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Die Stimme · 1931-07-16 · Heft 184 (16.7.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 184 (16.7.1931)
Date
1931-07-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 184 — 16. Juli 1931 DIE STIMME Seite 7 Zelt, ht den eigenen Reiften Haß za säen and sich gegenseitig zu zerfleischen. Meir Jaari (Palästina) erklärt im Namen des Haschomer Hazair: Auf früheren Kongressen habe man die Zionistische Organisation zum Instrument in den Händen einer Klasse machen wollen, und heute bringe die Revisionistische Organisation diesen Willen deutlich zum Ausdruck. Solange in Erez Israel keine ökonomisch-kulturelle und politische Basis für jüdische Massen als Träger der nationalen Selbständigkeit geschaffen wird, wird die Zionistische Organisation eine chaluzische sein müssen. Unser Ideal ist sozialistisch: Die Konzentrierung der Mehrheit des jüdischen Volkes als arbeitende, freie Gemeinschaft im Rahmen eines binationalen sozialistischen Staates in Palästina. Robert Stricker führte aus: Drei Verbrechen hat die Arbeiterregierung begangen: Am englischen Volke, denn sie hat das ihr vom englischen Volke gegebene Mandat dazu benützt, um das uns gegebene Wort zu brechen. An uns, denn sie hat uns das Wort gebrochen. An der Menschheit, denn sie hat etwas getan, was geeignet ist, im jüdischen Volke jede Hoffnung und jeden Glauben zu zerstören. Die revisionistische Partei bemüht sich, die Jugend vor dieser Hoffnungslosigkeit zu retten. Aufgabe dieses Kongresses ist es, in dieser Jugend diesen Glauben zu erhalten. Das jüdische Volk hat nicht versagt. Das System Weizmann hat 7556 Personen im Zeitraum von zehn Jahren angesiedelt. Der jährliche Ueberschuß der arabischen Bevölkerungs- Vermehiung über die jüdische beträgt aber in Palästina zirka 12.000 Seelen. (Redner verliest und kritisiert scharf das Interview, das wir in der vorigen Nummer der «Stimme» abdruckten. — Die Red.) Stricker schließt: Wenn Sie nicht vom Geist Weizmann den Weg zum Geist Herzl zurückfinden, ist alles verloren. Es gibt bei uns nicht Platz für diese zwei Geister: Entweder Geist Weizmann oder Geist Herzl. Sodann sprachen Mosche S c h a p i r o, Dr. A. M i h ashan (Rumänien) und A. Pacifici (Italien). Am Montag spät abends führte der amerikanische Delegierte Jacob F i s h m a n n, Chefredakteur des «Morning Journal», ungefähr aus: In der Debatte haben sich zwei wichtige Fragen scharf herauskristallisiert: Unser Verhalten zum MacDonald-Brief und die Neu'ormulierung unseres Endziels. Ich und eine große Zahl von Amerikanern vertreten die Ansicht, daß der MacDonald-Brief, wenn er auch nicht völlig befriedigt, doch die Basis zur weiteren Verhandlung zwecks Erreichung wichtiger und nützlicher Dinge gibt, fch sage nicht, daß der Kongreß kategorisch erklären solle, der Brief gebe eine Basis für weitere Zusammenarbeit mit der britischen Regierung; man möge vielmehr sagen: wir sind bereit, weiter zu verhandeln, aber vieles, das der Mac¬ Donald-Brief zum Inhalt hat, ist noch nicht erfüllt worden; wir wollen abwarten, welches die wirklichen Ergebnisse sein werden. Was die Frage des, Judenstaates und der Mehrheit betrifft, so erkläre ich im Namen eines großen Teils der . amerikanischen Delegation, daß eine Forcierung dieser Frage heute eine große Gefahr in sich birgt. Paw Beermann spricht im Aufträge des Misrachi über, die Frage der Kultur und der Erziehung. Alle Parteien sprechen vom geistigen Zentrum, Erziehung ist geistiges Zentrum im Werden. Aber ein geistiges Zentrum kann nur :n einem starken politischen Zentrum sich entwickeln. Darum •nüssen wir uns zu einer starken Front vereinigen, um geeint e«h starkes jüdisches Gemeinwesen in Erez Israel zu schaffen. Dr. Schmorak gibt vom Standpunkt der Allgemeinen Zionisten eine Erklärung zur Frage der Politik und Wirtschaftspolitik ab: Die Politik der Revisionisten machen wir nicht mit; es ist heute nicht zweckmäßig, die Ziele zu formulieren. Aber wir wenden uns auch gegen die Auffassung Weizmanns, die das Ziel auch innerpolitisch in einem minimalistischen Sinn festlegen will. Wir müssen der englischen Oelfentlichkeit mitteilen, daß die Einschränkung des Nationalheims ohne unsere Zustimmung gemacht wird. Von dieser Auffassung bis zu der Methode der Revisionisten ist aber ein weiter Weg. Die Hauptlast ruht weiter auf dem jüdischen Volk; Stein um Stein muß in Palästina von uns geschichtet werden. Es folgt nun die Interpellation Arlosoroffs und Weizmanns Antwort (siehe vorige Nummer der «Stimme» — Die Red.) Der Vormittag und der Nachmittag des 7. Juli waren der Arbeit der Kommissionen gewidmet. Die Permanenzkommission und die Politische Kommission tagten gemeinsam zur Beratung der «Endziel»-Frage. Am Dienstag, den 7. Juli abends trat das Kongreßplenum zu einer Sitzung zusammen, um die Generaldebatte zu Ende zu führen. Als letzte Redner, bevor Weizmann sein Schlußwort hielt, kamen noch zu Worte der palästinensische Arbeiterdelegierte Harzfeld, der Führer des deutschen Misrachi, Lazarus Barth, der Revisionist aus Tunis Lousoune und der frühere Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas und jetziges Mitglied der Zionistischen Exekutive, Louis Lipsky. Die Frage der praktischen Arbeit in Palästina und in der Galuth wurde in der Generaldebatte fast nicht berührt, führte Harzfeld aus: wir in Palästina aber haben doch nicht nur auf politischem, sondern auch auf ökonomischem und organisatorischem Gebiete viel zu leiden gehabt. Es befinden sich jetzt in den alten Kolonien 8000 jüdische Arbeiter, die einen schweren Kampf um die Rechte der jüdischen Arbeit zu führen haben. Die Arbeiterschaft ist nicht gegen den Mittelstand; wir betrachten die Angehörigen des Mittelstandes, die nach Palästina kommen, als unsere Genossen* die morgen gemeinsam mit uns für nationale Selbstarbeit auf nationalem Boden kämpfen werden. Es ist eine große Sünde unserer Bewegung, daß sie nicht weiter energisch dafür sorgt, daß der Chaluz die Möglichkeit erhält, sich auszubilden und nach Palästina auszuwandern. Wir hatten in diesem Jahre die Möglichkeit, hundert jüdische Familien in Transjordanien anzusiedeln, aber es fehlte uns das Geld dazu. Die Revisionisten reden immer dort, wo es uns schadet, aber sie leisten nichts Praktisches. Sie haben kein Arbeitsprogramm. Der Kongreß muß einen Arbeitsplan annehmen, demgemäß die Alijah vergrößert und die Besiedlung der uns noch zur Verfügung stehenden Böden ermöglicht wird. Zur Frage der Zielsetzung möchte ich sagen: Als das Basler Programm mit der uns heiligen Formel geschaffen worden ist, da hat uns dieses Wort entflammt und diese Formulierung wurde in das Mandat aufgenommen. Wenn Sie die Endziel-Frage wieder anschneiden, so folgt daraus, daß wir zugeben, es gäbe etwas, was noch über das hinausgeht, das wir erreicht haben und das durch die Mandatskommission noch nicht genehmigt worden ist. Nachdem er noch die Erziehungsforderungen des Misrachi präzisiert hat, schloß Lazarus Barth: Wir stehen vor der Tagung der Jewish Agency. Wir werden gegenüber den Nichtzionisten unsere Weltanschauung zu vertreten haben. Werden wir in diesem Hause eine Einheitsfront der Zionisten schaffen? Lousoune: Die Juden in Tunis leben unter Bedingungen, die die Erinnerung an den eigenen jüdischen Staat in Erez Israel lebendig erhalten. Sie wissen, daß die bisherige Politik der Exekutive den Zionismus nicht seinem Ziele näher bringt. Louis Lipsky entwarf in großen Zügen ein Bild von der Gestaltung der zionistischen Politik bis auf den heutigen Tag, erhob schwerste Vorwürfe gegen die englische Politik, die cs einem Mann wie Weizmann unmöglich macht, seinen Weg weiter zu gehen. Vor dem Kongreß, fuhr Lipsky fort, erhebt sich die Frage: Was tun, um die Situation zu bewältigen? Wir müssen jeden möglichen Druck zur Durchsetzung der Anerkennung unserer Rechte ausüben, wir dürfen keine Möglichkeit zu neuer Interpretation unserer Grundrechte offen lassen. Aber stärker als Worte sind die Werte, die wir!tt Palästina schaffen, stärker als Demonstrationen sind Positionen. Wichtiger als Konfessionen, wichtiger als die Betrachtung des Endzieles, ist die Arbeit, die vor uns steht. Mit der Aufrechterhaltung und Erweiterung unseres Werkes stehen und fallen unsere politischen Forderungen. Dieser Aufgabe sollten sich alle Parteien und Gruppen widmen. (Die Schlußrede Weizmanns brachten wir in unserer vorigen Nummer. — Die Red.) Hierauf wurde die Generaldebatte geschlossen. Rund um den Kongreß Kisch* Rücktritt In einer Sitzung der Permanenzkommission wurde ein vom Colonel Kisch in Jerusalem an den Kongreß gesandter Brief verlesen, in welchem Colonel Kisch erklärt, daß seine Demission, als Leiter des politischen Ressorts der Zionistischen Exekutive in Palästina endgültig sei. Kisch empfiehlt, das politische Ressort mit anderen Menschen zu besetzen, die auch die Aufgabe haben werden, andere Methoden in der Vertretung der politischen Interessen der Organisation gegenüber der Palästina-Administration in Anwendung zu bringen. Oie kanadische Delegation zugelassen Der kanadische'!! Delegation, der zu Beginn des Kongresses die Legitimation, den kanadischen Zionismus zu vertreten, abgesprochen worden war, wurden schließlich durch das Plenum des Kongresses die vollen Delegiertenrechte zuerkannt. Das Mitglied der kanadischen Delegation, Rabbi Zfotnik, schloß sich der Revisionistischen Fraktion an. Für Umwandlung der hebräischen Universität in ein Lehrinstitut Eine Studentenversammlung Ira Kongreßgebäude Basel. (J. T. A.) Am Montag, den 6. Juli, fand im Kongreßgebäude eine gut besuchte Studentenversammlung statt, welche von der J. A. V. Jordania, Basel, einberufen und von Studentenvertretern vieler Länder und aller politischen Richtungen besucht war. Das Thema lautete: Umwandlung der Hebräischen Universität zu Jerusalem in eine wirkliche Lehranstalt und Ausgestaltung des Haifaer Technikums in eine Hochschule. Referent war Josef Fränkel, Wien. Nach einer Diskussion wurde eine diesbezügliche Resolution einstimmig angenommen. Ferner wwde eine Delegation gewählt, die beim Kongreßpräsidium und bei der Kulturkommission vorsprechen und die Resolution überreichen soll. Die Resolution lautet: «Die am 6. Juli im Kongreßgebäude in Basel stattgefundene Studentenversammlung fordeit vom 17. Zionistenkongreß die Umwandlung der Universität in Jerusalem in ein l ehrinstitut, das befähigt ist, die jüdischen Studenten wie an europäischen Hochschulen auszubilden und ihnen akademische Grade zu verleihen. Ebenso verlangt sie die Erhaltung und Ausgestaltung des Teehwikums in Haifa als Technische Hochschule, die geeignet ist, Ingenieure vollkommen auszubilden. Die verfolgte jüdische Studentenschaft der Galuth muß in Erez Israel Hochschulen haben, an denen sie frei und ungehindert auf Heimatboden studieren kann und in der Lage sein soll, sich die Grundlage für ihre Zukunft zu schaffen.» Gründung einer revisionistischen Frauenweltorganisation BaseL (J. T. A.) Die anläßlich des Zionistenkongresses in Basel anwesenden revisionistischen Frauen haben sich zusammengeschiossen und mit den Vorbereitungen für die Schaffung einer Weltorganisation revisionistischer Frauen begonnen. Eine revisionistische Frauenkonferenz soll während der nächsten revisionistischen Weltkonferena tagen. Das Defizit der fewish Agency Basel, (J. T.-A.) Die Finanzkommission des Zionistenkongresses hat dem Plenum einen Bericht erstattet, aus dem hervorgeht, daß die Jewish Agency vor einem Defizit von vier Millionen Dollar steht. Es wurde der Hoffnung auf Aufbringung der zur Deckung der bis September fälligen Verpflichtungen notwendigen 800.000 Dollar durch eine sofort einzuleitende Aktion in Amerika Ausdruck gegeben. Im Hinblick auf die finanziellen Schwierigkeiten wurde eine gemeinsame Sitzung der Finanzkommission und der amerikanischen Delegation unter dem Vorsitz von Richter Julian Mack einberufen. In der;'1* Sitzung wurden praktische Maßnahmen zur Durch- " ' führung der in Amerika geplanten Aktion berateh.1’1 Es ist möglich, daß sofort nach Beendigung des Kon- '* gresses eine Spezialdelegation zur Aufbringung von ‘ Geldmitteln nach Amerika entsandt werden wird. Die Budgetlage der Jewish Agency Basel. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit den Nachrichten über ein Defizit der Jewish Agency im Betrage von 800.000 Pfund stellt der Treasurer der J. A., Herr Dr. Werner Senator, nachstehendes fest : Die Gesamtverpflichtungen der Jewish Agency und des Keren Hajessod betragen ca. 700.000 Pfund. Ich wählte absichtlich den Ausdruck Verpflichtungen, da die Bezeichnung Defizit irreführend ist und den Eindruck erwecken könnte, daß die Schuldenlast der J. A. und des K. H. den obengenannten Betrag erreicht hätte. ln der Summe von 700.000 Pfund sind Beträge von ca. 300.000 Pfund für zukünftige ökonomische Investments und gewisse Landkäufe enthalten. Ein beträchtlicher Tefin9^ der restlichen Verpflichtungen ist langfristiger Natur, inst . besondere die Verpflichtungen an einzelne führende Pers$n-n91^ lichkeiten der J. A. Die Rückzahlungsverpflichtungen der J. A. und des K. H. für alle anderen in Anspruch genommenen Kredite belaufen sich auf ca 300.000 Pfund. Dem steht gegenüber ein Aktivum von Außenständen an Anleihen an Handel und Industrie, an eine Reihe von Institutionen und vor allem die sehr bedeutenden Investitionen in unseren landwirtschaftlichen Siedlungen. Der Wert dieser Aktiva übersteigt mit über 800.000 Pfund weit unsere Gesamtverbindlichkeiten im oben erwähnten Sinne. Selbstverständlich erfordert der Ausbau der Siedlungen, die ja permanente Investments und nicht momentan liquide Assets darstellen, und die Weiterführung unserer Arbeit große Mittel, und es ist kein Geheimnis, daß wir uns infolge der allgemeinen Wirtschattskrise und insbesondere auch wegen der Lage in Amerika in einer schwierigen Situation befinden, um unsere Ausgaben unseren Einnahmen anzupassen. Wir hoffen, daß wir, wie in früheren Jahren, durch di.; Opferwilligkeit des jüdischen Volkes die augenblickliche schwierige Situation überwunden werden. Ein Gespräch mit Arlosoroff «Der Wiener Tag» bringt am 15. Juli ein Interview seines Basler Korrespondenten mit Dr. Chaim Arlosoroff. Der Führer der palästinensischen Arbeiterschaft äußerte sich folgendermaßen über die ,, Frage der zionistischen Zielsetzung: Das entscheidende Ergebnis der letzten Nachtsitzung ist, daß die Revisionisten für ihre Endzielforderung nur ein Viertel des Kongresses vereinigen konnten. Damit ist vor der politischen Welt, dem Mandatsland und den Arabern klar demonstriert worden, daß die extreme Politik, wie sie die Revisionisten mit so großem Aplomb in allen Ländern vor dem Kongreß propagiert haben, von der überwiegenden Mehrheit der zionistischen Organisation nicht gutgeheißen wird. Das ist das beste außenpolitische Resultat, das bei der Stimmung auf diesem Kongreß erreicht werden konnte. Das zweite wichtige Ergebnis ist, daß die vom Kongreß angenommene Endzielformulierung, die von den Arbeitervertretern und dem Zentrum ausgearbeitet wurde, klarstem, daß der Zionismus auf dem Gedanken der Autoemanzipation des jüdischen Volkes aufgebaut ist und sich nicht auf äußere Faktoren stützt. Die Formulierung spricht klar aus, daß der Zionismus entschlossen ist, das nationale Dasein der Juden in Palästina durch Anspannung aller jüdischen Energien, die Durchsetzung ununterbrochener Einwanderung und Ansiedlung von Juden in Palästina unter allen politischen Bedingungen zu stärken.

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