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Die Stimme · 1931-07-09 · Heft 183 (9.7.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 183 (9.7.1931)
Date
1931-07-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 183 — 9. Juli 1931 DIE STIMME 3eft»g 3» “* toertxn geioiffc Änaetdjett nid# Beamtet. CorgetHgc (frmiibunß, glimmern bot ben Äugen, fBenommenljeit, ®<$laflofigfelt, ©djminbelanfäHe, Äopffdjmeräen, ßfjtenfaufen, gijdjtifdje unb rtjeumatifdje SBefdjtDerbeti finb Ältetserfdjeinungen, bie ie fviiljer je bcffcc burdj bie äraüidj empfohlenen, frei berläufli^en fRabloff Ierln-Safiletten gellncert merben. SÄabiuntljaltiges Ötabiofflcrin Bemirft bie Beffere SDurdj&Iutung bes gan«n Ä8rper§, üerljinbert ÄallaBIagerungen, gibt ben Äbern bie noiluenbige Glnftiaität, Beugt ÄlterserfdBeinungen bor. fRöbtutngeljalt nmtlidj gej>tftft. ©eneralbepot unb Äußfunft Äpo-tljefe &onet, Bien, 1. ®ea., sBoHaeile 18. SJJrbfjjefte gratis unb franlo. Programm vorgefegt der Orändungsversammlong des Weltverbandes Allgemeiner ZionistenamS. Juli 1931. bi Erwägung der entscheidenden Bedeutung des Allgemeinen Zionismus für die Oesamtbewegung und geeinigt im Willen zur Wiedervereinigung sämtlicher Allgemeinen Zionisten, getragen vom heißen Wunsche, diese nationalen Kräfte ln noch höherem Maße als bisher In den Dienst der Oesamtbewegung und des Wiederaufbaues Erez Israels zu stellen, beschließen die nachstehenden Mitglieder des XVII. Zionlsten-Kongresses tftmens ihrer Landesorganisationen bezw. Landesgruppen — als Grundlage ihrer künftigen gemeinsamen Arbeit: I. Die Landesverbände bezw. Landesgruppen der Allgemeinen Zionisten vereinigen sich zu einem Weltverband Allgemeiner Zionisten. II. Treu dem Baseler Programm, erstrebt der Weltverband die Verwirklichung eines uneingeschränkten Zionismus. UL Der Weltverband anerkennt den Primat der nationalen Interessen auf allen Gebieten des jüdischen Lebens in Erez Israel und des Wiederaufbaues Palästinas. Die Interessen von Gruppen, Schichten und Klassen müssen daher mit den Geboten des nationalen Wohles ln Einklang gebracht werden. IV. Der Weltverband Allgemeiner Zionisten proklamiert die Losung der Vereinigung und Aktivierung der schöpferischen Kräfte der Arbeit und des Kapitals im Dienste der Nation. Er vertritt den Standpunkt, daß zusammen mit dem Ausbau der nationalen Fonds und der Arbeit der Chaluzim die Privatinitiative in Landwirtschaft und in Industrie, sowie die Seßhaftmachung jener Elemente, die zum Teile oder ganz die Mittel hierzu besitzen — organisiert und gefördert wird. Hierdurch sollen die Möglichkeiten für eine große Immigration und für eine rascheste Erschließung des Landes geschaffen werden. V. Der Weltverband erachtet es für unbedingt notwendig, eine allgemeinzionistlsche Jugendorganisation innerhalb des Verbandes Im Geiste der obigen Grundsätze ins Leben zu rufen und auszubauen. Die Chaluzbewegung soll auf dem Prinzip der nationalen Chaluziuth beruhen und aufgebaut sein. Dieses Programm wurde in der GrUndungssitzung der Konferenz der allgemein zionistischen Mitglieder des XVH, Zlonistenkongresses, die 34 Länder vertraten, einstimmig zum Beschluß erhoben. Die Gründungssitzung fand am 5, Juli ln Basel statt. Die politische Kommission (Eigenbericht der «Stimme».) Zum Obmann der politischen Kommission wurde Senator Dr. Michael Ringel (Lemberg) durch Kampfabstimmung gewählt. U. a. wurde vom Kongreß auch der Delegierte der Allgemeinen Zionisten Oesterreich» Dr. Oskar Orünbaum in diese Kommission entsendet. Das Urteil des Kongreßgerichtes in der Angelegenheit Großmanns (Telephonisch von-unserem Sonclerbc.'. ter.) Basel, 7. Juli. Meir Großmann, der sich wegen Disziplinbruches, begangen durch die vorzeitige Publizierung des Weißbuches, vor dem Kongreßgericht zu verantworten hatte, wurde zu einem Verweis und Zahlung der halben Kosten verurteilt. Von der Anklage wegen des Vertrauensbruches wurde er freigesprochen. Sein Anwalt war Jabotinsky. Zusammensetzung des Kongresses Der Kongreß setzt sich nach endgültiger Entscheidung aus 80 Allgemeinen Zionkien, 77 Angehörigen der linken Parteien, 50 Revisionisten, 36 Vertretern des Misrachi, 8 Radikalen und einigen Parteilosen zusammen. Kongreßprflsidium Der Kongreß wählte zu seinem Präsidenten Leo Motzkln, zu Vizepräsidenten M. M, Ussischkin, Richter Julian W. Mock, Dr. Eder, Rabbi Mayer Berlin, Dr. Margolies, H. Farbstein, Dr. Schmorak, Dr. Soskln, Kaplan, Reis, Dr. Silberstein. 232 fournalisten Base), 1. Juli. (J. T. A.) Zur Eröffnungssitzung des Kongresses waren vom Kongreßbureau etwa 2500 Oastkarten ausgegeben worden, im Preßbureati des Kongresses haben sich 232 Journalisten, unter ihnen Vertreter der führenden Tageszeitungen und der bedeutendsten Presse- Agenturen in allen Ländern angemeldet. Warburg kommt nicht nach Basal New York, 3. Juli. (J. T. A.) Dr. Cyrus Adler, Mitglied des Präsidiums des Council der Jewish Agency, und Joseph C. Hyman, Sekretär des Joint Distribution Committee, haben an Bord der «Bremen» die Ueberfahrt nach Europa zur Teilnahme an den Tagungen des Council in Basel angetreten. Dagegen wird der bisherige Vorsitzende des Administrative Committee der Jewiah Agency, Felix M. Warburg, diesmal nicht zur Tagung des Council nach Basel kommen. Colonel Kisch kandidiert nicht mehr Colonel Kisch hat der Permanenzkommission des Zionistenkongresses mitgeteilt, er wünsche nicht, daß seine Dr. Jians Iffliser Kurarzt in 0od Matt ordiniert Hauptplatz 9 Mftturatchul«, Ferialkurse. Die Schule verfügt über modernst ausgestattete Räume, der Unterricht wird ausschließlich von geprüften, tüchtigen, staatlich angestellten Professoren erteilt. Für jene Externisten, die im Herbsttermin dieses Jahres sich der Reifeprüfung unterziehen, werden besondere Ferialkurse errichtet. Wie wir erfahren, gehört der Direktion und dem Lehrkörper dieser Anstalt der bekannte klassische Philologe Gymnasialprofessor Doktor H. Glaser an. Lehrinstitut „Unlverium“, Wien, IX., Freiheitsplatz 14 (nächst dem Votivpark), Mezzanin, Tel. B 49-2-63. Kandidatur für die zionistische Exekutive in Betracht gezogen werde. E» erscheine ihm wünschenswert, daß ein Wechsel in der Vertretung der zionistischen Bewegung gegenüber der Palästina-Regierung stattfindet. Er werde auch in privater Eigenschaft der zionistischen Sache dienen. Aus der Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten Basel, 5, Juli, (J. T. A.) Die Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten, an der sich Delegierte aus Amerika, Polen, Ost- und Westgalizien, Palästina, Südafrika, Holland, Oesterreich, Luxemburg, Frankreich, Argentinien, Brasilien, Bulgarien, Ungarn, Belgien, Litauen, Finnland, Bessarabien, Neuseeland und Marokko, insgesamt 70 Vertreter, die fast durchwegs gleichzeitig Delegierte des Zionistenkongresses sind, beteiligen, hat bisher fünf Plenarsitzungen abgehalten, ins Präsidium der Konferenz wurden Dr. Schwarzbart (Krakow), Newman (Amerika), und Dr. Georg Halpern (London) entsandt, zum Vorsitzenden wurde Prof. Dr. Abraham Stupp (Lwow) gewählt. In den von Dr. Schwarzbart» Dr. Halpern und Dr. Brodetsky gehaltenen Referaten wurde die politische Situation der Bewegung eingehend besprochen. Die Frage der Gründung des Weltverbandes kommt demnächst auf die Tagesordnung. Unterhandlungen in dieser Angelegenheit sind im Gange. Den Ausdruck der erzielten einheitlichen Stellungnahme zu den politisch-zionistischen Problemen bilden politische Resolutionen, denen die Vertreter der Allgemeinen Zionisten aus den verschiedenen Ländern (mit Ausnahme der Qruppe Dr'. Eder) zugestimmt haben. ., n (Diese Resolutionen brachten wir bereits in unserer letzten Nummer im Bericht «Der Standpunkt der Allgemeinen Zionisten» als Eigenbericht aus Basel. Die Red,) Zum Schlüsse der Resolution heißt es: 1. Wir erklären, daß wir jedem, von welcher Seite immer ausgehenden Versuch, das zionistische Ideal zu verstümmeln , oder die zionistische Bewegung von ihrem ursprünglichen, * im Baseler Programm niedergelegten Ziel abzulenken, Widerstand entgegensetzen werden, 2. Wir erklären, daß die Verwirklichung des Jüdischen Nationalheims die Ansiedlung einer überwiegenden Masse von Juden (preponder-ating body of Jews) Innerhalb der historischen Grenzen von Erez Israel bedingt, 3. Zur Erreichung dieses Zieles ist es von wesentlicher Bedeutung, daß das jüdische Volk alle seine moralischen und materiellen Hilfsquellen heranziehe, und von ebenso wesentlicher Bedeutung ist es, daß die Mandatarmacbt diese Bemühungen den durch das Mandat festgelegten Verpflieh* tungen gemäß aktiv fördere, Baseler Brief Von Dr. Sigmund R o h a t y n Basel, S. Juli 1931. Die Stadt Basel, lieblich zu beiden Selten des Rhein» gelegen» ist seit den Anfängen des Herzlschen Zionismus Jedem bewußten Juden zu einem Symbol der Kraft und der Hoffnungen des jüdischen Volkes geworden. Es Ist nicht der Umstand allein, daß die Baseler Bevölkerung die Kongreßteilnehmer wie Immer mit auserlesener Gastlichkeit und mit Sympathie für die zionistische Bewegung behandelt. Haben doch von siebzehn bisher stattgefundenen Kongressen neun ln Basel getagt, ohne daß es jemals zu Zwischenfällen gekommen wäre. Und der Präsident des Regierungsrates des Kantons Basel-Stadt Dr. I m Hof hat der Genugtuung Ausdruck gegeben, daß der Name Theodor Herzis und seine Idee für ewig mit der Stadt Basel verbunden sind, ln der der Zionismus seine erste Gestaltung erhalten hat. Aber diese Grenzstadt der ältesten Republik des europäischen Kontinents bildet zugleich geographisch und politisch die Brücke zwischen den beiden großen europäischen Nationen: Frankreich und Deutschland. Hier lat der Einfluß der beiden Kulturen gleich stark zu verspüren, so daß Basel als die europäischeste Stadt des Kontinent» bezeichnet werden kann. Daß gerade Trier die Wiege des Zionismus steht, ist zumindest ein gütiger Zufall. Nirgend» kann sich diese jüdische Nationalversammlung wohler fühlen als hier, solange sie außerhalb Palästina» tagen muß; nirgends können sich ihre Verhandlungen freier entwickeln. Die große blau-weiße Fahne, die von der Baseler Mustermesse weht, flößt jedem Juden Zuversicht ein, Vertrauen zu der Sache, die sich durchsetzen muß. Wie diese über tausend Teilnehmer am Kongreß, die aus aller Herren Länder zusammengekommen sind, um in ernster Stunde den Beratungen über das weitere Schicksal des Zionismus beizuwohnen, wie diese Teilnehmer selbstbewußter, freier dreinschauten angesichts dieser jüdischen Willenskundgebung vor der ganzen Welt, das muß man miterlebt haben. Hier pocht da» Herz der jüdischen Nation; hier und nirgends sonst kann man sich mit dem Charakter des jüdischen Volkes bekannt machen; hier kann man seine Qröße kennen lernen und auch seine Schwächen. Alles steht hier im Zeichen der jüdischen Idee, selbst die vielen Kleinigkeiten, aus denen da» Leben besteht. Das blau-weiße Abzeichen, das jeder Teilnehmer Im Knopfloch trägt, die blau-weißen Blumenarrangements, die die Mädchen aus Palästina verkaufen, die ln Palästina erzeugten Kunstgegenstände, alles trägt dazu bei, das Gefühl einer jüdisch-nationalen Solidarität zu erwecken, die auch den verstocktesten Skeptiker anstecken muß, Aber all dies kann nicht verhindern, daß man »ich des außerordentlichen Ernstes der Situation bewußt bleibt, in der sich der Zionismus befindet. Es handelt sich um die Existenz der Bewegung selbst, Denn weitere Keulenschläge wie die der letzten Jahre könnte der Zionismus nicht vertragen. Und ln diesem Parlament sollten die Ansichten aller Parteien aufeinander geraten, von den Revisionisten angefangen bis zur Brith Schalom-Gruppe. Nun, es hat gewiß Zwischenfälle gegeben und Redner wurden unterbrochen. Einmal mußte sogar eine halbstündige Pause eingeschaltet werden, um die Gemüter zu beruhigen. Besonder» erregt ging es zu, als der palästinensische Arbeiterführer Berl Locker die Politik der Revisionisten angriff und die Revisionisten ihn darauf einen «roten Verräter» nannteiT. Ein anderes Mal kam es zu einer heftigen Polemik zwischen dem Vertreter der amerikanischen Zionisten Stephen Wise und Poale« Zionisten, als Wiae die englische Labour-Reglerung angriff, Aber niemals ist es zu Zusammenstößen gekommen, wie eine sensationslüsterne Presse zu berichten wußte. Niemals wurde Welzmann attackiert, niemals gab es eine Rauferei Im Saale. Das jüdische Weltparlament wahrt seine Würde und es geht sicherlich nicht ärger zu, als selbst Im House of Commons, dem Muster der parlamentarischen Regierungsform. In dieser Zelt der gemeinsamen Not sehen eben alle Parteien ein, daß der Innenpolitische Hader zurückgestellt werden muß, Am Freitag konnte man Weizmann und Jabotinsky ln freundschaftlichster Unterhaltung beobachten . . , Mit besonderer Genugtuung erfüllt das Interesse, das die nichtjüdische Welt am Zionismus bekundet, Sie beweist uns, daß die jüdische Idee sich in der Außenwelt sympathischer Zustimmung erfreut; sie zeigt zugleich, daß der Zionismus bereits ein Faktor geworden ist, mit dem die Welt rechnet, So stattete am Sonntag Albert Thomas dem Kongreß einen Besuch ab und richtete an ihn die wärmsten Worte als Direktor des Internationalen Arbeitsamtes des Völkerbundes .und als Vertreter der französischen Nation. Thomas versicherte, daß es sich nicht um einen banalen Gruß handle, sondern um innigste Anteilnahme. Die wundervolle Renaissance des jüdischen Volkes gebe der Welt eine neue Idee der Nationalität. Er rufe dem Zionismus jenes Wort tu, das Virgil AeneaB für »eine Fahrt durch das blaue Mittelmeer mitgegeben hat: ducunt fata volentem. C8^^

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