Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 182 (3.7.1931)
- Date
- 1931-07-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 182 — 3. luli 1931 Unsere Kongreß« bericftiterstatter Die Redaktion der «Stimme» hat zum XVII. Zionistenkongreß in Basel die Herren Dr. Oskar Grütibaum und Dr. Sigmund Rohatyn entsendet Wir werden außer dem Spezialdienst der Jüdischen Telegraphen-Agentur und dem uns durch das Kongreßpreßbureau zur Verfügung gestellten Material die telephonischen und telegraphischen Berichte, wie auch Korrespondenzen unserer Berichterstatter in der «Stimme» veröffentlichen* Redaktion «Die Stimme». Feierliche Eröffnungssitzung ( Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basel, 1. Juli. Die ganze Stadt steht im Zeichen des Kongresses. Das Straßenbild ist ganz von Kongreßteilnehmern beherrscht Insbesondere bietet die nächste Umgebung der Mustermesse, wo der Kongreß tagt, ein bewegtes Bild. Am Eröffnungsabend brennen vor dem Kongreßgebäude in zwei mächtigen Kandelabern riesige Fackeln. Auf dem Gebäude selbst ist eine große blau-weiße Fahne gehißt Im Sitzungssaal hinter der Tribüne hängt ein lebensgroßes Porträt Theodor Herzts. Da Blalik sich weigerte, den Kongreß zu eröffnen, hielt die Eröffnungsrede Präsident Nahum S o k o I o w. Seine großangelegte Rede übte eine starke Wirkung auf die Kongreßteilnehmer aus und wurde mit stürmischem, langanhaltendem Beifall aulgenommen. Als Erster begrüßte den Kongreß im Namen der Schweizer Bundesregierung Herr Im Hof, der schon auf dem ersten Baseler Kongreß anwesend war. Er sagte u. a.: «Was auf dem ersten Kogreß eine Utopie war, hat heute im wahren Sinne des Wortes Wurzel gefaßt. Wir fühlen mit euch und wir Wollen euch unterstützen, weil ihr um den rechten Weg ringet. Ehrfurchtsvoll richten wir unseren Blick auf die unvergeßliche Gestalt Theodor Herzls. (Stürmischer Beifall.) Indem wir sein Andenken anrufen, wünschen wir euch einen glücklichen Verlauf der Beratungen.» Nach ihm sprach der britische Gesandte Sir Howard K e n n a r d, dann im Namen des Völkerbunds Mister H. R. Cunnings und Mister C. H. wi'ii v e r, Dr. Luden L e v a i 11 a n t, Vertreter des ScffWeizer Israelitischen Gemeindebundes, sagte in seiner Begrüßungsansprache: «Draußen brennen zwei Fackeln. Die eine symbolisiert den Blick in die Vergangenheit, die zweite den Blick in die Zukunft, zürn Judenstaat. Zwischen den beiden liegt das ungeheure Gebot der Arbeit» Sodann wurde der Kongreß von den diplomatischen Vertretern verschiedener Staaten, wie auch von dem Rat der Stadt Basel begrüßt, worauf Doktor Artur R u p p i n sein Referat über die Probleme der Palästinaarbeit hielt Die Leilnngsfrage (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basel, 2. Juli. Wie bereits gemeldet, hat Prof. Weizmann im Laufe seiner Mittwochrede ausdrücklich kundgetan, daß er nicht die Absicht habe, die Leitung wieder zu übernehmen. Die Frage der zukünftigen Leitung ist bis jetzt noch vollständig ungeklärt Dr. Eder hat sich vor Beginn des Kongresses bemüht die Allgemeinen Zionisten um die britische Delegation zu sammeln, die das Ziel hat ein Weiterverbleiben Dr. Weizmanns zu ermöglichen. Ein Versuch des Abgeordneten Grünbaum, die Leitungsfrage im Zusammenhang mit anderen Gruppen zu lösen, mißlang. Die Generaldebatte (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basel, 2. Juli. Heute vormittags hat die Generaldebatte begonnen. BUCHIItyTUBB M. RATH Buchhand ung,Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., TaborstraOe 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Antwnbl von Büchern »Iler Art, »»besondere von Neaereebeinunfen nn Original, bxw. geschmackvolles Bibliotheksenbend. aöfter den deutschen Bochern nueb englische, hebräische. jiddische o, Dentseh-Tudsie» in reicher Aoswshl. Täglicher Umtsoseh Den ganten Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatsgebühr nur 5 3.— Keine BandgebQbr Settx (ftosenblikihs fftede 2 \ (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basel, 2. Juli. Felix Rosenblüth sagte in seiner Mittwoch abends, gehaltenen Rede u. a.: «Das Sündenregister der Revisionisten ist groß; vor allem verstoßen sie gegen die Disziplin. Ei geht nicht an, daß man anstatt zu kämpfen schimpft und daß man die Männer, die vom Vertrauern des Kongresses zu Leitern der Bewegung gewählt wurden, auf diese Weise behandelt. Diese Taktik muß verworfen werden. (Lebhafter Beifall, Zwischenrufe der Revisionisten.) Die Führung der politischen Verhandlungen ist einzig und allein Sache der Jewisli Agency. Niemand, der nicht von der Leitung dazu ermächtigt wurde, hat das Recht, mit fremden Regierungen Verhandlungen zu führen, die die Politik der Leitung stören könnten.» (Zwischenrufe der, Revisionisten.) Mbtzkin stellt mit großer Mühe die Ruhe wieder her und sagt: «Es ist neu, daß man auf einetn Kongreß den Präsidenten nicht zu Worte kommen Hißt. Es ist das erste Beispiel dieser Art.» (Lebhafter Beifall.) Rosenblüth setzt fort: «Die Revisionisten haben sich gerühmt, der britischen Regierung erklärt zu haben, daß Weizmann und die Exekutive zu politischen Verhandlungen nicht befugt seien. Sie haben sich offen gebrüstet, daß der vor der Mandatskommission erzielte Erfolg auf ihr Konto zu schreiben sei. Und obwohl dieses Selbstlob lächerlich l3t — es ist ein charakteristisches Zeichen disziplinloser Gesinnung. Die Revisionisten haben sich formell zu den Fonds bekannt. Aber dieses Lippenbekenntnis wird zugleich entkräftet durch den Hinweis, daß von ihnen — bei ihrer Gesamteinste!- lung — kein Enthusiasmus für die Fonds erwartet werden könne. Ein \ von oben genügte, um den Anhängern des Revisionismus zu erklären, was gemeint war. Es wird vielfach darüber geklagt, daß die Revisionisten die Fonds sabotieren.» (Laute Unruhe unter den Revisionisten.) Motzkin: «Es wurde nichts Unparlamentarisches erklärt. Sie werden uns nicht terrorisieren. Machen Sie den Kongreß nicht zur Farce.» Rosenblüth fährt fort: «In manchen Ländern haben die Revisionisten die Arbeit der Landesverbände gestört und unterminiert. Sie haben die Rechte eines Sonderverbandes für sich In Anspruch genommen. Das organisatorische Doppelleben der Revisionisten hat in allen Ländern die Landesverbände der Allgemeinen Zionisten schwer geschädigt und ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Der Kongreß hat die Aufgabe, die Disziplin wieder herzusiellen.» Ein bemerkenswerter Aufsatz im „Journal de Genbve“ (Telephonisch von unserem Sonderberichterstatter.) Basel, 2. Juli. In der heutigen Nummer des «Journal de Geneve» schreibt der bekannte Zionistenfreund Chefredakteur Martin u. a.: «Man treibt die Juden zum Bolschewismus, wenn man ihnen den Glauben an Zion nimmt. Man muß ihnen die freie Einwanderung erlauben. England wird sich diesem Postulate nicht verschließen können. Das ist keine innerzionistische Angelegenheit, sondern eine Angelegenheit, die die ganze "Welt angeht.» Mpriin verteidigt Weizmann und sagt, daß nicht dieser, sondern die Verhältnisse an der kritischen Lage des Zionismus schuld tragen. Ein namhafter Führer der Allgemeinen Zionisten über die Lage (Telephonischer Bericht unseres Sonderberichterstatters.) Basel, 20. Juni. Die meisten Delegierten sind bereits in Basel eingetroffen. Bei den Allgemeinen Zionisten sind die Beratungen in einer Reihe von Komitees in vollem Gange. Ihr Korrespondent hatte heute Gelegenheit, mit einem namhaften Führer der Allgemeinen Zionisten zu sprechen, der folgendes ausführte: «Es wird vielfach ein Unterschied gemacht zwischen der Haltung der englischen Regierung und der Haltung des englischen Volkes. Das Ist ein Irrtum. Kein Engländer sieht es gern, wenn man die englische Regierung angreift. Er steht auf dem Standpunkt, daß man das englische Volk angreift, wenn man seine Regierung angrern. Der Kongreß wird die Aufgabe haben, in unserer Politik gegenüber England eine klare Linie zu beziehen. Es kann sich einmal ereignen, daß man mit England wird brechen müssen. Solange es aber möglich ist, mit England zu arbeiten, ohne unsere fundamentalen Ideale aufzugeben, müssen wir mit England arbeiten und uns täglich und stündlich bemühen, soviel als möglich zu erreichen. Unsere moralische Macht gegenüber England Ist stärker als man meint, es darf aber nicht vergessen werden, daß es in England eine, insbesondere durch die «Momlng Post» vertretene Meinung gibt, die sagt: «Wir dürfen nicht Palästina aufgeben, wir müssen aber die unsinnige Politik aufgeben, in Palästina ein Nationalheim für die Juden zu errichten.» Der Kongreß wird die Aufgabe haben, zu bestimmen, unter welchen Umständen wir mit England weiter kooperieren können, wobei kooperieren täglich und stündlich um unser Recht kämpfen heißt. Unsere Politik hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn wir uns auf folgende Punkte festlegen: 1. Praktische Arbeit in Palästina, die am besten unsere Weltgeltung bestimmt. 2. Wir dürfen nicht in den Fehler verfallen, uns durch eine schlechte politische Lage verleiten zu lassen, gerade wegen dieser schlechten politischen Lage zehnmal mehr zu fordern. . Ich halte es für politisch verfehlt, das Basler Programm zu ändern, das uns jede Möglichkeit bietet; abgesehen davon ist das Basler Programm in der Balfour- Deklaratlon und Im Mandat verankert und kann schon deswegen nicht einseitig von uns geändert werden. Die Forderung nach einer Majorität ist nicht den außenpolitischen Faktoren zu steilen, sondern dem jüdischen Volk, das durch seine praktische Arbeit in Palästina einzig und allein in der Lage Ist, die Majorität in Palästina zu schaffen. Zum MacDonald-Brlef äußerte sich unser Gewährsmann wie folgt: Niemand hat Uber den Brief gejubelt, er war aber die Basis für weitere Verhandlungen mit der englischen Regierung; in den letzten zwei Monaten wurden wichtige Verhandlungen mit der englischen Regierung geführt, die nur durch den MacDonald- Brlef möglich waren und auf Grund des Passfleld- ,Weißbuches .unmöglich gewesen wären. Dies gilt insbesondere in der frage dpr landlosen Araber und auch bezüglich der Staatsländereien und der Beteiligung der Juden an den öffentlichen Arbeiten. Mit Rücksicht darauf, daß die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, kann heute über diese Angelegenheiten nicht mehr gesagt werden. Es muß England mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß die englische Regierung verpflichtet Ist, uns keine Hindernisse ln den Weg zu legen, uns vielmehr zu unterstützen. Das muß der Kongreß mit aller Deutlichkeit aussprechen. Für die Allgemeinen Zionisten ergibt sich die Notwendigkeit, ein gemeinsames Programm aufzustellen, das klar und deutlich unsere Politik festlegt und uns die Möglichkeit gibt, die Majorität des Kongresses für unsere Pläne zu gewinnen. Die Kommissionsberatungen der Allgemeinen Zionisten nehmen einen befriedigenden Verlauf und es ist zu hoffen, daß sie ein Ergebnis zeitigen, das der Bedeutung der Allgemeinen Zionisten gerecht wird. Der Kongreß wrd nur eine Woche dauern Basel (J. T. A.). Das Zionistische Aktionskomitee hat in seiner am 29. Juni abgehaltenen Sitzung mit Stimmenmehrheit beschlossen, daß der Kongreß bloß eine Woche tagen soll. Dieser überraschende Entschluß Ist auf eine Anregung Richard Lichthelms zurückzuführen, der namens der Revisionisten den Antrag eingebracht hatte, das Aktionskomitee solle das Kongreßprogramm kürzen und dafür sorgen, daß weniger Zeit auf Reden und Diskussionen, und mehr Zeit auf konzentrierte Arbeit verwendet werde. Selchwaren* Restaurant eig Urzeugung, beste Qua itäten Wien, 2. Bezirk, (iloekengasse Nr. 11 n. ßrükncr & Co. Unsere Fanrlk stein unter ritueller Aulsleht des .rinn ora opvh nci rna «ts’aw na«a «bv Neu eröffnet» Vorkau sstellem Wien. II.. Große Schtffgasse 19, Restaurant Raron, Hauptallee, 2. Kaffeehaus. Separierter Garten / Eigener Pavillon. XX., Karl-Meise!-Straße 3 (Roth).