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Die Stimme · 1931-07-30 · Heft 186 (30.7.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 186 (30.7.1931)
Date
1931-07-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 136 — 30. Juli 1931 DIE STIMME Seite 3 Die Revisionisten auf dem XVII. Zionistenkongress Von Otto A b e 1 e s. Ist der Revisionismus wirklich der «Jungbrunnen der verkalkenden zionistischen Partei», die Bewegung zur Wiederherstellung des «reinen, unverfälschten Herzl-Zionismus», oder gar, wie Stricker sagte, die Rettungsinsel, auf der die revisionistische Führerschaft die verzweifelte Jugend sammelt, «damit sie nicht dorthin gehe, wo die Zerstörung ist»? — Nein. Wie sich diese Fraktion auf dem Kongreß präsentierte, ist sie eher das Couleurstudcntentum in der Politik, sozusagen ein Zionismus in schimmernder Wehr, forsch, proletenvcrachtcnd, aufs Schlagwort eingeschworen. ¥r Das Hauptschlagwort mit drei Ausrufungszeichen ist « ler Judenstaat». Nun hat Jabotinsky gleich zu Beginn der Generaldebatte Uber die Zielsetzung gesprochen und — hört, hört — die Kampfparole «Judenstaat» als gar nicht einwandfrei, als gar nicht sonderlich tauglich befunden. — «I£ s ist nie kla r,» sagte er, «ob man mit diesem Wort eine vollständige Unabhängigkeit bezeichnet oder nicht. Auch auf das Problem der Mehrheit gibt das Wort «Staat» keine A n t w o r t.» Er schlug daher namens der revisionistischen Fraktion eine Zielsetzungsresolution vor, in der die Begriffe «Judenstaat», «öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte», «Nationalheim» als gleichwertig nebeneinander gesetzt werden und als Zielsetzung «die Schaffung einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palästina zu beiden Seiten des Jordan» verlangt wird. Wozu er noch bemerkte, er hätte nichts dagegen, statt «zu beiden Seiten des Jordan» die Worte «Kolonisation im gesamten Mandatsgebiet» zu setzen. Bezüglich der Araberfrage proklamierte er die «vollständige Gleichberechtigung», wobei sich Jabotinsky — hört, hört — auf Otto Bauer berief. Aber die revisionistische Fraktion, eingedrillt auf «Judenstaat» (jede Verschleierung, Verdrehung ist Feigheit, nur immer feste druff!), wollte von einem derart reduzierten Jabotinsky nichts wissen. In jenem Kongreßstadium als Kronprätendent hätte er verantwortungsvoller und vorsichtiger sprechen müssen. Die revisionistische Fraktion hatte noch die Judenstaatsdemonstrationen der Volksversammlungen und die klare «tapfere» Erklärung des Führers in den begeisterten Ohren, daß wir über die Verständigung mit den Arabern erst reden könnten, wenn wir die Mehrheit im Lande hätten. * So kam es, daß diese vom Führer angekündigte Resolution überhaupt nicht eingebracht, sondern durch die richtige revisionistisch-tapfere «Judenstaats-Demonstration» ersetzt wurde. Der alte Palästinapionier Berl Katzenelson hatte recht, als er den Revisionisten (die in der schwersten Zeit nach den letzten Unruhen und nach dem Weißbuch die Losung der «Pause» gegeben haben), vorhielt, daß sie seit Jahren die merkwürdige Aufgabe eines Menschen erfüllen, der in einem finsteren Wald laut schreit und gerade dadurch den Bären herbeiruft, vor dem er sich fürchtet. Und als das Kronprätendententum für diesmal erledigt war, fiel jede Rücksicht und Vorsicht. Da brachte Jabotinsky den Antrag auf Kündigung der erweiterten Jewish Agency — den er doch, wäre er vorgesehen gewesen, in seine große Programmrede ebenso wie die anderen entscheidenden Maßnahmen einer Neuorientierung hätte aufnehmen müssen; da behandelte er Oscar Wassermann (jenen Wassermann, der bei der Eröffnung der Jewish Agency ausgerufen hat: «Man hat uns Erez Israel ohne Erez gegeben!»), mit infamer Mißachtung; da vergaß sich der Führer vollends, bestieg seinen Delegiertenstuhl, warf der Linken kleine Münzen zu und rief: «Hier habt Ihr Takziw!» Damit hat er jene verunglimpft, die das Kapital nach Erez Israel bringen, das gesamte heroische Chaluztum hat er als «Kostgänger» bezeichnet; damit hat er den Vorwurf Berl Lockers gerechtfertigt, der die revisionistische Fraktion «Antitakziw-Zionisten» nannte. Wie traurig ist es doch, die begeisterte «opferfähige, aber irregeleitete revisionistische Jugend bei solchen Szenen Staffage stehen zu sehen. Eine Gruppe, die sich derart auf Arbeiterfeindschaft und mit immer größerem Elan auf Rechtsradikalismus festlegt, ist bestimmt nicht die Hüterin der jüdischen Befreiungsidee, wie sie Herzl meinte. Revisionist Lichtheim erklärte die militärische Schulung als ein Postulat des «inneren Gesetzes unserer Bewegung» (in seiner Kronprätendentenrede sagte Jabotimfcy kein Wort von der Legion), und verwies unter stürmischem Beifall seiner Fraktion darauf, daß das von den Revisionisten geforderte Endziel schon in der Bibel stehe. — Nein! Die Versammlungsphrase, daß jeder fromme Jude «Gesinnungsgenosse» sein müsse, ist allzu entgegenkommend. Zionssehnsucht, messianlsche Hoffnung, historische Verbundenheit sind unendlich viel, aber nicht der Herzische politische Zionismus. Die Proklamierung unseres Rechtes auf nationales Eigenleben vor der Kulturwelt geht nicht auf den i Bibeltext zurück, ist weit späteren Datums, ist die Frucht des Jahres 1848. Die Zielsetzung, wie sie in der Bibel steht und wie sie die Bibel ineint, kann viel eher die antizionistische Agudah für sich in Anspruch nehmen. —* Und kein «inneres zionistisches Gesetz» hat unsere revisionistischen Braunhemden geschaffen. Paart man aber die beiden Argumente «Bibel» und «Militarismus», ruft man sie frisch, fröhlich und demonstrativ beklatscht von unserer Kongreßtribüne — dann ähneln sie verflucht der Parole «Mit Gott und Stahlhelm» und erweisen sich als stramme Rechtsassimilation. So ähnlich war es auch mit der «Hockhaltung der nationalen Belange», die den Jerusalemer Universitätsprofessoren von den Revisionisten vorgeschrieben wurde. So war es auch mit der Beifallssalve, die iosknatterte, als sich Ussischkin dahin verstieg, England, den Riesen Goliath, vor dem jüdischen Volk, dem kleinen David mit der Schleuder, zu warnen. — Nur immer feste druff! Bleibt zu erwägen, ob es nicht den Revisionisten zu danken ist, daß eine Verkleinerung der Idee, wie sie mancher Anhänger des Brith Schalom proklamiert hat, verhindert wurde. — Nein. Schon auf der vorjährigen Berliner Tagung des «Arbeitenden Palästina» hat die stärkste Kongreßfraktion durch Bin Gurion bestimmte Kundgebungen der Brith-Schalom-Anhänger schärfstens verurteilt, weil sie das Endziel verkleinern und sich dem Drange entgegenstellen, möglichst viele Juden nach Palästina zu bringen, einem Drange, der nicht nur nationaler Sehnsucht, sondern auch zwingender Notwendigkeit entspringt. Bei der Zusammensetzung und Stimmung des Kongresses war auch ohne revisionistischen Impetus keine Gefahr im Verzug, der Kongreßzionismus könnte erklären: Wir wollen niemals eine Majorität in Palästina erlangen. Feinei jüdisches Haus, beste Referenzen, streng* koscher, übernimmt Studenten in Pension. Ellberger, Frankfurt a/M. Hebelstraße Nr. 13 Führende Zionisten über die KongreOresultate Georg Halpern über die Stellung der Gruppe B ln der «Jüdischen Rundschau» umreißt ür. Georg Halpern, der als Vorsitzender der Permanenzkommission und Führer der Gruppe B der Allgemeinen Zionisten auf dem Kongreß eine einflußreiche Rolle gespielt hat, die Stellung seiner Gruppe, der es möglich gewesen ist, alle drei Ziele, die sie sich gesteckt hatte: Zielsetzungsresolution gegen jede Verkleinerung des Zionismus, Schaffung einer möglichst breiten Koalition, neue Exekutive ohne Weizmann, durchzusetzen. Die Situation ist nach George Halpern jetzt die folgende: Die neue Exekutive wurde von der Linken, der Gruppe B, dem Misrachi und der Gruppe A gewählt. Die Radikalen haben der Exekutive wohlwollende Neutralität zugesagt. In Opposition zu der neuen Leitung stehen a?so nur die Revisionisten; bei den inneren Vorgänger dieser Partei ist aber wohl die Hoffnung gerechtfertigt, daß der Kampf gegen die neue Exekutive auch nicht im entferntesten die Formen annehmen wird, die er bei dem Regime Weizmann aufwies. Die neue Exekutive wird sich also auf sehr wesentlich größere Kreise der Organisation als die alte stützen und in einer, nach Abschluß der unseligen Zielsetzungsdebatte, beruhigteren Atmosphäre arbeiten können. Daß die neue Leitung vor allem im Zusammenhang mit der akuten finanziellen Krise außerordentliche Schwierigkeiten zu überwinden haben wird, wird von keiner Seite bestritten. Aber die Tatsache, daß das Palästinawerk von einer im wesentlichen wieder geeinten Zionistischen Organisation getragen wird, ist ein Gewinn, mit dem die Mißhelligkeiten des XVII. Kongresses letzten Endes nicht allzu teuer bezahlt worden sind. Jabotinsky über die künftige Politik der Revisionisten ln einem Gespräch mit dem JTA.-Vertreter äußerte sich Vladimir Jabotinsky über die Lage innerhalb der revisionistischen Union und die Absichten der Revisionisten für die nächste Zukunft. Er erklärte, die Revisionisten würden auf ihrer Weltkonferenz, die sie im Dezember 1931 abhalten wollen, die Entscheidung treffen, ob sie ihre Versuche, die zionistische Organisation von innen zu erneuern, fortsetzen, oder ob sie eine neue Zionistische Organisation gründen sollen. Eine Meinungsverschiedenheit in den revisionistischen Reihen besteht nur bezüglich der Frage der Teilnahme der Revisionisten an den Sitzungen des Zionistischen Aktionskomitees. Dagegen seien alle revisionistischen Führer einmütig der Ansicht, daß die revisionistische Union ihre unabhängige politische # Tätigkeit fortsetzen soll und daß die Revisionisten den lokalen zionistischen Verbänden nicht länger angehören sollen. Auch darüber, daß die Frage einer || &asneueQeUntertt4Mabudh „Hadamar“ von J. Herzberg das Erlernen des Hebräisch-Lesens und j > -Schreibens und der Anfangsbegriffe der hebräischen < 1 Sprache in 38 Lektionen. 1 Äfteriflfl erAdflfldhr Beteiligung der Revisionisten am nächsten Zionistenkongreß bis zur Eröffnung der Schekelkampagne 1933 in Schwebe bleiben soll, bestehe keine Meinungsverschiedenheit. Schließlich gab Jabotinsky seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß auf der Weltkonferenz im Dezember ein einstimmiger Beschluß über das künftige Verhältnis der Revisionisten zur zionistischen Organisation zustande kommen werde. Bis dahin habe er sich das Recht Vorbehalten, für seine persönlichen Ansichten einzutreten, die dahin gehen, daß höchstens eine «symbolische» Verbindung mit der Zionistischen Organisation etwa in der Weise aufrecht erhalten werden soll, daß die Revisionisten auf dem Kongreß durch 10 Delegierte und im Aktionskomitee durch 2 Mitglieder vertreten werden sollen, die gewissermaßen als «Beobachter» zu fungieren hätten. Er sei jedoch entschieden dagegen, daß die Revisionisten, und sei es auch als Oppositionspartei, mit der Zionistischen Organisation künftighin tatsächlich Zusammenarbeiten. Dr. Wise über die Haltung der amerikanischen Delegation Dr. Stephen S. Wise äußerte sich in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter über die von der amerikanischen Delegation auf dem Zionistenkongreß beobachtete Haltung und erklärte u. a., es sei nicht die Absicht der Amerikaner gewesen, gegen Weizmann persönlich aufzutreten, sondern im Interesse der Bewegung, eine Aenderung des Regimes herbeizuführen und zu bewirken, daß die Leitung sich künftighin Kompromissen weniger geneigt zeige. Die amerikanischen Zionisten seien stets für den Frieden mit den Arabern, wenn auch nicht in dem kleinmütigen Geist der Brith Schalom-Gruppe, eingetreten. Sie hätten auch nicht gegen England, sondern nur dagegen Stellung genommen, daß der englischen Regierung gegenüber unaufhörlich Konzessionen gemacht werden und daß man sich jeder Maßnahme der Palästina-Verwaltung unterwerfe. Die amerikanische Delegation habe mit allen Mitteln versucht, eine Auflösung der Jewish Agency zu verhindern, sie sei mit den Arbeitern gegen die Revisionisten für die Aufrechterhg^ung der Jewish Agency eingetreten. Auch in der Frage des Judenstaates und der jüdischen Mehrheit in Palästina habe sie mit den Arbeitern gegen die Revisionisten gestimmt. Sie habe sich schließlich auch an der neuen Koalitionsleitung beteiligt, in die bloß die Revisionisten nicht eintreten wollten, und habe sich damit einverstanden erklärt, daß die Arbeiterfraktion in der neuen Exekutive am stärksten vertreetn sei. Lipsky über die neue zionistische Leitung Louis Lipsky, der Führer der Weizmann-freundlichen üppositionsgruppe in der amerikanischen Kongreßdelegation, erklärte in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter, die amerikanischen Zionisten hätten keinen Grund, mit der-in Basel neugewählten Exekutive unzufrieden zu sein. Da» Ausscheiden Weizmanns wurde zwar von der großen Zflhl seiner Freunde in Amerika schmerzlich empfunden werden, aber auch der neugewählte Präsident Sokolow werde von der amerikanischen Judenheit hoch geschätzt. Louis Lipsky begrüßte auch die Wahl Prof. Brodetskys, von dem er sagte, er habe in den letzten Jahren an Erfahrung gewonnen und sich auf dem Kongreß durch die Klarheit und Schärfe seines Denkens ausgezeichnet. Der Eintritt Emanuel Newmans in die Exekutive werde alle zionistischen Gruppen in Amerika befriedigen. Schließlich seien Dr. Arlosoroff und Berl Locker würdige Nachfolger Sprinzaks und Kaplanskys. Es handle sich bei der neuen Exekutive in der Tat um ein Weizmann-Regime ohne Weizmann. Dr. Wise, fuhr Louis Lipsky fort, habe in dem Interview, das er kürzlich der J. T. A. gegeben hat, den Versuch gemacht, von der Sorglosigkeit der Erklärungen und Aktionen zu den nüchternen Tatsachen des alltäglichen zionistischen Lebens zurückzukehren. Auf dem Kongreß sei die Mehrheit der amerikanischen Delegierten In der Frage des Endziels ebenso radikal gewesen wie die Revisionisten und habe erst nach dem Eintreffen des Telegramms des Waad Leumi eine gemäßigtere Haltung eingenommen. Das Hauptziel der Delegation sei der Sturz Weizmanns gewesen. Zur Erreichung dieses Ziels habe sie die «Majoritäts»- Resolution, das Weizmann-Interview und die Bundesgenossenschaft der Revisionisten benutzt. Die gegen Weizmann gerichtete Resolution wurde mit 122 Stimmen der Amerikaner, der Revisionisten, des Misrachi und der Mehrheit der Schwarzbart-Oruppe gegen die Arbeiter, die Eder- Gruppe und die amerikanische Minoritätsgruppe angenommen. So wurde Weizmann ausgeschaltet. Die neue Exekutive jedoch sei in einer Weise zusammengesetzt, als hätte Dr. Weizmann selbst die Auswahl ihrer Mitglieder vorgenommen. Denn sie entspreche in ihrer Zusammensetzung eigentlich ganz der früheren: Sokolow stehe an der Steile Weizmanns, an Stelle von Sprinzak und Kaplansity wurden Dr. Arlosoroff und Locker gewählt, an die Stelle Rabbi Berlins trat Farbstein und Emanuel Newman etwa an die Dr. Ruppins und Colonel Kischs. für

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