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Die Stimme · 1931-07-16 · Heft 184 (16.7.1931) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 184 (16.7.1931)
Date
1931-07-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME ftr. IM - 16. Juli 1931 ■pf verdiente Strafe (Telephonisch von unterem Sonderberichterstatter.) Basel, 15. Juli. Ein Baseler Revisionist namens Lang, der wahrend der dramatischen Nachtsitzung von Sönntag 9-t’• Montag die blau-weiße Fahne herunterrlß, wurde vom Kongreßgerlcht zur Strafe eines Verweises ver- —:12t und aller seiner organisatorischen Mandate für eine Reihe von Monaten verlustig erklärt. Unsere Extraausgabe Wie es zur Annahme der Endz elresolution kam hätte Gelegenheit gehabt, bevor er sich interviewen ließ, der Politischen Kommission seine wertvollen Erfahrungen über die Vorgänge in London und Genf mitzuteilen und man hätte seinem Rat die nötige Beachtung geschenkt. Er hat es nicht getan und dadurch große Freude bei jenen hervorgerufen, die den Zionismus ständig verkleinern, und Erbitterung bei jenen, die zum Kongreß gekommen sind, um diese Frage zu besprechen, ob eine neue Formulierung des Endzieles notwendig ist oder nicht. Das J. T.-A.- Interview hat auch jene Delegierten, die welzmann . freundlich gegenüberstehen, in Harnisch gebracht. Arlosoroff behauptete in der Nachtsitzung des Kongresses vom 12. zum 13. Juli, der sogenannte Mißbilligungsantrag der Politischen Kommission verdiene eine Demaskierung: er sei nur eingebracht worden, um die Wiederwahl VVeizmanns zu verhindern. Die Beratungen der Politischen Kommission sind geheim. Ich kann aber das sagen, was N. Gofdmann auf die Rede Arlosoroffs erwiderte: Der in der Nachtsitzung angenommenefAntrag vermeidet jedes scharfe Wort, er bedeutet nur die Gegenwehr gegen Verkleinerungstendenzen und soll zur Beruhigung der ^-zionistischen Oeffentlichkeit beitragen. Es wäre un- ^»öglich gewesen, das Interview und die Interpella- .iJiDösbeantwortung ruhig hinzunehmen, ohne dadurch s’jdie'-Meiming aufkommen zu lassen, daß der Kongreß, ftdifr'dazige und alleinige Tribüne des jüdischen VolnJtfM^sjch mit den Aeußerungen Weizmanns idetitifi- -»iziert.iEs war notwendig, den Verkleinerungsbestrec4mngen ein Paroli zu bieten. Das hat der Kongreß in -••vornehmer Weise getan, er hat sein Bedauern ausge- .rtffeAckt und hat die Interpellationsbeantwortung für tjinzureichend erklärt. Die Erteilung des Absolutoriums §ia0d nicht mehr auf der Tagesordnung. Wäre dies der Fall gewesen, ich hätte Weizmann den Dank votiert. Man wird nun fragen, ob der Kongreß einen besseren Nachfolger für Welzmann hat. Momentan ist die Frage der Leitung noch vollkommen ungelöst; es muß aber darauf hingewiesen werden, daß Weizmann seine Eröffnungsicdc ausdrücklich, und zwar in mehrfachen Wendungen als AbsJvodsrede bezeichnet. Weizmann hat daher selbst, wie übrigens auch aus’ dem Interview hervorgeht, seine Wiederwahl für ausgeschlossen gehalten, Warum er dann die Notwendigkeit empfand, der Oeffentlichkeit — und noch dazu in solch unglückseliger Form — seine Meinung zu sagen, ist rätselhaft. Es muß ausdrücklich festge- Jji^filjlf.yyerden, daß We'zm^nn nicht sagte, die Forderung" nach' einer Majorität in Palästina' bedeute die Forderung, die Araber jxl vertreiben; er sagte nur, daß ^TttrWelt die Aufstellung der Majoritätsforderurig ^sö auffassen könnte. Derartige mißvei stündliche Auffassungen waren aber vorauszusehen und der Kongreß mußte hier klar und eindeutig einen Riegel vor- . schieben. Das waren die Gründe für den Beschluß der . Politischen Kommission und des Kongresses. Noch ein Wort zur persönlichen Seite der Frage, . Wer diese denkwürdige Sitzung miterlebt und Weiz- ' mann bei der Debatte und bei der Abstimmung über den Antrag der Politischen Kommission gesehen hat, war persönlich von tiefem Mitgefühl für den Präsidenten erfüllt; ausgenommen natürlich diejenigen, denen alles recht ist, was gegen Weizmann geht. Hier durfte aber nicht das Herz, hier mußte der Verstand sprechen. Wenn man daran denkt, daß der Kongreß so einen Führer ziehen Keß, dem wir so ziemlich alles verdanken, dann mußte der Beschluß des Kongresses als krasse Undankbarkeit erscheinen. Dann müßte man der Meinung jener Zuschauer beipflichten, die tränenden Auges zusahen, als Weizmann Stil» aufstand und fast unbemerkt den Saal verließ. Und wer nicht nur auf das Gefühl abgestellt ist, wer die Notwendigkeiten des lebendigen Zionismus erkennt, der wird sicher kein Gefühl der Schadenfreude, sondern Mitgefühl gezeigt haben. Er wird sich aber doch gesagt haben, daß die zwingenden Notwendigsten JeF Zionismus vor iem Sentiment rangieren. Und Weizmann selbst? Er ist die Klugheit in Person und ein großer Charakter. Aus seinem Interview schemt her- Z vorzugehen, daß er seine Gegner verstand, daß er; die sachliche Notwendigkeit, sich in diesei bKuation zurückzuziehen, begriff. Er hat auf Popuhritätshascherei verzichtet und dem Kongreß d« gesagt, was er als Wahrheit empfand. Wir wollen hoffen, daß er die Bitterkeit seines Herzens gegenüber dem Kongreß, der ihn so oft wie einen Gott vermute, überwinden und daß er uns auch in Zukunft seinen Rat und seinen Beistand leihen wird. Djm Weizmann hat reine Hände und ein großes, reines, jüdisches Herz. Dr. Oskai G i ü n b a u m. Montag, den 13. Juli, vormittags erhielten wir auf telephonischem Wege von unserem Baseler Sonderberichterstatter Nachrichten rnn großer Tragweite. Wir haben sofort eine Extraausgabe herausgegeben, die in vielen Tausenden von F.xemp’aren verbreitet wurde. Die Extraausgabe hatte folgenden Inhalt: Die nene zionistische Zielsetzung Rcfitionlsien (crimen den HongreO UnftesfflreltoiidK Tumo re — rin Hev.slonist reißt die Mattweiße rahne Herunter - I boilnsftu zerreißt seine Deie4ler,enht>rte Basel, 13. Juli. Ueber Antrag der Politischen Kommission wurde heute nachts folgende neue Resolution über das zionistische Endziel angenommen: «Angesichts der wiederholten Versuche, das Wesen des Zionismus zu entstellen, erklärt der XVII. Zionistenkongreß: Der Zionismus ist die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes. Er hält an seinem' im Baseler Programm niedergelegten Ziel unerschütterlich fest, in Erez Israel die Lösung der Judenfrage herbeizuführen. Das landlose, zur Auswanderung drängende Volk will durch seine Wiederverwurzelung im historischen Heimatland auf dem Wege der Ansiedlung seine wirtschaftliche, geistige und politische Not überwinden und in Erez Israel ein mit allen Merkmalen nationalen Volkslebens ausgestattetes Dasein erneuern. Der Kongreß weist jeden Versuch, dieses Ziel zu verkleinern, entschieden zurück.» Dieser Antrag wurde mit 162 Stimmen angenommen. Für den Antrag stimmten die ganze Linke und fast alle Allgemeinen Zionisten. Der revisionistische Zielsetzungsantrag (Ziel des Zionismus ist der Judenstaat) gelangte nicht zur Abstimmung, da ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung angenommen wurde. Hierauf entstehen im Saal unbeschreibliche Tumulte. Ein Baseler Revisionist reißt die blau-weiße Fahne von der Galerie herunter. Die Fahne wird unter großem Jubel der überwiegenden Mehrheit der Delegierten und der Gäste wieder angebracht* Jabolinsky zerreißt seine Delegiertenkarte, zeigt den Arbeitern ein Geldstück, lacht höhnisch und wirft ihnen das Geldstück zu. Das entfesselt abermals unbeschreibliche Tumuitszenen. Die Revisionisten verlassen den Kongreß. Die Sitzung wird um 2 Uhr nachts geschlossen. Die Lage ist völlig ungeklärt. 9er Kongreß bedauert das WJimaniiscnc interview In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde folgender Beschluß vom Kongreß angenommen: Der Kongreß bedauert die im J. T.-A.-lntervlew gemachten Aeußerungen des Herrn Prof. Weizmann und erachtet dessen auf die Interpellation erteilte Antwort als unzureichend. Dieser Beschluß wurde mit 123 gegen 100 Stimmen angenommen. Die J. T. A. berichtet am 13. Juli aus Basel: Im Hinblick darauf, daß von verschiedenen Seiten ernste Bedenken gegen die von der Politischen Kommission des Zionistenkongresses formulierte und mit 16 gegen 12 Stimmen angenommene Endzielresojütion mit Einschluß der Mehrheitsforderung geäußert worden waren, ist es in der Nachtsitzung des Plenums von Samstag, den 11., auf Sonntag, den 12. Juli, nitht zu der erwarteten Abstimmung über diese Resolution gekommen. Insbesondere war seitens der Arbeitervertreter und der Anhänger Dr. Weizmanns in den übrigen Fraktionen gellend gemacht worden, es könne vorläufig noch keine Abstimmung über eine politische Resolution stattfinden, da die Politische KommifSion noch keine Beschlüsse über Annahme oder Verwerfung des Mac-Donald-Briefes gefaßt habe, und der Bericht der Politischen Kommission daher noch unvollständig sei. Zu einer Abstimmung solle es erst kommen, sobald dieser Bericht vollständig ausgearbeitet vorliege. Es wurden daher neuerlich Parteienverhandlungen eingeleitet und eine gemeinsame Sitzung des Permanenzausschusses ' und der Politischen Kommission eiriberufen, in der Dr. Weizmann in längeren Ausführungen Ratschläge bezüglich einer Lösung der Krise erteilte. . . Weizmann legte der Kommission nochmals nahe, aus der politischen Resolution die Forderung nach einer jüdischen Mehrheit zu eliminieren und an ihrer Stelle die Forderung nach Parität aufzustcllen.. Er wandte sich auch gegen die Verwendung des Ausdrucks «historische Grenzen Palästinas», den er als., unklare und daher gefährliche Formulierung des VVunsches nach Einbeziehung Transjordaniens in das Gebiet, auf dem das Nationalheim errichtet werden soll, bezeichnete. Während ein großer Teil der Kommissionsmitglieder, unter ihnen auch Vertreter der Allgemeinen Zionisten, behauptete, die Ausführungen Doktor Weizmanns hätten keine Wirkung auf die politische Kommission auszuübcn vermocht,: erklärten seine Anhänger, in der Politischen Kommission, er habe sehr eiiidrii.cksyoll und überzeugend,gesprochen. Nach Weizmanns Rede setzte die Politische’Kommission ihre Bemühungen, die Endzielresolution in einer Weise abzuändern, die es der großen Mehrheit des Kongresses möglich machen könnte, für die Resolution zu stimmen, fort. Doch hatten diese Bemühungen noch ln vorgerückter Nachtstunde zu keinem Ergebnis geführt. Ein Im Laufe des Sonntags vom Waad L?um! aus Jerusalem eingetroffenes Telegramm gab schließlich den Ausschlag. In diesem Telegramm war im Hinblick auf die politische Lage ln Palästina dringend eine vorsichtige Formulierung politischer Resolutionen durch den Kongreß gefordert worden. Daraufhin zog die Politische Kommission ihren ursprünglichen Entwurf zurück und es lag nur mehr die als JVUnorltätsvotum angemeldete revisionistische Resolution vor, ln der die Schaffung einer jüdischen Bevölkcrungsmehrheit zu beiden Selten des Jordans als zionistisches Endziel aufgestellt wird. Spät abends hatte die Politische Kommission die neue Fassung der Resolution über das Endziel de» Zionismus ausgearbeitet. (Wir bringen diese Resolution an anderer Stelle, Die Red.), Diese Resolution kam in der in der Nacht von Sonntag, den 12., auf Montag, den 13. Juli, abgehaltenen Sitzung des Kongreßplenums zur Abstimmung und wurde mit 162 Stimmen angenommen. Gegen die Resolution wurden keine Stimmen abgegeben. Als ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung über die als Minoritätsvotum angemeldete Endzielresolution der Revisionisten mit 125 gegen 62 Stimmen angenommen worden war, kam es zur Auflösung der bis dahin streng gewahrten Ordnung im Kongreß. Unsere .geehrton Leser wurden auf dasInaurul u. i ruinwaschanstalt „Habsburg“, Zentrale: VI., Wullgussü Nr. 4 (Heltfe l), aufmerksam gemucht. Oie Firma Ist als einzige dieser Branche Mitglied der RubattsuUtion dos Koren Kajemeth und die Mitglieder dieser Sektion genießen bei Bestellungen den Üblichen Rabatt. alle Familienfeierlichkeiten (Hochzeiten, Brith Milah, Bar Mizwah etc.) bekannt. Der Keren Kajemeth wird bei diesen Gelegenheiten durch seine Freunde Sammlungen für den Keren Kajemeth durchführen

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