Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 180 (18.6.1931)
- Date
- 1931-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053934--2407-3057833- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 DIE STIMME Nr. 180 — 18. Juni 1931 alle Familienfeierlichkeiten (Hochzeiten, Brith Milah, Bar Mizwah etc.) bekannt, damit der Keren Kajemeth Sammlungen durchführen kann. * Hermann Menkes gestorben Schlicht, ehrlich, sicher seines Weges, tapfer in seiner Treue zu dem angestammten Glauben, demütig in seinem Herzen, heiß in der Liebe zu allem Jüdischen, wandelte Hermann Menkes unter uns. Ein Vierteljahrhundert hindurch wirkte er als Kunst- und Theaterreferent im «Neuen Wiener Journal» und fern von aller Politik diente er der Literatur. Er diente ihr mit zwei Trieben, denn er war gleichzeitig Europäer und ein treuer Jude. Er schrieb Schilderungen aus dem jüdischen Leben des Ostens voll poetischen Glanzes und ließ in ihnen den Seelenschmerz des bedrückten Ghettojuden aufschreien. Er war ein Schwärmer für die Renaissance des Judentums. Aber sein Hirn war voll der Urvätergeschichten und zu den schönsten Erinnerungen seines Lebens gehörte seine Jugend ln Brody, seiner Heimatstadt, einst das «Jerusalem Galiziens» benannt, das Nest der kabbalistischen Weisen, später eine Hochburg der Aufklärung und des Freldenkertums. Menkes hatte von beldeh Richtungen einen Abglanz. Wenngleich er eine öffentliche Betätigung in jüdischen Dingen nie ausgeubt hat, zitterte ln seinem Herzen die Sehnsucht nach Erlösung unseres Volkes. Ueber die ewige Zersplitterung im Judentum war er stets betrübt. Einige Tage vor seinem Tode wurde das Schicksal der Klagemauer besiegelt: sie wurde durch die vom Völkerbund eingesetzte Kommission den Moslems als Eigentum zugesprochen. Menkes hat diese Entscheidung als schweren Schlag für das Judentum empfunden und er sagte: «Diese Nachricht tut mir in der Seele weh». Mit diesem Schmerz schied er von uns. Hermann Menkes war ein aufrichtiger Freund und ein aufrechter Mensch. Sein ganzes Wesen war nur Güte und Wohlwollen. Chajim Bloch. Dr. Shiels und die übrigen englischen Vertreter in Genf London, 14. Juni. (J. T. A.) Wie das Kolonialamt mitteilt, hat sich Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels nach Genf begeben, um als akkreditierter Vertreter der englischen Regierung an den Sitzungen der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, ln denen der Jahresbericht über Palästina geprüft werden soll, teilzunehmen. Als weitere Vertreter Englands werden sich an den Verhandlungen der Chefsekretär der Palästina-Regierung, Mark Altchlson Young, und die Herren R. V. Vemon und O. G. R. Williams vom Colonial Office beteiligen. Am 15. )uni begannen die Beratungen Genf. (J. T. A.) Am Dienstag, den 9. Juni, wurde die 20. Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes durch Ihren Vizepräsidenten Van Rees eröffnet. Die Beratungen über die Palästina-Fragen werden auf Grund eines Beschlusses der Kommission am Montag, den 15. Juni, beginnen und etwa drei Tage dauern. Die englische Regierung wird bei diesen Beratungen durch Unterstaatssekretär Dr. Shiels und den Chefsekretär der Palästina-Regierung Young vertreten sein. Für das kommende Jahr wurde Theodoll neuerlich zum Präsidenten und Van Rees zum Vizepräsidenten der Kommission gewählt. Der Bericht der Palästina-Regierung über das Jahr 1930 Ist noch nicht erschienen, doch wird seine Veröffentlichung 1m Laufe der nächsten Tage erwartet. Das diesem Bericht beigefügte Memorandum der britischen Regierung, ln dem die künftige britische Palästlna- Polilik dargelegt wird, wird nur auf ausdrücklichen Wunsch des Völkerbundes veröffentlicht werden. Weltwahllisten Wie uns mitgeteilt wird, sind im ganzen fünf Weltwahl-Listen eingereicht worden und zwar: I. Allgemeine Zionisten (Listenführer Motzkin, Dr. Georg Halpern), II. Misrachl (Listenführer Raab. J. L. Fischmann), III. Poale Zion und Hltachduth (Listenführer Bin Gurlon, E. Kaplan), IV. Radikale Zionisten (Listenführer jlzchak Grünbaum), V. Zlonlsten-Revlslonlsten (Listenführer Vladimir Jabotlnsky). Danket an die Krawalle an I der Handelshochschule! ■ unentgeltliche0 Stellenvermittlung I der Hakoah 9 Wer ausgebildetes, tüchtiges und diszipliniertes Per- 9 sonal aller Art und aller Branohen braucht, wende D eich an die 9 HAKOAH, l„ Wiesingerstr. 11 / Tel, R-26-0-10 | Das endgültige Ergebnis der Kongreß* wählen in Oesterreich Infolge eines nachträglichen Berichtes aus Steyr, in welchem 11 Stimmen für die Liste der Allgemeinen und eine für das arbeitende Palästina abgegeben wurden, ändert sich das ziffernmäßige Wahlergebnis wie folgt: Allgemeine Zionisten — 1387, Liste des arbeitenden Palästina — 853. Bei dieser Gelegenheit muß darauf hingewiesen werden, daß die Liste des arbeitenden Palästina die zur Erlangung eines Mandates notwendige Stimmenatizähl um 167 Stimmen überschritten hat und daher alle Reststimmen dieser Liste sowie der Liste der Allgemeinen Zionisten den beiden Weltwahllisten zugutekommen. Oesterreichlsche Delegierte zur Wlzokotiferenz Wie wir erfahren, wird die österreichische Wlzo bei der am 23. d. M. in Basel beginnenden Wizo-Konferenz durch folgende Delegierte vertreten sein: Gisela B1 a ti e r, Blanka Federn-Lipschütz, Dr. Martha H o f f m a n n, Dr. Amalle Kantor und Sabine P a s s w e g. Aufruf an alle Die Weltkotiferenz der Allgemeinen Zionisten findet in Basel am 29. und 30. Juni statt. Eine Konferenz der allgemein-zionistischen De« legierten hat anläßlich des XVL Zionisten-Kongresses ln Zürich beschlossen, Vorbereitungsschritte zwecks Zusammenschlusses der Allgemeinen Zionisten in einen stabilen Verband zu unternehmen. Bin provisorisches Organisatlonskomitee mit dem Sitz in Krakau wurde eingesetzt. Das Organisationskomitee hat sich« um den Zusammenschluß in die Wege zu leiten, ln einem ausführlichen Zirkular an sämtliche Landesverbände gewendet. Int Monat April d. J. fand in Krakau eine Beratung der Vertreter der Gruppe «Rjt Liwnot» Kongreßpolens und der Exekutive für Ostgalizien und Westgalizien und Schlesien statt. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine Weltkonferenz der allgemeinen Zionisten nach Basel für den 29. und 30. Juni einzuberufen. Abg. Grünbaum demissioniert Warschau, 12. Juni. (J. T. A.) Abg. Jizchak Grünbaum hat dem zionistischen Parteirat Polens seine Demission mit der Begründung überreicht, das Resultat der Wahlen zum 17. Zionistenkongreß habe gezeigt, daß seine Politik der Beteiligung an der politischen Kommission von der zionistischen Oeffentllchkeit Polens mißbilligt wird. Der Parteirat hat die Beratung über Grünbaums Demission bis nach dem Kongreß verschoben. Jabotlnsky kontra Naiditsch Paris, 10. Juni. (J. T. A.) Bei der Wahl des einzigen Delegierten aus Frankreich zum XK1I. Zionisten- 'fchuh-S)om skxw»'#: sa S)ie Qrenze der Xeistungsfähigkeit für moderne Qualitätsschuhe Kongreß hat sich ein hartnäckiger Kampf abgespielt. Schließlich wurde der Führer der Zionisten-Revisionisten, Vladimir Jabotinsky, mit 500 Stimmen gegen Naiditsch (Allg. Zionist), der 380, und den Misrachisten, der 60 Stimmen erhielt, gewählt. Judenpogrom in Zloczew bei Lodz Aus Warschau wird gemeldet:' Donnerstag, den 4. Juni, fand in Zloczew bei Lodz eine große Fronleichnamsprozession statt, an der zahlreiche Bauern der umliegenden Dörfer teilnahmen. Nach Beendigung der Prozession versammelten nationaldemokratische Agitatoren, Mitglieder dis Sokolvereines, die Massen um sich, um sie gegen die Judenschaft aufzuhetzen. So verbreiteten sie u. a. die Lügen, daß aus den Fenstern eines jüdischen Hauses Vitriol auf die Heiligenbilder und die Prozessionsteilnehmer geschüttet worden wäre. — Ein anderer Teil der nationaldemokratischen Agitatoren begab sich in die umliegenden Ortschaften, um die Bauernschaft gegen die Juden aufzuwiegeln und sie dann geschlossen in die Stadt zu führen. Eine jüdische Abordnung bat bei dem Polizeikommandanten um Schutz und wurde versichert, es würden die schärfsten Maßnahmen getroffen werden, um die jüdische Bevölkerung in Schutz zu nehmen. Nichtsdestoweniger ging gegen 9 Uhr abends der Pogrom los. Die Exzedenten verprügelten jeden Juden, der ihnen begegnete, zerschlugen Hunderte von Fensterscheiben, demolierten die jüdischen Läden, drangen in die Wohnungen ein und mißhandelten jeden, der ihnen in die Hände fiel. Christliche Stadtbewohner wiesen der ortsfremden Bauernschaft die von Juden bewohnten Häuser. Es fielen während des mehrere Stunden andauernden Tumults auch häufig Revolver6cnüsse. Unter den 400 Familien der dortigen jüdischen Gemeinde wurden 200 Verwundete gezählt, darunter auch einige Schwerverletzte. Es hat den Anschein, als wäre der Pogrom vom 4. Juni das Ergebnis einer lange vorbereiteten Aktion, die zum Ziele hat, die Juden von dem Handel in Zloczew abzuhalten und sie dazu zu bringen, die Stadt zu verlassen. Aus den Protokollen, in denen zahlreiche jüdische Einwohner ihre Erlebnisse während des Pogroms im Büro der jüdischeu Kültusgemcinde niedergelegt haben, geht hervor, daß es die Lehrer der Ortsschule waren, die die Menge am meisten gegen die Juden aufgehetzt haben’.^Gegen die Lehrer wurde auch eine Anzeige erstattet. f Zionisten t Seit vielen Jahren sind die Reihen der Allgemeinen Zionisten zerbröckelt. Selbst die Versuche, auf den letzten Kongressen eine solidarische allgemeinzionistische Gruppe zu bilden, scheiterten an den divergierenden Tendenzen der einzelnen Landesverbände. Im Laufe der letzten Jahre haben sich aus dem Lager der Allgemeinen Zionisten Verbände vofl interterritorialem Charakter herausgebildet, die heute einen Zusammenschluß erschweren. Zum erstenmal schrumpften die Allgemeinen Zionisten am XVI. Kongreß zu einer Minorität zusammen. Nun ist es höchste Zeit, diesem Prozesse des Zerfalles der Allgemeinen Zionisten Einhalt zu gebieten und unsere Reihen im Interesse der Bewegung zusammenzuschließen. In Basel müssen die Fundamente für einen starken, gefestigten, zielbewußten und tatfähigen Verband der Allgemeinen Zionisten geschaffen werden. Unsere Bewegung steht vor einer schweren Schicksalstunde und vor entscheidenden Entschlüssen! Allgemeine Zionisten! Wir rufen Sie in dieser Stunde zu gemeinsamer Arbeit zum Wohle der Bewegung und unserer Sache! Wir rufen Sie zum organisatorischen Zusammenschluß unserer Reihen! Wir rufen Sie zur Anteilnahme an der We 11konferenz der Allgemeinen Zionisten. Sie soll der Ausgangspunkt einer Erneuerung und Erstarkung des allgemeinen Zionismus werden! Aus der Berliner jüdischen Gemeinde Die neugewählte Reprüsentantenvcrsammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin trat Sonntag, den 7. Juni, zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Diese Sitzung war für diese größte jüdische Gemeinde Deutschlands, die gleichzeitig eine der größten der Welt ist, von einschneidender Bedeutung. Statt der bisherigen 21 gibt es nunmehr 41 Repräsentanten, die den Willen der gesamten jüdischen Bevölkerung Berlins verkörpern sollen. — Im Namen des Vorstandes begrüßte Kammergerichtsrat Wolff die Repräsentanten und nahm hierauf deren Verpflichtung, die durch Handschlag vor sich ging, vor. Daraufhin wurde zur Wahl geschritten, die auf Herrn Heinrich Stern als ersten Vorsitzenden, Dr. Alfred Klee als ersten stellvertretenden Vorsitzenden und Doktor S. London als zweiten stellvertretenden Vorsitzenden fiel. Die nächste Sitzung wurde für Donnerstag, den 11. Juni, anberaumt. — Donnerstag, den 11. Juni, trat die neue Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin zu ihrer zweiten Sitzung zusammen, um die Wahl von elf Mitgliedern des Gemeindevorstandes vorzunehmen. Gewählt wurden 7 Liberale, 3 Volksparteller und 1 Konservativer. *— Nachdem noch die Ausschüsse I, 11 und III gewählt worden waren, wurde die Sitzung geschlossen. Auch QualitMtsschuhe sind billiger geworden. Schuh» Dort! bringt jetzt reizende Friihjahrai/iodelle für Damen in feinster Ausführung und Qualität in echt Eideehs, Krokodil, Ja Chevreaux uaw. zu bedeutend niedrigeren Preisen als früher. Mine fabelhafte Auswahl findet uueh der Herr in ruhinen'fenü Uten Seit ulten auf neuen Doistenformen von S ZS T.0 aufwärts!. Kh liegt in Ihrem Int<we.ssf, sieh von dem günstigen Angebot zu Überzeugen. Schuh-Dora ■1.. TaborslraOe 9 c* 59^937