Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 185 (23.7.1931)
- Date
- 1931-07-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 185 — 23. Juii Schließlich wurde auf Antrag Dr. Schmorak eine Resolution gefaßt, ln der der Kongreß erklärt, daß er durch seinen Beschluß in der Universitätsfrage in keiner Weise die Lehrfreiheit einschränken wollte. 'V Motzking Schlußwort ln seinem Schlußwort führte der Präsident des Kongresses Leo Motzkin aus; Ich habe lange Jahre, ohne im A, C, zu sein, zionistisch gearbeitet und gefunden, daß man dies kann, auch Ohne im Aktionskomitee oder in der Exekutive zu sein. Ich schätze sämtliche Talente in der zionistischen Bewegung, sämtliche Kräfte in allen Ihren Teilen und Gruppen, und bin stets unglücklich, wann ein Teil neben dem anderen nicht arbeitet* Ich bin dafür, daß man auf dem Kongreß seine Ansicht scharf vertreten soll,- aber unter Haß leide ich schwer und ich glaube, wir alle leiden darunter. Wir müssen trachten, einander zu verstehen, einander zu begreifen. Ich habe es mir zur Aufgabe gestellt, dabei mitzuhelfen, soweit ich dazu berechtigt bim In der schweren Zeit hatte ich notgedrungen Gelegenheit, mit der Exekutive in der politischen und allen anderen Arbeiten zusammenzuarbeiten, und die Herren, mit denen Ich zusammen arbeitete, werden nicht leugnen, daß ich eine ziemlich hartnäckige Kämpfernatur war und nicht einen Augenblick ruhte, um die Anschauungen, die ich vertrat, zur Geltung zu bringen. Aber es hat sich herausgesteilt, daß trotz ihrer Größe diese Meinungsverschiedenheiten, weil sie eben nicht auf persönlichen, sondern auf grundsätzlichen Momenten aufgebaut waren, uns menschlich näher gebracht haben. Wir haben jetzt eine Zeit vor uns, die sehr schwer ist, sowohl finanziell, als auch organisatorisch und politisch, Sie wissen, daß wir in den nächsten Monaten eine Summe von 100,000 Pfund haben müssen. Es Ist die weihevollste Sache, diese Kollekte durchzuführen, damit wir imstande sind, unsere Palästina-Institutionen in den nächsten Monaten aufrechtzuerhalten. Man sagte so oft, daß diesem Kongreß die Stimmung, fehle. Sie sollten das Wort Stimmung überhaupt vergessen, sondern nur denken an Kongreß, Zionismus, Erez Israel. (Stürmischer Beifall). Der Kongreß nahm das Schlußwort seines Präsidenten ln feierlich ernster Stimmung entgegen. Als Motzkin unter den üblichen Hammerschlägen den XVII. Zionistenkongreß als geschlossen erklärte, stimmten die Delegierten die ..HäliHwali an. Oer LandentwiükiunQSdirektor tfir Palästina ernannt London, 19. Juli. (J. T.-A.) Zum Landentwlcklungadirektor für Palästina, dem die Durchführung des neuen Development Scheine obliegen wird, ist Louis French ernannt worden. French war bisher im Indian Civil Service tätig. Der neue Oberkommissär für Palästina London (J. T.-A.) Zum Nachfolger d«i gegenwärtigen britischen High CommlSfioners von Palästina, Sir John Chancellor, wurde General Grenfeil Wauchcpe bestimmt. General Wauchope, der sein neues Amt als palästinensischer Oberkommissär am 1. November antreten soll, ist eine prominente Persönlichkeit der englischen Generalität. Während des Weltkrieges befehligte er eine englische Heeresgruppe an der französischen Front und wurde mehrmals verwundet. Später war er der Militärkommandant von Nord- Irland, In den Jahren 1924 bis 1927 war er Chef der britischen Sektion der Internationalen Abrüstungskommission in Berlin. Sokolow an Welzmann Knapp vor Beendigung des Kongresses erhob sich der neue Präsident Nahum Sokolow und hielt folgende Ansprache: «Ich halte es für eine HerzenspfUcht, dem bisherigen Präsidenten der Zionistischen Organisation, meinem langjährigen Freunde Dr. Chaim W e I zm a n n, einen Gruß zu übermitteln. (Langandauern- ■MM Selchwaren-Restaurant I mm mi eig. Erzeugung, beste Qualitäten Wien, 2. Bezirk, Glockengüsse Nr. 11 PI. Brühner A (o. Untere Fahrlk steht unter ritueller Aufsicht des .snan owa om-nnan iro *tana «o.i» Neu eröffnet* Verkau. eitel lern Wien, II., Große ßchlffgaase 19. Restaurant Baron, Hauptallee, 2. Kaffeehaus. Separierter Garten / GMgener Pavillon. Gottfried, X* Pemerstorfergasse 36 der Beifall, die Delegierten und Gäste erheben sich.) Der Name Weizmann wird in der Geschichte der jüdischen Renaissance verewigt bleiben. Ich bin sicher, daß er auch in der Zukunft alle seine Kräfte wir wünschen ihm Erhaltung und Stärkung aller seiner Kräfte — dieser Arbeit widmen wird, der er seine besten Jahre und Kräfte in der Vergangenheit gewidmet hat.» Maturaschule. Ferialkurse. Fremdsprachen. Die Vorbereitung zur Reifeprüfung (in 1 bis 2 Jahren, je nach den Vorkenntnissen) erfolgt durch staatlich angestellte Mittelschulprofessoren. Die ganzen Ferien hindurch Maturakurse. Anmeldungen im Privat-Lehrinstitut «Universum», Wien, IX., Freiheitsplatz 14, Tel. B-49-2-63. E Zionistische 9üthwev übet dm Xongreß Eine Reihe führender Teilnehmer am XVII. Zionistenkongreß, unter Ihnen Mitglieder der neugewählten Exekutive und Führer der größten Kongreßgruppen! haben ihren Eindruck vom Verlauf des Kongresses nmtlhre Meinungen üb er seine Ergebnisse jn kurzen Erklärungen gegenüber dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur zusammengefaßt. Prof. Dr. Selig B r o d e t s k y erklärte, der Kongreß sei vor allem dadurch gekennzeichnet, daß er die Führung der Bewegung durch Dr. Weizmann aufgegeben habe. Daß dies jedoch nicht etwa eine Verwerfung der Grundsätze jener Politik bedeute, die Dr. Weizmann so viele Jahre hindurch in glänzender Weise geführt habe, gehe aus der Erklärung der neuen Exekutive über ihre künftige Politik, sowie aus der Zusammensetzung der Exekutive klar hervor. Die Judenheft, sagte Dr. Brodetsky, hat ihren Führer geopfert — wie ich glaube, nur vorübergehend um dadurch die schweren Befürchtungen zum Ausdruck zu bringen, die bei ihr infolge der Ereignisse der letzten zwei Jahre entstanden sind. Ich hoffet daß die Judenheit, und insbesondere die zionistische Bewegung, nunmehr entschlossen sein wird, einmütig für die Verwirklichung unserer großen Ziele m arbeiten* Der Kongreß hat bewiesen, daß unser nationaler Geist ungebrochen ist« Wir waren einig in dem festen Willen, in Palästina die Verwirklichung des Traumes Herzls und das international anerkannte Ziel eines Jüdischen Nationalheime« zu erreichen. Das neugewählte amerikanische Mitglied der Exekutive Emanuel Newman meinte, die überwiegende Mehrheit habe Dr. Welzmanns zweifellose Hingabe und sein Wirken für die zionistische Sache durchaus gewürdigt, doch habe der Kongreß deutlich dem Wunsch nach einer Aenderung auf politischem und ökonomischem Gebiet Ausdruck gegeben. Beri Locker, der an Stelle des ausgeschiedenen Mitglieds der Exekutive Ing. S. Kaplansky neugewählte Vertreter der Poale Zion, gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß die Ergebnisse des Kongresses im Hinblick auf die gegebenen Umstände befriedigend seien. Leo M o t z k i n, der die schwierige Aufgabe der Kongreßleitung zu erfüllen hatte, bemerkte lakonisch: Das Ende des Kongresses war besser als sein Anfang, Vladimir Jabotinsky erklärte: Der Kongreß schloß — genau so wie alle Zionistenkongresse — mit der Annahme von Resolutionen, die eine neue Politik ankündigen, und mit der Wahl einer Exekutive, die die alte Politik fortsetzen wird. Rabbi Dr. Stephen S. W ise: Es war ein Kongreß in die Zukunft blickender Hoffnung, Per Wechsel in der Führung hat denen, die etwa daran gezweifeit haben, bewiesen, daß die zionistische Bewegung größer ist, als irgend ein Einzelner* Der Präsident des Misrachi-Weltverbandes Rabbi Melr Berlin; Der Kongreß hat mit Verzweiflung begonnen und mit Hoffnung geschlossen* Nahum Sokolow Die Persönlichkeit des neuen Präsidenten Nahum Sokolow, der neugewÄHlte Präsident dir Zionistischen Weltorganisation, Ist als jüdischer PolitikeY, hebräischer Schriftsteller und Sprachforscher von gleich hohem Range. Er wurde 1861 In Wyszogrod bei Plock (Polen) als Kind einer sehr angesehenen jüdischen Familie geboren, Widmete sich sehr früh schriftstellerischer Tätigkeit und tr«t 1884 in die Redaktion der Warschauer hebräischen Tageszeitung «Hazefirah» ein, deren Leitung er kurz darauf ganz übernahm. Er wurde hier der clgent- ..che Begründer der modernen hebräischen Journalistik. Seine glänzend geschriebenen Leitartikel und Feuilletons dienten einem großen Kulturwerk, Indem sie der gerade dem Ghetto entwachsenden jüdischen Leeerschaft die Kenntnis Europas und der Moderne vermittelten. Der zionistischen Bewegung schloß sich Sokolow nach dem ersten Zionistenkongreß an. Nach Herzls Tode wurde er (1905) Generalsekretär der Zionistischen Organisation unter David WoWsohn in Köln und redigierte dort das zionistische Zentralorgan «Die Welt», sowie das von Ihm begründete hebräische Zentralorgan der Bewegung «Haolam». 1909 begleitete er Wolffsohn in einer politischen Mission nach Konstantinopel. Er trat seitdem auf dem Gebiete der Politik, der Propaganda und Kulturarbeit mehr und mehr in den Vordergrund der zionistischen Bewegung und wurde vom 10, Zionistenkongreß (1911) in das Engere Aktions-Komitee gewählt. Während des Weltkrieges übersiedelte Sokolow von Berlin hach London, wo er gemeinsam mit Weizmann und Tschlenow eine großzügige politische Tätigkeit für die Einbeziehung der zionistischen Palästinaforderungen in die englische Politik entfaltete und so . an der Erlangung der BaJfour-Deklaration mftrirbeitete. Seit dieser Zeit Ist er an allen politischen Aktionen des Zionismus führend beteiligt. Es gelang ihm u. a„ bei den Regierungen Frankreichs und Italiens die Zustimmung zur Balfour-Deklaration zu erlangen. Er hat wiederholt Verhandlungen mit dem Vatikan geführt und wurde 1917 von Papst Benedikt XV, empfangen. Während der Friedensverhandlungen wurde Sokolow Präsident des Comitß des D<§16gations juives und wirkte bei der Anerkennung der jüdischen Minderheitsrechte in den verschiedenen Friedensverträgen neben Leo Motzkin u. a. m. mit. Ebenso ist die Zustimmung des amerikanischen Parlamentes zur Gründung einer jüdischen Heimstätte in 1Palästina und die wiederholten Sympathieerklärungen vieler Regierungen, u, a. Polens, Rumäniens, Südafrikas, für diese Politik auf Sokolows po itische Tätigkeit zurückzuführen. Auf der Londoner Jahreskonferenz 1920, sowie auf den ihr folgenden Zionistenkongressen wurde er zum Präsidenten der Zionistischen Exekutive, bei der Gründung der erweiterten Jewish Agency (1929) auch in deren Exekutive gewählt. Seit 1921 war Sokolow Präsident aller Zionistenkongresse, bis auf den XVII. Kongreß, dem Leo Motzkin präsidierte. Sokolow veröffentlichte in hebräischer Sprache zahlreiche literarhistorische, sprachwissenschaftliche, politische und belletristische Schriften, Biographien, eine Monographie über Baruch Spinoza, eine zweibändige Geschichte des Zionismus in englischer Sprache, In der er zum ersten Male den Versuch einer historischen Darstellung des zionistischen Gedankens gemacht hat. Ins Hebräische übersetzte er eine große Reihe wichtiger Werke der europäischen Literatur, u, a. auch Herzls «Alt-Neuland» und 0. Karpeles* «Geschichte der jüdischen Literatur». Sokolow ge** nießt die Verehrung der breiten jüdischen Volksmassen. Ralie in Saloniki Saloniki, (J* T.-A.) Seit der Nacht vom 8. zum 9. Juli, in der eine Rotte Nationalisten einen Angriff auf eine Synagoge im Campbell-Viertel, in der etwa 80 durch den Brand obdachlos gewordene jüdische Familien untergebracht waren, ausführte und sämtliche Fensterscheiben einschlug, ist in Saloniki die Ruhe nicht wesentlich gestört worden. Katastrophale Wohnungsnot unter den Juden Saloniki« Saloniki. (J. T.-A.) Die Nlederbrennung des jüdischen Stadtviertels Campbell durch die griechischen Nationalisten, wodurch einige hundert jüdische Familien obdachlos geworden sind, hat das seit dem Rjesenbraode in Saloniki Im Jahre J9J7 latente Problem der jüdischen Wohnungsnot in Saloniki wieder akut werden lassen- 853 alle Famillenfeierlichkeiten (Hochzeiten, Brith Milah, Bar Mizwah etc.) bekannt. Der Keren Kajemeth wird bei diesen Gelegenheiten durch seine Freunde Sammlungen für den Keren Kajemeth durchführen / i