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Die Stimme · 1931-07-03 · Heft 182 (3.7.1931) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 182 (3.7.1931)
Date
1931-07-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sei te 6 DIE STIMME Nr. 182 — 3. Juli 1931 Saloniki an der Reihe Schwere antisemitische Ausschreitungen In Saloniki kam es am 23. und 24. Juni zu Judenfeind* Uchen Ausschreitungen schwererer Natur, die mit einer scharfen antijüdischen Hetze verbunden waren. Griechische Studenten verteilten unter der Bevölkerung Flugzettel, in denen die Christen zum wirtschaftlichen und geseüschaft* liehen Boykott der Juden aufgefordert wurden. In den Flugzetteln wurde behauptet, daß der Salonlkier jüdische Sportklub Makkabi antigriechische Propaganda betreibe. Gleichzeitig überfielen Studenten jüdische Passanten in den Straßen und mißhandelten sie schwer. Unter der jüdischen Bevölkerung Salonikis herrschte wegen dieser Angriffe und falschen Beschuldigungen starke Erregung. Gouverneur Gonostas versandte eine Erklärung an die Presse, in der er die antisemitischen Ausschreitungen rügt und betont, daß die Juden ihre staatsbürgerlichen Pflichten stets treu erfüllen. Die jüdischen Abgeordneten von Saloniki erklärten heute im Parlament, daß die gegen den Salonikier jüdischen Spor?* klub Makkabi und gegen die jüdische Bevölkerung Salonikis im allgemeinen vorgebrachten Beschuldigungen der Illoyalität gegen den Staat vollkommen grundlos seien. Die Juden* schaft Salonikis weise solche Beschuldigungen mH Ent* rüstung zurück und fordere, daß die Regierung gegen die Urheber der Beschuldigungen und die Veranstalter der antisemitischen Straßenausschreitungen vorgehe. Die Mehrheit der christlichen Bevölkerung verurteilt die antisemitischen Ausschreitungen. Am Mittwoch abends stürmte der Mob den Makkabi-Klub, zertrümmerte die gesamte Einrichtung und mißhandelte die jüdischen Sportler. Einige jüdische Jugendliche erlitten erhebliche Verletzungen. Am Donnerstag, den 25. Juni, griffen etwa 200 Mitglieder der nationalistischen Liga, darunter Reserveoffiziere, das Haus der Jüdischen Gemeinde Saloniki an und versuchten es in Brand zu stecken. Mehrere Personen wurden verwundet. Folgende Einzelheiten werden noch bekannt: Gefährlichen Charakter nahmen die Unruhen am 24. Juni abends an, als die nationalistischen Demonstranten die Bureauräume des Sportklubs Makkabi stürmten, die Inneneinrichtung demolierten und die Räume in Brand steckten. Die Nationalisten durchzogen darauf die Stadt und schlugen in zahlreichen jüdischen Geschäftsläden und Wohnungen die Fensterscheiben ein. Seitdem ist die Atmosphäre andauernd gespannt. Ein TeU der Presse Salonikis feiert die antisemitischen Exzedenten als nationale Heroen und stellt die Mitglieder des jüdischen Sportklubs Makkabi als die-.Urheber der Unruhen hin. Nachdem am Donnerstag abends die Huligans zwei jüdische Stadtviertel angegriffen und durch Steinbombardements starke Verwüstungen angerichtet hatten, bildete sich ein besonderes jüdisches Wachfcorps zum Schutze der Gebäude, in denen jüdische Institutionen untergebracht sind. Die verantwortlichen jüdischen Kreise sind empört darüber, daß seitens der verantwortlichen Behörden und Gesellschaftskreise Salonikis nicht versucht wird, wenigstens einen moralischen Druck auf die Exzedenten auszuüben. Der Direktor des staatlichen Presseamtes ermutigt offen die antisemitischen Agitatoren. Die Polizei trifft auf dem Schauplatz der Unruhen immer verspätet ein. Die Vorgeschichte der Ausschreitungen Die judenfeindlichen Ausschreitungen in Saloniki haben folgende Vorgeschichte: Auf der vor etwa .zehn Monaten abgehaltenen Makkabiade in Bulgarien hatte sich der jüdische Sportklub Makkabi in Saloniki durch Herrn Isaak Cohen, der sich damals gerade in Sofia aufhielt, wo er mit Dr. Alexander Rosenfeld aus Berlin über die Bedingungen eines Anschlusses des Salonikier Makkabi an den Makkabi- Weltverband verhandeln sollte, vertreten lassen. Ungefähr zur selben Zeit fand in Sofia ein Kongreß der mazedonischen Jugend statt. Nach seiner Rückkehr nach Saloniki wurde Herr Cohen einem polizeilichen Verhör unterzogen. Er teilte den Zweck seiner Reise nach Sofia mit. Vor wenigen Tagen hat die Salonikier antisemitische Zeitung «Makedonia» die Angelegenheit aufgegriffen und berichtet, der Makkabi in Saloniki stehe im Einvernehmen mit den nulgarischcn Komitatschis und dem Lazaristen-Orden in Saloniki, die die Autonomie Mazedoniens proklamieren wollen. Isaak Cohen sei der Delegierte Salonikis auf dem Kongreß der bulgarischen Komitatschis gewesen. Diese Mitteilung wurde dann auch von anderen Zeitungen wiederholt und zum Anlaß heftiger Angriffe gegen die Juden, die angeblich gegen den Staat arbeiten, genommen. Am 23. Juni wurden von Hörern der Universität in Saloniki Flugzettel verteilt, in denen es hieß, Verlag Josef Brenner, Wien, il. Soeben erscheint Marburg, Dr. Fritz: Der Antisemitismus ln der deutschen Republik steif broschiert.Mark 2.-— mit zahlreichen aktuellen Illustrationen auf 16 Kunstdrucktafeln. Vorrätig in allen Buchhandlungen. Wo nicht lagernd, verlange man direkt vom Verlag. die Juden hätten im Jahre 1821 den Patriarchen Gregor durch die Straßen Konstantinopels geschleift; die Juden arbeiteten im Einvernehmen mit den Kommunisten und den Komitatschis daran, Griechenland das Grab zu graben. In dem in tausenden Exemplaren verteilten Flugblatt wurde zum Boykott der Juden als Vorspiel für «spätere größere Kämpfe» aufgefordert. Brandstiftungen! Athen, 30. Juni. Uebcr die Ereignisse der letzten Nacht ln Saloniki gibt die Regierung eine offizielle Darstellung, ln der es heißt, daß um halb 10 Uhr abends eine Gruppe griechischer Nationalisten zunächst ein Kaffeehaus angriff, in dem sich hauptsächlich Juden befanden. Die Polizei eilte herbei und trieb die Angreifer auseinander. Etwas später belästigte ein Sol- Am 21. Juni wurde in Berlin eine Vorkonferenz der Hebraisten eröffnet, an der hervorragende hebräische Gelehrte, Schriftsteller und Pädagogen aus Deutschland, Polen, Palästina, England, Amerika, Litauen, Lettland, Estland und aus anderen Ländern teilnahmen. Die Vorkonferenz hat den Zweck, einen Weltkongreß der Hebraisten vorzubereiten. Dr. S. Rawldowitsch hielt ein Referat über die Position des Hebräischen in der Gegenwart Es soll ein Weltverband der Hebraisten gegründet werden, der den Namen «Bund der Hebräer» führen und dessen Zentralsitz BerHn sein soll. Die jüdischen Gemeinden und Verbände sollen der Bewegung nutzbar gemacht werden. Das Hebräisch-Sprechen soll gefördert, periodische hebräische Schriften sollen gegründet, den hebräischen Schriftstellern soll die Herausgabe ihrer Werke erleichtert werden. Es soll ein Fonds für hebräische Kultur in den Diaspora-Ländern gegründet werden. Der Hebraisten-Weltkongreß soll eine Dauerinstitution sein. Nach einer Aussprache über die Referate von Dr. S. Rawidowitsch über die Position des Hebräischen in der Gegenwart und des Chefredakteurs M. K1 e in m a n n über den Weltkongreß der Hebraisten wurden Berichte über den Stand der hebräischen Kulturarbeit in den verschiedenen Ländern erstattet. In der am 22. Juni abgehaltenen Sitzung hielt B.Lipetz ein Referat über die nächsten Aufgaben der Konferenz. Er faßte diese in folgenden drei Punkten zusammen. 1. Schaffung eines Weltverbandes zur Förderung der jüdischen Kulturarbeit in der Galuth, 2. Organisierung einer Zusammenarbeit der bestehenden hebräischen Kulturinstitutionen, 3. Einberufung des hebräischen Weltkongresses. Es wurde ein aus 37 Mitgliedern bestehender Großer Rat des neugegründeten Weltverbandes gewählt; dem Rate Am 17. Juni fand in Paris eine Konferenz von Vertretern verschiedener jüdischer Zeitungen in Frankreich und der Korrespondenten ausländischer jüdischer Zeitungen statt, in der die Möglichkeit der Einberufung einer internationalen Journalistenkonferenz zur Propagierung des Gedankens eines jüdischen Weltkongresses erörtert wurde. Sämtliche Redner wiesen auf die Notwendigkeit hin, dem in fast allen Ländern festzustellenden Vorstoß des Antisemitismus auf Grund eines wohldurchdachten Planes zum Schutze jüdischen Lebens und Eigentums und der Rechte der Juden entgegenzutreten. Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa erfordere eine einheitliche Aktion zur Bekämpfung ihrer katastrophalen Folgen. Ls wurde einstimmig eine Resolution gefaßt, in der die von einer Gruppe jüdischer Journalisten in Deutschland zur Einberufung einer internationalen jüdischen Journalistenkonferenz ergriffene Initiative begrüßt wird. Painlevg Ober den Palästina-Aufbau Am Mittwoch, den 24. Juni, fand ini Palästina- Pavillon der Pariser Kolonialaussteilung ein vom Keren Hajessod-Komitee für Frankreich veranstaltetes Bankett zu Ehren des früheren französischen Ministerpräsidenten Painlevö statt. Der ehemalige Minister Justin Godard, der Painlev6 zu seinem Ehrensitz geleitete, hielt eine Ansprache, in der er an die hervorragende Rolle erinnerte, die Frankreich bei der Anerkennung des Rechtes der Juden auf Palästina gespielt hat. Painleve selbst sprach in eindrucksvoller Weise Uber die Bedeutung und den Erfolg des jüdischen Aufbauwerks in Palästina. «Trotz allen Verleumdungen», führte Painlevö u. a. aus, «sind Sie mit Ihrem Werke in Palästina erfolgreich geblieben. Palästina wird das Zentrum der Wiedergeburt des jüdischen Volkes. Jedesmal, dat Im Judenviertel mehrere Bewohner desselben. Es rückte ein TeU der Luftschiffahrtsbataillons aus, dessen Mannschaft aber, statt sich an der Verteidigung des Judenviertels zu beteiligen, ebenfalls an der Attacke auf Juden teiigenommen haben soll. In zahlreichen Gruppen rückten Nationalisten an und legten an mehreren Stellen Feuer. Dte Polizeimannschaften erwiesen sich als ungenügend. Bei einer Schlägerei wurden zwei Griechen und vier Juden verwundet. Da die Angriffs angekündigt wäret), hatten die Juden ihre Frauen und Kinder rechtzeitig entfernt, sammelten sich und leisteten in den Baracken bewaffneten Widerstand. Sie feuerten auf die nationalistischen Angreifer. Es kam zu einem heftigen Zusammenstoß, der nur dadurch ein Ende fand, daß das Feuer sich mit Schnelligkeit über die Holzhäuser verbreitete. Die dort verschanzten Juden flohen nach dem benachbarten Straßenblock, wurden aber unterwegs durch Barrikaden aufgehalten, die von Nationalisten errichtet worden waren. Die Feuerwehr war machtlos. Hier geben Gerüchte, daB es bei der Feuersbrunst zehs Tote und fünfzig Verwundete gegeben habe. gehören u. a. an: Chaim Nachman Bialik, Nahum Sokolow, Chief Rabbi Dr. J. H. Hertz, Dr. Simon Bernfeld, Stephen Wise, Dr. Joseph Klausner, Dozent Dr. Harry Torczyner, Dr. Jacob Klatzkin, J. Grünbaum, Wladimir Jabotlnsky, Dr. Oslas Thon, Rabb. Eisenstadt, Berlin, Rabb. Simonsen, Kopenhagen, Oberrabb. Dr. Markus Ehrenpreis, Stockholm, Chief Rabbi Dr. Landau, Johannisburg, Ab. Goldberg. Ferner wurde eine vlerzehngliedrlge Exekutive gewählt. Acht Mitglieder der Exekutive haben ihren ständigen Wohnsitz in Berlin, und zwar die Herren Dr. J. Guttmann, Bankier S. Glücksohn, Fr. Gringard, Dr. Max Soloweitschik, Dr. S. Weinberg, Dr. Pines, Dr. Simon Rawidowicz und Dr. Alexander Rosenfeld. Die auswärtigen Mitglieder der Exekutive sind: Dr. M. Klumel, Jacob Kahan. und Mosche Gordon (Warschau), B. Lipetz, Kowno, Chefredakteur M. Kleinmann, London, 1. Naiditsch, Paris. Von den Beschlüssen der Konferenz sind folgende hervorzuheben: 1. Schaffung des hebräischen Weltbundes zur Förderung hebräischer Kultur, Erziehung, Literatur usw. 2. Sofortige Hüfsaktlon für die um ihre Existenz ringenden hebräischen Kultusinstitutionen der Diaspora. 3. Ausbau des hebräischen Kulturfonds. 4. Einberufung des hebräischen .Weltkongresses im Jahre 19 3 2. S. EinfüHrung eines Mitgliedsbeitrages in deir Form, eines «Sela» und effies 'fcesortderen «Sela hanoar» (Sela der Jugend). Ein «Sela sahaf» soll das Fünffache des einfachen Sela betragen; 6. Belebung der hebräischen Literatur und Herausgabe einer hebräischen Monatsschrift in Berlin. 7. Entsendung einer Delegation zum zionistischen Kongreß, die für die Ziele und Aufgaben des neugegründeten hebräischen Weltbundes unter den Kongreßdelegierten und Gästen wirken und dem Kongreß gegenüber die Forderungen der Exekutive des hebräischen Weltbundes vertreten soll. wenn Ihre jungen Leuto sich in Palästina gegen Angreifer zur Wehr setzen, wird laut verkündet, die Juden hätten provoziert Wir wissen jedoch, daß dies nicht wahr ist». Die polnischen Juden in Amerika appellieren an die polnische Regierung New York, 28. Juni. (J. T. A.) In diesen Tagen fand die 23. Jahreskonferenz des Verbandes der polnischen Juden in Amerika statt, an der 400 Verteter der polnisch-jüdischen Landsmannschaften in den Vereinigten Staaten und in Kanada teilnahmen. Es wu’den Begrüßungstolegramme des polnischen Ministers des Aeußern August Zaleski und des Präsidenten des American Jewish Congress Bernard Deutsch verlesen, woraufhin b.»schlossen wuide: L die polnische Regierung aufzufordern, die drückenden Gesetze und Vorschriften gegen die Juden auizuheben und die wiederholten, aber bisher nicht im geringsten erfüllten Versicherungen polnischer Staatsmänner bezüglich der Verbesserung der katastrophalen Lage der polnischen Juden endlich zu verwirklichen; 2. gegen die antisemitischen Exzesse in ZIoczow und Radom, sowie gegen die Schließung des jüdischen Lehrerseminars in Wilna zu protestieren; 3. keine Vertreter nach Polen zu Verhandlungen mit der polnischen Regierung zu entsenden, solange diese Regierung nicht eine offizielle Einladung an das amerikanische Judentum zu einer gemeinsamen Besprechung der jüdischen Lage ergehen läßt. Denket an dl« Krawalle an der Handelshoch ohulel unentgeltlich«0 Stellenvermittlung I der Hakoah Wer ausgebildetes, tQchtfgee und diszipliniertes Personal aller Art und aller Branchen brauoht, wende aloh en die HAKOAH» I., Wleslngerstr. 11 / Tel, R-25-0-10 Weltkonferenz der Hebraisten in Berlin Für einen jüdischen Weltkongreß

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