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Die Stimme · 1931-07-03 · Heft 182 (3.7.1931) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 182 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 182 — 3. Jul! 1931 DIE STIMME Sette 0 Prophete rechts — Prophete linkst Die Credit-Anstalts-Affäre und die Juden Prophete rechts, Prophete links, — das Weltkind in der Mitten sind wir Juden. Und die Prophezeiungen oder richtiger «Feststellungen» von rechts und links lauten mit schöner Uebereinstimmung, daß w i r an allem schuld sind. Selten genug ereignet es sich, daß die Parteilager von rechts und von links derselben Ansicht sind. Aber die große Krise, die Oesterreich derzeit durchmacht, hat den Gedanken an eine Konzentration der politischen Extreme akut gemacht. Bei der Regierungsbildung konnte sich eine solche Konzentration noch nicht durchsetzen, doch ein Anfang ist immerhin gemacht; Links und Rechts haben sich bereits eine gemeinsame Parole zurechtgelegt: «Der Jude wird verbrannt». Von links wird das natürlich nicht so geradezu herausgesagt. Aber wenn der «Abend», um die Verruchtheit der Credit-Anstalts-Leitung in ihrer ganzen Größe darzulegen, die Namen der dort herrschenden Dynastien enthüllt, dabei immer nur jüdische Namen zutage fördert und sogar den scheinbar harmlosen Namen L e c h n e r als das konfessionelle Inkognito einer Familie Lewy entlarvt, dann sagt der richtige Oesterrcicher: «Eh schon wissen . . .». Und was er da, infolge solcher Information von links «weiß», unterscheidet sich in nichts von <kr politischen Weisheit, die von rechts verzapft wird. Der «Abend» hält sich nicht darüber auf, daß in einem Staate, in dem die Gleichberechtigung aller Konfessionen in der Verfassung ausgesprochen ist, Juden Direktoren einer Privatbank werden konnten. Was sein sittliches Empfinden in Aufruhr bringt, ist erst die Tatsache, daß diese Direktoren auch ihre Söhne in dem Unternehmen unterzubringen trachteten, ohne Rücksicht darauf, ob diese Söhne nur den Namen, nicht aber das Talent ihres Vaters mitbringen. Als ob das Blatt derDynastieColbert kein naherliegendes Objekt zur Entrüstung über die Tatsache hätte, daß talentierte Väter ihren Wirkungskreis talentlosen Söhnen vererben! Wobei noch die Frage zu diskutieren wäre, warum die Verbergung des Namens «Lewy» hinter einem harmlosen «Lechner» verruchter sein soll als die des Namens «Cohn» hinter dem neutralen «Colbert». Unserer Meinung nach ist beides ganz gleich unwürdig. Der «Abend» ist eben in punkto Antisemitismus noch nicht ganz firm, es fehlt vorderhand die richtige Uebung. Rechts packt man die Sache schon viel routinierter an. Da hat ein als «gemäßigt» geltender Christlichsozialer, der Pater Drexel, in einer Versammlung christlicher Bankbeamten den Kern des Problems «Credit-Anstalt» wie folgt herausgeschält: . «Durch den Fall Rothschild hat das Judentum von seinem Renommee, besondere Bankleute zu liefern, eingebüßt. Es wird gut sein, daß beim Aufbau der Credit-Anstalt darauf gesehen wird, daß ohne jede antisemitische Absicht neben den Juden auch Christen an leitende Stellen kommen, auch schon im Interesse des Judentums.» Wir sind dem geistlichen Herrn für seinen «Mangel an antisemitischer Absicht» und sein warmes Eintreten für «das Interesse des Judentums» sehr dankbar. Auch wir sind nicht erbaut davon, daß im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Zusammenbrüchen lauter jüdische Namen den Zündstoff zur Entflammung der Volkswut bilden. Wir haben nichts dagegen, wenn bei künftigen Bankrotten auch die Namen jener arischen Bankiers wieder laut werden, die ihre größere wirtschaftliche Befähigung schon bei dem viel früheren Zusammenbruche der von ihnen geleiteten Geldinstitute bewiesen haben. Vielleicht gibt man Herrn Rothschild jenen urgermanischen Feldwebel als Berater zur Seite, der als Leiter einer von ihm in der Inflationszeit gegründeten Wiener Bank die ihm anvertrauten Gelder der Wiener Einleger gänzlich zur palaisartigen Ausschmückung seines Bankgebäudes benutzt hat, statt sie fruchtbringend anzulegen ... Aii das interessiert uns nicht, da uns die Herren sen Herren die Not der jüdischen Massen. Rothschild, Neurath usw. ebenso gleichgültig sind, wie die- Aber Pater Drexel will es bei der Entthronung dieser Finanzgewaltigen nicht bewenden lassen. Er will nicht nur die Gelegenheit benützen, Gläubige der christlichen Satzung, die das Anhäufen irdischer Güter verbietet, in leitenden Bankstellen unterzubringen, sondern er wendet seine Für* »orge auch den untergeordneten Schichten der Bankbeamten zu, in denen die Schuldigen am Zusammenbruch der Bank wirklich zuletzt zu suchen sind. Diesen Arbeitstieren, die ohne Unterschied des Glaubens die Sünden, die «oben» begangen werden, am furchtbarsten in ihren Auswirkungen zu spüren bekommen, verkündet Pater Drexel die Heilsbotschaft: «Christliche Bankbeamte dürfen nicht abgebaut werden!» Das heißt mit anderen Worten: «Juden hinaus!» Das ist das alte Parteiprogramm, das Lueger bei den jüdischen Lehrern und Magistratsbeamten zuerst praktiziert hat, und das überall dort verwirklicht wird, wo die Christlichsoziale Partei an Macht und Einfluß gewinnt. Von diesem Neu« moderne Maturasohule, Ferialkurse. Im Zentrum der Stadt, am Freiheltsplats Nr. 14 (nächst der Universität), Ist «ine neue Maturasohule eröffnet worden. Die Schule verfugt Uber modemst ausgestattete Räume, der Unterricht wird ausschließlich von geprüften, tüchtigen, staatlich Angestellten Professoren erteilt Für jene Externlaten, die im Kerbattermin dieses Jahres sich der Reifeprüfung unterziehen, werden ab 7, Juli besondere Ferlalkurse erriohtet Wie wir erfahren, gehört der Direktion und dem Lehrkörper 4le*er Anstalt der bekannte klassische Philologe Gymnaalalprofessor Dr. H. Glaser an. Im übrigen verweilen wir auf den Inseratenteil unseres Blatte* Standpunkt aus müssen wir Juden die Kontrollergreifung des von den Christlichsozialen im Verein mit den nicht weniger antisemitischen Großdeutschen regierten Staates über die bisherige Privatbank der Herren Rothschild, Neurath usw. werten. Um das Schicksal der jüdischen Großkapitalisten, die fälschlich als Repräsentanten des Judentums gelten, ist uns nicht bange. Sie haben schon bei Lueger Gunst und Freundschaft eingeheimst, sie werden auch beim jetzigen Regime Gnade und Nachsicht finden. Den Preis dieser Toleranz werden die jüdischen Bankbeamten dermittleren und der unteren Kategorie mit ihrer Existenz bezahlen. Wer sollte sich um diese Opfer der Wirtschaftskrise kümmern? Die jüdischen Bankleiter haben, um sich nur selbst in ihren Sätteln halten zu können, schon lange das Prinzip verfochten, das Steckenpferd der Machthaber anzuerkennen. Dieses Steckenpferd aber ist nun einmal der Antisemitismus. Also hat es schon bisher in der Credit-Anstalt der Herren Rothschild, Neurath usw. rein arische Abteilungen gegeben, in denen jüdische Beamte nicht geduldet wurden. Das System braucht jetzt nur erweitert zu werden, bis alle Juden auf dem Pflaster liegen. Jüdisches Massenelend? Die Herren Rothschild, Neurath usw. kennen ihre Pflicht; zu Rosch Haschanah werden sie den Armen «schnödem».... Dr. H. Sp. Ein Jude Mitglied der künftigen Vertretung Iraks im Völkerbund Jerusalem, 21. Juni. (J. T. A.) Einer Meldung der arabischen Zeitung «Al Istakal» zufolge wird Sir Ezekiel Sassoon einer der beiden Vertreter sein, die nach der Aufnahme Iraks in den Völkerbund von der Irak-Regierung in die Völkerbundsversammlung entsandt werden sollen. Sir Ezekiel Sassoon ist ein hervorragendes Mitglied des Parlaments von Irak und einer der Führer des Judentums in diesem Lande. Mehrere Jahre hindurch war er auch Finanzminister in der Irak-Regierung. Zweite Konferenz der„ThoraWaawodahM In diesen Tagen fand in Basel die zweite Weltberatung der Bewegung «Thora waawodah» (Lehre und Arbeit) unter Teilnahme von Delegierten der Zeire-Misrachi, des Hechaluz hamisrachi und des Hapoel hamisrachi statt. Jüans Jfaiser Kurarzt in ' (Bad Matt ordiniert Hauptplatz 9 Einwanderungsmöglichkeiten für Juden nach Chile Die Vereinigung für Auswandererfürsorge Hias-Jca- Emigdirekt (HJCEM) hat vor kurzem einen Direktor ihres Komitees nach Chile entsandt, um die Möglichkeit einer jüdischen Einwanderung in dieses Land zu studieren. Aus den ersten Berichten, die die Vereinigung erhalten hat, geht hervor, daß die Lage der jüdischen Bevölkerung in Chile ungeachtet der in Südamerika herrschenden allgemeinen Wirtschaftsdepression ziemlich befriedigend ist, und daß derzeit für eine beschränkte Zahl hochqualifizierter jüdischer Handwerker — Schuhmacher, Herren- und Damenschneider, Mechaniker, Glaser, Bäcker usw. — Arbeitsgelegenheiten in Chile gefunden werden könnten. Wie bekannt, ist zur Einreise nach Chile die Vorweisung einer Einwanderungsbewilligung („Hamada“) beim Zuständlgen chilenischen Konsulat erforderlich. Eine solche „Hamada“ kann nicht nur von Angehörigen der Personen, die nach Chile auszuwandern beabsichtigen, sondern auch von jeder anderen in Chile ansässigen Person erlangt werden, vorausgesetzt, daß diese die vorgesohriebenen Formalitäten erfüllt und eine Garantie dafür beibrlhgt, daß der Künftige Einwanderer der Oeffentllchkeit nloht zur Last fallen wird. Dem unter dem Namen „Gesellschaft zum Schutz der jüdischen Einwanderer“ bekannten HJCEM-Komitee in Santiago de Chile wurde von den Behörden die Ueberlassung einer bestimmten Anzahl von „Hamadaa" in jedem Monat zugeslohert Jüdische Aktion gegen die Kalenderreform Wie bekannt, hat das Jüdische Komitee betreffend die Kalenderreform auf seiner Frankfurter Sitzung vom 12. Mai beschlossen, daß ein einmütiger Protest der gesamten Judenhelt gegen eine die Stabilität des Sabbat gefährdende Kalenderreform erhoben werde, Da sich der Weg der Binzelunterschrlftensammlung als undurchführbar erwiesen hat, hat sich das Komitee dafür entschieden, daß der Protest durch die Gemeinden als die offiziellen Vertreter der Judenhelt erklärt werde und daß in jedem Lande jede jüdische Gemeinde aufgefordert werden müsse, eine formelle Protestresolution gegen jede Kalenderänderung zu beschließen, welche die Kontinuität der Wochentagszählung durchbricht Das Komitee wendet sich nunmehr an die jüdischen Gemeindeverbände aller Länder mit der Aufforderung, die Organisierung und Sammlung soloher Protestresolutionen unter allen ihnen angehörenden Gemeinden zu übernehmen. In weiterer Ausführung der Frankfurter Beschlüsse fordert das Komitee die Gemeindeverbände bezw. die Landesliauptgemeinden auf, einen Delegierten für den neu zu bildenden Rat der jüdischen Gemeinden zu bestimmen, der hinfort die Weitjudenheit in allen die Kalenderreform betreffenden Fragen vertreten soll. Der neue Rat wird nach der Oktot)er-Ko.nfer.ens der Uber die Frage der Kalenderreform beschließenden Völkerbundskommission einberufen werden. b /ficht aüSdrScVtfch ahbtstcllte Abotutuncnts gelten als Verlängert! Die Verfolgung des Zionismus in Sowjetrußland Wie die Auslandsdelegation der zionistisch-sozialistischen Partei Sowjetrußlands ln Tel-Aviv dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitteilt, wurden in der Zelt vom 14. bis 21. April d. J. in Moskau 15 Kommunisten unter dem Verdacht der Zugehörigkeit zur sowjetrussischen Hechaluz-Organisation verhaftet. Gleichzeitig haben sie von der G. P. U. die Verständigung erhalten, daß sie innerhalb der nächsten Tage in die Verbannung nach Zentralasien abgehen müßten. Der russische Hechaluz-Verband wurde im März 1928 von der Sowjetregierung verboten. Seither gilt er als illegale Organisation, die Zugehörigkeit zu Ihm wird als konterrevolutionäres Vergehen verfolgt. Im Jahre 1924 war der Hechaluz von der Sowjetbehörde legalisiert worden und hielt lm August desselben Jahres in Moskau unter Teilnahme von Delegierten aus allen Teilen des Landes eine öffentliche Konferenz ab. Die gegen ihn geführte heftige Kampagne der jüdischen Kommunisten führte schließlich zur Widerrufung der Legalisierung des Verbände». In aller Kürze Vor dem Kreisgericht in Radom wurden am 28. Juni drei der Teilnehmer an den antisemitischen Exzessen, die dort stattgefunden haben, zu Gefängnisstrafen verurteilt. * Die Gerichtsärzte haben den Ingenieur Emil Zatloka, den Budapester Synagogenattentäter, für wahnsinnig erklär!; weshalb das Verfahren gegen ihn eingestellt werden dürfte. Im Etat der lettländischen Regierung für 1931/82 ist für jüdisch-kulturelle Zwecke ein Budget von 86.600 Dollar vorgesehen. Bei den letzte Woche in Litauen durchgeführten Wahlen zu den Stadt-Selbstverwaltungen wurden von 324 Stadtverordneten in den Städten außerhalb Kowno 128 Juden gewählt. In Vicenza wurde am 20. Juni das Denkmal für den verstorbenen jüdisch-italienischen Staatsmann Lulgi Luzzatt! enthüllt. Auf dem historischen Judenfriedhof zu Rosenwiller lm Elsaß wurden von unbekannten Tätern 20 Grabsteine umgeworfen und zum Teil zertrümmert. Die Gesellschaft der Freunde der jüdischen Mittelsohule in Florenz geht jetzt daran, ein jüdisches Realgymnasium zu errichten, in dem die Jüdischen Unterrichtsgegenstände und die hebräische Sprache einen wichtigen Platz einnehmen werden. * Herr Dr. Ernst Marcus, Berlin, hielt am 19. Juni im völkerrechtlichen Seminar der Universität Frankfurt einen Vortrag über das Paiästlnamandat In den vier ersten Monaten des Jahres 1981 sind 1799 Juden in Argentinien eingewandert Bei den Wahlen in den Amsterdamer Stadtrat wurden 12 jüdische Kandidaten gewählt Zum Dekan der mathematischen Fakultät der Lemberger Universität hat der 8enat Prot Hugo Steinhaus, einen Juden, gewählt Herr Jacob Landau, der Chef der Jüdischen Telegraphenagentur, wurde vom Außenminister Aristide Briand empfangen und informierte diesen über die Lage der jüdischen Bevölkerung ln den Ländern Ost- und Mitteleuropas und ln Amerika. Im Budapester jüdischen Spital wird mit einem Aufwande von mehreren Millionen Pengö das größte Krebsforschungainstltut der Welt errichtet werden. m Am 28. Juni sind aus Warschau 120 jüdische Auswanderer, darunter 60 Chaiuslm, nach Palästina abgereist Der Führer der Zionisten-Revlsioniaten Hollands, Prof. Dr, L. S. Ornatein, wurde von der Regierung zum Rektor magniflcus der staatlichen Universität Utrecht für das Studienjahr 1981/82 ernannt Die Tagung der interterritorialen Arbeitsgemeinschaft jüdischer Jugendverbände findet am 6. Juli d. J. in Basel statt Der neugebildete Rat der Verbände spanischer Sephar. dim hielt Mittwoch, den 24. Juni, in Madrid seine erst« Sitzung ab. VJBRBBXNOBV 8X8 XSB8 FBHIEN IM der SCHWEIZ Billig und gut SOMMERPARADIES AROSA 1800 H. ft. M. HOOH8TOELBOBHBB I.ÜFTEUBORT UND 8F0BTFLATS I. BANGES Pension „Libanon“ mipHONVaSl •breiig Zinna er alt Privat talktu flr 8outnud Utgekwta 1W3 »nvuosamt» von tu. io.- i

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