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Die Stimme · 1931-06-18 · Heft 180 (18.6.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 180 (18.6.1931)
Date
1931-06-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 180 — 18. Juni 103! Der Spruch der Klagemauerkommission Genaue Regelung des Andachtsrechtes der Juden vor der Klagemauer Der am 8. Juni veröffentlichte Bericht der Klagemauer-Kommisston enthält eine genaue Beschreibung der Klagemauer und ihrer Umgebung sow*ie einen geschichtlichen Ueberblick, in dem nachgewiesen wird, daß die Juden seit den ältesten Zeiten an den Ueberresten des Tempels Oebete zu verrichten pflegten. Die Ansichten und Schlüsse, zu denen die Kommission gelangt ist, sind folgendermaßen zusammengefaßt: Den Moslems steht das alleinige Eigentumsrecht auf die VVestmaucr (Klagemauer) Im Hinblick darauf zu, daß sie einen Integrierenden Teil des Haram-esch-Scherlf-Gebjetes, das Wakfelgentum ist, bildet. Eigentum der Moslems ist auch der gepflasterte Platz vor der Mauer und das anschließende sogenannte Moghrabi (marokkanische) Viertel. Aus der den Juden auf Grund des vorliegenden Verdikts oder eines eventuellen Abkommens zwischen den Parteien zustehenden Berechtigung zur Aufstellung von Kultgeräten oder anderen Gegenständen an der Mauer darf keinesfalls irgendein Eigentumsrecht an der Mauer oder an dem angrenzenden Platz abgeleitet werden. Anderseits sollen die Mohammedaner verpflichtet sein, innerhalb des an die Mauer angrenzenden Wakfgebietes keine Gebäude zu errichten oder zu demolieren oder Reparaturen an solchen Gebäuden in solcher Weise vorzunehmen, daß sich diese Arbeiten auf den Platz vor der Klagemauer erstrecken, den Zugang der Juden zur Mauer hindern oder die Juden während des Betens vor der Mauer stören, wenn dies irgendwie vermieden werden kann. Die Juden sollen jederzeit zu Andachtszwecken freien Zugang zur Mauer unter folgenden Bedingungen besitzen: Die von der Palästina-Verwaltung Ende September 1929 erlassenen zeitweiligen Verordnungen bezüglich «gottesdienstlicher Geräte» werden in definitive Verordnungen umgewandelt und nur insofern modifiziert, als es zulässig sein soll, vor der Mauer einen die Thorar rollen enthaltenden Thoraschrein, einen Tisch, auf dem der Schrein steht, und ein Pult, auf das die Thorarolle bei der Vorlesung gelegt wird, aufzustellen, jedoch nur bei folgenden Gelegenheiten: Anläßlich außerordentlicher Fasttage oder öffentlicher Gebete, die von den Oberrabbinem von Jerusalem in Fällen allgemeiner Not oder wegen eines Todesfalls angeordnet werden. Am Neujahrstag und am Versöhnungstag sowie an anderen Feiertagen, an denen hach Ansicht der Regierung herkömmlicherweise der die Thorarollen enthaltende Schrein zur Mauer gebracht wird. haben, für den König zu signieren; unentbehrlich sind die Finanzleute, wie Juda Halevi aus Estella, der Oberkommissär für die Handelsabgaben von ganz Navarra; Diplomaten und Dolmetscher vermitteln den Verkehr mit dem Auslande, Uebersetzer und Kopisten die Kenntnis eigener und fremder Literatur, jüdische Spielleute und Künstler wirken an den Höfen, auch Belohnungen für tapfere Kriegsdienste scheinen auf. Die Korrespondenz der Könige mit ihren verdienstvollen jüdischen Untertanen befleißt sich eines sehr achtungsvollen und anerkennenden Tones, anderseits sind sich die jüdischen Männer in ihren Schriftstücken an die Könige ihrer Würde voll bewußt. Im übrigen betreiben die Juden nebst Geldgeschäften die Reederei, den Großhandel und Manufakturen, kunstreiche Gold- und Silberschmiede, Perlen- und Korallenarbeiter beliefern den Hof, die großen Herren und auch die Kirche, alle Handwerker, darunter zahlreiche Hoflieferanten, sind unter den Juden vertreten, Schmiede, Tischler, Färber, Weber, Schneider, Schuster, Maler U6f. bis zum Lastträger, eine bunte, lebendige Welt, wie sie in der westlichen Judenheit längst verloren, in der östlichen nur mehr deklassiert vorhanden ist. Aus begreiflichen Gründen ziehen die Juden das Leben ln den Städten vor, wo sk in geschlossenen Vierteln beisammen wohnen, juderien, aber auch Besitzer von ländlichen Grundstücken, Plantagen und Weingärten sind nicht selten, insbesondere in den ruhigen Zeiten des 12. und 13. Jahrhunderts, wo auch für die auf dem Lande vereinzelt lebenden Juden noch Sicherheit genug gegeben war. Die vorliegende Skizze unternahm es, in gröbsten Zügen das Ergebnis einer wichtigen jüdischen Publikation aufzuzeigen; man darf mit besonderer Spannung die Dokumente aus Kastilien erwarten, dem kulturellen Zentrum des damaligen jüdischen Spanien, ein dritter Band soll dann die zusammenfassende historische Darstellung bringen, , Einzelne Juden sollen nicht daran gehindert werden, Handbücher oder andere bei ihrer Andacht herkömmlicherweise im allgemeinen oder bei besonderen Gelegenheiten benutzte Gegenständ mitzubringen oder die bei der Andacht althergebrachten Gewänder zu tragen. Das zeitweilig erlassene Verbot, Bänke, Teppiche oder Matten, Stühle, Vorhänge und Wandschirme zur Mauer zu bringen, sowie Tiere zu bestimmten Stunden über den Platz vor der Klagemauer zu treiben, wird zu einem dauernden Verbot gemacht, ebenso die Vorschrift, das Tor am Südende der Mauer zu bestimmten Stunden geschlossen zu halten. Es wird verboten, irgendein Zelt oder einen Vorhang oder einen ähnlichen Gegenstand zur Mauer zum Zwecke der Aufstellung (sei es auch nur für kurze Zeit) zu bringen. Den Juden wird es nicht erlaubt sein, das Pamshom (Schofar) vor der Mauer zu blasen oder irgendeine vermeidbare Störung für die Moslems zu verursachen; anderseits wird es den Moslems nicht gestattet sein, die Zikr-Zeremonie ln der Nähe des Platzes vor der Klagemauer während der Andacht der Juden zu vollziehen oder in irgendeiner anderen Art die Juden zu belästigen. Die Benutzung des Platzes vor der Mauer und seiner Umgebung zum Halten politischer Ansprachen und Vorträge sowie zu Demonstrationen jeder Art ist jedermann untersagt. Es wird als Recht und Pflicht der Mohammedaner erklärt, für die Reinhaltung des Platzes vor der Mauer und die Vornahme der notwendigen Reparaturen am Pflaster nach vorangegangener Anzeige bei der Palästina-Verwaltung Sorge zu tragen. Im Hinblick auf den Charakter der Mauer als historisches Denkmal wird die Palästina-Verwaltung mit ihrer Erhaltung betraut. Die etwa notwendigen Wiederherstellungsarbeiten sollen von ihr und unter ihrer Aufsicht durchgeführt werden. Wenn notwendige Reparaturen des Pflasters vor der Mauer von den Mohammedanern nicht rechtzeitig vorgenommen werden, hat die Palästina-Verwaltung die-notwandigönj Vorkehrungen aut Durchführung*,der Arbeit zu treffen. Die Judenheit Palästinas ist einverstanden Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, traten nach der Veröffentlichung des Berichtes der Klagemauerkommission die Exekutive der Jewish Agency, die Leitung der Aguüas Jlsrael und das Rabbinat zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. In der Sitzung wurde zunächst zum Ausdruck gebracht, daß die Vorschläge der Klagemauerkommission die jüdischen Ansprüche nicht ganz befriedigen und daß daher für die Juden kein Anlaß bestehe, sich über den Bericht -der Klagemauerkommission zu freuen. Insbesondere stellt das Verbot, Thorarollen am Sabbath zur Klagerrfauer zu bringen, eine schwere Enttäuschung für die Juden dar, Des weiteren aber wurde festgestellt, daß ein Appell gegen das Verdikt der Klagemauerkommission nicht möglich sei. Von jüdischer Seite wird daher Deutschland: Arbeitendes Palästina 3, Allgemeine Zionisten 2, Misrachi 2, Revisionisten 1, Radikale 1. Belgien; Allgemeine Zionisten 1, Revisionisten l. Frankreich; Revisionisten 1. Tschechoslowakei: Allgemeine Zionisten 4, Arbeitendes Palästina 2, ■ Misrachi 2, Revisionisten 2, Radikale l. Palästina: Arbeiterpartei 24, Revisionisten 7, Allgemeine Zionisten 3, Misrachi 2, Poale Misrachi 2, Jemenitische Arbeiter 1, Amerika: Allgemeine Zionisten 20, Misrachi 8, Poale Zion 5, Zeirej Zion (Hitaohdwth) 3, Revisionisten 2, Jugoslawien; Allgemeine Zionisten 3, Arbeitendes Palästina 1, Südafrika; Allgemeine Zionisten 5, Revisionisten 2, Arbeitendes Palästina 1. Bukowina; Allgemeine Zionisten 1, Arbeitendes Palästina 1, Kanada; Allgemeine Zionisten 2, Misrachi 1, Poale Zion 1. England: Allgemeine Zionisten 6, Misrachi 2, Poale Zion 1, Revisionisten 1. Oesterreich: Revisionisten 2, Allgemeine Zionisten J» Arbeitendes Palästina I« die Entscheidung der Klagemauerkommission akzeptiert. Pressestlmtnen zum Spruch der Klage niauer-Kommission In einem Leitartikel des «M a n e h e s t e r Gua rd i a n» wird darauf hingewiesen, daß die Entscheidungen der Klagemauer-Kommission größtenteils zugunsten der Moslems ausgefallen sind. Es wurde Ihr Eigentumsrecht an der Klagemauer anerkannt und die einzig ihnen aufcrlegten Beschränkungen bestehen darin, daß sie verpflichtet werden sollen, die Andachts- Übungen der Juden nicht zu stören. Die Lage sei jedoch kaum ermutigend. Die Moslems haben schon vor dem Erscheinen des Berichtes der Kommission sich geweigert, seine Rechtsverbindlichkeit anzuerkennen. Auch die Juden seien anscheinend jetzt ebensowenig wie früher mit einer Einschränkung ihrer hergebrachten Gepflogenheiten einverstanden. Die für die Mandatarmacht einzig mögliche Lösung scheine die zwangsweise Inkraftsetzung der Entscheidungen der Klngemauerkommission, als einer völlig unparteiischen Körperschaft, zu sein. Der Genfer Korrespondent der «Frankfurter Zeitung» meldet, daß die ganz überraschende Verfügung des Oberkommissärs für Palästina, der den Entscheid der Klagemauer-Kommission sofort in Kraft gesetzt habe, gerade in dem Augenblick, als ln Genf die Mandatskommission des Völkerbundes zusammengetreten Ist, vielfach mit einigen Staunen nufgenommon worden ist. Der Korrespondent meint, die englische Regierung habe sich beeilt, eine vollendete Tatsache zu schaffen, da sie wußte, daß der Entscheid beide Teile mehr oder weniger enttäuschen werde. Das schließe jedoch nicht aus, daß trotzdem von der einen oder anderen Seite dagegen beim Völkerbund noch protestiert wird. Dieser Meldung gegenüber ist darauf hinzuweisen, daß die verantwortlichen Vertreter der palästinensischen Judenheit den Entscheid akzeptiert haben, Die «S e I b s t w e h r» schreibt in einem Leitartikel u. a.: «Die Klagemaucr-Frage hat alle möglichen Konflikt-Stoffe wie ein Magnet auf sich vereinigt; sie bringt es fertig, gleichzeitig ein religiöses, politisches, privatrechtliches und öffentlich-rechtliches Problem zu sein. Es ist ebensosehr eine religiöse Angelegenheit, die von den Arabern politisch verwertet wird, als eine politische Frage, welche den Arabern geschickt in das für die mohammedanische Welt weit ausschlaggebendere religiöse Fahrwasser hineinmanövriert worden ist. -i Die? Entscheidung sucht durch'alle diese Klippen hindurchzukommen; selbstverständlich wird sie auf beiden Seiten auf Widerstand stoßen. Der Status quo ante ist offenbar nicht elngehaltcn worden; unsere orthodoxen Kreise.werden sicherlich unzufrieden sein, daß das Schofarblasen verboten ist, daß Stühle und Geräte nicht aufgestellt werden können. Die Araber werden wieder unzufrieden sein, daß offenbar das religiöse Recht der Juden, das Recht an der Mauer zu beten, anerkannt worden ist, und daß es den Arabern verwehrt ist, den Gottesdienst zu stören oder ihn durch bauliche Veränderungen unmöglich zu machen. Ueber alle diese Fragen kann man sich heute noch nicht klar werden. Aber wenn wir auch mit der Entscheidung nieht zufrieden sind, so erfordert es die politische Klugheit, mitzuhelfen, daß dieser gefährliche Konfliktstoff aus der Welt geschafft werde, daß diese ausgiebige Quelle für religiöse Aufpulverung der arabischen Massen, welche der Groß-Mufti so gut zu benihzen verstand, nun endlich verstopft werde.» Holland: Allgemeine Zionisten 1, Griechenland (Saloniki): Allgemeine Zionisten 1. Aegypten: Revisionisten 1. Tunis: Revisionisten 1. Kongreßpolen: Vereinigte Arbeiterparteien (Arb. Palästina) 10, Revisionisten 10, Misrächi 7, Al Hamischmar (Radikale) 5, Eth Liwnoth (Allgemeine Zionisten) 1. Ostgalizien: Arbeitendes Palästina 8, Allgemeine Zionisten 7, Revisionisten 5, Misrachi 3. Westgalizien: Allgemeine Zionisten 6, Arbeitendes Palästina 2, Misrachi 2, Revisionisten 1. Litauen : Zionisten-Sozialisten 2, Revisionisten 2, Allgemeine Zionisten 1, HItachduth. 1. Bulgarien: Revisionisten 2, Allgemeine Zionisten 1, Arbeitendes Palästina 1. Lettland: Revisionisten 2, Arbeitendes Palästina 1, Schweiz: Misrachi 1. Bisher wurden also iir verschiedenen Länder»! 217 Kpngreßdelegierte gewählt. Hiervon entfallen auf die Allgemeinen Zionisten 66 Mandate, auf das Arbeitende Palästina 68, auf die Revisionisten 43, auf die Misrachi 30, auf die Radi» Halen 7, auf die Poale Misrachi 2 und auf die lerne« alten l Mandat« - * . ' 1 i n, wm,, \ ■■ sssu. , ■ g Bisherige Kongreßwahlresultate Bis zum Redaktionsschluß sind aus folgenden Ländern Nachrichten über die Kongreßwahlresultate eingelaufen: l

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