Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 183 (9.7.1931)
- Date
- 1931-07-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 183 — 9. Juli 1931 Ult STIMME Seite J Die VI. Weltkonferenz der Wizo Von Dr. Martha Hof mann. Basel, 30. Juni. Die soeben beendete VI. Weltkonferenz der Wizo, die von 70 Delegierten aus rund 30 Ländern geschickt worden war, nahm einen sehr bewegten Verlauf, wie man es bisher von Konferenzen der zionistischen Frauenorganisation noch nicht gewohnt war. Die anwesenden Vertreterinnen der Wizo-Landesverbflnde aus den kontinentalen Ländern, sowie aus England, Palästina. Syrien usw. zeigten beträchtliche Reife und Ernst der Ueberzeugung, die über den Eindruck der früheren Konferenzen wc:t iiinanzgingen. Bei dieser Konferenz wurde um prinzipielle Fragen der weiteren Programmbildung der Wizo gekämpft. Der Konferenz war eine eintägige Sitzung des Councils vorangegangen, das dem A. C. der Zionistischen Organisation entspricht. Diesem Council legte die Londoner Exekutive ein Memorandum vor, das einige schwerwiegende Bedingungen enthielt, mit denen die Exekutive zu stehen und zu fallen erklärte. Unter diesen Bedingungen fiel besonders die eine auf, die es den Leiterinnen der Wizo-lnstitutlonen künftighin unmöglich machen sollte, an der Palästina- Exekutive der Wizo teilzunehmen. Da sich dies insbesondere auf die langjährigen Fiihrcrinnen Chana Maisel-Schochat und Ada Fischman bezog, die da9 Vertrauen der Wizo-Föderationen in hohem Maße genießen, war keine Majorität für die Annahme dieses Punktes zu erreichen, vielmehr bestand ein Antrag, diesen Punkt gänzlich zurtlckzuziehen. Schließlich wurde eine matte Einigung dahin erzielt, daß die Bedingung im Prinzipe angenommen, aber für die nächsten zwei Jahre suspendiert wurde, und daß Chana Maisei und Ada Fischman ausdrücklich von der Bedingung ausgenommen wurden. ln einer Reihe anderer Punkte des Memorandums konnte gleichfalls eine Einigung erzielt werden und es muß hervorgehoben werden, daß die ganze Wizo-Organisation sich in einem ungewöhnlichen Maße einig in der Tendenz der Fortführung ihrer bisherigen Hauptarbeitsgebiete (der land- und hauswirtschaftlichen Erziehungsarbeit) sjwie in der Tendenz der Erhaltung ihrer bewährtesten Führerinnen in London und Palästina zeigte. Nur um die langjährigen Londoner Führerinnen, insbesondere- Frau Eder und Frau Sieff, die zu den Gründerinnen der Wizo gehören, nicht zu verlieren, zeigte sich die in ihrem demokratischen und kolonisatorischen Willen außerordentlich aufrechte Konferenz zu einigen matten Konzessionen im Sinne der oben erwähnten bereit. Aber die Einigung mit den amtsmüden Mitgliedern der Londoner Exekutive konnte umso weniger erreicht werden, als diese sich an bestimmte Persönlichkeiten der bisherigen Palästina-Exekutive banden, gegen die sich großer Widerstand in den Reihen der Delegierten kundgab. Es kann und soll hier nicht auf persönliche Angriffe und Beschuldigungen eingegangen werden, die gegen einzelne Mitglieder der ehemaligen Palästina-Exekutive erhoben wurden. Die Untersuchungen über die Berechtigung der Angriffe wurden einer Kommission überwiesen, die ihre Arbeit während der Tagung nicht beenden konnte. Gleichfalls einer Kommission überwiesen wurde die Ausarbeitung bestimmter bindender Regeln für Administration und Finanzkontrolle der Wizo in Palästina, und diese Kommission leistete in Verbindung mit einigen Experten ganze Arbeit, so daß der Entwurf der künftigen administrativen und finanziellen Kontrolle bereits vorliegt. Einen Gegenstand heftiger Debatte bildete ferner der Antrag Frau Persitz’ (Tel-Aviv), daß die Wizo ihr Budget . für ihre landwirtschaftlichen Institutionen kürzen solle, um einen bestimmten Betrag für die Erhaltung des Schutwerices der Jewish Agency freizumachen. Es zeigte sich, daß die Konferenz fast einhellig den Standpunkt vertrat, daß bei dem gegenwärtigen Defizit in dem Budget der bisherigen Institutionen ein solcher Antrag nicht ohne größtes Risiko für die Fortführung des Programmes angenommen werden könnte. So wechselte die Konstellation für die neue Exekutive wiederholt. Dank Bemühungen einzelner vermittelnder Delegierter schien schon eine alle Gruppen umfassende Exekutive Im Entstehen begriffen zu sein, als aus einem geradezu unfaßbaren Grunde die zum Rücktritt bereit gewesenen Exekutivmitglieder sich plötzlich weigerten, den Konferenzsaal SU betreten. Es handelte sich um eine vermeintliche Beleidigung seitens der allverelirten Vizepräsidenten Frau Irwetl. Wer diese gütige Frau kennt, wird es unfaßbar finden, in welcher Weise ihr Ausscheiden aus dem Präsidium der Konferenz gefordert wurde, Hier schon zeigte sich, daß die neu zu wählende Exekutive schwerlich die unbedingt erforderliche Atmosphäre zur Zusammenarbeit aufkommen lassen würde. Und tatsächlich scheiterte in letzter Minute jeder Versuch der Kompromißlösung, so daß die Damen Eder und Sieff (sowie deren nächste Verwandte Marks und Sacher) aus der Londoner Exekutive ausschieden, ferner die Damen Persitz, üellner und Berger nicht mehr ln der Liste der neuen Palästina-Exekutive enthalten sind. Die neugewählten Exekutiven haben folgende Zusammensetzung: jp|liith-Exekutive; Ehrenpräsidentin Lady Samuel, Ehrenvizepräsidentin Frau Irwell, ferner die Damen Goodman, Wevzmann, Dr. Sokolow, Feiwei, Feldmann, Epstein, Solomon, sowie neu kooptiert Frau Jacobs, sämtlich London; ferner aus der übrigen Galuth die Damen Ben Zion, Freiman, Margulies, Steiner, sowie neu kooptiert die Damen Pollak van CIeef, Dr. Roth und Dr. Scheuer. Palästina-Exekutive: Ehrenpräsidentin Miß Henrietta Szold. Ferner die Damen: Maisel-Schochat, Kish, Ginzberg, Warszawsky, Fischman (Moazath Hapoaloth), Smoira (Histadrutn Naschim), Jewnin (Histadruth Arzith). Die Struktur der Palästina-Exekutive wurde so gefestigt, daß zu vier regulären Wizo-Vertretcrinnen je eine Vertreterin der affinierten Verbände hinzukommt. Während die Affiliierung der .Moazath Hapoaloth von dieser Konferenz zu Ende geführt wurde, erhoben sieh Schwierigkeiten mit bezug auf die Affiliation der Histadruth Naschim, gegen die namentlich die Vertreterin der amerikanischen «Hadassah», Frau Franklin, heftigen Einspruch erhob, da die H. N. eine Gründung der Hadassah ist. Diese Frage wurde für einige Zeit zurück gestellt; inzwischen sind Verhandlungen zwischen Wizo und Hadassah auch in bezug auf die Abgrenzung der beiderseitigen Arbeitsgebiete und die gemeinsame Vertretung innerhalb der Jcwisli Agency im Gange. Es ist zu hoffen, daß die Hadassah, die das sanitäre und soziale Gebiet der Frauenarbeit, in Verbindung mit der Histadruth Naschim, verkörpert, und die Wizo, die in Verbindung mit der Moazath Hapoaloth besonders die Erziehung der Frau zu produktiver Arbeit, entsprechend den Bedürfnissen des Landes, sich zur Aufgabe gestellt hat, sich bald so weit verständigen, daß eine Vereinheitlichung der Frauenarbeit durchgeführt werden kann, die die beiden großen Departements: soziale und sanitäre Arbeit einerseits — Berufserziehung der Frau andererseits, umfaßt. Mit starken, zukunftsicheren Worten der Vertreterinnen der neugewählten Exekutive Goodman (London), Margulies (Bukarest), Maisel-Schochat (Nahalal) und einem eindrucks-' vollen Appell der Ehrenvorsitzenden Frau Irwell schloß die VI. Konferenz der Wizo, die eine der schwersten dieser Organisation war, aber auch gezeigt hafyr daß die Frauen aus eigener Initiative und mit vollem Bewußtsein ihrer Verantwortung den sclbstgewählten Weg weitcrzugelien entschlossen sind. Erhöhung der Budgetquoten durch die Wizo- Föderationen Angesichts des in der letzten ArbeitsperoJe entstandenen Rückganges der budgetären hm nahmen d,r Wizo entschloß sich die große Majorität der aut der VI. Konferenz in Basel vertretenen I öderntio: en aut Grund eines Appelis der Ehrenvorsitzenden Frau Irwell, ihre Budget«.|uoten um je 20 Prozent zu erhöhen, wodurch eine Deckung /(es hauptsächlich in Kanada entstandenen Ausfalles zu erhoffen ist. Hierin manifestierte sich der entschiedene Wille der Konferenz zur Au.recf.ieiliaitting des Stauda»eis innerhalb der bisherigen Wizo-Arbeit. Neue Propagandamethoden der Wizo Die VI. Konferenz der Wizo in Basel na lim einstimmig den Antrag Dr. S t e i n - Dr. Hofmann auf Errichtung einer Bildungszentrale an, die administrativ der Londoner Zentrale untersteht, während ihr das Material von einem Komitee, bestehend ans den Damen Dr. H a n e tn a n n (Jerusalem), Dr. Hofmann (Wien), Dr. Stern (Berlin) in Verbindung mit der Organisationssekretärin F. Grubw i e s e r, übermittelt werden soll. Einstimmig angenommen und zur Durchführung für das bevorstehende Counciljahr 1932 bestimmt wurde der Antrag Dr. M. H o 1 ni n n n aut Abhaltung einer mehrwöc lu-nt liehen Sommerschule der Wizo In einem zentral gelegenen, billigen Lande des Kontinents, wobei die wichtigsten Zweige des zur Propaganda erforderlichen Wissens in seminaristischem Betriebe mehrsprachig und mit propagandistischer Schulung gelehrt werden sollen. Ein Komitee, zusammengesetzt aus der Antragstellern!, aus Dr. M. Scheuer (C. S. K.) und mehreren Vertreterinnen der Föderationen wurde mit der Ausarbeitung genauer Pläne zwecks Durchführung betraut. Eine Interessengemeinschaft mit K. K. L. und dem K.. B. zionistischer Mädchenvereinigungen auf dem Gebiete der mündlichen und schriftlichen Propaganda wurde akzeptiert. Auch die Teilnahme an der von Dr. N. Stein propagierten Lichtbilderzentrale wurde genehmigt. Sei iFogrom in fatonifü Große Scharen der jüdischen Bevölkerung verlassen die Stadt Saloniki, um benachbarte und entferntere Städte aufzusuchen, da auch nach dem Brande der Terror der Nationalisten gegen die Juden nicht auigehört hat. Die Synagogen sind von durch den Brand obdachlos gewordenen Familien, die in ihnen Zuflucht suchen, überfüllt. Es verlautet, daß zwei jüdische Familien bei dem Brande ums Leben gekommen sind. Als die Juden aus den brennenden Häusern flohen, verlegten ihnen nationalistische Gruppen den Weg. So kam es, daß etwa 15 Juden schwere Brandwunden erlitten. Polizei zerstreute durch Schreckschüsse eine Gruppe von 100 Kommunisten, die eine Sympathiekundgebung für die Juden veranstaltete. Bei dem Pogrom in Saloniki spielte die von der Salonikier antisemitischen Presse gegen den Makkabi in Saloniki erhobene Beschuldigung eine Rolle, daß ein Vertreter des Makkabi im vorigen Jahre an einem bulgarisch-mazedonischen Kongreß in Sofia teilgenommen und dort erklärt hätte, Makkabi arbeite für die Autonomie Mazedoniens. Demgegenüber wird dem J. T. A.- Vertreter in Sofia aus bulgarischen Makkabi-Kreisen erklärt, daß der in Frage kommende Delegierte des Makkabi in Saloniki, Herr Cohen, ani 30. August vorigen Jahres zur Teilnahme an dem großen Makkabi- Sportfest eingetroffen war, sich hier einzig und allein mit seinen bulgarischen Makkabi-Freunden über die Organisation des Makkabi auf dem Balkan zur Teilnahme an der Makkabiade in Palästina unterhalten und keinem Menschen gegenüber irgendwelche politische Erklärungen abgegeben hat. Neue Ausschreitungen Nach einer amtlichen Meldung des Generalgouverneurs von Mazedonien fanden am 1, Juli in Saloniki erneut blutige judenfeindliche Ausschreitungen statt. Das Judenviertel wurde an verschiedenen Stellen angegriffen, auch mehrere Brandstiftungen kamen vor, denen U Bauten, darunter auch die Synagoge und die jüdische Schule, zum Opfer fielen. Es wurde eine Reihe von Verhaftungen vorgenommen. 54 jüdische Familien sind obdachlos. Am Tage vorher waren Nationalisten in die Synagoge eingedrungen und hatten die Thora-Lade gesprengt und Thora-Rollen zerrissen. Vertreter von siebzehn griechischen und drei jüdischen Organisationen, darunter der Bnei Brlth, hüben eine Konferenz abgehalten, in der mehrere Redner Ihr Bedauern über die judenfeindlichen Ausschreitungen in Saloniki und ihr Vertrauen, daß die Behörden für die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit Sorge tragen werden, zum Ausdruck brachten. Es wurde eine Resolution gefaßt, In der die Presse Salonikis aufgefordert wurde, an der Wiederherstellung einer Atmosphäre des Friedens ln Saloniki, sowie besserer Beziehungen und gegenseitigen Vertrauens zwischen allen seinen Bewohnern mitzuwirken. Es wurde beschlossen,, eine Konferenz aller gjriei chischen und jüdischen nationalen und professionellen Verbände Salonikis, sowie der verschiedenen jüdischen und griechischen Vereinigungen in den Vorstädten einzuberufen, auf der die Ursachen, die zum Ausbruch der Unruhen geführt haben, besprochen und die gegenseitigen Mißverständnisse zwischen Juden und Griechen beendet werden sollen. Der Finanzminister hat dem Gouverneur von Saloniki einen Betrag von 500.000 Drachmen zum Wiederaufbau des vom Mob niedergebrannten Campbell- Viertels zur Verfügung gestellt. Hilferuf an den Zionistenkongreß Jüdische Führer aus Saloniki haben an den Zionistenkongreß in Basel ein Telegramm gerichtet, in dem der Kongreß und die zentralen jüdischen Organisationen aufgefordert werden, sofort eine Intervention wegen der Judenverfolgungen in Saloniki einzuleiten, ln dem Telegramm wird erklärt, die jüdische Bevölkerung stehe vor der Gefahr völliger Ausrottung, wenn nicht ein sofortiger Schritt von außen erfolge. Es wird dringend gebeten, einen Spezialvertreter nach Saloniki zu entsenden. Die Gefahr neuer Angriffe gegen die Juden bestehe fortgesetzt die jüdischen Viertel sind evakuiert. Die Zentralregierung stehe zwar der jüdischen Bevölkerung sympathisch gegenüber, die lokalen Behörden aber verharren in Untätigkeit. Eine streng gehandhabte Zensur mache es den Korrespondenten unmöglich, Einzelheiten zu telegraphieren oder ausführliche briefliche Berichte über die Lage zu erstatten. Im Hinblick auf die Unmöglichkeit, direkte Nachrichten aus Griechenland zu erhalten, hat die Jüdische Telegraphen-Agentur von Basel aus einen Sonderberichterstatter mittels Flugzeugs nach Saloniki entsendet. Die Nachrichten aus der Stadt werden mittels Flugzeugs weiterbefördert werden. Die Agudah in Palästina separiert eloh, Zum Protest gegen die Entscheidung des Waad Leuml in der Frage der Fußballwettspiele an Sabbathtagen hat die Agudah Jlsrael in Palästina Ihre Vertreter aus allen ge« meinsamen JUd. Komitees, auch aus dem Volkszählungskomitee des Waad Leuml und dem Komitee der Jerusalemer JUd. Gemeinde für städtische Angelegenheiten zurückgezogen. s oeben neu erschienen: 3>t. jCuMflav Aft: Jüdische Jiewxte in Jugoslawien S Buchhandlung Josef Belf Wen, l Bezirk, xabenaleig ZYjp. Z mr