Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 184 (16.7.1931)
- Date
- 1931-07-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. Preis 35 g BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Erscheint jeden Donnerst/ Oesterreich monatlich S 1*50, viertel jlhrl. S 4*20, ganz jihrL . . £ 16*— Deutechld. viertelj|hrl. RM 3*- Tachechoslowakei viertelj Ke 24*— lugoelawien viertel fJÖtrl. Din 40*— Polen vierteljlhr lieb Zloty 6*50 Ungarn Vierteljahr lieb Pengö 4*20 Rumänien viertel Öhrl. Lei 120*— ebrigea Ausland vlerteljahrl Schw Franken 4*50 Redaktior Wien, L, K' und Admini8 Tel R- 4. Jahrgang Wien, Donnerstag, 16« Juli 1931 (2* Ab 5691) imer 184 Das Finale Sokolow—Präsident der Organisation Annahme der politisdken (Resolutionen Jtlac!Donatd-(Brief — £andentn)iefclun&s pfan (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) B a s e 1, 15. Juli. In der Sitzung des Kongreßplenums vom Dienstag, den 14. Juli, wurden die Anträge der Politischen Kommission angenommen. Zum Mac Donald iß rief wird in einer Resolution erklärt: . i Das Schreiben des britischen Premierministers wird als Basis für weitere Verhandlungen anerkannt, jedoch wird ausgesprochen, daß der Brief Einschränkungen und Grundsätze enthält, die zu berechtigten Befürchtungen Anlaß geben. Ferner läßt er eine Reihe wichtiger Fragen unerörtert, die im Weißbuch in einer die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes gefährdenden iind für die Jewish Agency unannehmbaren Weise behandelt werden. Des weiteren wird mit Bedauern konstatiert, daß die administrative Praxis der Palästinaregierung den Vorschriften des Briefes bisher nicht gerecht wurde .und daß insbesondere die Erschwerungen des Boden kaüfes fortdauern. Bezüglich des Landentwicklungspl an e s wird in einer anderen. Resolution erklärt, daß bei Behandlung desselben Tendenzen zum Vorschein kommen, die landwirtschaftlichen Interessen, der Juden hinsichtlich der zeitlichen Reihenfolge der Ausführung des Planes den anderen im Landentwicklungsplan In Aussicht genommenen Aufgaben unterzuordnen. Der Kongreß erklärt, daß der Landentwicklungsplan die Unterstützung.der Jewish Agency nur dann finden kann, wenn er aiif dem Grundsatz dervollständgien Gleichheit der jüdischen und arabischen Bevölkerung und auf dem Grundsatz der Gleichzeitigkeit der Ausführung basiert. . Jlahum (Telephonisch von^unserem Sonderberichterstatter.) B a s e 1, 15. Juli. Zum Präsidenten der zionistischen Organisation wurde gestern Nahum Sokolow gewählt. Die Revisionisten stimmten'für, die Arbeiter gegen ihn. Die neue Ixeftutive (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basel, 15. Juli. Die Permanenzkommission hat ln der Nacht von Dienstag auf Mittwoch eine achtstündige Sitzung abgehalten, die jedoch insoferne resultatlos verlief, als noch kein endgültiger Vorschlag für die Zusammensetzung der neuen Exekutive gemacht werden konnte. Als Mitglieder der neuen Exekutive wurden in Aussicht genommen: Farbstein, Arlosoroff, Locker und Newman. Die letzte 3£ongreß$itxung (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basei, 15. JuH. Die letzte Sitzung des Kongreßplenums findet heute, Mittwoch, den 15. Juli, um 5 Uhr nachmittags statt Weizmann kommt in das Jt, €. (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basel, IS« Juli. Professor Weizmann wurde an erster Stelle ln das neu zu wählende Aktionskomitee als VirUlst vomschlaffen» fofcolov TELEFON!B 24-5-2 GROSSBffRIEB FÜR HRUSWSSCHE Der Fall Weizmann Es wird wohl keinen Zionisten geben, der nicht die außerordentlichen Verdienste Weizmanns anerkennen würde. Sein Name ist mit der Balfour-Deldaration unlösbar verknüpft. Er hat sein Leben der zionistischen Bewegung geweiht, und wenn einmal seine. Memoiren erscheinen werden, dann werden diejenigen erröten, die sich nicht genug daran tun konnten, ihn zu beschimpfen und zu verhöhnen. Ebenso muß aber festgestellt werden, daß sein Name verknüpft wurde mit Bestrebungen, die den! Zionismus verkleinern wollen. Diesbezüglich wird ihm’ die Geschichte sicher Gerechtigkeit widerfahren lassen. Man wird finden, daß er in aller Stille, mit unbeugsamer Energie und auf die selbstloseste .Weise; für jene hohen Ziele gearbeitet hat, für die andere Zionisten nur große Worte haben. Sieht man jedoch' davon abi und betrachtet man die Situation im Zionismus, und zwar die innere zionistische Situation, dann wird man zugeben müssen, daß Weizmann zweimal in einer Art und Weise vor die Oeffentlichkeit getreten ist, mit der man nicht einverstanden sein kann. Niemand hat Weizmann gezwungen, bei der Ber-iner Ta-• gung des Aktionskomitees die genügend bekannte Aeußerung über das zionistische Endziel zu machen« Niemand haL Weizmann gezwungen, zu einer Zeit, all die Wogen der Erregung am Kongresse hoch gingen, der J. T.-A. ein Interview zu geben. Durch dieses Interview wurde die Situation auf dem Kongresse maßlos verschärft. Abgesehen davon, schien dieses Interview ein Versuch zu sein, in das Recht des souveränen Kongresses einzugreifen, das zionistische Endziel zu formulieren. Hätte es keine Brith-Schalom-Bewegung und nicht die Aeußerungen Weizmanns bei der Berliner A. C. Tagung gegeben, es gäbe heute auch keine starke revisionistische Bewegung. Druck löst eben Gegendruck aus. Hätte es keine Bestrebungen gegeben, den Zionismus zu verkleinern, dann hätte es auch keine Bestrebungen gegeben, zionistische Endziele zu stecken, die jenseits der Grenze des Erreichbaren liegen. Wenn sich Weizmann, dessen Verdienste von jedem vernünftig Denkenden mit Bewunderung anerkannt werden müssen, jenes Maß von Be* schränkung auferlegt hätte, das einem Diplomaten von seinem Range zukommt, dann wäre vielleicht dis Frage der zukünftigen Leitung von vornherein zugunsten Weizmanns entschieden gewesen. Man vergegenwärtige sich aber die Situation aut dem Kongresse.’Es stand von vornherein fest, daß die sogenannte Endzielfrage den Kongreß beherrschen würde. Das kompetente Organ des Kongresses zur Formulierung der Endzielfrage ist die Politische Korn« mission. Statutenmäßig hat jedes Mitglied der Exe* kutive das Recht, an den Kommissionsberatungen teilzunehmen und dort das Wort zu nehmen. Auch Weizmann hätte diesen Weg gehen können und sollen*