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Die Stimme · 1931-07-30 · Heft 186 (30.7.1931) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 186 (30.7.1931)
Date
1931-07-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DfE STIMME Nr. 186 — 30. Juli 1931 Wiener Wochenschau Die Wiener Arbeiterolympiade, die Sonntag, den 26. Juli mit einem Festzug der Arbeitersportler über die Ringstraße beendet worden ist, gab der jüdischen, aber auch der nicht jüdischen Bevölkerung unserer Stadt Gelegenheit, die prächtigen Arbeitersportler aus Palästina kennenzulernen und ihre Leistungen zu bewundern. Am Donnerstag, den 23. Juli, fand im Wiener Stadion ein Fußbailwettkampf Palästina—Ungarn vor einer Zuschauermenge von 60.000 Personen statt. Es ist bezeichnend, daß gerade dieses Match im Stadion ausgetragen wurde, da doch alle anderen Fußballspiele, die für denselben Tag angesetzt worden waren, auf anderen Sportplätzen vor einem bedeutend kleineren Publikum absolviert wurden. Der Grund hierfür ist in dem Umstand zu suchen, daß die Palästinasportler eine wahre Attraktion der Olympiade waren. Leider hat das Match selbst in gewisser Hinsicht enttäuscht. Es endete mit dem Resultat 3:1 für Ungarn. Bis zur Halbzeit waren die Blau-Weißen tührend und brachten den Gegner öfter in gefährliche Positionen vor dem Tore, die aber leider nicht ausgeniiizt werden konnten, da die Palästinenser von Pech verfolgt wurden. Als die erste Spielhälfte mit dem Resultat 1:1 beendet wurde, herrschte allgemein die Meinung, daß nach der Pause die Palästinenser zweifellos den Sieg erringen würden. Das Gegenteil jedoch ist eingetroffen. Wie uns Herr Sciiochat, der Führer der Arbeitersportier aus Palästina, mitteilt, ist das Matchergebnis darauf zurückzui'iihren, daß die Palästinenser noch sehr müde von der Reise waren und die Sportplätze in Palästina kleiner und auch sonst anders sind. Daß das Resultat des WettkampL-s mit Ungarn nicht der Stärke der Alnrrschaften entsprach, beweist auch die Tatsache, daß in dem nächsten Match gegen Dänemark, das eir.e bedeutend stärkere Mannschaft als die ungarische ist, Palästina mit 3:2 (3:0) gewann. Sympathisch wirkte der Umstand, daß das Publikum nicht wie sonst streng nach zwei Parteien geteilt war, sondern den Palästinensern trotz der Niederlage oftmals bei Betreten und Verlassen der Kampfarena lebhafte Ovationen darbrachte. Jedenfalls war es eine helle Freude, im Wiener Stadion die blauweißen Sportler mit einem Magen Dawid auf der Brust als Gegenstand lebhafter Akklamationen einer sechzigrausendköpfigen Menge zu sehen. Diese Ovationen wiederholten sich in noch größerem Maße bei d@m samstägigen Fackelzug, in dem die palästinensischen Sportler an der Spitze marschierten, wie auchhbeim Ringstraßenfestzug am Sonntag. . Ueberail wurden ihnen aus dem Spalier begeisterte Begrüßungsworte zugerufen: «Schalom» und «Bravo, Palästinenser!» erschallte es unzähligemal. Beim gemeinsamen Turnen haben sich ebenfalls 36 Palästinenser beteiligt. Die Fußballmannschaft begab sich jetzt nach Deutschland auf eine Tournee, von dort reist sie nach Polen, um dann nach Palästina zurückzukehren. An der Weltkonferenz der Poale Zion, die von Dienstag, den 21. bis Samstag, den 25. Iuli in Wien tagte, beteiligten sich 20 Delegierte aus Polen, Palästina, Amerika, England, Litauen, Oesterreich und der Tschechoslowakei. Die Verhandlungen waren vertraulich. Wie wir erfahren, war die Oeffentlichkeit aus dem Grunde von den Verhandlungen ausgeschlossen, weil auf der Tagesordnung außer den Berichten nur ein einziger Punkt, und zwar die V e r e i n i g u ng mit derHitachd u t h stand. Allgemein war die Meinung, daß es zu einer Vereinigung zwischen Poale Zion und der Hitachduth kommen müsse. (In Palästina ist das schon der Fall). Eine Streitfrage bildete nur das Problem, w i e diese Vereinigung in Angriff genommen werden könne, welche programmatische Grundlage für die Vereinigung geschaffen und ob die Vereinigung in der ganzen Welt oder bloß in einzelnen Ländern durchgeführt werden solle. Es wurde als programmatische Grundlage beschlossen: Die Vorbedingungen der Vereinigung sind erstens Zugehörigkeit zur Sozialistischen Internationale, zweitens Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation, drittens die Führung der sozialistischen Politik in den Ländern, viertens die Aufstellung einer Forderung nach Gleichberechtigung der hebräischen und der jiddischen Sprache im Kultur- und Erziehungswerk, wobei Jiddisch als die Sprache der nationalen Autonomie anerkannt wird. Es wurde ferner beschlossen, im Laufe der nächsten sechs Monate die Vereinigung im Weltmaßstabe anzustreben. Sollten sich ernste Schwierigkeiten ergeben, so darf die Vereinigung auch in einzelnen Ländern auf der oben angeführten Grundlage durchgeführt werden. Für den Fall, daß keine Vereinigung zustande kommen kann, sind alle Landesparteien, die die beschlossene Grundlage akzeptieren, fähig, in den neuzuschaffenden gemeinsamen Verband aufgenommen zu werden. Schließlich wurde beschlossen, nach längstens zwei Jahren eine gemeinsame Weltkonferenz aller beteiligten Parteien einzuberufen. An dern Kongreß der Arbeiterinternationale, der jetzt in Wien tagt, beteiligen sich auch zehn Poalezionisten. Wie wir er- < fahren ist die Wahrscheinlichkeit klein, daß die Palästinafrage im Plenum des Kongresses angeschnitten werde. Es besteht jedoch die Möglichkeit, daß im Zusammenhang mit der Erörterung der Frage der Weltwirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit auch das jüdische Problem in Bezug auf Wanderung, Recht auf Arbeit und Palästina von einem poalezionistischen Delegierten angeschnitten werden wird. — Sonntag, den 26. Juli, fand in Wien eine gutbesuchte Versammlung, einberufen von der Liga für das Arbeitende Palästina, statt, ln dieser Versammlung, in der Dr. Leo Goldhammer den Vorsitz führte, sprachen über den soeben zu Ende geführten Zionistenkongreß die Mitglieder der Exekutive Dr. Chaitn Arlosoroff und Berl Locker. An der Versammlung nahm auch teil und sprach der französische Sozialistenfiihrer Jean Longuct, der eine herzliche Rede über das Palästinawerk hielt. Wir werden über diese Versammlung in unserer nächsten Nummer ausführlich berichten. Die zweite Tagung des Council der Jewish Agency Wir ergänzen hiemit unseren Bericht, den wir in der letzten Nummer der «Stimme» veröffentlicht haben. Die Redaktion. Der Council der Jewish Agency hat in seiner Sitzung vom 17. Juli folgende politische Resolutionen einstimmig angenommen. I. Der Council der Jewish Agency billigt die Handlungsweise seiner Vertreter in den Verhandlungen, die zu dem Brief des Premierministers vom 13. Februar 1931 an Doktor Weizmann geführt haben, und nimmt von der Erklärung des Premierministers, betreffend den autoritativen Charakter dieses Dokuments, Kenntnis. Der Council würdigt diejenigen Zusicherungen und Definitionen des Briefes, in welchen die Bereitschaft der Mandatarregierung zum Ausdruck kommt, die durch das Weißbuch vom Oktober 1931 erweckten ernsten Befürchtungen des jüdischen Volkes zu zerstreuen. Der Council stellt fest, daß der Brief keine vollständige Erklärung der Regierungspolitik darstellt und auch Vorbehalte enthält, die zu Befürchtungen Anlaß geben. Der Council erwartet, daß Seiner Majestät Regierung in *diesen Punkten mit der Jewish Agency zu einer befriedigenden Regelung im Sinne des Mandats kommen wird. Der Council erachtet den Brief als Basis für weitere Besprechungen der Jewish Agency mit der Mandatarmacht, um die im Briefe dem jüdischen Volke gegebenen Zusicherungen zur Verwirklichung zu bringen und Bedingungen zu schaffen, die die ungestörte Entwicklung des jüdischen Nationalheimes sicherstellen. II. Der Council lenkt die Aufmerksamkeit auf die fortgesetzten Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem jüdischen Landkauf, jüdischer Einwanderung und der Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten in Palästina trotz des Briefes des Premierministers vom 13. Februar 1931. Darüber hinaus ist das Gesetz zum Schutze der Pächter in einem den jüdischen Bodenerwerb überaus erschwerenden Sinne abgeändert worden. In Anbetracht dessen fordert der Council die Mandatarregierung dringend auf, sofort Maßnahmen zu treffen, um die berechtigten Forderungen der Jewish Agency, betreffend die oben erwähnten Punkte, zu befriedigen. III. Der Council der Jewish Agency gibt noch einmal seinem ernsten Wunsche nach Herstellung einer dauerhaften Verständigung zwischen Juden und Arabern in Palästina auf der Basis gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Achtung Ausdruck und bekundet zugleich seine Ueberzeugung, daß Juden und Araber ein gemeinsames Interesse an der friedlichen Entwicklung Palästinas haben. Der Council beauftragt die Exekutive, weiter an der Herstellung harmonischer Beziehungen zwischen Juden und Arabern unter dem Mandat zu arbeiten, Beziehungen, die darauf gegründet sind, daß beide Parteien den Grundsatz akzeptieren, daß keine Partei herrschen oder von der anderen beherrscht werden soll. Finanzbericht — Annahme des Budgets Nach Annahme der politischen Resolutionen erstattete Dr. Bernhard Kahn den Bericht der Kommission über Budget und Finanzen. Das Budget enthält einen Ausgabenposten von 351.000 Pfund. An Einnahmen sind das Ergebnis der Sammlungen des Keren Hajessod im Betrage von 250.000 Pfund, ferner 45.000 Pfund von der Hadassah festgestellt. Zur Summe von 351.000 Pfund kommen wir, weil auch gewisse andere Möglichkeiten vorhanden sind, Gelder liquid zu machen. Wir können unsere Arbeit nicht fortsetzen, wenn wir nicht innerhalb der nächsten zwei Monate mindestens 100.000 Pfund aufbringen. Ein Anfang ist hier gemacht worden, etwa 15% dieser Summe sind schon aufgebracht Erfreulicherweise hat uns auch Amerika in einem Kabel mitgeteflt, daß die Erwartungen für die nächsten zwei Monate größer sind, als wir erhofft haben, daß wir auch von Amerika außer den regelmäßigen Einnahmen einen Beitrag zu den erwähnten 100.000 Pfund bekommen werden. Es wird und muß unsere Aufgabe sein, und dazu ruft Sie die FInanzkomission auf, an der Aufbringung dieser Summe in den nächsten zwei Monaten mitzuarbeiten. Außerdem leiden wir sehr unter drückenden Verpflichtungen, ferner darunter, daß gewisse Aufgaben sich nicht in ein Budget zwängen lassen, daß dagegen das Geld, das wir aufbringen, w ein festgefügtes Budget gezwängt wird. Um hier einen Ausweg zu schaffen, sind weitere 100.000 Pfund notwendig, die im Laufe dieses Jahres aufgebracht werden müssen. Es muß eine Körperschaft vorhanden sein, die die Möglichkeit hat, mit den vorhandenen Mitteln so zu wirtschaften, daß die Gesamtheit der Arbeit in Palästina nicht leidet. Das vorgeschlagene Budget nebst einer Reihe von Entschließungen werden angenommen. Resolutionen über Organisation Leon L e v i t e unterbreitet die Vorschläge der Organisationskommission, die sich in erster Reihe mit Fragen des Verhältnisses zwischen den Instanzen und Institutionen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency befaßt haben. Die Anträge der Organisationskommission werden ein* stimmig angenommen, unter anderen folgende Anträge: Wenn das Amt des Präsidenten der Agency frei wird, ist das Administrative Committee unverzüglich einzuberufen, um zu entscheiden, ob eine außerordentliche Tagung des Councils zur Besetzung dieses Amtes einberufen oder ob diese Aufgabe der ordentlichen Tagung des Councils überlassen werden soll. Bis zur Besetzung des freigewordenen Amtes ist die Exekutive ermächtigt, in Uebereinstimmung mit dem Vorsitzenden, beziehungsweise dem gemeinsamen Vorsitzenden des Councils und dem Vorsitzenden des Administrativen Komitees die Funktion des Präsidenten auszuüben. Der Vorsitzende des Administrative Committee gemeinsam mit dem Präsidenten der Jewish Agency hat in der Zeit zwischen den Sitzungen des Administrative Committee die Ausführung der Beschlüsse des Administrative Committee durch die Organe der Jewish Agency zu überwachen. Zum Schluß wurde eine Resolution betreffend Prüfung der Vorschläge wegen eines organisatorischen Umbaues der Jewish Agency, angenommen, die besagt: In der Erweiterung der Jewish Agency auf verbreiterter und ständig wachsender Grundlage erblickt die Organisationskommission eine notwendige Voraussetzung für die Verstärkung des Interesses des jüdischen Volkes in allen Ländern an der Jewish Agency und ihrem Programm des Wiederaufbaues des jüdischen nationalen Helmes ln Palästina. Das neue Administrative Committee In der sechsten und letzten Sitzung des Councils der Jewish Agency wurden — wie zum Teil bereits gemeldet — zum Präsidenten der Jewish Agency Nahum Sokolow, zum Ehrenpräsidenten Baron Edmond de Rothschild, zum Ehrenanwalt Leonhard Stein, zum Vorsitzenden des Council O. E. d'Avigdor G o 1 d s m i d, zum Mitvorsitzenden Dr. Lee K. Frankel, zu Vizevorsitzenden Prof. Speyer und Robert S z o 1 d gewählt. Joseph C. Hyman verliest die Vorschläge der Nominationskommission für die nichtzionistischen, Dr. Martin Rosenblüth die für die zionistischen Mitglieder und Ersatzmitglieder des Administrative Committee. Sie lauten: Nichtzionistische Mitglieder: Dr. Cyrus Adler, James Becker, Henry W i n e m am, Irving Lehman, Horace Stern, Solomon Lowenstein, Alexander Kahn, Lee K. Frankel, Dr. W. F i 1 d e r m a n n, Dr. Grigori Wolf, Dr. Leo B a e c k, 0. E. d'Avigdor G o 1 d s m i d, Nathan L a s k i, ein noch zu benennendes französisches Mitglied, Dr. Samuel G o 1 d f 1 a m, Dr. P a r n e s, Dr. Ader, Direktor Oscar Wassermann, Dr. Imanuel L o e w, Doktor Joseph Popper. Zionistische Mitglieder: M. Brown, Gedeljah Bublick, Dr. Berthold F e i w e 1, Elieser Kaplan, Ing. S. K ap 1 a n s k y, M. K a r p, Berl Kaznelson, Leo M o t z k i n, Felix Rosenblüth, Morris Rothenberg, David Remes, Salman Schocken, Dr. Emil Schmorak, Dr. Adolf S i 1 b e r s c h e i n, Dr. Max Soloweitschi k, Joseph S p r i n z a k, Robert S z o 1 d, Raw T e i t e l b a u m, M. M. U s s i s c h k i n, Dr. Stephen S. W i s e. Nichtzionistische Ersatzmitglieder: Major Nathan, Miß Netti Adler, Charles W. Cohen, Sir Meyer S p i e 1 m a n, Dr. Samuel D a i c h e s, Bruno Asch, Dr. J. Bla u, Dr. H, A s h k e n a z y, Dr. Bernhard Kahn, Dr. Joseph Landau, Dr. Isak Unna, Mr. M u s h k a 11, Dr. Einhorn, Oskar Kohn, Raphael Landau, F. Schleicher, Rabbi J.Lip« s c h i t z, Schalom A s c h, H. L. G l u c k m a n, R. B o 11 a g, Mr. Jefroykin, Dr. Alexander Mayer, Dr. Hermann H o r o w i t z, David F1 o r e n t i n, Alfred M. Cohen, Dr. Henry Cohen, Hon. Albert Cohn, Howard S. C u 11* man, Bernhard B. G i v e n, J. Kiser, Samuel Klaus, Dr. Nathan Kraß, Joseph C. H y m a n, M. L. B r e n t i s, Joseph L. S c h a n f e 1 d, Morris D. Waldmann, Samuel C. Lampert, Mr. Aisenstadt, Leo Simon, Albert H. L i e b e r m a n, Henry M o n s ky, Simon Lyon. Zionistische Ersatzmitglieder: Lazarus B a r t h, David Ben G u r i o n, Jizchak Berger, Rabbi Meir B e r 1 in, Rabbi B r o d t, Kurt B 1 u m e n f e 1 d, Dr. Oskar Cohn, Adda Fish man, A. J. Freim an, Dr. Nahum Qoldmann, Dr. Alexander Goldstein, Dr. Oskar Grünbaum, Abraham H a r z f e 1 d, Dov H o s, Mrs. Edvard Jacobs, J. L e r n e r, Dr. Schmarja L e v i n, Leon L e v i t e, Levi L «• win-Epstein. i

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