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Die Stimme · 1931-07-16 · Heft 184 (16.7.1931) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 184 (16.7.1931)
Date
1931-07-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite blfc SUMME hr. IVA —;C>. Juli Der Sinn der VI. Wizokonferenz Von Ada Fi sch mann, Td-Aviv Basel, im Juli Von Jahr zu Jahr konzentriert sich das Interesse der Jüdischen Frauenwelt stärker um die Organisation der Wizo und eine immer wachsende Zahl jüdischer Frauenverbände wird von dieser angezogen. Das Wizo-Werk in Palästina, das die Frauen zu produktiver Arbeit im Lande schult und die Fürsorge für Mutter und Kind pflegt, ist längst als ein organischer Teil der zionistischen Organisation anerkannt worden. Trotzdem muß man feststellen, daß der historische Anteil der Wizo an der Renaissance der jüdischen Frau und des gesamten jüdischen Volkes auf der Konferenz nicht zum Ausdruck kam. Sie war arm an gehaltvollen Referaten, dafür aber außerordentlich reich an Debatten. Die Referate über Propaganda und Kulturarbeit lösten die stärkste innere Anteilnahme bei den Frauen aus. Aber auch sie drangen nicht tiefer in die Hauptprobleme einer Weltorganisation zionistischer Frauen ein. Sie haben es nicht verstanden, die gesellschaftlich-ökonomische Stellung der Jüdischen Frau klarzulegen. Das Ziel unserer Propaganda ist nicht etwa nur das Geldsammeln. Es geht vielmehr darum, die jüdische Frau innerhalb des jüdischen Volkes zu aktivieren und sie zur gedanklichen und praktischen Mitarbeit an der Lösung der nationalen Fragen zu veranlassen. Acht Tage lang dauerte eine hitzige Debatte. Sie schien chaotisch, man hatte anfangs fast Mühe, zu verstehen, was die Gemüter bewegte; aber allmählich wurden die Probleme bis zum Grund aufgerülirt und es wurde klar, was zuerst unter rein äußerlich scheinenden Forderungen verborgen lag. ■ Wenn man rückblickend die Wizo-Konferenzen überschaut, so bedeutet die diesmalige einen gewaltigen Umschwung. Standen sich bisher die Exekutive urid die Delegierten gegenüber wie Führer und eine willige Masse von Geführten, so hat diesmal «das Volk» die Führung in die Hand genommen. Den Anstoß zum Gefecht gab ein Memorandum, das die , Londoner Exekutive der Konferenz vorgelegt hatte, im besonderen dessen vielumstrittener Punkt 4, der lautet: «Um die Objektivität der Exekutive gegenüber allen ihren Institutionen und deren Arbeitsprogramm in Palästina zu bewahren, und zwar zum Besten dieser Institutionen und des Werkes als solchem, ist es wünschenswert, daß die Verwalterinnen der Institutionen nicht gleichzeitig Exekutivnvtglieder sind, obgleich sie zur Exekutive immer zugezogen werden sollen, wenn es dieser wesentlich erscheint, ihren fachmännischen Rat einzuholen.» In dem Kampf um die Formulierung dieses Punktes handelte es sich nicht bloß um die Durchsetzung demokratischer Rechte. Die Frauen fühlten, daß, wenn er in Kraft tritt, eine bestimmte Auffassung über die Art der Wizo-Arbeit ausgeschaltet würde. Ein zweiter Punkt, der heftige Auseinandersetzungen zur Folge hatte, war die Frage der finanziell-administrativen Kontrolle in der palästinensischen Wizo-Arbeit. So wie ihn die Exekutive formuliert hatte, bedeutete er eine Unterstreichung des Punktes 4 und suggerierte die Vorstellung, als ob die Leiterinnen nicht selbst die notwendige Kontrolle wünschten. Einen gewissen reaktionären Beigeschmack hatte die Förderung, daß der Schatzmeister der Exekutive eine Art Vormund über die Anstaltleiterinnen sein sollte, um die Kontrolle erst zu verwirklichen. Eine solche Form ist in ' Erez Israel flicht durchführbar. Sie drückt die Anstaltsleiterin *zü einem bloßen Instrument herunter und läßt sie nicht als Jemanden gelten, der selbst schöpferisch tätig zu sein versteht. Wenn dieser Punkt wirklich nur die Art der. finanzielladministrativen Kontrolle hätte festlegen wollen, so hätte das die Zustimmung aller gefunden. Man hätte sich darauf geeinigt, daß man das mit der Agency beraten und die Richtlinien festsetzen solle. Da aber die Exekutive keine Tatsachen anzuführen hatte, die darlegen konnten, daß die Wizo- Arbeit nicht den richtigen Weg gegangen sei, daß sie entweder in der Geldverwaltung oder in der Administration etwas zu wünschen übrig gelassen hätte, so wurde es durch die Debatte klar, daß sich auch hier die Entscheidung darüber kristallisierte, wie weit die schöpferischen Kräfte in der Wizo-Arbeit in Palästina zur Auswirkung gelangen oder unterbunden sein sollten. Daß durch die Debatte zu diesem Punkt die Frauen Gelegenheit fanden, sich stärker als bisher in die praktischen Einzelheiten der palästinensischen Wizo- Arbeit zu vertiefen, war ein besonders wertvolles Nebenergebnis. Die dritte zentrale Frage der Diskussion war die Affinierung der Moazath Hapoaioth und der Histadruth Naschim. Von beiden Seiten waren die Dinge reif geworden und es handelte sich für die Konferenz nur um eine formelle Bestätigung. Durch die Debatte aber wurde auch hier ideell Wesentliches geklärt. Bei der Affinierung der Histadruth Naschim handelte es sich um die Verschmelzung mit einer Arbeitsgruppe, deren Programm der sozialen Fürsorge sich organisch dem Wizo-Programm einfügt, die sich mit der Histadruth Arzith, der palästinensischen Wizo-Gruppe, zu einer völligen Einheit vereinigt und die in ihrer bürgerlicher. Einstellung auch der Gesinnungsrichtung nach sich leicht In die Wizo einfügen kann. Der Beweggrund für die Histadruth Naschim war, die organisatorische Einheit mit der Wizo herzustellen und ihre budgetären Bedürfnisse durch die Vereinigung besser zu decken. Die Frage der Finanzierung spielte daher eine ausschlaggebende Rolle bei den Unterhandlungen und bildete die Hauptschwierigkeiten. Die Affiliierung der M. Poaioth erfolgte jedoch aus einem anderen Motiv. Von einem zionistischen Standpunkt •us strebte die Moazoth Hapoaioth ihren Anschluß an die Wizo an. Für sie war das Ausschlaggebende, daß die Frauen, deren Stellung in der Gesellschaft schwach ist, sich vereinigen, um eine größere Kraft darzustellen. Es waren also vor allem gesellschaftliche Erwägungen, die sie dazu bewogen. Ein weiterer Punkt, bei dem sich die Debatte sehr scharf •uspitzte, war der Antrag der Exekutive, falls das Budget es gestattet, der Agency 3000 Pfund Sterling für Kindergärten zu bewilligen. Da die Wizo bei der gegenwärtigen schweren ökonomischen Lage nur ein Minimalbudget anzuiehmen in der Lage war, so war von vornherein die Annahme dieses Antrages so gut wie ausgeschlossen. Wenn aber trotzdem sich die Gemüter über diesen Punkt so sehr ■aBBBHHggSBBBWSgg»"... Bedenkliche Anfangssymptome des Alterns, wie rasche Ermüdunar nach geringfügigen Anstrengungen, dumpfer Druck im Gehirn, Schwindelanfälle, Atemnot, Ohrensausen, gichtische oder rheumatische Beschwerden, werden durch die ärztlich erprobten, frei verkäuflichen, radlumhältigen Radioskierln-Tabletten gelindert. Durch eine Radio» •klerln-Trlnkkur wird die Blutzirkulation in den Schlag- und Pulsadern gefördert, das Blut verdünnt, die Adern elastisch gemacht und dadurch den Kalkablagerungen und allen damit zusammenhängenden Alterserscheinungen vorgebeugt, beziehungsweise die geistige und körperliche Arbeitsfähigkeit aufgefrischt und erhöht. Radiumgehalt amtlich geprüft Generaldepot und Auskunft: Apotheke Bayer, Wien, I., Wollzelle 13. (erregen konnten, so lag der Grund darin, daß auch hier hinter dem Antrag, so wie in den zwei ersten Fällen, eine Richtung verborgen lag, die die Konferenz mit ihrer Auffassung von dem Aufgabenkreis der Wi2o ablehnte. Die Frage war im tieferen Sinne keine Budgetfrage, denn auch für den Fall, daß die Wizo es sich finanziell erlauben könnte, der Agency zu helfen, hätte sie sich ein anderes Gebiet aussucnen müssen, ein Gebiet, das mehr mit ihrem Programm zu tun hat. Kindergärten in Erez Israel zu übernehmen, bedeutet, daß die wizo ihre Programmrichtung ändert. Das Aufgabengebiet der Wizo umfaßt alles, was die jüdische Frau in Palästina für das Leben und die Arbeit in Erez Israel, in Stadt und Land vorbereitet und was sie zu ökonomischer Selbständigkeit und zu persönlicher Lebensgestaltung im Sinne der nationalen Renaissance erzieht. Es war nicht möglich, im Plenum zu diesem Punkt prinzipiell zu sprechen, darum sei hier noch nachgetragen, daß das Erziehungsbudget in Erez Israel, soweit es die Agency bestreitet, einen Etat von 180.000 Pfund Sterling erfaßt, d. h. 75.000 Pfund Sterling aus Keren Hajessodgeldern, 70.000 Pfund Sterling aus Beiträgen des Jischtiw, 20.000 Pfund Sterling aus Beiträgen der Regierung und 15.000 Pfund Sterling aus Verschiedenem, wozu noch kommen Ausgaben für die Universität und das Technikum, was weiterhin mehr als 100.000 Pfund Sterling ausmacht. ln allen Perioden seiner Geschichte hat das jüdische Volk es verstanden, das geistige Leben zu pflegen, selbst in so schweren und sorgenvollen Zeiten, wie denen der Inquisition. Aber niemals hat das jüdische Volk sich darum bekümmert, die jüdische Frau ins geistige Leben einzuführen und ihr eine gesunde ökonomische Basis im Organismus des Volkes zu geben. Und doch ist der ökonomische Zusammenhang eine große Verstärkung für den nationalen. Für die jüdische Frau hat die Renaissance beim Zionismus begonnen und er war es, der sie ideologisch erst erweckt hat. Die Leistungen der Wizo an sich sind vielleicht nicht so groß, wie die Bewegung, die sie damit geschaffen hat. Ihre schöpferischen Kräfte tragen heute schon die Wizo, nicht mehr ist es die Wizo, die sie trägt. Darum kann sich die Wizo nmht für irgendein Objekt hergeben, dessen Finanzierung die Agency abstoßen will, denn sonst würde sie zur Adresse für alles, was materieller Unterstützung bedarf. Um das Fazit zu ziehen: alle Punkte, um die sich Debatten auf der Konferenz entwickelt hatten, sind in einem programmatischen Sinn miteinander verbunden, und wenn der Kampf vielleicht ein Personenkampf schien, so war er es deshalb, weil diese Personen gleichzeitig die Verkörperung eines Programmes sind. Denn wenn es Kein Programmkampf, sondern ein reiner Personenkampf gewesen wäre, so hätte der Teil der Exekutive, der die andere Seite repräsentierte, sich befriedigt fühlen müssen, nachdem man trotz anderer Stimmung sich zu einem Kompromiß in der Besetzung der Palästinaexekutive bereit erklärt hatte. Die Konferenz wollte der Londoner Exekutive jede Möglichkeit schaffen, vollzählig zu bleiben, aber es ist trotz allen Entgegenkommens nicht geglückt. Nicht r.ir in der Personenfrage gab die Konferenz nach, sie erklärte sich auch damit einverstanden, daß die Anstaltsleiterinnen als Mitglieder der Exekutive in Angelegenheiten ihrer Institutionen kein Stimmrecht besitzen sollten, aber es nützte nichts. Der Teil der Londoner Exekutive, der sich zurückgezogen hat, muß sich Rechenschaft darüber ablegen, ob seine Handlungsweise moralisch gerechtfertigt war. Uns wird sie nur dann moralisch scheinen und das Geschehene vergessen lassen, wenn die Ausgetretenen ihren Standpunkt revidieren und sich als ergebene Zionistinnen wieder mit unserer Arbeit verbinden werden. Es ist fälsch, den Gesichtspunkt «rechts und links» an die Konferenz heranzutragen. Zu fast 90 Prozent war die Zusammensetzung der Konferenz bürgerlich. Aber eine große, moralische Kraft war in ihr fühlbar, ein ehrliches Streben, mit gesundem, unverdorbenem Menschenverstand die Dinge zu sehen und zu beurteilen. Nur zwei Delegierte der M. Poaioth waren auf der Konferenz stimmbereentigt. Sie waren sprachlich überdies im Nachteil und konnten sich schwer verständlich machen, wenn sie ihren Standpunkt formulieren wollten. Aber trotzdem hat die Konferenz als erste von den bisherigen Sich zu einer selbständigen Meinung durchgerungen und ist sich darüber klar geworden, welches der Sinn und Weg der Wizo als einer zionistischen Frauenweltorganisation sein soll. Und die neue Exekutive, die in schwerer Zeit die Bürde der Verantwortung übernommen hat, in dem Gefühl, nicht mehr auf den Beistand aller bisher seit vielen Jahren mit ihr verbundenen Personen zählen zu können, wird die Kraft zur Durchführung ihrer Aufgabe in dem Bewußtsein finden, das Vertrauen der überwiegenden Mehrheit der Konferenz zu besitzen und auf ihre entschlossene und begeisterte Mitarbeit rechnen zu können. Zionistische Arbeit in der - ■ Bericht der Zionistischen Exekutive an den Kongreß. Die Zionistische Exekutive hat dem Kongreß über die illegale zionistische Bewegung in Sowjetrußland und ihre Beeinflussung durch die Durchführung des Fünfjahrplanes einen Bericht erstattet, aus dem hervorgeht, daß der Zionismus in Rußland ungeachtet der Inneren Scnwierigkeiten seinen Kampf fortsetzt. Ein deutliches Zeichen hiefür sind die häufigen Verfolgungen und Verhaftungen von Zionisten. Infolge der von den Zionisten erduldeten Grausamkeiten lichten sich jedoch die Reihen der aktiven Mitarbeiter der Bewegung in Rußland immer mehr. Das Palästina-Streben der russischen Juden wird auch durch die entsetzliche wirtschaftliche Lage der jüdischen Massen gestärkt. Die mit der Durchführung des Fünfjahresplanes zusammenhängenden wirtschaftlichen Experimente treffen die jüdischen Massen mit grausamer Härte. In vielen Städten herrscht Hungersnot. Wegen Nichtbezahlung oer ihnen auf Grund bloßer Vermutungen auferlegten Sondersteuern werden Tausende von Personen verbannt und ihr Vermögen eingezogen. Die Bewegung zur zwangsweisen Kollektivierung hat den jüdischen Siedlungen fast den Todesstoß versetzt. Was endlich die Zerstörung des nationalen Geistes anlangt, so ist es kaum möglich, zu schildern, mit welchen Riesenschritten die Assimilation von den jüdischen Massen, die furchtbar um ihr tägliches Brot zu kämpfen haben, Besitz ergreift. Daher herrscht unter den russischen Juden eine starke Tendenz zur Auswanderung nach Palästina. Innerhalb des sogenannten «illegalen Hechaluz» haben sich mancherlei Veränderungen vollzogen. Denjenigen, die das Land zu verlassen wünschen, um nach Palästina 2U gehen, werden von den Sowjetbehörden alle erdenklichen Hindernisse entgegengestellt. Von den zur Auswanderung bereiten hunderten junger Männer konnten 1929 und 1930 nur wenige nach Palästina gelangen. Die übrigen gehen infolge der erbarmungslosen Verfolgungen allmählich zugrunde. Viele Angehörige des Hechaluz, die schon drei Jahre in «Politisolatoren» zugebracht haben, sind noch immer nicht freigelassen. )izchak Grfinbaum über die Lage der Juden in der Gallith In der Nachmittagssitzung vom 5. Juli hielt’ Jizchak Griinbaum sein Referat über die Lage der Juden in der Cjaluth. Er begann mit einem Hinweis auf den Pogrom in Saloniki, der das Charakteristikum aller Pogrome in sich trägt: Immer treffen die Ordnungsorgane zu spät ein, wenn es sich um Juden handelt. Es ist aber eine falsche Legende, daß der Pogrom eine Naturerscheinung sei. Pogrome sind in der Regel von langer Hand vorbereitet. Wenn wir uns aber zur Gegenwehr rüsten, hält man dies für ein Verbrechen. Aber die Schaffung der Sicherheit ist eines der Probleme des jüdischen Lebens. Diese Generation wird sich nicht, wie unsere Vorfahren im zaristischen Rußland, abschlachten lassen. Die Gleichberechtigung hat die jüdische Frage nicht gelöst. Die Aera des Liberalismus mit seinem Prinzip des freien Spieles der Kräfte ist vorbei, der Staat schränkt die Juden in ihrer freien Betätigung ein, um das Feld für die herrschende Klasse und das herrschende Volk freizumachen. In der Minderheitenfrage haben wir gesiegt, aber nur auf dem Papier. Wir beginnen, in diesem Kampfe zu erlahmen. Die Revolution hat das alte russische Judentum zerstört. Man muß aber gerecht sein und sagen, daß noch keine Regierung sich so mit der jüdischen Frage befaßt hat wie die Sowjetregierung. Es gibt Versuche zur Kolonisierung, zur Einbeziehung der Juden in die Industrialisierung. Aber die große jüdische Masse steht außerhalb des neuen Lebens im Sowjetstaat. Die Jugend dort opfert sich für den Zionismus, geht in die Kerker der G. P. U. und ins kalte Sibirien. Wir senden unseren Freunden in U. S. S. R. unsere Brüdergrüße. Grünbaum gab einen Ueberblick über das Leben der Juden in den einzelnen Ländern und schloß: Wenn die Welt die aufbauenden Kräfte Im jüdischen Volke zerstört, dann wird sich die Masse des jüdischen Volkes in eine zerstörende Kraft verwandeln. Wenn aber die Welt uns Bedingungen schafft, unter welchen unsere schaffenden Kräfte sich entfalten können, dann wird sie sich selbst von ihrem Fluch befreien und das jüdische Volk vom Fluch der Galuth. (Stürmischer Beifall.) Weitere Kongreß-Referate Handel und Industrie Basel, 10. Juli. (J. T. A.) In der Plenarsitzung des XVII. Zionistenkongresses vom Donnerstag, den 9. Juli, referierte Suprasky über Handel und Industrie in Palästina. Er führte ungefäh» aus: Heute beschäftigt die x palästinensische Industrie 12.000 Personen a»s Arbeiter und industrielle, cL h. direkt 30.000, ’ndir .kt 10.000 Personen, insgesamt den vierten Teil U°s fischuw in lerere Israel. Der iährliche Umsatz beträgt 21/2 Millionen Pfund; wenn man abzieht, was aus dem Auslande importierte Rohstoffe kosten, so bleibt dem Jischuw eine Summe von 1 ]/2 Millionen. Eine halbe Million beziehen die Arbeiter als Löhne. Die Existenz der Industrie ist sicher. Trotzdem brauche sie vor allem verständnisvolles Verhalten der Regierung. Palästinaregierung und Zionistische Organisation müßten größere Aufmerksamkeit auch der Gewinnung von Absatzmärkten zuwenden und in die Zollverträge gewisse Paragraphen zum Schutze der Palästinaindustrie bringen. Dies habe man bei den Verträgen mit Persien, der Türkei, Aegypten und dem Irak unterlassen. Wegen großen Mangels an langfristigen Krediten bemühe sich der Industrlellenverband schon seit langer Zeit um die Schaffung einer Industriebank. Dieses Problem dürfe nicht aufgeschoben werden. Die Entwicklung der Industrie störe ferner der Mangel an Kontakt zwischen Arbeitnehmer und -geber. Zu seiner Behebung tritt Suprasky für neutrale Arbeitsbüros ein, denn gemeinsame Arbeltsbüros könnten die Lage nicht beeinflussen. Die Forderungen der Industriellen sind: Eröffnung der Industriebank, Erweiterung der Industrieabteilung der Jewlsh Agency, Gründung einer obersten ökonomischen Abteilung bei der Jewlsh Agency» Einführung von Exportprämien, Konsolidierung bestehender Industrien durch langfristige Kredite, Schaffung neuer Industriezweige und Propaganda beim Auslandskapital, Wiedererrichtung des Industriedepartements der Regierung, Aenderung des Zoll- und Tarifsystems, Aufruf zugunsten von Tozereth Haarez. Die Errichtung einer Eisenbahn szwischen Erez Israel und Indien eröffne die Möglichkeit, Palästina zu einem Industrieland wie Bel« gien zu machen. Werde man die Forderungen der Industrie nicht erfüllen, bestehe die Gefahr ihrer Abwanderung nach Syrien. 37749

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