Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 183 (9.7.1931)
- Date
- 1931-07-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife J DIE STIMME Nr. 1<S3 0. l-’j 1031 Kein JRißtrauenstotum (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) ß a 8 e 1, 8. Juli. Bei der verstehend wtedergegebenen Rede VVcizr.anns waren die Revisionisten im Saale nicht anwesend, Irotzdem, wie erinnerlich, Jabotinshy in seine - Rede, die er zu Beginn der Generaldebatte gehalten hat, die Stellung eines Mißlrau2nsvotut;:sanlra^c3 für VVeizmann und die Exekutive an^ehündigt halte. Da dieser Mißtrauensantrag nicht ausdrücklich gestellt worden ist, gilt nach der Geschäftsordnung das Vertrauen als erteilt. Da Jfion&teß verlängert (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basel, 8. Juli. Die Beratungen der politischen Kommission über die Formulierung des Endzieles der zionistischen Bewegung haben bisher kein Ergeh .13 gezcilißt. Infolge der sich in die Länge ziehenden Generaldebatte wie auch der augenblicklich herrschenden vollständigen Ungewißheit über die Zusammensetzung der künftigen Leitung wird der Kongreß länger beraten, als es ufsprün'dich geplant werden Ist. Die Schließung des Kongresses Ist ver dem kommenden ■Dienstag nicht zu erwarten. Jhlosoroffs Jnteif; Kation und Weizmanns Aninort (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) B a s e 1, 7. J u 1 i. Das von Prof. VVeizmann derJ.T. A. gegebene Interview (wir veröffentlichen es ncbMstc’ücaJ, 3. hpalte — Die Red.) wurde in Abschriften von Revisionisten unter allen Kongreßdelegiertcn verteilt. Das interview He? auf allen Seiten ungeheure Aufregung und starkes Befremden hervor. In der Nachtsitzung vom 6. Juli * Interpellierte Arlosoroff VVeizmann in der Angelege: heit des Interviews. Prof. VVeizmann antwortete sofort. Die Antwort, die ruhig angehört und nur durch einige Zwischenrufe Strickers gestört wurde, hat folgenden Wortlaut : «Gewisse Erklärungen, die ich bezüglich der Forderung einer jüdischen Majorität in Palästina abgegeben habe, wurden in einer unglücklichen Formulierung veröffentlicht und haben dadurch zu neuen Mißverständnissen Anlaß gegeben. Es ist mir daher willkommen, daß ich Gelegenheit habe, die Sache aufzuklären. Zunächst möchte ich feststellen, daß ich weder gesagt noch jemals gemeint habe, daß irgendeine Gruppe dieses Kongresses die Absicht hat, die Araber aus Palästina zu vertreiben oder daß die Forderung einer jüdischen Alajorität von irgendeiner Köngreßgruppe in diesem Sinne verstanden wird. Wir haben aber im Verlaufe von zehn Jahren die Erfahrung gemacht, daß die Forderung nach einer jüdischen Majorität von unseren Gegnern in der Außenwelt so mißdeutet Wurde, als wollten wir die Araber beherrschen oder sie gar äus dem Lande vertreiben. Wir als Zionisten wissen, daß dies nicht gemeint ist und wir haben es immer wieder versichert. Aber es ist leider eine Tatsache, daß diese falsche Interpretation in der Oeffentllcokeit, bei Politikern und in der Presse immer wieder uns entgegentritt. Wir haben als Ihre Rejfpfiäsentanten jahrelang in dieser Welt zu arbeiten gehabt und Ich sage nicht meine Meinung, sondern „^stütze mich auf diese Erfahrungen, wenn ich darauf hinweise, daß die Proklarrtterung der Forderung nach einer jüdischen Majorität von einem Telle der politischen Welt in der von mir erwähnten Weise aufgenommen wird. Darum habe ich gesagt, daß ich kein Verständnis habe für die Formulierung der Alehrheitsforderung als politische Parole. Ich wiederhole aber noch einmal mit aller Entschiedenheit, was Ich bei vielen früheren Gelegenheiten gesagt habe, daß die Forderung nach irgendeiner Begrenzung des Umfangs und des Wachstums der jüdischen Bevölkerung in Palästina absolut unakzeptabsl wäre. Ich glaube vielmehr, daß es unsere Aufgabe lol, möglichst viel Juden in wirtschaftlich gesicherter Position nach Palästina zu bringen und eine große, wirtschaftlich und kulturell starke, politisch gesicherte und autonome Judensiedlung, die alle Funktionen eines echten jüd sehen Nationalhelms erfüllen kann, im Lande zu verankern. Unsere ganze Arbeit Ist darauf gerichtet, diesen Kern eines jüdischen Nationalhelms in unseren Tagen zu schaffen und auszubauen, und ich glaube, daß dieses Nationalhelm so stark und lebensfähig sein wird, wie wir es machen werden. Ich habe gesagt, daß numerische Majorität allein noch keine ausreichende Garantie für die Sicherheit unseres Nationa heims ist, weil nach meiner Ueberzcugung diese Sicherheit in erster Linie durch ausreichende politische Garantien und durch ein freund’iches Verhältnis zu der uns in Palästina umgebenden nichtjüdischen Welt geschaffen wird. Die Beziehungen unseres ständig wachsenden, sich dynamisch entwickelnden National helm3 zu den palästinensischen Arabern sollen nach dem Grundsatz voller Parität beider Völker, ohne Rücksicht auf ihre numerische Stärke geregelt werden. Ich habe wiederholt erklärt, daß wir in Palästina nicht Beherrschte sein wollen, aber auch nicht über ein anderes Volk herrschen wollen. Unser Wunsch ist es, durch Ausschaltung des Moments der Furcht und durch Vermeidung jeder Sache, die — v/enn auch auf Grund von Mißdeutungen — zu solcher Furcht Anlaß geben könnte, jene Atmosphäre der Ruhe und des Vertrauens in Palästina zu schaffen, die nach meiner Meinung die beste Basis für unsere Aufbauarbeit und für das ständige Wachstum des jüdischen Nationalheims ist. (Lebhafter Beifall bei den Allgemeinen Zionisten und au! der Galerie.) Die lnterpellationsbeantwortiing Weizmanns hat das lebhafte Befremden» das auf fast allen Seiten des Kongresses sein Interview ausgelöst, nicht abgeschwächt Unmittelbar nach dieser Rede stellten die Revisionisten einen Antrag auf Eröffnung der Debatte. Dieser Antrag wurde mit 107 Stimmen gegen 97 Stimmen abgeiehnL Die Allgemeinen Zionisten stimmten gegen diesen Antrag und haben auf diese Weise den Kongreß gerettet, denn durch die Ablehnung des Antrages ist eine ruhige und sachliche Beratung der politischen Kommission über die Zielsetzung ermöglicht worden. Ein Antrag Großmanns, der politischen Kommission die unverzügliche Formulierung der Endziele der zionistischen Bewegung aufzutragen, wurde mit den Stimmen der Allgemeinen Zionisten, des Misrachl und der Revisionisten angenommen. Selchwaren-nesfdr ran 1 mm JHP ei". Erzeugung, huste Qua itäten Wien, 2. Bezirk, Glockengüsse Nr. 11 n. «ruinier & co. Unser« Ka >ri.. st «hl unter riltio lor AulsYhl lies .r*nn ics Tjrrtrt -tc-t v*n Nou oro>S..oto Verhau «stellen; "Wien, II., OrolAt* SrlitffmiHSo 10. fiu.stüitnirii. har011, Honptulit'o, 2. Kni'frchaiiB. Separierter Oarten / Cnvlllon. XX., Karl Meise! StraUe 8 (Roth). Prof. Weizmanns interview Prof. \. hat in u.—.i ua3 er einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agcuoif gewährte, seine Vosi^ Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, eine V .^j. Uanäläatur aozulehncn. Er bezclchnete im Verlauf seiner Ausluhrungeri Jabohnshy als einen Mann «von großer Geschicklichkeit und hervorragenden Qualitäten», der ebenso wie seine Anhänger den Mut habe, zu seiner Ueberzcugung zu stehen. Es gibt noch vie.e andere auf* dem Kongreß, fuhr Br. We.zniann fort, die revisionistischen Anschauungen zuaalgen, aber nicht den Mut hasen, s.ch oi.en zum Revisionismus zu bekennen. Wenn irgend etwas meinen Liiiscinuu, uc.i \.o.v..z w.er . .. i.w.it wieder zu übernehmen, stärken konnte, so hat cs die bisherige Entwicklung der Kong/oJve:uan.i.ungen getan. Icn habe das bmpiir.cien, daß ich nicht den Giatid- - punkt eines großen Veiles des Kongresses verhole und deshalb erschiene es mir töricht, die Verantwortung tür die Führung angesichts einer so großen entschlossenen Opposition zu übernehmen. Außerdem fühle ich mich wirklich ermüdet und erschüpit. Meiner aufrichtigen Uebcrzeugang nach wird der Kongreß am vernünftigsten handeln, wenn er den MacDonald-Uricf als Basis für eine Kooperation mit der Mandatarmacht akzeptiert. Was soll die neue Exekutive zunächst nach Abschluß des Kongresses tun, wenn dieser den Brie? ablehnt? Ich bin der festen Ueberzcugung, daß auf Grundlage , der Parität eine Verständigung mit den Arabern za erzielen ist. Wenn ein Legislative Council mit einer gleich starken jüdischen und arabischen Vertretung eingesetzt werden sollte, würde dadurch die i.lüg lchkeit zu einer befriedigenden Kooperation gegeben sein. Wir fordern auch eine gleichmäßige Aufteilung der im Rahmen des Palästina-Lar.dentwickltrgsnlanes zur Verfügung gestellten Mittel für Zwecke der arabischen und der jüdischen Landwirtschaft. Ich sehe keine Möglichkeit, wie wir mehr verlangen können. Parität bedeutet nicht den blnatlonalen Staat, der einen vagen, den Grundsatz der Parität nicht notwendigerweise in sich schließenden Begriff darstellt. Ich habe weder Sympathie noch Verständnis für die Forderung nach einer jüdischen Majorität. Die Majorität garantiert nicht notwendigerweise auch die Sicherheit. Wir mögen die Majorität besitzen und könnten trotzdem noch immer ln Unsicherheit leben. Jüdische Mehrheit Ist für die Entwicklung einer jüdischen Zivilisation und Kultur im Lande nicht erforderlich. Die Welt wird diese Forderung nur in dem Sinne auffassen, daß wir die Alajorität zu erlangen wünschen, um die Araber zu verdrängen. Warum sollten wir eine Forderung erheben, die bloß einen provokatorischen Eindruck erwecken kann? Unsere Bewegung stellt gegenwärtig vor zwei wichtigen Aufgaben: 1. die Jewish Agency in den Vereinigten Staaten auszubauen und 2. eine arabisch-jüdische Verständigung Iierbclzufiihren. Außerdem mii3sen v/lr uns bemühen, unsere Stellung ln London aufrecht zu erhalten. Albert Thomas’ Beite (Eigenbericht der «Sil...nie».) Ein politisc es Diner bei We.znunn (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) B a s e 1, 5. Juli. Gestern, Samstag, fand bei Prof. VVeizmann ein politisches Diner statt. Irgendwelche Einzelheiten oder Ergebnisse sind jedoch unbekannt. Die Lage und die Präge der künftigen Leitung ist nach wie vor ungeklärt. Sestern hat sich die Permanenzkommission konstituiert. tu ihrem Obmann wurde durch Kampfabstimmung Dr. Georg Holpern (AUg. Zionist) gewählt. Unser® geehrten Leser worden auf daslneurat der FeinrascfmnstaJt „Habsburs:“, Zentrale: Vh, Walliraase Nr, 4 Seite 1), aufmerksam gemacht. Die Firma ist als einzige ieacr Branche Mitglied der Rabattsektion des Keren Kajeteth und die Mitglieder dieser Sektion genlefien bei Besteiimgen den üblichen Rabatt. Eine großzügige Spende (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basel, 6. Juli. Bei der gestern stattgefundenen U^rzl-Troxcrfeier spendete üg. Schocken (Berlin) 3000 Pfund Sterling für den Keren Kajemeth. D e Trauerfeier B a s e 1, 6. Juli. (J. T. A.) Am Sonntag, dem 5. Juli, nachmittags, feierte der Kongreß die Jahrzeit Tneodoi Ilerzls, dessen 27. Todestag sich am 20. Thamus (5. Juli) jährte. Die Feier war gleichzeitig dem Gedenken der jüdischen Toten gewidmet, die während des Angriffes auf den Jischuw in den August- und Septembertagen 1029 gefallen sind. Auch hielt der Präsident den seit dem XVI. Kongreß verstorbenen hervorragenden Zionisten einen Nachruf. Die Feier verlief sehr stimmungsvoll Base 1,6. Juli. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes beim Völkerbund, Albert Thomas, hielt heute vormittags eine längere Ansprache, in der er seinen Sympathien für den Zionismus Ausdruck verlieh, von der Freundschaft der ganzen zivilisierten Welt für das Palästina-Werk sprach und den großen politischen Sinn de3 Kongresses liervorhob. Thomas riet den Zionisten, in der schweren Lage durchzuhalten und da3 jüdische rtaiionaudc::! mit den Ideen des Völkerbundes, des Weltfriedens und der Internationalen Gerechtigkeit, zu verbinden. Der gesamte Kongreß brachte dem Gaste eine langandauernde Ovation dar. Im Namen de3 Kongresses wurde Thpmas von Leo Motzkln und Nahum Sokolow begrüßt* Die beiden Redner brachten die Verdienste Thomas* für die Verbreitung der zionistischen Sache und seine paläsünophile Agitation in Frankreich nocl vor der Baifour-Deklaration. wie auch seine verdienst volle Tätigkeit Im französisch-palästinensischen Komi tee in Erinnerung.