Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 181 (25.6.1931)
- Date
- 1931-06-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr, 181 — 25. Juni 1931 DIE STIMME Seite $ Basel und der Völkerbund Von Dr. Sigmund R o h a t y n. Eltern? Sie SBrffenfdjaft gibt im3 Me Sftittet, Tange Jung au bleiben. Sßoljituenb unb erfnfdjcnb bei affen JßorSoten bc§?IItern£ Set älteren ßeuten, Sie ftdj matt imb abgefpannt füllen, üöer töopffdjmera, (SdjimnbeTgefiiljT, ■Oljtenfaufen, Sltemnof, gicTjtifdjc unb rljeumatifdje 23efd)Jtierben Hagen, Ijat fidfj fretberfäuflidjeS rabtitm* Saftiges SKabioffterin eitoiefen. 9ta&io f fl e t in frifdfyt ba§ 93Iut auf, Seluirtt Seffere ©urdjBIutung beS ganaen Körpers, erhält getftige unb WrbeiiSfäljtgfeit bi? in? Ijolje Elfter. fttdbtumgefjalt amtlich geprüft. Oenerätbepot unb Sluifuufi: SipotSete SBaper, SBien, I. 2BoIf3etTe 13. ^rofpette gratis unb franfo. Genf, 16. Juni 1931. Am 9. Juni ist die Mandatskommission des Völkerbundes zusammengetreten. Ihre Sitzungen sind geheim, das Resultat wird man erst im Herbst crfahfen. Aber ruhig und hoffnungsvoll darf es erwartet werden, denn die Ideologie des jüdischen Volkes, das, dreimal zum Golusschicksal verurteilt, immer die Freiheit zurückerobern konnte, und das heute, von der Liebe zu Zion getragen, ins Land der Väter zurückkehrt— diese Ideologie berauscht nicht die Juden allein. Die öffentliche Weltmeinung steht in ihrem Bann, lieber diese Tatsache kann auch das Gestamnel der Hitler-Anhänger nicht hinwegtäuschen. Gewiß gibt es keinen Zionisten mit gesundem Menschenverstand, der mit dem Vorgehen Englands (Simpson-Bericht, Passfield-Weißbuch) einverstanden wäre. Aber nicht die geschlossene jüdische Opposition allein, sondern die Entrüstung aller gerecht denkenden Menschen hat die englische Regierung schon einige Wochen nach Passfields Weißbuch dazu bewogen, sich selbst in jenem Briefe MacDonalds an Weizmann zu desavouieren. Und diesem internationalen Interesse am jüdischen Aufbau in Palästina muß Rechnung getragen werden. Es muß immer wieder betont werden, daß die Juden allein nichts ausrichten können. Sie brauchen jene internationale Anteilnahme, die sie vor jeder Ungerechtigkeit schützt, von welcher Seite sie kommen mag, sei es auch von der Mandatarmacht selbst. Es gibt ein Gesetz, das jeder erfahrene Politiker kennt. Es ist das Gesetz von dem Primat der internationalen Politik gegenüber der Innenpolitik. Aller Parteihader innerhalb des Zionismus muß verstummen angesichts des allgemeinen Interesses, sich die Freundschaft der öffentlichen Weltmeinung und des Völkerbundes zu erhalten. Was ist nun die internationale Meinung über den bevorstehenden Zionistenkongreß in Basel? Hören wir die Stimme eines der Maßgebendsten. Der Chefredakteur des «Journal de Genöve», William Martin, führt in seinem Blatte vom 16. Juni ungefähr folgendes aus: Der Streit um die Klagemauer wurde im allgemeinen zugunsten der Araber entschieden. Aber das Problem der jüdischen Einwanderung in Palästina muß endgültig geregelt werden, denn sonst kann sich dort nicht jene nationale Heimstätte bilden, von der die Balfourdeklaration spricht und die die einzige Existenzberechtigung des Palästinamandates ist. Darüber wird sich die Mandatskommission genau informieren müssen. Glücklicherweise ist die britische Regierung heute in der Tat geneigt, die Frage der jüdischen Kolonisation in Palästina einer gerechten Lösung zuzuführen, so daß man hoffen kann, daß das Weißbuch Passfields eine Episode bleiben wird. Und vielleicht wird dieses Uebel noch zum Guten gereichen. Eine Zusammenarbeit der Juden mit der englischen Verwaltung und mit den Arabern ist heute durchaus nicht unmöglich. Aber, so fährt Martin fort, unter einer Bedingung: daß nämlichdiezionistische Politikvon der bisherigen Linie nicht allzu sehr abweiche. Warum? Weil Weizmann das internationale Vertrauen genießt. Die Revisionisten haben Weizmann beschuldigt, daß er England gegenüber zu sehr nachgiebig war, man hat ihn für vieles verantwortlich gemacht, wofür er nichts konnte. Sicherlich kann Weizmanns in den letzten Jahren verfolgte Politik in manchen Punkten angefochten und kritisiert werden. Von diesem Gesichtspunkt au? haben die Revisionisten gewiß Wertvolles geleistet. Im nachhinein ist aber bekanntlich jeder klug. Doch gibt sich niemand der Illusion hin, daß nur die bisher verfolgte Linie der zionistischen Politik, obwohl sie in manchen Punkten korrigiert werden könnte, den einzigen Grund abgegeben hat für die Unzufriedenheit im Lager des Revisionismus. Es ist dabei auch absolute Lust am Negieren im Spiele, die um so leichter ist, als sie keine Verantwortung trägt. Und es ist eine leichtsinnige Verquickung der zionistischen Politik mit nichtzionistischen Tendenzen, die den Golus angehen, aber nicht Palästina. Wie sonst soll man es sich erklären, wenn das Wiener revisionistische Blatt immer wieder gegen die «sozialdemokratischen», um nicht zu sagen bolschewistischen Chaluzim zu Felde zieht, als würde es sich um einen Streit zwischen Wiener Christlichsozialen und Wiener Sozialdemokraten handeln, wo selbst der eingefleischteste Kapitalist zugeben muß, daß die kollektivistische Siedlung der Kwuzah in Palästina angesichts der dortigen Verhältnisse wohl nicht die einzige Kolonisationsform ist, aber doch ihre volle Daseinsberechtigung hat. Die Wahlen zum XVII. Zionistenkongreß haben bewiesen, daß das Vertrauen zur bisher eingehaltenen politischen Linie nicht erschüttert ist. Hoffentlich steuert der Zionismus jetzt innen- und außenpolitisch ruhigeren Zeiten entgegen. Das verläßliche, reinpflanzliche ABFÜHRMITTEL Wird Weizmann bleiben? Interessante Äußerungen M.M. Ussischkins In einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter äußerte sich der Direktor des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, über eine Reihe aktueller zionistischer Probleme. Ussischkin führte u. a. aus: Es ist bedauerlich, daß der 17. Zionistenkongreß sich hauptsächlich mit zwei Fragen zu beschäftigen haben wird: mit der Frage der künftigen Beziehungen zur englischen Regierung und mit der Frage, wem die oberste Leitung der Zionistischen Organisation anvertraut werden soll. Es ist bedauerlich, daß um dieser beiden Hauptfragen willen andere, wichtige Probleme, wie z. B. Finanzen, Bodenkauf und andere Fragen, die zum Gesamtkomplex der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims gehören, in den Hintergrund treten werden. Was die Stellung des Kongresses gegenüber der englischen Regierung anbelangt, so bin ich der Meinung, daß es hier keinerlei Kompromiß geben kann. Der Kongreß und die jüdische öffentliche Meinung im allgemeinen müssen möglichst schnell die ganze Welt über alle offenen und versteckten Benachteiligungen, denen wir durch die Schuld der englischen Regierung in Palästina ausgesetzt sind, informieren. Der Kongreß und die jüdische Oeffentlichkeit müssen sich bemühen, das Gewissen Englands wachzurufen. Es kann aber Hotel Genova Montecattini in Itaiian Via Saline 36 (Beste Lage beim Kurhaus) Inhaber; Nlasalbaum aus Zoppot und Berlin Zimmer mit und ohne Pension sehr billige Preise anerkannt gute Küche Bestens empfohlen von vielen Rabbinern selbstverständlich keine Rede von einem Abbruch der Beziehungen zur englischen Regierung sein. Bezüglich der Stellungnahme des Kongresses zur zionistischen Leitung äußerte Herr Ussischkin seine Meinung dahin, daß die Debatte über diesen Punkt nach dem Grundsatz: «Weder Sieger noch Besiegte» geführt werden sollte. Im gegenwärtigen Augenblick sei mehr als je Einigkeit im zionistischen Lager notwendig. In einer Situation, wie sie eigentlich ungünstiger überhaupt nicht mehr sein kann, liege die einzige Rettung in einer Vereinigung aller zionistischen Gruppen. Im übrigen glaube er, daß Dr. Weizmann ungeachtet seiner wiederholt abgegebenen Erklärungen, auf dem Baseler Kongreß, im letzten Augenblick seinen KückTrittsentschluß ändern und das Amt des Präsidenten der Zionistischen Organisation beibehalten werde. Nach Ussischkins Meinung haben die Juden auch jetzt viele Freunde unter den Mitgliedern der englischen Regierung. Vor allem sei Ministerpräsident MacDonald ein Freund der jüdischen Sache. Doch seien die Freunde der Juden in der englischen Regierung durch die Beamten des Kolonialamtes, die ausgesprochene Antisemiten sind, irregeleitet worden. — Der beste Weg, um eine Besserung der gegenwärtigen Lage herbeizuführen, erklärte Ussischkin zum Schlüsse, sei die Einwanderung einer möglichst großen Zahl von Juden nach Palästina. Die Position des Zionismus werde um so stärker sein, je mehr Juden im Lande leben. Auch unter den jetzigen Verhältnissen könne man in Palästina jedes gewünschte Bodenausmaß erwerben. Es müsse nur dafür Sorge getragen werden, daß die nötigen Allttel dafür vorhanden sind. „Jewish Chronicle“ für Weizmann «Jewish Chronicle», der schon seit einiger Zeit seine ursprünglich scharf Weizmann-gegnerische Haltung aufgegeben hat, erklärt nunmehr offen, daß kein anderer Präsident zur Verfügung stehe und daß es daher unerläßlich sei, daß Weizmann weiter im Amte bleibe. Oie Wünsche der holländischen Zionisten in Palästina herbeiführe, da gegenwärtig Zielsetzungen, die zueinander in schärfstem Widerspruch stehen, als Interpretation des Baseler Programms und der Balfour-Deklaration verteidigt werden. Unerläßliche Vorbedingung für jede spätere Entwicklung im Sinne einer Lösung der Judenfrage sei die Bildung einer jüdischen Majorität in Palästina. Der Transjordanien genannte Teil Palästinas darf nicht von dem Gebiet geschieden bleiben, in welchem das Jüdische Nationalheim verwirklichlicht werden soll. Dies müsse vom Kongreß ausgesprochen werden. Mit Bedauern wird festgestellt, daß die zionistische Organisation demoralisiert ist und viele Zeichen drohenden Verfalls aufweist. Sonderverbände und Fraktionen gebärden sich als selbständige Organismen. Die technische Möglichkeit für diese bedauerliche Entwicklung gibt die Institution des Schekelverkaufs, der sich zu einem Schekel-Großhandel entwickelt. Gefordert wird, daß jede Landesorganisation, die eine Anzahl Schekalim einliefert, welche einer Zahl von mindestens einem Prozent der in diesem Lande wohnenden jüdischen Bevölkerung entspricht, ein Recht hat auf einen Vertreter im Aktionskomitee. Ein vollständiger Neuaufbau der Zionistischen Organisation könne aber nur durch Abschaffung des Schekelverkaufes vor sich gehen. An die Stelle des Schekel hat die feste Mitgliedschaft fest organisierter und feste Beiträge zahlender Mitglieder zu treten. Die doppelte Kongreßvertretung der palästinensischen Zionisten, die nur im Interesse der Fraktionen eingeführt wurde, hat zu verschwinden. Vorgeschlagen wird auch eine Reorganisierung der Jewish Agency. Eine Wiederwahl Weizmanns zum Präsidenten der Organisation wird trotz Anerkennung seiner Hingabe und Arbeit nicht gewünscht. Verlangt wird eine homogene Exekutive, die in bezug auf Ziele, Politik, Organisation, Finanzwirtschaft und Kolonisation ein scharf umrissenes Programm unterschreibt. Verlangt wird ferner die Einsetzung einer mit weitgehenden Vollmachten ausgestatteten Kontrollstelle für die finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten und der Ausbau eines Propaganda- Ressorts zur intensiven Propagierung des Herzischen Zionismus als Lösung der Judenfrage. Es wird festgestellt, daß die sogenannte Keren-Hejessöti- Kolonisation zusammengebrochen ist, und daß die Zionistische Kolonisation seit fünf Jahren stillsteht. Das Interesse möge sich auf das Prinzip der Staatskolonisation konzentrieren; dabei wird auf die Vorteile und Gefahren der Landentwicklungspläne der englischen Regierung hingewiesen. Misrachi-Weltkonferenz in Basel Jerusalem, 14. Juni. (J. T. A.) Die Leitung des Weltmisrachi teilte allen. Landesorganisationen mit, daß die zuerst nach Danzig einberufene .Misrachi-Weltkonferenz nicht in Danzig, sondern vom 25. bis 29. Juni in Basel stattfinden wird. Bekanntlich hatte sich der polnische Misrachi.im Hinblick auf die Ueberfälle von Hakenkreuzlern auf polnische Juden in Danzig geweigert, seine Delegierten nach Danzig zu entsenden. Weltkonferenz jüdischer Journalisten Berlin, 19. Juni. (J. T. A.) Das Initiativ-Komitep zur Vorbereitung einer Weltkonferenz jüdischer Journalisten hat in Berlin mehrere Sitzungen abgehalten und zunächst den Beschluß gefaßt, in Basel, wo anläßlich der dort stattfindenden Tagungen zahlreiche Vertreter der jüdischen Presse versammelt sein werden, eine Besprechung abzuhalten, um sich über den Zeitpunkt der Einberufung und das Programm der Weltkonferenz jüdischer Journalisten schlüssig zu werden. Die Einladungen zur Teilnahme an den Baseler Beratungen werden in Basel an die einzelnen Pressevertreter ergehen. Nedljkovic’ Palästinareise Aus Beograd wird uns berichtet: Der Generaldirektorder jugoslawischen Postsparkass#, Herr Nedljkovic, ein Freund des Zionismus, tritt am 3. Juli seine Palästinareise an. Herr Nedljkovic wird sich in Palästina dem Studium der jüdischen Kolonisation widmen. Er will Jüdlsohe Kolonien, Schulen und Institutionen besuchen und beabsichtigt dann ein kleines Werk in serbisoher, deutscher, englischer xmd französischer Sprache über seine Eindrüoke zu veröffentlichen, I Denket an die Krawalle an der Handel8hoohsohulel unentgeltiche0 Stellenvermittlung I der Hakoah Wer auageblldetes. tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art und aller Branchen brauoht, wende sich an die HAKOAH, I., Wieslngeretr. 11 / Tel. R-25-0-10 \ PASTAPALM ist in allen Apotheken erhält!. Der Bundesvorstand des niederländischen Zionistenbundes (Präsident F. Bernstein, Sekretär Dr. M. Levie) veröffentlicht ein Memorandum zu den Fragen des XVII. Zionistenkongresses, in welchem u. a. verlangt wird, daß die Exekutive eine Kougrcßerkläruug über das zionistische Ziel