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Die Stimme · 1931-06-25 · Heft 181 (25.6.1931) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 181 (25.6.1931)
Date
1931-06-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite ö DIE STIMME Nr, 181 — 25, Juni 1931 Woche währen. Und eine Periode von drei Jahren ist keinesfalls hierfür zu lang. Denn wenn hier von Wahlen die Rede ist, so sollte eben das Hauptgewicht darin liegen, daß der Kongreß sich seine Organe wählt, jene, die allein fähig wären, die Arbeiten des Kongresses, und zwar in einer gewissen Permanenz, zu verrichten. Der Kongreß an sich, wenn er auch in der Regel im Laufe seiner dreijährigen Periode nur einmal zu einer Session Zusammentritt, soll für jeden Fall die vollen drei Jahre existieren, und zwar durch seine Organe, die da sind: 1. der H a u p t a u s s c h u ß (an Stelle des Aktionskomitees), bestehend aus einem Fünfundzwanzigstel der Stärke des Plenums (die kleinsten Parteien müßten sich hierfür technisch alliieren), also aus etwa 15 bis 20 Mitgliedern; 2. die Kommissionen, die in derselben Person dem Kongreßplenurn Vorschläge unterbreiten und dem Hauptausschuß in Permanenz zur Verfügung stehen, mehr eben dem Hauptausschuß, da das Kongreßplenurn mit detaillierten Sachkomplexen keinesfalls befaßt werden kann. Wenn letzteres desungeachtet zur bisherigen Gepflogenheit gehört, so waren eben allzu oft Beschlüsse des Kongresses leider ein Resultat von Dilettantismus. Dem Hauptausschuß jedoch, dem viele Machtbefugnisse des Kongresses durch diesen selber kraft seiner Souveränität übertragen würden, bliebe es unbenommen, stets auf Antrag einer gewöhnlichen Majorität den außerordentlichen Kongreß ejnzuDerufen. Ist nun eine dreijährige Kongreßperiode vorgesehen, so ist hiermit auch gleichzeitig der W'eg zur festTundierten und ganz einheitlichen Weltorganisation gefunden. Für aas Wahlrecht zum Kongreß soll eine Mindestfrist der Zugehörigkeit während einer Kongreßperiode gesetzt werden. Wenn zionistisches Bürgerrecht eine dreijährige Zugehörigkeit zur Organisation voraussetzen würde, keinem demokratischen System würde dieses Recht an Progression nachstehen. Muß nun der Schekel während dreier Jahre gezahlt werden, um das Wahlrecht zum Kongreß zu gewähren, so werden es immer wirklich organisierte Zionisten sein, die wählen. Die konkurrierenden Parteien jedoch werden es desungeachtet sich sicherlich nicht nehmen lassen, auch drei Jahre lang ihren Anhang zu mobilisieren. Hiermit sind nun schon die Konturen des Bildes einer einheitlichen Weltorgan isation, gegliedert in eine einheitliche Landesorganisation, auf der Oberfläche erschienen. Die Schekeiaktion würde ganz kontinuierlich vor sich gehen, die Mitglieder würden ganz kontinuierlich zahlen und der Organisation angehören. Hieraus ergibt sich von selbst, daß die zahlende Wählerschaft jährlich in Evidenz gehalten würde. Was natürlicher, ais daß sie jährlich überall eine Landeskonferenz abhalten müßte. Dagegen könnte keine Partei auf dem Kongreß sein, wenn der Kongreß dies zum Beschluß erheben sollte. Mit der jährlichen Tagung ist nun eine einheitliche Landesorganisation so gut wie geschaffen. Und da es nun eine solche einheitliche Schekelzahler-Organisation in einem jeden Lande gibt, wie sollte diese sich den Aufgaben entziehen, die der Kongreß allen Organisierten im Lande gleich aufträgt? Eventuell könnte dann der Schekel etwas mehr kosten, um die Landesorganisationen subventionieren zu können, die nun im allgemeinen die Expositur des Kongresses darzustellen hätten. In gar keiner Hinsicht dürfte jedoch diese Reform dem Bestand der Parteien tangieren. Neben den Landesorganisationen sollten ja Parteien, die auch universell zusammengeschlossen sein mögen, gedeihen, wenn sie es schon unbedingt für gut finden. Ebenso würden die Allgemeinen Zionisten hierdurch dazu gedrängt, sich ebenfalls enger zusammenzuschließen, sie wären eben auch nur Partei, wenn auch die zentrale, die Hauptgruppe der Mitte. Die Landcsorgaiiisation würde nach dieser Konzeption eben nicht mehr von ihnen allein vorgestellt. Aber auch mit dem Begriff der Sonderföderation wäre nun ganz gebrochen. Es gibt eben ohnehin de facto keine Sonderföderation mehr, seitdem der einheitliche Schekel eingeführt wurde. Es gibt Parteien, bestehend aus Elementen der früheren Sonderiöderationen und auch aus anderen. Wenn es schon Parteien geben muß, so soll doch die Gesamtorganisation nicht mehr den Parteien geopfert werden. Die Pächtersdmtz-Verordnimg illegal Sie steht im Widerspruch zum anglo-amerikanlschen Palästina-Vertrag. Jerusalem, 17. Juni. (J. T. A.) Richter Bernard A. Rosenblatt aus New York, der seinerzeit Mitglied des Wirtschafts- und Finanzkomitees der Zionistischen Weltorganisation war, hat in einem aus Haifa an die Regierung der Vereinigten Staaten gerichteten Brief, von dem eine Kopie auch dem High Commissioner Sir John Chancellor eingesandt wurde, die Frage der Verfassungsmäßigkeit der vor kurzem erlassenen Verordnung zur Verhinderung der Entsetzung von Pächtern von Ihrem Grund und Boden aufgeworfen. In seinem Schreiben erklärte Richter Rosenblatt, die Verfügung der Palästina-Regierung vom 29. Mal 1931 scheine ihm eine offenkundige Verletzung nicht nur der gemeinsamen angelsächsischen Traditionen der Rechtspflege, sondern auch der Bestimmungen des am 3. Dezember 1925 zwischen England und den Vereinigten Staaten abgeschlossenen Vertrages bezüglich Palästinas darzustellen. Richter Rosenblatt ersucht, sein Schreiben dem amerikanischen Staatsdepartment zu übermitteln. Damit soll eine Aktion eingeleitet werden, die durch Ueberrelchung eines ausführlichen Memorandums, ln dem dis ln diesem Schreiben auf« gestellte Behauptung bewiesen werden soll, fortgesetzt werden wird. Dieser Vertrag zwischen Amerika und Großbritannien, dem die Präambel zum Palästina-Mandat mit einverleibt ist, stelle gewissermaßen die Verfassung Palästinas dar. Auf Grund einer in dem Vertrage enthaltenen Bestimmung könne jedes im Widerspruch zum Vertrag stehende Gesetz ais null und nichtig erklärt werden. Agudah-Hert scfiaft in der Warschauer jüdischen Gemeinde Warschau, 19. Juni. Die neugewählte Repräsentantenversammlung der Warschauer Jüdischen Gemeinde hielt ihre erste Sitzung ab. Zum Präsidenten der Repräsentanz wurde der Agudah-Führer Itsche- Meer Lewin gewählt. Der Agudah ist es gelungen, durch Vereinigung mit den kleineren Gruppen eine Mehrheitskoalition in dieser größten jüdischen Gemeinde des europäischen Kontinents zu schaffen, in der bisher die Zionisten tonangebend waren. Der bisherige Präsident der Warschauer jüdischen Gemeinde war der Misrachist H. Farbstein. Die Repräsentanz wählte eine Kommission, bestehend aus den Agudisten Trockenheim und Mase, dem Handwerkervertreter Bürgin, dem Assimllanten Kohn, dem nichtagudistischen Chassid Feigenblatt, deren Aufgabe es ist, Vorschläge, betreffend die Wahl eines neuen Gemeindevorstandes, zu unterbreiten. Herr Dr. Szyper gab im Namen der Zionistischen Fraktion eine Erklärung ab, daß der Sieg der Agudah in der Gemeinde nur durch den undemokratischen § 20 der Wahlordnung ermöglicht wurde und daß die Zionisten darum die Verantwortung für die weiteren Wahlen nicht tragen wollen. Nach dieser Erklärung verließen die Zionisten und Misrachisten die Sitzung. Sie werden sich an der Wahl des neuen Gemeindepräsidiums nicht beteiligen. Mandat, Boden und Siedlungsfragen in Palästina In seiner Besprechung des neuesten Werkes von Granowsky wirft Herr Samu Halpern («Stimme» Nr. 180) dem englischen Sachverständigen Simpson vor, daß er «nicht berücksichtigt, daß die Juden pro Familie infolge ihres auch von ihm anerkannten höheren Lebensstandards mehr Dunam brauchen als die Araber». Herr Halpern meint also, daß in Palästina eine Agrarverfassung anzustreben sei, deren Struktur national bestimmt ist. Großbäuerliche Betriebe sollen offenbar für die jüdische Wirtschaft kleinbäuerliche Betriebe für die arabische Landwirtschaft typisch werden. Die ökonomische Unzulänglichkeit dieser Auffassung liegt auf der Hand. Die höheren Lebensbedürfnisse der Juden sind Ausdruck einer höheren Kulturstufe, die sie zur Anwendung moderner Intensiver Produktionsmethoden befähigt; die Erträge der jüdischen Wirtschaften sind bei Welzen um 50 Prozent, bei Gerste um 76 Prozent, bei Durra um 45 Prozent und schließlich bei Hülsenfrüchten um 60 Prozent höher als die der arabischen. Bei g 1 e ic h e r Anbaufläche sind also die jüdischen Wirtschaften Imstande, eine höhere Lebenshaltung der jüdischen Landwirte zu sichern. Abgesehen von der ökonomischen Anfechtbarkeit der Ausführungen des Herrn Halpern sind sie auch politisch unhaltbar; der Zionismus ist an der A u f r e c h t e r h a 11 u n g des niedrigen Lebensniveaus der Fellachen nicht Interessiert, die Entfaltung ihrer Bedürfnisse und die Steigerung ihrer Kaufkraft als Folge der Entwicklung ihrer Produktionstechnik wird die gesamtpalästinensische Wirtschaft befruchten und die arabischen Bauern zu Objekten der Verhetzung ungeeignet machen. Dr. M. P. Abschluß der Arbeiten des Genfer Kalenderreformkomitees Genf, 16. Juni. (J. T. A.) Das Vorbereitungskomitee für die Frage der Kalenderreform hat am IS. Juni seine Arbeiten beendigt und den Bericht angenommen, der der für Oktober 1931 einberufenen vierten Allgemeinen Konferenz für Verkehr und Transit, auf deren Tagesordnung bekanntlich auch die Frage der Kalenderreform steht, vorgelegt werden soll. Das Vorbereitungskomitee bringt der Konferenz in Erinnerung, daß nach der Ansicht des technischen Studienkomitees, das den Völkerbundrat ersuoht hat, auf die Tagesordnung der Konferenz die Fragen der Festsetzung der beweglichen Feiertage und der Vereinfachung des gregorianischen Kalenders zu stellen, Fragen von wesentlich religiösem Charakter, die bei der Erörterung dieser Gegenstände auftauchen könnten, zur Gänze der Entscheidung der Interessierten religiösen Instanzen überlassen bleiben sollen. Die Konferenz wird aufgefordert, die Meinungen der Regierungen von einem rein wirtschaftlichen und sozialen Standpunkt aus zu beurteilen. Weder das Komitee noch die Konferenz Belbst seien autorisiert, zu untersuchen, ob Irgendeine vorgeschlagene Reform mit Irgendwelchen religiösen Ueberzeugungen unvereinbar ist. Auf dis von jüdischer Seite erhobenen Einwände gegen Kalenderreform-Projekte, die mit der Einführung eines Blankotages verbunden sind, kommt der Bericht nochmals ln dem Abschnitt zurück, der der Stellungnahme der religiösen Körperschaften gewidmet ist. ln diesem Zusammenhang wird erwähnt, daß von religiöser Seite mit Ausnahme der Juden, Adventlsten und Baptisten anscheinend kein Widerstand gegen die geplanten Reformen geleistet werde. Kleine Nachrichten aus Palästina Verurteilung von jüdischen Kommunisten Das Jerusalemer Kreisgericht verurteilte die jüdischen Kommunisten Perez Sagon und Josef Rosen zu je 2 Jahren Gefängnis, weil sie während der Nebi Musa-Prozession in Nablus im April kommunistische Literatur und Flugzettel unter arabische Bauern verteilten, in denen zum Kampf gegen «britischen Imperialismus und Zionismus» aufgefordert wurde. Eine Abordnung der Agadus Jlsroel beim Emir Abdul!« vOfl Transjordanien Am vergangenen Dienstag hat Emir Abdulia von Transjordanien eine Delegation der Agudas Jisroel in seinem Palaste in Amman, der Hauptstadt von Transjordanien, empfangen. Agudas Jisroel hatte sich an dem Leichenbegängnis des Königs Hussein in Jerusalem nicht offiziell beteiligt, weil eine offizielle Einladung von arabischer Seite an jüdische Instanzen nicht ergangen war. Doch sprach die Leitung der Agudas Jisroel auf telephonischem Wege dem Hof in Amman gegenüber den Wunsch aus, dem Emir Abduiia einen Kondolenzbesuch abstatten zu dürfen. Der Emir erklärte sich sofort bereit, die Abgesandten der Agudas Jisroel nachmittags 3 Uhr zu empfangen. Die Delegation wurde bei der Ankunft in Amman durch einen Offizier nach dem großen Empfangssaale des Emir geleitet und alsdann in einstündiger privater Audienz empfangen. Nach einstündlger Unterhaltung trennte man sich mit den üblichen Segenswünschen und der Leibarzt des Emirs geleitete die Herren bis vor die Stadt. Ueberfail auf einen Kolonisten in Chederah Am Donnerstag, den 18. Juni, abends, wurde in der jüdischen Kolonie Chederah der Kolonist Jefeth Ben Nathan auf dem Heimwege von einem Araber angeschossen. Ben Nathan wurde ins Hospital überführt. Der Täter ist entkommen. Kampf zwischen Kolonisten und arabischen Hirten in Jessod Hamaalah In der Kolonie Jessod Hamaalah kam es zu einem Zusammenstoß zwischen jüdischen Kolonisten und Arabern, die ihr Vieh auf den Feldern der Juden weiden ließen. Es kam zu einem Kampf, in dem mehrere Personen auf beiden Seiten leicht verletzt wurden. Die Polizei verhaftete vier Araber und einen Juden. Ein- und Auswanderung im Mal 1931 Im Monat Mai sind 629 Personen, darunter 4ÖÖ Juden, nach Palästina eingewandert und 76 Personen, darunter 33 Juden, aus Palästina ausgewandert. Alle Lehrer an den palästinensisch*!! Schulen der Jewish Agency gekündigt Wie der Direktor des UnterrlchtSdepartomenta der Jewish Agency Dr, Berkson der Jüdischen TelOgrapbsn-Agetttur mitteilt, haben sämtliche an den Schulen dar Jewish Agency ansestellten Lehrer die Verständigung erhalten, doA ihr Dienstverhältnis am 30. September d. J. zu Ende geht. Gleichzeitig wurde den Lehrern die Versicherung gegeben, daß die gegenwärtige Exekutive Ihren Nachfolgern empfehlen werde, bei Neuengagements den jetzt ln den Schulen beschäftigten Lehrern den Vorzug zu geben, so daß erwartet werden kann, daß der größte Teil von diesen wieder angestellt wird. Die Kündigung wurde ungefähr 430 ständigen Lehrern zugestellt. Die vorgeschlagene Uebertragung des im Laufe einer Generation sorgfältig aufgebauten hebräischen fiohulwerka ln Palästina an die Knesseth Israel (die palästinensisch - JUdiacho Gemeinschaft) bereitet infolge der damit verbundenen großen Verantwortlichkeiten der Exekutive der Jewish Agency und dem Wand Leuml schwere Sorgen. Einerseits herrscht allgemeine Ueberelnstimmung darüber, dag die Last der Erhaltung des Erziehungswerkes so weit als möglich der jüdischen Bevölkerung selbst aufgebürdet werden soll. Andererseits Ist der Wand Leuml nloht ln der Lage, die Verantwortung lm vollen Umfang zu übernehmen. Es verlautet, der Waad Leuml habe den Vorschlag gemacht* statt der geplanten Uebertragung der Sohulen ln die Verwaltung der Knesseth Israel eine gemeinsame Führung des Schulwesens durch die Exekutive der Jewish Agency und den Waad Leuml zu ermöglichen. Die palästinensischen Motorradfahrer ln London London, 18. Juni. (J. T. A.) Die zwölf Motorradfahrer des Tel Avlver Sportklubs Makkabl, die eine Propaganda* fahrt für die bevorstehende Mokkablade ln Palästina dureh Aegypten und Europa unternommen haben, sind In London eingetroffen und wurden vom Lord Mayor, Sir William Phene Neal, im Rathaus empfangen. Die jüdlsohen Motoroykllsten überreichten dem Lord Mayor ein Schreiben des Bürgermeisters von Tel Aviv. Abends fand zu Ehren der palästinensischen Motorradfahrer ein Empfang statt Die erste allweltllche Beratung der Vertrauensmann« des Tel Hai-Fonds Das Direktorium des Tel Hai-Fonds ln London hat beschlossen, für den 8. Juli nach Basel die erste allweltliehe Beratung der Vertrauensmänner des Tel Hal-Fonde eineu« berufen. Diese Beratung wird den Organisation*- und Budgetfragen des Tel Hal-Fonde gewidmet sein. Veröffentlichnag des Berichtes der Palästina-Reglcrting an 1. Juli. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur vom Kolonialamt auf eine Anfrage erfährt, wird der Bericht der Pall* stina-Regierung für das Jahr 1930 am 1. Juli nach Schilift der Tagung der Permanenten Mandatskommission de« V<* kerbundea

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