Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 183 (9.7.1931)
- Date
- 1931-07-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE STIMME geeetet, die trotz alter Schwierigkeiten 2900 Pfund ergab. Der Redner schlug dann dem Kongreß drei Re« soluttonen vor und schloß: Der Boden von Erez Israel ist der archimedische Punkt der zionistischen Bewegung. Unsere Hoffnungen, unser Volk, unsere Organisation, alles hängt vom Boden ab. Werden wir den Boden unter den Füßen haben, dann sind 20 Passfields für uns nicht gefährlich. Haben wir den Boden nicht, dann werden 20 Balfours uns nicht helfen. Juden für Erez Israel werden wir Immer bekommen. Die Frage der nächsten Jahre ist: Erez Israel für die Juden. Ussischkins Ansprache wurde mit stürmischem, langanhaltendem Beifall aufgenommen. Handtkes Keren-Hajessod- Bericiit In der Spätabendsitzung am 1. Juli erstattete Dr. Arthur Handtke den Bericht des Keren Hajessod. Der Keren Hajessod, führte er aus, ist eine der Formen, in der sich der Einheitswille des jüdischen Volkes manifestiert. Er macht den Juden der Diaspora zum Steuerträger von Palästina, zum ideellen Bürger des entstehenden jüdisch-nationalen Heims, So konnte der Keren Hajessod als erster wieder anknüpfen an die älteste Institution der jüdischen Diaspora, an die Tempelsteuer. Damals bestand noch das nationale Heim und die Diaspora rankte sich empor und stützte sich aut ein'starkes Zentrum. Und es ist ein Zeichen für die Wiedererstarkung unseres Volkes, daß wir im Keren Hajessod die Möglichkeit gefunden haben, wenn auch in veränderter Form und heutigen menschlichen Auffassungen angepaßt, eine Institution Jährlicher Steuer einzuführen, nicht nur zu proklamieren, sondern auch durchzusetzen — eine Institution, weiche, wie damals, Diaspora und Zentrum verbindet, die Glieder eines nationalen Gemeinwesens sind. Der Keren Hajessod Ist ein populärer Fonds, Wir haben das bei der Feier seines zehnjährigen. Bestandes gesehen, welche die gesamte jüdische Presse festgehalten hat. E« war ein Freudenfest. Schon das Jahr 5690 brachte uns einen Rückgang der Sammlung, Er war noch verdeckt durch die große Einnahme des Hilfsfonds. Das Jahr 5691 zeigte den Rückgang ganz klar. 25 Prozent beträgt der Rückgang der Sammlung. Dieser Rückgang ist kein« Krisis de« Keren Hajessod-Gedankens, er ist die notwendige Konsequenz der Verarmung der Welt, Pie Juden der Vereinigten Staaten von Amerika haben weniger als die Hälfte von dem gegeben, was sie in früheren Jahren gehabt haben. Der Keren Hajessod ist ein Pionierfonds. Mit dem Pionier kommt der Einwanderer und das Privatkapital. Der Keren Hajessod hat Ihm die Wege geebnet, hat die Hypothekenbank geschaffen, die Gründung der Patestlne Electric Corporation und der Potash Company ermöglicht. Er kann aber nicht alles schaffen, Er verlangt den Ausbau wei« terer Institutionen in Palästina, kann aber nicht damit einverstanden sein, daß Pionierfondskapital für andere Zwecke in Anspruch genommen wird. Wir brauchen i nie Wege, sie müssen aber zu neuen Mitteln, zu neuen Ov twegen führen, Neue Mittel sind in diesem Moment nicht kurzfristige Anleihen, Darüber hinaus brauchen wir zwei Dinge: Wir brauchen private« Kapital, das mit einem eigenen Risiko in Palästina arbeitet, und wir brauchen Geld auf neue Wege ohne Verpflichtung der Rückzahlung und ohne Zinsleistung, um den Ausfall dieses katastrophalen Jahres zu decken. Felix Rosenbitiths Referat über Organisation ln der Spätabeml-Sitzung des l. Juli referierte Felix RosenblUth über die Lage der Organisation* Ein kleiner Rückgang an Schekelzahlern sei in Amerika iu verzeichnen. Dagegen sei ln Polen die Zahl der Schekelzahler gewachsen. Auf dem Gebiete der Organisation wird überall rege gearbeitet: erfreulieh ist es, daß ein guter Nachwuchs der zionistischen Jugend In Erscheinung tritt Im Verlauf der weiteren Ausführungen Rosenblüths kam es zu einem scharfen Rede-Dueil zwischen dem Referenten und den Revisionisten, als RosenblUth die Revisionisten beschuldigte, sic hätten die zionistischen Fonds sabotiert und keine zionistische Disziplin gehalten. Die Revisionisten unterbrachen zweimal Rosenblütha Rede durch tosenden Lärm. Schließlich legte sich Präsident Motzkin Ins Mittel, Daraufhin konnte RosenblUth sein Referat unter Beifall der Mehr- Dame («eeeHJeden), Intslliflint und ««bildet, hUbeohot Aeutere«, eprachenkundig, eportliebend (kleine* Kapital vorhanden), »geht peilenden, nur intelligenten, Innerlich und äuOsrlish kultivierten, gut •Itwlortan Bhepsrtner swieohon 90 und 49 Jehron. Unter ..Zufall S21M an Adm, d. Bl, heit beenden. RosenblUth hat «In Reformprogramm für Nr. 183 — 9. fuli 1931 die Organisation unterbreitet, das die bisherige Exekutive auf Grund des Berichtes einer Kommission nach längeren Beratungen angenommen hat. Es basiert auf folgenden Hauptpunkten: 1. Die Organlsatlons- und Propagandatätigkeit soll mehr In den Vordergrund der Arbeit der Zionistischen Exekutive gerückt werden. 2. Das Organisations-Departement der Zionistischen Exekutive soll zu einer Zentrale für Organisation und Propaganda ausgebaut werden, welche die Tätigkeit der Verbände In den Ländern aktiv und systematisch unterstützt. 3. Die hauptsächlichsten Außenaufgaben des Organisations-Departements sind: a) Anregung und Ueberwachung der organisatorischen und propagandistischen Tätigkeit der zionistischen Landes- und Sonderverbände sowie sonstiger Organisationen, vor allem der zionistischen Jugendverbände, b) Organisierung direkter Propaganda-Aktionen der Exekutive unter Verwendung von Propaganda-Delegierten verschiedener Richtungen mit dem Ziele der Vermehrung der Schekelzahler, c) Subventionierung der Tätigkeit leistungsschwacher Verbände, Insbesondere der Jugendverbände. d) Vermittlung des Austausches Organisation«- und propagandatechnischer Erfahrungen, e) Beratung der Verbände bei der Schaffung der Propaganda-Literatur. f) Sorge für die Herausgabe von Standardwerken zionistischer Ideologie und Propaganda. g) Ueberwachung der Arbeiten und Förderung des zionistischen Pressedienstes. 4. Ständige Sorge der Exekutive und insbesondere des Organisations-Departements muß es sein, die Einheitstendenzen innerhalb der Bewegung zu stärken. ür das Vereinshelm Wien, I Nußdorferstr. 61, werden Untermieter gesucht Anhagen Donnerstag abends »b ‘/,9 Uhr! Arlosoroff filier Probleme der Finanzierung des Palästina-Aut' baue* Am 2. Juli d. vc :i r ' atteie Dr. ( ' ' ’ ‘i Arlosoroff einen Bericht über die wirtschaftliche Lage des Palästinaaufbaues. In diesem von den Delegierten mit großem Interesse angehörten Bericht führte Arlosoroff aus, daß von jüdischer Seite in den letzten zehn Jahren rund 90 .Millionen Dollar nach Palästina gebracht worden sind. Es seien In diesem Zeitraum 90.000 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen. die auf jede^Bißzelne IV •’ ■ nV ""'seinfuhr müsse mlf^durchschnittlich 1000 Dollar angenommen werden. Im Hinblick darauf, daß zumindest 20,000 Menschen Jährlich kolonisiert werden müssen, was einen Betrag von 20 Millionen Dollar erfordere, seien Keren Hajessod und Keren Kajemeth, die höchstens 5 Millionen Dollar jährlich aufbringen können, als Kolonlsatlonslnstrumente unzureichend. Es erscheine daher die Aufnahme einer Internationalen Anleihe dringend geboten. Arlosoroff entwickelte sodann den Plan einer derartigen mit Hilfe der englischen Regierung und des Völkerbundes aufzunehmenden Anleihe zur Förderung der Jüdischen Kolonisation ln Palästina und skizzierte einen detaillierten Plan zur Schaffung eines Investitionstrusts. Der Referent teilte mit, daß ein solcher Plan bereits von der Gruppe Warburg gemeinsam mit der Brandclsgruppe vorbereitet werde. Zwei weitere Vorschläge von Dr. Arlo* soroff zur Stärkung der jüdischen Finanzen In Palästina gingen dahin erstens, ein Agrarinstltut zu schaffen, das kotierbare Hypothekenpfandbriefe unter der Garantie der Palästinaregierung herausgeben soll, und zweitens den Plan Soskins durchzuführen, demzufolge auf Grund des britischen Kolonlaientwicklungsgesetzes durch den Jüdischen Nationalfonds Anleihen bei der britischen Regierung zu Landentwicklungszwecken gemacht werden sollen. 99989999 Der Palästinabericht der englischen Regiernng an die Mandatskommission Dm KolonlsUfnt hat dep Bericht der britischen Regierung an den Völkerbund über die Verwaltung ln Palästina im Jahre 1930 veröffentlicht, ln diesem Bericht wird zunächst festgestellt, daß im abgelaufenen Jahre keine Störung des allgemeinen Friedens In Palästina erfolgt Ist. Zur Wiederherstellung und Aufrechterhaltung friedlicher Verhältnisse habe das allmähliche Abflauen des arabischen Boykotts beigetragen. Es wird sodann die politische Entwicklung, insbesondere im Zusammenhang mit dem Simpson-Barlcht, dem Weißbuch und dem Mac-Donald-BHef, behandelt. Von den Arabern «eien Simpson-Bericht und Weißbuch, die ihnen die Lösung der ökonomischen Schwierigkeiten, die Beseitigung der Gefahr einer zionistischen Vorherrschaft und den Anfang einer Selbstverwaltung zu bringen schienen, mit Befriedigung aufgenommen worden. Pie Juden hätten gegen das politische Statement (das Weißbuch) heftig protestiert, der Bericht Sir John Hope Simpsons aber sei, obwohl auch er von Kritik nicht verschont blieb, als wertvoller Beitrag zur Lösung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Palästina für Araber und Juden anerkannt worden. In Beantwortung der ersten In dem üblichen Frage« bogen der Mandatskommission enthaltenen Frage: Welche Maßnahmen wurden getroffen, um Im Lande Jene politischen, administrativen und wirtschaftlichen Bedingungen zu schaffen, durch dl« die Errichtung de« Nntlonalhelms für das Jüdische Volk gewährleistet wird? Welches sind die Ergebnisse dieser Maßnahmen? wird auageführt: Pie allgemeinen Richtlinien der Politik, die die Mandatarmacht einsuhalten gedenkt, um die mit dem Mandat verbundenen Verpflichtungen zu erfüllen, wurden In dem Weißbuch von 1930, das das Weißbuch von 1922 bekräftigt, niedergelegt, Durch die Bestimmungen eines Briefes, der am 13. Februar 1931 vom Ministerpräsidenten an Dr. Ch, Weidmann gerichtet wurde, und dessen Wortlaut dem Völkerbund mitgeteilt worden lat, wurden gewisse Mißverständnisse und unrichtige Auffassungen, die bezüglich dieser Politik entstanden waren, beseitigt und eine gewisse Kritik selten» der Jewlsh Agency berücksichtigt. Ali wjehtigate Maßnahme der Mandatsregforung zur Schaffung günstiger Bedingungen für die Errichtung eines Nationalheims wird die Einsetzung einer Verwaltung unter einem britischen High Commlssloner angeführt, die Palästina den Bestimmungen des Mandats gemäß zu regieren hat. Der erste Schritt sei die Aufhebung des türkischen Einwanderungsverbotes für Nichtmohammedaner nach Palästina gewesen, ferner sei ein System jüdischer Einwanderung legalisiert worden, das von dem Grundsatz der Anpassung an dl« Jeweilige wirtschaftliche Abeorptionskratt des Landes geleitet wird und Innerhalb der letzten zehn Jahre die Einwanderung von annähernd IQ0.QQQ Juden ermöglicht hat, Da« türkische Embargo auf Bodenkauf sei beseitigt, die Eintragung eines großen Teiles der inoffiziellen Transaktionen, zu denen die Juden In früherer Zeit genötigt waren, in die Grundbücher ermöglicht worden. Seit 1820 sind annähernd 800.000 Dunsm In Jüdische Hände übergegangen. Staatsgebiet wurde langfristig an die Kolonie Petach Tlkwah, die Stadtgemeinde Tel Aviv und die Palestlne Jewlsh CpJönlMtlon Association verpachtet. —* Status und Jurisdiktion tf«r Jüdischen religiösen Gerichte wurden anerkannt, ein Rabblnischer Rat errichtet. Per High Commlssloner hat Im Verordnungswege die Organisation der Jüdischen Gemeinschaft zur Selbstverwaltung ihrer Internen Angelegenheiten ermöglicht, Die Mandatarmacht hat für die Ausdehnung der zwischen England und verschiedenen Staaten bestehenden Handelsverträge auf Palästina Sorge getragen. Auf Grund besondere^ Bestimmungen de» National!- tätengesetzea zur Erleichterung der Erwerbung der palästinensischen Landesbürgerschaft durch Juden haben 1833 8500 jüdische Familienoberhäupter, die 20.000 Seelen repräsentieren, für die palästinensische Bürgerschaft optiert* Als Maßnahmen zur Förderung der Landesentwicklung werden sodann Steuerreformen, der Ausbau des Straßen-, Eisenbahn-, Telegraphen- und Telephonnetzes, der Hafenbau In Haifa und die zur Durchführung von Elektrifizierung®’* und Bewässerungsprojekten. zur Verwertung der Mineralschätze des Toten Meeres und der heißen Quellen In Tiberlap erteilten Konzessionen angeführt. Die zionistischen Schulen erhalten eine Jährliche Sub* vention von 20.000 Pfund- Es folgt ein Abschnitt über die öffentliche Sicherheit, Das Pollzelkorpa besteht aus 692 Engländern und 202S Palästinensern (unter ihnen 21 Jüdische Offiziere und 306 Jüdische Polizisten), das Orenzkorps aus 830 Man« (unter ihnen 28 Juden), die Garnison aus 3 Bataillone« der britischen Armee, 2 Luftgeschwadern und einer Panzer« wagenkompagnle. Jede isolierte Jüdische Kolonte besitzt versiegelte Waffendepots. Es wird betont, daß schon im Weißbuch von 1932 dar Aufbau des Jüdischen Nationalheime vor allem als Aufgabe der Juden selbst hingestellt worden sei. Den Repräsentanten der Jewlsh Agency Ist rascher Zib tritt zum High Commlssloner, zum Chefsekretär und zu de« Leitern der Departements zwecks Erörterung der mit der Errichtung des Nntlonalhelms in Zusammenhang stehende« Fragen gewährleistet. Vor gesetzgeberischen und andere» Reglerungamaßnahmen wird die Agency zur Darlegung Ihrei Standpunktes eingeladen. Im letzten Abschnitt werden die Maßnahmen zur Sicherung der im Weißbuch genau definierten Rechte der nicht* jüdischen Gemeinschaften aufgezählt. (J. T. A.) Oie jüdisehen Arbeiter Palästinas fordern •eeehäftlaun« bei öffentlichen Arbeiten. Unter der Führung von Ben «wl spruob eine Deputation der jüdliohen Arbeiter-Organisation Palästinas beim High commlssloner Sir John Chancellor vor, um Beschwerde dagegen su erheben, daß bei den von der Regierung und de« Stadtverwaltungen durohgeführten öffentlichen Arbeite« keine Juden beschäftigt werden. Der High Commlssloner erwiderte, eine vollständige Lösung der Frage der Heran« Ziehung von Juden su öffentlichen Arbeiten sei noch »loht gefunden, doch habe er die Leiter der Departements dahin instruiert, auch jüdische Arbeiter zu beschäftigen.