hat in ihren beiden letzten Nummern Artikel veröffentlicht, die heftige Angriffe und ernste Drohungen gegen die jüdische Bevölkerung enthalten. In den von den nationaldemokratischen Führern Nowaczynski und Professor Rybarski verfaßten Artikeln werden die Juden für die gegenwärtige schwierige ökonomische Lage in Polen verantwortlich gemacht. Prof. Rybarski erklärt, in den nationalen Kreisen Polens werde der Unmut über die Juden wachsen, wenn diese weiterhin die Politik der Regierung stützen. Wenn von der polnischen öffentlichen Meinung ein Feldzug gegen die Juden eröffnet werde, so sei dies nur die natürliche Folge der jüdischen Politik in Polen. Die jüdische Presse kommentiert lebhaft diesen Artikel, der als eine direkte Drohung gegen die Juden aufgefaßt wird. Die Zeitungen weisen darauf hin, daß schon lange nicht so gehässige antisemitische Artikel in Polen veröffentlicht wurden. Pogromhetze in Wolhynien Die jüdische Bevölkerung des Städtchens Rafalowka in Wolhynien ist von lebhaften Befürchtungen wegen der möglichen Folgen einer antisemitischen Hetzrede erfüllt, die der Ortsgeistliche am letzten Sonntag gehalten hat. Der Geistliche behandelte in seinem Vortrag das Thema «Christliche Zivilisation und Bolschewismus». Im Verlauf seiner Ausführungen erklärte er, Juden und Bolschewiken seien dasselbe. Die Juden, die Jesus getötet hätten, beabsichtigen, auch alle Christen zu töten. Der Geistliche, der vor kurzem heimlich Sowjetrußland besucht hat, erzählte, er habe selbst festgestellt, daß alle Kommissäre Juden sind. Am Schlüsse seines Vortrages forderte er seine Zuhörer im Namen des Christentums und des polnischen Patriotismus auf, siel) aller Juden zu entledigen, denn diese seien durchweg «erbitterte Feinde Polens». Protestversammlung gegen die Exzesse ln Saloniki. Paris, 24. Juli. (J. T. A.) Am Donnerstag, den 23. Juli, fand in Paris eine von der Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus einberufene Massenprotestversammlung gegen die judenfeindlichen Ausschreitungen in Saloniki statt. An der Versammlung nahmen über 8000 Personen teil. Ansprachen hielten der ehemalige französische Ministerpräsident Caillaux, Bernard Lecache, Rabbi Levi und eine Anzahl anderer hervorragender Redner, unter ihnen Mitglieder des französischen Kabinetts. 200 jüdische FlüchtllngsfamllJen wollen aus Griechenland nach Smyrna zurückkehren Die türkischen Zeitungen bringen ein gleichlautende» Telegramm aus Smyrna, wonach 200 jüdische Familien, die seinerzeit mit der griechschen Bevölkerung aus Smyrna nach Griechenland ausgewandert sind, sich an die türkische Re« gierung in Angora und an den Gouverneur von Smyrna mit der Bitte gewendet haben, ihnen zu erlauben, nach Smyrna zurückzukehren. Die türkische Regierung hat eine diea» bezügliche Entscheidung noch nicht getroffen. i

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