Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 182 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» 8 PIE STIMME Nr, 182 — 3. Jul» 1031 9tr Menschlichkeit und Gerechtigkeit unterstützen werden. Wir verlangen besseren Schutz von seiten der amerikanischen Regierung und ihres hiesigen Gesandten. Das Leben von Amerikanern ist ln Gefahr und Investitionen von jahrelangem Studium und Geld werden bedroht Wegen der Gefahr für Amerikaner, aber auch aus allgemeinen humanitären Prinzipien verlangen wir vom amerikanischen Gesandten ein starkes und energisches Eintreten, damit diese regelmäßigen und wiederholten Krawalle ein Ende finden. Die Krawallmacher haben Erklärungen abgegeben, daß Oesterreich dem deutschen Volk gehöre, und den Ruf ausgestoßen: «Hinaus mit den Fremden!» Wir schätzen und respektieren ihre nationalen Rechte und Forderungen, aber wir wollen keineswegs das Gefühl haben, daß in diesen Rechten die Politik inbegriffen Ist, fremdes Geld anzuziehen und anzunehmen, die Fremden aber der Vorteile der hiesigen Bildungsstätten zu berauben. Dies um so mehr, als Infolge der Ankündigung der Bildungsmöglichkeiten für Fremde ln Oesterreich gerade die Fremden weite Strecken gereist sind und keine Kosten gescheut haben, um in dieses Zentrum der Kultur zu kommen. Eine Kopie dieses Briefes geht an alle bedeutenden Zeitungen Amerikas. Unterschrift: Das Exekutivkomitee: Dr. S. Marcus, Major U. S. Army, Dr. A. L. Lyons, Dr. B. Puschkin, Dr. A. Behrens, Dr. N. D. Fabricant, Dr. S. Zakon. Members of the American Medical AssoclaHon of Vienna. Sonderbarerweise haben es die großen «jüdischen» .Tageszeitungen Wiens nicht für nötig gefunden diese Protestnote abzudrucken. Hat diese Vogel-Strauß- Politik Sinn? Die amerikanische Protestnote gebraucht scharfe, jedoch durchwegs richtige Worte. Sie werden nicht verfehlen, in der gesamten kulturellen Welt einen Widerhall hervorzurufen. Zar Nachahmung empfohlen Wie man in Amerika den Antisemitismus bekämpft Dem Antisemitismus, der, wie überall, auch in den Vereinigten Staaten zu spüren ist, soll nun, wie amerikanische Zeitungen melden, ein Riegel vorgeschoben werden. Die Anti Defamation Commission des Vereins B’nai Brith, eine Organisation, die eine bessere Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden anstrebt, teilt in einem offiziellen Bericht mit, daß den planmäßigen Beschimpfungen der Juden nunmehr ein Ende bereitet werden soll. Gewissenhafte Nachforschungen der Anti Defamation Commission ergaben Beweismaterial für organisierte, antisemitische Hetze in Zeitungen, Magazinen, Büchern, Postkarten und Prospekten, in Film- und Radioprogrammen sowie in Steileninseraten und Offerten von Hotels und ähnlichen Institutionen. Der Bericht stellt in objektiver Weise fest, daß in vielen Fällen die antisemitischen Attacken ohne Kenntnis der verantwortlichen Leitung erfolgten, besonders dann, wenn es sich um Zeitungsberichte oder Radioübertragungen handelte. Die betreffenden Redakteure und Radioveranstalter haben denn auch dem Kommissionsausschuß ihre Mitarbeit zugesagt, um künftige antisemitische Wühlarbeit zu eliminieren. Mit welcher Energie die Organisation ans Werk geht, beweisen ihre Leistungen seit dem 15. September 1930, die sich aus folgenden Akten zusammensetzen: Erstens bewirkte die Kommission die Eliminierung nicht einwandfreier Definitionen des Wortes «Jude» in zwei Wörterbüchern. Weiters verschaffte sie sich von der American Automobile Association das bestimmte Versprechen, künftig nie mehr ein Hotel zu rekommandieren, das die Aufnahme von Juden refüsiert Ferner bekam sie von einem Kreditinstitut die Versicherung, daß es in seinen Berichten nicht auf das Glaubensbekenntnis Bezug nehmen werde. Sie verhandelte erfolgreich mit der Association Preß wegen eines Protestes gegen den Gebrauch des Wortes «Juden» als Bezeichnung für Bandenmitglieder. Außerdem erreichte sie eine Entschuldigung von seiten einer Firma, deren Filiale ln einem Inserat Angestellte, «aber nur Christen», suchte. Und schließlich wurde die Organisation von einer Radiosendestation dahin informiert, daß diese aufrichtig bedauere, die Wiedergabe eines nicht einwandfreien Liedes gestattet zu haben, mit der Versicherung, daß in Hinkunft nichts mehr per Radio übertragen werden solle, daß als Schmähung des Judentums angesehen werden könnte. Ob die Organisation die vollständige Unterdrückung des Antisemitismus in den Vereinigten Staaten erreichen wird, bleibt dahingestellt, jedenfalls ist der Weg, den sie eingeschlagen hat, gewiß der Nachahmung wert. Die Arbeit der Mandatskommission Seit einigen Tagen befaßt sich die Mandatskommission »es Völkerbundes mit der Herstellung des Berichtes über die Mandate, mit denen sich die Kommission in ihrer jetzigen Session befaßt hat. Die Konklusionen der Mandats« kommiifikm MnskhtSch des Palästina'Mandats sind bereits NrUggestent; sie werden aber, wie gewöhnHeh, streng vertraulich gehalten. Wie der j. T. A.*Vertrtter ans zuverlässiger Quelle erfährt, nimmt die Mandatskommission zu den verschiedenen, von der britischen Regierung vorgelegten Dokumenten (Passfleld-Weißbuch, Macdotiald-Brtef und Simpson-Bericht) keine besondere Stellung. Im allgemeinen aber spricht die Kommission ihre Zufriedenheit darüber aus, daß die britische Regierung ihr gegenüber erklärt habe, sie wolle die «geschlossene Ansiedlung von Juden auf dam Lande» unterstützen. Die Mandatskommission betafit sich mit dem arabischen Memorandum Wie der J. T. A.-Vertreter in Genf erfährt, hat sich die Mandatskommission in ihrer Sitzung am 27. Juni mit der Petition der arabischen Exekutive befaßt. Die einzelnen Forderungen der Araber lauten: 1. Widerruf der Balfour-Qgkiaration; 2. Einsetzung einer Regierung, die einer vorTder palästinensischen Bevölkerung gewählten Körperschaft verantwortlich sein soll; 3. Verbot des Bodenverkaufs in Palästina und endgültige Einstellung der jüdischen Einwanderung; 4. Maßnahmen zur Hebung der Lage der Fellachen und Ansiedlung von Fellachen im Huleh-Gebiet, falls die gegenwärtigen Inhaber der Huleh-Konze8sion diese nicht verwerten sollten. Das Memorandum Auni Bey Abdul Hadis befaßte sich hauptsächlich mit der Kritik des Passfield-Weißbuches. Es wird der Nachweis zu führen versucht, daß auch das Weißbuch nicht geeignet sei, die Araber zu beruhigen und ihnen die Sicherheit zu geben, daß die Rechte und die Interessen des arabischen Volkes in Palästina respektiert werden würden. Auni Bey erklärt, daß England ungeachtet der im Weißbuch gemachten Zusage, die in diesem Dokument angekündigte Politik werde unter allen Umständen durchgeführt werden, sein Versprechen schon heute, kaum daß die Tinte auf dem Papier getrocknet sei, bricht Des MacDonald-Briefes wird im Memorandum nicht Erwähnung getan. Die arabische Exekutive hatte das Memorandum schon im Jänner 1931, also noch vor der Veröffentlichung des MacDonald-Briefes, der Palästina-Regierung übergeben. Eine Ergänzung ist seither nicht erfolgt. Die Vertreter Polens im Council der Jewish Agency Warschau, 22. Juni. (J. 1'. A.) ln Warschau tagte eine Konferenz von Vertretern der jüdischen Gemeinden Polens, der jüdischen Mitglieder in den polnischen Stadtverwaltungen und Vrtretem der Keren-Hajessod-Zhler, um sieben Vertreter der polnischen Judenheit für den nichtzionistischen Teil des Council der Jewish Agency zu wählen. Gewählt wurden in den nichtzionistischen Teil des Council der Jewish Agency der Dichter Schalom Asch, Dr. Goldflam, die Lodzer Industriellen Borys Eitingon und Oskar Kohn, der Vizepräsident des Warschauer Stadtrates Maurycy Mayzel, Rabbiner Kahane und der Direktor der Jewish Colomsatlon Association für Polen Annanias Einhorn. Zu stellvertretenden Mitgliedern des Council wurden gewählt der bekannte Schriftsteller Hillel Zeitlin, Ingenieur Czermaxow, der frühere Ministerialrat Samuel Adelberg u. a. Schwere antijBdische Ausschreitungen in einem polnischen Kurort Die Kette der antijüdischen Exzesse in Polen, die in Zloczew begann und in Radom sich fortsetzte, hat noch kein Ende gefunden. Am letzten Sonntag abends war der Kurort Michalin der Schauplatz schwerster antisemitischer Ausschreitungen. Viele jüdische Kurgäste wurden verletzt, unter ihnen einige sehr schwer. Die Hoover-Aktlon und Warburg Berlin. (J. T. A.) Die deutsche Presse hebt die Verdienste der amerikanischen Wirtschaftsführer um die Aktion des Präsidenten Hoover zur Entlastung Deutschlands bei der Zahlung der Reparationenssummen hervor und teilt mit, daß die führenden Männer von Wallstreet, u.a. auch das Haus Warburg, in den letzten Tagen einen starken Druck auf Hoover ausübten und nun seiner Aktion ihre herzliche Zustimmung geben. Eine hohe Auszeichnung für Cuza Budapest, 21. Juni. (J. T. A.) Großes Aufsehen erregte die Mitteilung des Ministerpräsidenten Jorga am Schlüsse der gestrigen Kammersitzung, daß König Carol dem Führer der antisemitischen Partei, Professor, Cuza, der Alterspräsident der neuen Kammer war, wegen der Art, wie er die Debatte in der Kammer geführt hatte, den Großkordon des rumänischen Kronenordens verliehen hat. Die hohe Auszeichnung Cuzas hat in politischen Kreisen sehr ungünstige Kommentare hervorgerufen. Dr. Manfred Reifer Abgeordneter Bukarest. (J. T. A.) Nachdem die rumänische Kammer fünf kommunistische Mandate nicht bestätigt hat, wurden diese Mandate auf die anderen Listen aufgeteilt. Eines dieser Mandate fiel der Liste der Jüdischen Reichspartei zu; darauf hat Dr. Manfred Reifer, Czernowitz, Anspruch. Er tritt somit in das Parlament ein und wird die Zahl der Mitglieder des Jüdischen Parlamentsklubs auf fünf erhöhen. Liberale Provokation in der Berliner jüdischen Gemeinde Aus Berlin wird uns geschrieben: Ein halbes Jahr nach der Wahl der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, die, wie erinnerlich, den Liberalen wieder di? absolute Mehrheit brachte (24 Liberale, 14 Zionisten, 1 Poale-Zionist, 1 Konservativer und 1 Parteiloser), hat nun das Polizeipräsidium Berlin die von privater Seite eingebrachten formalen Proteste abgewiesen und somit die Wahlen bestätigt. Die neu« Repräsentantenversammlung trat in der ersten Juni-Woche zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammen. Ohne große Auseinandersetzungen wurden der Liberale Heinrich Stern zum Präsidenten, unser Gesinnungsgenosse Doktor Alfred Klee zum ersten und der Liberale Dr. London zum zweiten Stellvertreter gewählt. r Wer nun glaubte, daß die Wahl der elf Mitglieder des Gemeindevorstandes ebenso ruhig vor sich gehen Werde, sah sich in der nächsten Sitzung der Repräsentanz, die vier Tage später stattfand, schwer enttäuscht. Im Vorstand, der der Stärke der einzelnen Parteien entsprechend zusammengesetzt sein soll, standen der Volkspartei mit den Poaie- Zionisten vier Sitze zu. Diesen berechtigten Anspruch glaubten die Liberalen ablehnen zu müssen. Im neuen Vorstand sitzen sieben Liberale, drei Volksparteiler und ein Parteiloser. Die zionistischen Redner legten gegen diese Benachteiligung entschieden Protest ein, begleitet von dem lebhaften Beifall des Publikums, das die Galerie dicht füllte. (Die Oeffentlichkeit ahnt immer mit feinem Instinkt voraus, wo und wann es eine Sensation gibt.) Doch bedeutet dies« Wahl mehr als die bloße Benachteiligung einer Partei. Die Zionisten waren zu loyaler Mitarbeit In der Gemeinde bereit. Nicht nur wegen des dringenden Gebotes der Zeit, alle Kräfte an die Front des Kampfes gegen die katastrophale jüdische Not zu werfen, sollte den Liberalen die Mitarbeit solch hervorragender Kräfte erwünscht sein, wie sie die Volkspartei hat. Auch aus rein taktischen Gründen sind sie auf die Zionisten angewiesen, denn diese haben mit mehr als einem Drittel der Repräsentantensitze in grundlegenden Entscheidungen auch weiterhin das Heft in der Hand. Die Liberalen wollten aber scheinbar mit ihren in der Hitze des Wahlkampfes proklamierten Hetzparolen Ernst machen. Damals wurde ein vernichtender Feldzug gegen alles Nationale, vor allem gegen das ausgedehnte Schulwerk der Gemeinde, und ein wahrer Pogrom gegen die «0 s t j u d e n, die natürlich an dem ungeahnten Emporschießen des Antisemitismus und überhaupt an allem schuld sind», sowie gegen im Geruch des Zionismus stehende Gemeindebeamte angekündigt. Nun, auch nach den Wahlen ist die Volkspartei stark genug, um solche Angriffe aozttweisen. Billiger Ersatz, toben sich die Liberalen in der Frage der persönlichen Zusammensetzung des Vorstandes aus. Die Generalattacke sollte gegen Kareski geritten werden. Doch sind die Verdienste dieses Mannes so groß — Kareski war es, der als Präsident und Finanzreferent der Gemeinde ihre Finanzen nicht nur sanierte, sondern auch das große Netz ihrer kulturellen, sozialen, sanitären und religiösen Institutionen bedeutend auszubauen verstand —, seine Persönlichkeit so überragend, daß selbst den Liberalen seine Desavouierung zu gewagt erschien. Nur Herr Bruno W o y d a, Scharfmacher und Zionistenfresser, Redakteur der «Jüdisch-liberalen Zeitung», konnte es sich nicht versagen, eine wüste Schimpferei gegen Kareski vom Stapel zu lassen, die die Versammlung mit eisiger Ruhe über sreft ergehen ließ. Die Volkspartei erklärte es unter ihrer Würde, auf diese Änpöbeleien zu antworten, und selbst die Liberalen rückten von Woyda ab. Bei Stimmenenthaltung der Liberalen wurde Dir. Kareski gewählt, mit ihm vertreten Doktor KoUenscher und Dr. Sandler die Volkspartei im Vorstand. Dagegen ließen die Liberalen die Wahl eines vierten Zionisten nicht zu. Die Bereitschaft der Volkspartei zur Mitarbeit ist dadurch auf das empfindlichste erschüttert worden, die Erbitterung über das unfaire Vorgehen der Liberalen nur allzu verständlich und berechtigt. Es wäre der Ausdruck des ehrlichen Willens der gegenwärtigen Mehmeit zur Verständigung und Zusammenarbeit gewesen, hätte sie diesen Schritt nicht getan, der die nächsten — wahrlich nicht unter guten Auspizien beginnenden — drei Jahre der Berliner Jüdischen Gemeinde einleitet. Es wird großer Einsicht der Liberalen bedürfen, die Zionisten nicht durch noch mehr solcher Majorisierungen in die schärfsteOppoeitlo« zu treiben. In einer Zeit der schwersten wirtschaftlichen und politischen Notlage der deutschen Judenheit wäre das sehr zu bedauern. —um. Austria-Hotelbuch 1931. Der VI. Jahrgang dieses offiziellen Führers durch die Hotels, Gasthöfe, Pensionen« Kuranstalten und Sanatorien Oeeterreichs Ist erschienen und durch das Oesterrelclilsche Verkehrsbureau ln Wien, I., Friedrichstraße 7, sowie durch Jede Buch- Handlung zum Preise von S 8.— zu beziehen. Derselbe geht weit über den Rahmen der üblichen Hotelführer hinaus, gtbt nicht bloß erschöpfende Auskünfte über die Preise und die Einrichtungen der österreichischen Fremdenbetriebe, sondern ist vielmehr ein Nachsehlage- und Propagandawerk über den gesamten Re 1 se-, Touristen- und HeillÄäderverkehr Oesterreichs. Zahlreiche Illustrationen (auch Dreifarbenbilder) belebeg die textlichen Angaben und zeigen die Schönheiten Oesterreichs im Bilde auf. Der ln Leinen gebundene Führer mit den 2 Orientierungskarten soll ln Jedem Betrie» mit Publlkumsverkehr zur allgemeinen Benützung aufltegeHi Ist aber für jeden einzelnen ein wertvoller Orientierung)» betolf.