Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1931-07-30 · Heft 186 (30.7.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 186 (30.7.1931)
Date
1931-07-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3053752-3053911-3053940--2483-3057915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seit« 4 DIE STIMME Nr. 1«S — 30. Juri 1931 Zionisten! Schicket eure Kinder in die jüdische Schule! Chalesraalgymnasium / OeffcnlHohkettsrecht / Staatsgültlga Zeugnisse / Hebräisch Englisch / Latein / Aufnahme in allen Klassen II., Castelle? gasse 35 Telephon R-48-2-82 Sokolow über die Richtlinien der künftigen zionistischen Politik Der neugewählte Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency legte in einem Oespräch mit dem J. T. A.-Vertreter die Gründe dar, die ihn zur Uebernahme seines Amtes bewogen haben, und entwickelte im Anschluß daran die Richtlinien, nach denen seiner Meinung nach die zionistische Politik in nächster Zeit geführt werden muß. Ich bin mir der Schwierigkeit der Aufgabe, die ich durch Annahme der Wahl zum Präsidenten der Zionistischen Organisation übernommen habe, bewußt, erklärte Nahum Sokolow. Ich sah keinen anderen Ausweg und habe mich deshalb entschlossen, dieses hohe verantwortungsvolle Amt zu übernehmen. Ich habe die Wahl dankbar, ohne Parteilichkeit oder Groll gegen irgend jemand angenommen. Im Gegenteil. Ich war dabei von einem Gefühl der Liebe, der Kameradschaft und des Vertrauens durchdrungen. Meiner Ansicht nach besteht die unmittelbare und wichtigste Aufgabe in der Fortsetzung der Arbeit in Erez Jisrael, wobei natürlich in erster Reihe die Kolonisationsarbeit und die industrielle Entwicklung, die wir zum Teil durch eigene Mittel, zum Teil dadurch gefördert haben, daß wir ihr von Zeit zu Zeit beistanden, in Betracht zu ziehen sind. Ich möchte erklären, fuhr Sokolow fort, daß wir trotz der finanziellen Schwierigkeiten, die hauptsächlich durch die jetzt noch akutere Formen annehmende Weltkrise bedingt sind, Fortschritte gemacht haben, die bedauerlicherweise von der öffentlichen Meinung nicht hinreichend gewürdigt werden. Ich möchte hervorheben, daß unsere Arbeiterbevölkerung in Palästina sich mehr und mehr akklimatisiert; sie hat viel gelernt und viel Erfahrung gewonnen. Unabhängig von dem Ausmaß und dem Tempo unseres quantitativen Fortschrittes ha- •beh wir zweifellos auch qualitative Fortschritte zu verzeichnen. arn,A8gesehen davon, daß unsere Pioniere viel gelernt haben, zeigt auch unsere palästinensische Jugend im Gegensatz zu den Pionieren der ersten Periode eine größere Anpassungsfähigkeit an die Arbeit in Erez Israel; diese jungen Leute sind wirkliche Palästinenser im besten zionistischen Sinne des Wortes geworden. Ich hoffe, daß die Juden der ganzen Welt trotz aller Schwierigkeiten an dieser Konsolidierungsarbeit bis an ,dj,e äußerste Grenze ihrer Leistungsfähigkeit teilnehmen werden. Insbesondere müssen unsere beiden großen Fonds, der Jüdische Nationalfonds und der Keren Hajessod, gestärkt werden. ' ' Ich hoffe auch, damit rechnen zu können, daß der jüdische Mittelstand sich in privater Initiative der Entwicklung verschiedener Unternehmungen, insbesondere auf dem Gebiete der Heim- und Kleinindustrie, zuwenden wird. Sokolow wandte sich sodann dem Problem der jüdisch-arabischen Verständigung zu. Er führte etwa aus; Ich bin kein Anhänger der beschwichtigenden und seichten Friedensdeklarationen. Ich erwarte einen wahrhaften Frieden zwischen dem Jüdischen Nationalheim und den nichtjüdischen Gemeinschaften Palästinas, sobald unsere Gegner ihre Obstruktionspolitik aufgeben, sobald sie elnsehen, daß unsere Arbeit ebensosehr den allgemeinen Interessen des Landes wie unseren eigenen dient. Die Möglichkeit gegenseitiger Verständigung wird durch Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiete erleichtert werden. Die nichtjüdischen Gemeinschaften werden zur Erkenntnis gelangen, daß weder sie sich von uns, noch wir uns von ihnen isolieren können. Die antizionistische politische Propaganda verdankt ihre Erfolge nur diesem Mangel an wirtschaftlicher Kooperation. Zur innerzionistischen Situation bemerkte Sokolow, er bedauere es, daß anscheinend ein Mißverständnis zwischen den verschiedenen zionistischen Parteien besteht. Es scheint die Meinung vorzuherrschen, erklärte Sokolow, daß wir Herzls Konzeption vom Zionismus aufgegeben haben und versuchen, den Zionismus zu verkrüppeln, ihn zu einer kleinen Kolonisationsarbeit herabzudrücken. Dies ist nicht der Fall. Wir werden uns bemühen, jeden Zionisten davon zu überzeugen, daß es eine wirkliche Kluft zwischen den Grundprinzipien Herzls und unseren eigenen nicht gibt. Wir werden an jeden Zionisten, welcher Gruppe immer er angehören mag, den Appell richten, seine Fähigkeiten und seine Energien der Verwirklichung unseres Ideals zu leihen. loh stehe vor der dringenden Aufgabe, den Frieden in unseren zionistischen Reihen wieder herzustellen. Mit Unterstützung aller unserer Sache ergebenen Zionisten werde ich meine Pflicht tun und die mir vom XVII. Zionistenkongreß übertragene Aufgabe erfüllen. Glückwünsche von Regierungen an Sokolow Nahum Sokolow hat anläßlich seiner Wahl zum Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency zahlreiche Glückwunschschreiben und -telegramme erhalten. So wurde er von der polnischen und von der tschechoslowakischen Regierung, von Baron James Rothschild, von Richter Louis D. Brandeis, vom bisherigen Leiter der palästinensischen Exekutive der Jewish Agency, Colonel Kisch, vom Waad Leumi und von zahlreichen anderen öffentlichen Körperschaften und führenden Persönlichkeiten Europas und Amerikas beglückwünscht. IDr. Ludwig Singer I ■■■■■■■■BHnflMBUttflnsflBnsaEBnQnBHwl Das nationale Judentum der Tschechoslowakei verliert seinen Führer In Prag verstarb am 23. Juli im 56. Lebensjahre plötzlich an Herzschlag Advpkat Dr. Ludwig Singer, Mitglied des tschechoslowakischen Parlaments, Begrün* der und Führer der Jüdischen Partei ln der C. S. R. Dr. Ludwig Singer wurde 1876 in Kolin (Böhmen) geboren, war lange Zeit Führer der tschechisch sprechenden Zionisten in Böhmen und trat als solcher nach dem politischen Umstürze 1. J. 1918 an die Spitze des kurz vor Ausbruch der Revolution gebildeten Jüdischen Nationairates für die tschechoslowakische Republik. Als dessen Präsident wurde er Mitglied des «Comitö des d616gations juives» bei den Friedens* konferenzen und verhandelte mit der tschechoslowaki* sehen Regierung, vor allem mit dem Außenminister Benesch und dem Staatspräsidenten Masaryk in Prag und in Paris über die Rechte der Juden ln dem neuen Staate. Diese Verhandlungen führten schließlich zur Anerkennung der jüdischen Nation in der Verfassung der tschechoslowakischen Republik. 1919 gelangte Dr. Singer als Listenführer der Jüdischen Partei in das Prager Stadtverordnetenkollegium und wurde von diesem in den Stadtrat entsendet, in dem er eine hervorragende Position einnahm. Am 27. Oktober 1929 wurde Dr. Singer als erster jüdischer Abgeordneter in das tschechoslowakische Parlament gewählt. Am 18. Juni 1930 wurde er Präsident der Prager Jüdischen Gemeinde. * Das plötzliche Ableben Dr. Ludwig Singers hat in der Tschechoslowakei einen tiefen Eindruck gemacht. Der Bürgermeister von Prag Dr. Baxa hielt dem Verstorbenen in der Sitzung des Prager Stadtrates am 24. d. M. einen längeren Nachrui, in welchem er auf die Verdienste Dr. Singers um die Stadt Prag hinwies. Der jüdische Nationalrat hielt eine Trauersitzung ab. Das Abgeordnetenhaus der Tschechoslowakei, das Prager Rathaus, das Prager jüdische Rathaus und das Beth-Haam haben Trauerfahnen gehißt. Auch die Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde hielt eine Trauersitzung ab, in der beschlossen wurde, dem verstorbenen Präsidenten ein Ehrengrab zu widmen. Auch in den Provinzstädten wurden Trauerversammlungen abgehalten. Das zionistische Landeskomitee, das Präsidium der Jüdischen Partei und das Präsidium des Jüdischen Nationalfonds haben in einer gemeinsamen Sitzung beschlossen, einen Ludwig-Sin.ger-Hain in Palästina zu errichten. Die deutsch und tschechisch geschriebene Presse der Tschechoslowakei, u. a. «Pravo Lidu», «Prager Tageblatt» und «Prager Presse» widmen dem verstorbenen jüdischen Führer eingehende Würdigungen. Die jüdischen Zeitungen erschienen mit Trauerrand. Tischa he’ Aw in Jerusalem rend des Krieges reich geworden und eine Regierung «in Geldnöten» hat sich «an ihn gewandt». Seine Ernennung «machte dem Lande, aus dem er, wie man flüsterte, selbst stammte, ungeheure Freude». Diese Ernennung bezeichnet die Verfasserin als eine «Bestechung», die den Herrn Gouverneur an Intrigen «zu Hause» hindern sollte. Der Herr Gouverneur von Jerusalem hat nun die Absicht, sich in Kurdistan — ausgerechnet in Kurdistan — ein unabhängiges Emirat zu schaffen, «wenn wir genug davon haben werden, uns dort einzumischen, wo wir unerwünscht sind» — also in Palästinal Das ist wenigstens klar, wenn auch die Geschichte mit dem Emirat in Kurdistan selbst für einen Detektivroman sehr unklar ist. Vorläufig aber beschäftigt sich der Herr Gouverneur von Jerusalem mit Waffenschmuggel über die Grenze, mit Urkundenfälschung, Erpressung und ... Handel mit weißen Frauen. So zu lesen auf Seiten 225 und 226. Und auf Seite 226 ist ebenfalls zu lesen, daß der Herr Gouverneur von Jerusalem nicht vor einem Mord zurückschreckt. Und zwar ist er sogar der Urheber desjenigen Mordes, der — auf den ersten Seiten des Romans — in London auf einem Maskenball passiert, um auf Seite 228 entschleiert zu werden, und auf den alle Unannehmlichkeiten der bedauernswerten blonden Heldin zurückgehen. Der Ermordete ist der «Syrier Nejib», der dem Gouverneur durch Enthüllungen gefährlich werden konnte! Zum Schluß wird der Bösewicht von Gouverneur natürlich ermordet. Aber sein Tod wird als Unglücksi lall ausgegeben. Natürlich; die Ehre Britannias erfordert 1 es. Die Sache muß vertuscht werden. Und sie wird vertuscht, ad majorem Britannlae gloriam. Was würde man sagen, wenn in einem französischen Detektivroman ein Minister Vorkommen würde, der sich als entlaufener Sträfling entpuppt? Oder wenn in einem deutschen Abenteurerroman ein hoher Staatsbeamter Morde und Urkundenfälschungen begehen würde? Hier aber läßt eine der bekanntesten englischen Journalistinnen in einem Detektivroman einen Gouverneur von Jerusalem auftreten, einen hohen Beamten in englischen Diensten also, der Waffen schmuggelt, Urkunden fälscht, hochverräterische Politik treibt, sich mit Mädchenhandel befaßt und einen heimtückischen Mord begeht. Und Hunderttausende von Menschen lesen das, in England, in den Kolonien und im Ausland. Und niemand scheint etwas dabei zu finden. Allerdings ist der Gouverneur levantinischen Ursprungs; anscheinend wäre ein rassereiner Engländer solcher Taten nicht fähig. Die Verfasserin hält es für nötig, am Anfang zu betonen, daß alle Personen frei erfunden seien und daß, wenn sich Dinge im Roman finden, die man auf lebende Personen beziehen könnte, dies reiner Zufall sein müßte. Das wollen wir ihr gern glauben. Aber der unvoreingenommene Leser denkt sich sein Teil. Er denkt; natürlich hat ein Detektivroman nichts mit der Wahrheit zu tun. Aber die Möglichkeit, die psychologische Möglichkeit, solche Dinge zu schreiben und widerspruchslos zu lesen, läßt weit blicken. Es gibt keine Phantasie, die nicht irgendwelche Beziehungen zu einer noch so entfernten Realität hätte. Jerusalem. (J. T. A.) In herkömmlicher Weise wurde in Jerusalem in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli der Vorabend von Tischa be’ Aw gefeiert, Ueber 10.000 Juden, zum größeren Teile Jugendliche, zogen in feierlicher Prozession an der Klagemauer vorüber, während die älteren Leute auf dem Platz vor der Klagemauer saßen und Klagelieder sangen. Da jede Art von Beleuchtung verboten war, war der Klagemauerplatz in vollständige Finsternis gehüllt. In den Durchgängen zum Platz patrouillierten britische Polizisten, während auf dem Platz selbst 50 jugendliche jüdische Ordner eine Mittelkette bildeten, um die herum sich der Zug in Einzelreihe bewegte. Der Vorbeimarsch dauerte von Sonnenuntergang bis Mitternacht, Am Schlüsse des Zuges kamen, begleitet von jungen Jeschiwah-Hörern, die orthodoxen Beter, zum Zeichen der Trauer barfuß. Hebraica, Judaica, Zionistica sowie jüdische Literatur in größter Auswahl. Seidene und wollene Tallessim zu billigen Preisen. Buchhandlung JOöEF BELF WIEN, I. RABENSTEIG 3 Prospekte kostenlos.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.