Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1931-07-23 · Heft 185 (23.7.1931) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 185 (23.7.1931)
Date
1931-07-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3053752-3053911-3053939--2467-3057898
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

% V. b. b. BEZUGS. BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S l‘50, vierteljährl. S 4'20, ganzjährL . . S 16*— Deutachld. vierteljährl. . RM V— Tschechoslowakei viertel]. Ke 24’— Jugoslawieo viertel jährl. Din 40 - Polen Vierteljahr lieh . Zion* 6’50 Ungarn Vierteljahr lieh . . Pengö 4*20 Rumänien vierteljährl. . Lei 120’— Uebriges Ausland vierteljährl. Schw. Franken 4'50 Jiidisdke Zeitung Preis 35 g D Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration Wien. L Kärntner Straße 28 Tel. R-27 4-86 o Postsparkasse o konti: Oesterr. D 113.54 Polen - . 191-lc Tschechoslowakei . 500.2 lugoslawien 40.8" i 4. Jahrgang Wien, Donnerstag, 23. Juli 1931 (9. Ab 5691) _*_ . . ___._— Nummer 185 TELEFON iB 24'5 GROSSBlfTRIEB FÜR HflUSUJRSCHE Was nun? Per Kongreß ist zu Ende, die Tagung des Council ist vorbei und das Parlament des jüdischen Volkes hat seine siebzehnte Session — eine der stürmischesten — hinter sich. Die Frage drängt sich auf: Was kommt nach Basel? Nach Basel kommt Jerusalem und London, Berlin und Wien, Warschau und New York, kommen alle Städte, alle Länder der Welt, wo nur Juden leben. Den Reden, Resolutionen, Wahlen folgt die graue Alltagsarbeit. Oder richtiger: soll und muß die graue Altagsarbeit folgen. Die Arbeit für Palästina, die Arbeit für den Zionismus — eine Arbeit, die in der unversiegbaren Quelle des jüdischen Volkswillens, manifestiert auf dem Zionistenkongreß, neuen Ansporn bekommen hat. Um die Baseler Geschehnisse zu beurteilen* fehl| uns noch die Distanz; um die Leistungen der neuen Exekutive vorauszusehen, mangelt es uns an prophetischem Blick; und wie das jüdische Palästina die Resultate des Kongresses aufgenommen hat, wissen wir noch nicht, denn die seither verstrichene Zeit ist zu kurz. Aber eines wissen wir mit Bestimmtheit: die organisierte Judenheit der Welt muß wie ein Mann hinter dem Jischuw stehen und ihn mit Taten unterstützen. Was nützen große Worte, die das Herz rascher schlagen lassen, was nützen himmelstürmende, auch aufrichtig gemeinte und echt gefühlte Phrasen, wenn sie nicht in Taten umgesetzt werden. , Wir sind groß in Reden und Worten, wir sind klein in Taten. Fremde, die dem Kongreß beiwohnten, waren entzückt und berauscht: soviel Leidenschaft,, soviel Temperament, soviel glühenden Glaubens haben, sie noch nirgends, in keinem Parlament der Welt gesehen. Aber wir, die wir uns kennen, wissen: einem hellauflodernden Feuer folgt bei uns nur eine schwache Glut. Es ist eine alte Geschichte,'doch bleibt sie ewig neu. Unsere Fonds, Keren Kajemeth und Keren Hajessod, sinken oft, allzu oft zu leerem Schall herab. Wir vergessen, daß hinter dem Keren Kajemeth der nach Erlösung schreiende, brachliegende Boden Palästinas steht, daß der Keren Hajessod ein Instrument ist, das dem Aufbau der Heimstätte dient. Und wir sind blasiert und begeisterungsunfähig und nicht opferbereit, wenn es um Sammlungen geht. «Schon wieder eine Schnorrerei!...» Schnorrerei —-oder Mobilisierung unserer nationalen Kräfte? Schnorrerei— oder Sammeln der einzigen uns zu Gebote stehenden Waffen? Wir hören; um die Finanzen der Exekutive ist es schlecht bestellt. Wir wissen: die finanzielle Lage der Landesorganisationen, auch unserer österreichischen Landesorganisation,, ist schlecht. Und wir wissen auch ganz gut, daiß-die Landesorganisationen; Kaders für unsere Bewegung und Apparate für unsere: Idee sind. Und doch macht sich die Apathie nach wie vor breit und es geschieht nichts,;um hier eine durchschreitende Aenderung herbeizuführen* Auch das ist eine alte Geschichte, die\immer neu bleibt. Wir haben den Glauben, wir haben die Idee und wir haben den Willen. Was uns fehlt, ist die.Fähigkeit» große Worte * in Taten, Opfer und Leistungen umzusetzen, die, eines an das andere gereiht, wieder etwas Großes ergeben. . ■ . Der Baseler Kongreße die. Tage der Kämpfe, der ßtürme, deY Begeisterung* der Worte sind zu Ende. , , Was nun? Nun zur Arbeit! w. Die Schlußsitzung des Kongresses Wahl der neuen Exekutive Am Mittwoch, den 15. Juli, abends, trat der . Zionistenkongreß im Anschluß an die erste Sitzung des Council der Jewish Agency noch einmal zusammen, um die Wahl der neuen Exekutive der Zionistischen Organisation vorzunehmen. Vor dem Wahlakt erschien Dr. Chaim Weizmann gemeinsam mit den Delegierten der Linken im Saale und wurde mit langandauernden Ovationen empfangen, an denen sich bloß die rechte Seite des Kongresses nicht beteiligte. Nachdem Doktor Weizmann in den Reihen der Linken neben Doktor Arlosoroff Platz genommen hatte, eröffnete der Präsident des Kongresses Leo Motzkin die Sitzung und begrüßte Dr. Weizmann im Namen des Kongresses, was erneute stürmische Ovationen für den bisherigen Präsidenten der Organisation seitens der Delegierten der Mitte und der Linken auslöste. Auch Sokolow hatte sich erhoben. Umso größeres Befremden rief die Tatsache hervor*, daß Weizmann und Arlosoroff dann sitzen geblieben sind, ais der Kongreß dem Sokoloweine Ovation därbrachte. ’ : Um halb 6 Uhr abends war die Wahl der neuen Exekutive vollzogen. Es gehören ihr an: Nahutn Sokolow Heschel Farbstein Dr. Chaim Arlosoroff Prof. Dr. Selig Brodetsky Berl Locker Emanuel New man Für die neue Exekutive waren 103 Stimmen. abgegeben worden, gegen sie hatten 42 Revisionisten gestimmt, die Radikalen hatten sich der Stimme enthalten. Die Erklärungen der Gruppen Nach der Wahl der Exekutive folgten Erklärungen der Gruppen. Namens der revisionistischen Fraktion führte Meer Großman u. a. aus: Die Zusammenstellung der neuen Exekutive zwingt uns, in schärfste Opposition zur künftigen zionistischen Leitung zu treten. Die Reden, die auf dem Kongreß von den Vertretern der Linksgruppen ’ gehalten wurden, welche einen Teil der Exekutive bilden, haben so nahe Verwandtschaft mit dem Brith Schalom, daß von irgendwelchem. Vertrauen und von Mitarbeit unsererseits keinerlei Rede sein kann. Der Weg zu neuem Zionismus, zürn Zionismus des Judenstaates, zum Zionismus des schöpferischen, konstruktiven Aufbaus, ist bis heute noch nicht frei. Der Weltverband der Zionisten-Revisionisten wird seinen Kampf gegen den defaitistischen Geist fortsetzen. Als Wortführer der radikalen Fraktion erklärte Dr. Soloweitschik u. a,: In der vom Kongreß eben gewählten Exekutive erblicken wir den ersten unter überaus schwierigen Umständen erfolgten und daher unvollkommenen Schritt auf dem Wege zur Ueberwindung des Systems, welchem Jahre hindurch, unser Kampf galt. Als eine an-der Koalition nicht beteiligte und daher für die Exekutive keine Verantwortung übernehmende Partei’ Jiaben wir uns bei der Abstimmung der Stimme enthalten. Wir wollten damit zum Ausdruck bringen, daß wir die Exekutive nach ihren Taten, insbesondere nach ihrer Haltung in den politischen Fragen, beurteilen werden. Die Exekutive wird auf unsere Unterstützung rechnen können, falls sie es verstehen wird, den Zionismus in dem Sinne zu vertreten, wie er dem Geiste der Majorität dieses Kongresses entspricht Der Präsident der Z. V. f. D. Kurt B l u m e n f c l d führte aus: Namens der Gruppe A der Allgemeinen Zionisten habe ich folgendes zu erklären; Unsere Gruppe kämpfte und kämpft für die Fortführung einer realistischen Politik der Verwirklichung der zionistischen Ideale. Wir bedauern, daß diejenigen Kongreßgruppen, die um eines taktischen, in erster Linie innerzionistisch motivierten Vorgehens willen einen folgenschweren Kongreßbeschluß verursacht haben, nicht die Fähigkeit und nicht den Mut gehabt haben, auch die Verantwortung für eine den Konsequenzen dieser Abstimmung entsprechende neue Leitung und die künftige Politik des Zionismus allein zu übernehmen. Wir versichern Dr. Chaim Weizmann, den scheidenden Präsidenten der Zionistischen Organisation, unseres unerschütterlichen Vertrauens und sagen ihm unsere Unterstützung zu, wo immer er seine Kraft in den Dienst unserer Sache stellen wird. Eine Erklärung Sokolows Sodann gab Sokolow über die Politik, die neugewählte Exekutive zu befolgen gedenkt, eine Erklärung ab, der^ufqlge die praktische Palästina-Aufbauarbeit pnter allein Umständet) fortgesetzt und der Kampf für die Verwirklichung des Zionismus unter! allen Bedingungen und um jeden Preis weitergeführt werden sollen. Die Exekutive wird die Arbeit für die nationalen Fonds im Dienste des Palästina-Aufbaues fortsetzen und gleichzeitig die Privatwirtschaft als organischen Bestandteil des Palästina-Aufbauwerkes berücksichtigen. Sie wird eine Konsolidierung der nationalen Arbeiterkolonisation anstreben und aie Gleichberechtigung aller Kolonisationsformen* soweit sie rentabel sind, anerkennen. Sie wird sich ferner bemühen, die Durchführung aller Bestimmungen des Mandats zu erwirken und die Kooperation mit der Mandatarmacht fortzuführen und wird aktive Maßnahmen auf ökonomischem, politischem und sozialem Gebiet ergreifen, um eine friedliche Zusammenarbeit voit Juden und Arabern ohne Rücksicht auf di« numerische Stärke beider Völker auf der Basis des Grundsatzes, daß niemand herrschen, aber auch niemand beherrscht werden soll, herbeiführen. Die Erklärung Sokolows wurde vom Kongreß zur Kenntnis genommen/ Nach der Erklärung Sokolows kam es im Anschluß an einen von Dr, Ruf eisen namens der Arbeiterfraktion, der beiden Gruppen der Allgemeinen Zionisten und des Misrächi eingebrachten Antrag, demzufolge das A. C/vom Kongreß beauftragt wird, bei der Ausarbeitung der Durchführungsbestimmungen in de« Frage der Zusammensetzung der Palästina-Aemter di« angemessene Beteiligung der Vertreter der chaluzi* schen Organisationen sicherzustellen, zu einen stürmischen Debatte, da die Revisionisten in diesem Antrag den Versuch erblickten, einen Beschluß de« Kongresses nachträglich umzubiegen. Die Proteste de« Revisionisten richteten sich abwechselnd gegen da« Präsidium, gegen die Arbeiter Und den Misrächi, sodaß sich das Kongreßpräsidium genötigt sah, die Sitzung 'zu unterbrechen und sich zu einer Beratung zurückzuziehen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verlas Präsident Motzkin eine Erklärung des Kongreßpräsidiums, in der festgestellt wird, daß durch den Antrag Rufeisen der Kongreßbeschluß über die Zusammensetzung der Palästina-Aemter nicht abgeändert wird. Der Antrag Rufeisen wurde sodann angenommen, Einstimmig wurde folgender von Rabbiner Doktor Pinchas Keller angeregter und von Rabbi Berlin dem Kongreß unterbreiteter Antrag angenommen; Der Kongreß beauftragt das A. C., 4er Frage der jetzt geplanten Kalenderreform seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und alle Aktionen zu unterstützen; die geeignet sind, die den Sabbath gefährdenden Egt Scheidungen in dieser Frage zu verhindern»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.