Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 182 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 4 DIE STIMME Nt. i82 — 3. Juli 193! Probleme des Misrachi unabhängig von ihrem Zusammenhang mit den Problemen des Zionistenkongresses, mit denen sich die Misrachi-Fraktion nach Schluß der Konferenz in einer besonderen Sitzung befassen werde, zu behandeln. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen ins Präsidium wurden H. Farbstein, Rabbi Ostrowski, Oedalja Bublik, Lazarus Barth, Dr. Federbusch und Wassermann gewählt. Nach Uebtrnahme des Präsidiums erteilte H. Fatbstein dti« Mitglied des Merkas olami Rabbi J. L. Fishman das Wort zu einem Referat über «Unsere Organisationsarbeit und ihre Wege in der Zukunft». Rabbi Fishman forderte die Konferenz auf, die Ziele des Misrachi klar zu formulieren. Die jüngste Entwicklung der politischen Lage in Erez Israel mache es notwendig, zu erklären, daß der Misrachi die Errichtung des Judenstaates in Erez Israel auf den Grundlagen der Thora erstrebe. ln der am 28. Juni abgehaltenen Sitzung ist der gesamt« Merkas olami, bestehend aus Rabbi Meir-BerHn, Rabbi J. L. Fishtnann-Tel-Aviv und Rabbi Teitelbaum-New York zurückgetreten. Die Demission der Leitung des Wettverbandes ist darauf zurückznführen, daß die Delegation des deutschen Misrachi, die geschlossen für Welzmann elntrltt, den Standpunkt eännahm, Rabbi Berlin habe nicht das Recht gehabt, als Mitglied der Zionistischen Exekutive zu demissionieren, und die mit ihrem Austritt aus dem Misrachi für den Falt, daß die Konferenz Rabbi Berlins Vorgehen billigen sollte, drohte. Um eine Spaltung des Verbandes zu vermeiden, haben Rabbi Berlin und die übrigen Mitglieder des Merkas olami ihre Demission gegeben, obwohl die überwiegende Mehrzahl der Delegierten den Standpunkt der deutschen Mlsrachlsten nicht teilt. Bei der Abgabe seiner Rücktrittserklfirung schlug Rabbi Berlin vor, den Präsidenten der Konferenz, Heschel Farbstein, zum ständigen Mitglied des Merkas olami mit dem Sitz in Palästina zu wählen. Eröffnung der sechsten Weltkonferenz der Wizo ln Anwesenheit von 70 Delegierten aus 29 Ländern aller Erdteile, sowie zahlreicher Ehrengäste aus der Basler Bürgerschaft und den verschiedenen zionistischen, jüdischen und feministischen Organisationen der Stadt fand am Abend des 22. Juni die feierliche Eröffnung der sechsten Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen (Wizo) im blauen Saal der Basler Mustermesse durch die Ehrenvizepräsidentin, Frau Henriette Irwell (London) statt. In ihrer Begrüßungs- •'MWprache wies die Vorsitzende darauf hin, daß die Whfö trotz der düsteren Ereignisse des August 1929 mf?f'Palästina und der dadurch entstandenen zionistischen Krise ihre Arbeit unbeirrt und ungeschwächt fortgesetzt habe. Nach den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Reden wurden Begrüßungstelegramme der erkrankten Ehrenpräsidentin der Wizo, Lady Samuel, der Frau Wera Weizmann und vielen anderen vorgelesen. Dann sprachen Begrüßungsworte namens der verschiedenen Vereine und Organisationen: Frau Dr. Kaufmann (Schweizer Landesverband), Frl. Schaffner (Friedensliga), Rabbiner Dr. Weil, Dr. Neiditsch (Basler Gemeinde), Dr. Marcus Cohn (Präsident des Schweiz. Zionisten-Verbandes), Frau S. Abraham, Frau Dreyfuß- Straus, Frau Vischer-Alioth (Frauenvereine), Herr Hanns Ditisheim für den Jüdischen Nationalfonds. Alle Rednerinnen und Redner hoben die hohe Bedeutung der Wizo für die Palästina-Arbeit und das Leben der jüdischen Frau überall in der Welt hervor. Nach einer Ansprache der Vize-Bürgermeisterin von Tel-Aviv, Frau Persitz, dankte die Vorsitzende, Frau Irwell, allen Erschienenen und forderte die Delegierten zu einträchtiger Arbeit auf. Am 23. Juni vormittags trat die Konferenz in ihre Arbeitstagung ein. Die ersten Punkte der Tagesordnung bildeten die Galuth-Berichte der Exekutive über Organisation, Propaganda und Finanzen. „Times“ über die Möglichkeit einer Spaltung der Zionistischen Bewegung Die «Times» vom 26. Juni veröffentlichen unter der Ueberschrlft «Die Zukunft des Zionismus» einen Artikel ihres zum Zionistenkongreß nach Basel entsandten Sonderberichterstatters, in dem die Schwierigkeiten, vor die der Zionistenkongreß diesmal gestellt ist, die Unterschiede in der Haltung der einzelnen Parteien innerhalb der zionistischen Bewegung zu den Problemen der zionistischen Kolonisation und besonders die Einstellung zur britischen Palästina-Verwaltung, über die Zionisten und Nichtzionisten erbittert seien, einer eingehenden Analyse unterzogen werden. Die zionistische Poiit-k, wird In dem Artikel ausgeführt, stehe jetzt an einem Kreuzweg. D«r Glaube der Juden an die ehrliche Absicht Englands, sein Versprechen zu erfüllen, sei durch eine Reihe für sie ungünstiger Veröffentlichungen und Maßnahmen, wie den Shaw-Bericht, das Weißbuch, den Simpson-Bericht sowie eine Gesetzgebung, durch die die Möglichkeit des Bodenerwerbes in großem Maßstab in drastischer Weise eingeschränkt wird, erschüttert worden. Sollten sich keine Anzeichen dafür ergeben, daß England gewillt ist, eine Palästina-Verwaltung einzusetzen, die innerhalb vernünftiger Grenzen das jüdische Ideal fördern würde, werde es möglicherweise um den Kongreß schlimm bestellt sein. Es werde eine Spaltung in der zionistischen Bewegung eintreten, und zwar diesmal niciit wegen der Frage, ob dieses oder jenes Land zur Besiedlung herangezogen werden solle, wie es seinerzeit bei dem Streit um Uganda der Fall war, sondern wegen der Frage, ob der Zionismus aus vollem Herzen mit England Zusammenarbeiten solle oder nicht. Resultat der Kongreßwahlen ln Rumänien und Bessarabien Bukarest, 28. Juni. (J. T. A.) Die Wahlen zum Zionistenkongreß in Alt-Rumänien ergaben das folgende Resultat: Zentrum (Allgemeine Zionisten) 1440, Revisionisten 1416, Radikale 902, Hitachduth (Zelre- Zion, Poale Zion usw.) 803 Stimmen. Die drei auf Alt- Rumänien entfallenden Mandate werden wie folgt verteilt: Zentrum 1 Mandat, Revisionisten 1 Mandat, Radikale 1 Mandat. K i s c h i n e f f, 28. Juni. (J. T. A.) In Bessarabien wurden als Delegierte zum XVII. Zionistenkongreß ein Allgemeiner Zionist, ein Revisionist und zwei Vertreter des Arbeitenden Palästina gewählt. die Pflichten der ’Wache in ein merkwürdiges Lieh* gerückt wird. Hakenkreuz und Micky-Maus Und da schon vom Hakenkreuz die Rede ist, zur Abwechslung etwas Lustiges, im Pommerschen Oauorgan der Nationalsozialisten wird folgender flammender Aufruf veröffer 'licht: Der M icky-Ma us -Ska n d a I!! I Blonde, freisinnige, deutsche Stadtjugend am Gängelband des Finanzjuden. Jugend, wo ist dein Stolz? Jugend, wo ist dein Selbstbewußtsein? Die Mlcky-Maus ist das schäbigste und elendeste Ideal, das je erfunden wurde. Die Mlcky-Maus ist eine Verblödungskur des Young-Kapitals. Das gesunde Gefühl sagt eigentlich jedem anständigen Mädchen und jedem ehrlichen Jungen von selbst, daß das schmutzige und mit Dreck behaftete Ungeziefer, der große Bakterienübertrager im Tierreich, nicht zum idealen Tiertypus gemacht werden kann. Haben wir nicht etwas Besseres zu tun, als mit schmutzigem Viehzeug unser Kleid zu schmücken, weil amerikanische Geschäftsjuden verdienen wollen? Hinweg mit der jüdischen Volksverdummung! Hinaus mit dem Ungeziefer!! Herunter mit der Micky-Maus, steckt Hakenkreuze auf! II Hierzu bemerkt die «Arbeiter-Zeitung»: Arme kleine Micky-Maus, jetzt bist du entlarvt 1 Du bist zwar der Kinoliebling von unzähligen Menschen, aber du bist nicht der ideale, nordisch-germanische Tiertypus, bist nur ein Bakterienübertrager, ein schmutziges Viehzeug! Arische Edeltiere sind lediglich die weißen Mäuse, die man im Kino losUssen kann, um gegen gute Filme zu demonstrieren — aber du, arme kleine Micky-Maus, bist ein Skandal mit drei Rufzeichen. Fort mit dir! Das deutschvölkische Idealvieh will von dir nichts wissen, es steckt sein Hakenkreuz auf und grunzt dich feindlich an. Weitere Kongreßwahlresultate Bulgarien. Sofia, 22. Juni. (J. T. A.) Gegenüber der aus revisionistischer Quelle stammenden Mitteilung, daß in Bulgarien die Revisionisten zwei Mandate zum XVII. Zionistenkongreß errungen haben, wird vom Zentralbureau der Zionistischen Organisation Bulgariens offiziell mitgeteilt: In Bulgarien wurden 2825 Stimmen abgegeben, davon erhielten die Allgemeinen Zionisten 1253, die Liste des Arbeitenden Palästina 857, die Revisionisten 715 Stimmen. Jede der drei Parteien erhielt ein Mandat, für die Allgemeinen Zionisten wurden 547, für das Arbeitende Palästina 151 und für die Revisionisten 9 Reststimmen festgesetellt. Elsaß. Straßburg, 22. Juni. (J. T. A.) Die Zionisten ites Elsaß wählten Mme. A. Schrameck zur Delegierten für. den XVII. Zionistenkongreß mit 179 Stimmen; der revisionistische Kandidat erhielt 74 Stimmen. 1 Glossen »Wiener Zustände« Der neueste Exportartikel Oesterreichs, von dem aber zu bezweifeln ist, ob er sich nützlich für die Wirtschaft erweisen wird, sind — antisemitische Hochschulexzesse. Wien macht Schule, und die reichsdeutschen Kommilitonen der österreichischen Hakenkreuzler sind ehrlich bestrebt, zu beweisen, daß Berlin, München und Hamburg der österreichischen Hauptstadt nicht nachzustehen brauchen — daß man auch dort «Juden hinaush> schreien und jüdische Kollegen überfallen kann und darf, kurz, daß es nichts Nachahmenswerteres gibt, als die Einführung der Wiener Zustände an den reichsdeutschen Hochschulen. Ein Naziführer hat erst kürzlich an der Berliner Universität ein freimütiges Bekenntnis zu diesem Ideal der Hitlerjugend abgelegt: €Wir wollen auch in Berlin Wiener Zustände einführen», sagte er wörtlich, in der tiefsten Ueberzeugung, damit die nationalsozialistischen Belange um ein neues wertvolles zu bereichern. Allerdings hatte er Pech, denn erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Er hatte nämlich die Rechnung ohne die Berliner Polizei gemacht. Die reichsdeutsche Schupo scheint anders über die Unverletzlichkeit des geheiligten akademischen Bodens zu denken, als die Wiener Polizei. Da die Krawalle in Exzesse ausarteten, achtete sie nicht auf «Tradition», sondern tat, was ihr ihre Pflicht gebot: sie drang in die Universität ein und stellte ln kürzester Zeit die Ruhe wieder her. Der Anschluß der reichsdeutschen Hitlerianer an den entfesselten österreichischen Hochschulradau mißlang also vollkommen, und der Import der «Wiener Zustände» wurde von den dortigen Behörden, die noch zu wissen scheinen, wozu Europa und Kultur verpflichten, nicht zugelassen. Und so erleben wir — ln Berlin — das Schauspiel, daß der Hakenkreuzler denkt, und der Polizeipräsident lenkt. Wobei zu bemerken ist, daß das Wort «denkt», im Zusgmmenhang mit den Hitlerbuben angebracht, ein wenig zu übertrieben klingt, und daß in Anbetracht dieser energischen Berliner Stellungnahme die lendenlahme Aeußerung des Wiener Polizeivizepräsidenten ln einem hiesigen Montagblatt über Soloniki In Mexiko sind es die nichtjüdischen Markthändler, in Wien und Berlin die Hakenkreuzler, in Paris die Camelots du Rot. Und in Griechenland — wie heißen sie dort? Egal. Die Hauptsache ist, daß die Judenfeinde nun auch in Saloniki eine Expositur haben. Die alte sephardische Metropole ist seit einigen Tagen Schauplatz pogromähnlicher Exzesse. Pogromähnlich, aber nicht pogromartig. Denn den von Verleumdern aufgewiegelten griechischen Nationalisten, die auf Raub und Brandschatzung ausgingen, haben die dortigen Juden einen organisierten Widerstand entgegengesetzt. Jüdische Häuser brennen, aber Verletzte gibt es auf beiden Seiten. Der blindwütige, von Gerüchtemachern aufgehetzte Mob — angeblich sollen die Saloniker Juden bulgarenfreundlich sein —, der im jüdischen Viertel leichtes Spiel zu haben glaubte, wurde eines besseren belehrt, Die Polizei und das Militär kamen, wie anderswo bei solchen Gelegenheiten,1 auch dort zu spät; dafür übe r. war der jüdische Selbstschutz zur Stelle. Und wenn wir auch unsere Volksgenossen in der Balkanstadt bedauern, daß auch sie von der Schande des zwanzigsten Jahrhunderts, dem blutrünstigen Antisemitismus, nicht verschont geblieben sind, so kann dafür ihr Verhalten angesichts der Gefahr für so manche jüdische Gemeinschaft in anderen Ländern beispielgebend sein. Das Wunder Palästina Es ist eine Nachricht, die besonderes Augenmerk verdient, die unsere Herzen fröhlicher schlagen lassen und uns in hoffnungsfreudige Stimmung versetzen soll. Aus Palästina wird gemeldet, daß die Sterblichkeit der dortigen Juden die niedrigste unter den Juden der ganzen Welt ist; die Sterblichkeit unter den jüdischen Kindern im Lande ist niedriger als in England und Deutschland, und die Kindersterblichkeit im Emek ist die niedrigste in der Welt überhaupt. Wenn je ein Beweis für die Regenerierung des jüdischen Volksorganismus durch Palästina, für die Zauberwirkung des heimatlichen Bodens erbracht werden mußte — dadurch Ist er gegeben. In Palästina Ist unser Klima, unsere Luft, dort pulsiert das Blut lebendiger, dort entwickelt sich mächtiger jauchzendes Leben. Palästinensische Sonne, palästinensische Landschaft, Rauhheit des palästinensischen Landlebens wirken wie wohltuender Balsam, wie Verjüngungselixiere, deren ein uraltes Wandervolk schon sehr, sehr bedarf. Es gibt Ziffern, die wie ein Blitz plötzlich mit besonderer Helligkeit dleDlnge beleuchten. Wer würde InAnbetracht der Tatsachen, daß nirgends in der Wett--auch nicht bei den reichsten Nationen—die Kinder so widerstandsfähig sind, wie die Jüdischen in Palästina, an der Notwendigkeit und Eignung Palästinas für die Regeneration des jüdischen Volkes zweifeln? Und doppelt groß ist das Wunder, wenn man bedenkt, daß noch vor wenigen Jahren der Emek eine Sumpfwüste, eine gefürchtete Malariagegend war. Heute ist dieser Fleck jüdischen Landes mit seinen blühenden Kolonien ein Paradies, in dem eine herrliche Generation heranwächst, und heute schon geht die Saat der selbstäufopfernden Arbeit der Chaluzlm auf. Darf uns um unsere Zukunft im Lande bange sein, wenn wir dUsen richtigen Weg weltergehen? S. alle Familienfeierlichkeiten (Hochzeiten, Brith Milah, Bar Mizwah etc.) bekannt. Der Keren Kajemeth wird bei diesen Gelegenheiten durch seine Freunde Sammlungen für den Keren Kajemeth durchführen