Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 180 (18.6.1931)
- Date
- 1931-06-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE bllMMt Nr. 180 — 18. Juni 1931 l"1""1".....■' - ■■ '■""".. : Ich in privater Eigenschaft die in Abschrift beiliegende Deklaration veröffentlicht, in der ich die Ansicht aus* «praeh, daß für die Jewish Agency durch den Brief des Ministerpräsidenten die Basis einer Kooperation mit der Mandatarmacht wiederhergestellt wurde. Der 17. Zionistenkongreß wurde für den 29. Juni 1931, die ipeite Tagung des Council der Jewish Agency für den (0. Juli einberufen. Auf diesen Tagungen werde ich über die durch den Brief des Ministerpräsidenten ge* wmaffene Situation «Werteren. Die endgültige Entscheidung bleibt diesen Tagungen Vorbehalten. Eurer Exzellenz ergebener Dr. Weizmann Der Inhalt des Memorandums in der Einleitung zuni Memorandum der Jewish Agency wird darauf hingewiesen, daß das Jahr 1930 aus politischen und wirtschaftlichen Gründen keinesfalls als typisch angesehen w erden könne. Die Entwicklung des Nationaiheims im Verlaufe des Jahres 1030 wird sodann in neun Abschnitten über Bevölkerung und demographische Statistik, Einwanderung und Arbeitsmarkt, landwirtschaftliche Kolonisation, städtische Entwicklung, Industrie, öffentliches Gesundheitswesen, Erziehung und Unterricht, Organisation der jüdischen Gemeinschaft und Finanzen ausführlich 4»rgesteiit. Die jüdische Bevölkerung Palästinas wurde im Juli 1930 offiziell auf 162,000 Seelen oder 19 Prozent der CJesamtbevölkerung des Landes geschützt gegenüber i.54,3.30 Seelen im Juli 1929 und dem Volkszählungsergebnis des Jahres 1922 von 83.794 Seelen. 4944 Juden wurden im Jahre 1930 von der Palästina-Regierung als Einwanderer registriert, darunter 695 Touristen, die nachträglich die Erlaubnis zur dauernden Niederlassung erhalten haben. 40 Prozent der Einwanderer stammten aus Polen. Von den übrigen Ländern stellten Yemen 425. Rußland 420, Rumänien 313, die Vereinigten Staaten 260, Deutschland 138, Litauen 123, Großbritannien 96, Irak und Lettland je 91, Oesterreich 60 und die übrigen Länder 501 Einwanderer. 70 Prozent der Einwanderer kamen auf Grund der Arbeiterzertifikate, 9 Prozent als Einwanderer mit eigenen Mitteln, 19 Prozent waren Angehörige bereits in Palästina ansässiger Juden, 2 Prozent Studenten usw. Während die Zahl der auf Grund der Labour Schedule Eingewanderten nur um ein Geringes kleiner ist als Im Vorjahre, ist die Zahl der Einwanderer mit eigenen Mitteln bedeutend gefallen. Im Jahre 1929 machte diese Einwanderungskategorie 15,4 Prozent der gesamten Einwanderung aus. Dieser Rückgang wird Im Memorandum vor allem auf die Erschütterung des öffentlichen Vertrauens infolge der Einwanderungssperre und der Unruhen im Jahre 1929 und der nachher eingetretenen Periode politischer Unsicherheit zurückgeführt. Im Kapitel «Arbeitsmarkt» wird darauf hingewiesen, daß unter den bei öffentlichen Arbeiten beschäftigten Arbeitern nur 10 Prozent Juden sind, obwohl die Juden 19 Prozent der Oesamtbevölkerung ausmachen und 40 Prozent der Steuerleistung aufbringen. Im Kapitel über landwirtschaftliche Kolonisation werden Bodenkauf, die Arbeit des Kolonisationsdepartements der Jewish Agency, der landwirtschaftlichen Versuchsstationen, die Meliorationsarbeiten des Jüdischen Nationalfonds, die Tätigkeit der Absatzkooperative Tenuhvah, der Pflanzungsgesellschaft Yakhin und der Agrar- und Hypothekenbanken behandelt, Die städtische Bautätigkeit war im Jahre 1930 sehr lebhaft. In Jerusalem, Tel-Aviv und Haifa wurden 226 Gebäude errichtet, davon 186 von jüdischen Unternehmern. In der Industrie ist trotz der allgemein ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse die Rentabilität einzelner industrieller Branchen, wie der Metallindustrie, der Zementfabrikation, der Müllerei, der Holzbearbeitung und der Konservenbüchsenerzeugung, auf gleicher Höhe geblieben. Die jüdische Industrie Palästinas beschäftigte im Jahre 1930 über 10.500 Personen. Das in ihr investierte Kapital betrug ungefähr 3,250.000 Pfund. Einen bedeutenden Aufschwung hat auch die elektrische Industrie genommen. Im Kapitel über Erziehung und Unterricht wird das unter der Aufsicht der Jewish Agency stehende 8chulwerk und die Arbeit der hebräischen Universität ausführlich dargesteüt. Im Kapitel «Finanzen» werden Einend Ausgaben der Jewish Agency in Palästina in den Jahren 1029 und 1930 angegeben und ein Ueberbilck über die Arbeiten des Keren Hajessod, des Keren Käjemeth und des Palestine Emergency Fonds geboten. Das Memorandum des Waad Leumi an die Mandatekommission Beschwerde über die negative Einstellung der Paiftstina-Begierung «um Aufbauwerk - Forderung nach freier Einwanderung Eusi Wwi kommiüsion des Völkerbundes ein Memorandum über* reicht, das cjie vcrwaltungßpra^is und die politische Einstellung der Palästina-Regierung einer epnaffm Kritik unterzieht, ln dem Memorandum wird an dm Hand von Tatsachen nachdrücklich auf die Zurück Satzung der palästinensischen judenheif bei der Arbeit der Palästina-Verwaltung spwie auf dm ungenügenden Schutz der jüdischen Siedlungen hingewiesen. Nach einer Besprechung des Simpson-Berichtes und des Weißbuches wird die Feststellung gemacht, daß % MaePonald-ßrief vom Jischuw nicht als befriedigende Interpretation des Weißbuches betrachtet wird. Pas Memorandum gipfelt in der Forderung nach freie? jüdischer Einwanderung. Im Memorandum des Waad Leumi wird dem Im? migrationsdepartement der Paläetina*Regieryflg der Vorwurf gemacht, auch im abgeiaufenen Jahre nicht als Departement zur Ermutigung der Einwanderung, sondern zu ihrer Entmutigung fungiert zu haben. Per Beitrag der Regierung zum Brziehungsbudget der Jewish Agency beträgt ein Siebente) der gesamten Regierungsausgaben für Brziehun§swesenf obwohl die jüdische Bevölkerung 2Q Prozent der Gesamtbevölke? nmg ausmacht, Von den 30.009 Pfund, die vom Pepr* tement für öffentliche Arbeiten, vom Departement füi Gesundheitswesen und vom Departement für Erziehung ausgegeben werden, kommt der jüdischen Bevölkerung so gut wie nichts zugute. Die Kosten des jüdischen Gesundheitsdienstes werden fast zur Gänze von den jüdischen medizinischen Institutionen getragen, In den letzten zehn Jahren hat die Hadaisah allein eine MIL Hon Pfund für Gesundheitsarbeit in Palästina ausge» geben, Obwohl die palästinensische Bevölkerung in der Zeit von 1931/33 bis 1929 um ungefähr 200.090 Seelen zugenommen hat, sind die Ausgaben der Regierung für Gesundheitswesen in derselben Zeit von 146,89b Pfund auf 101,864 Pfund gesunken, Da« eioherheltewiien Anschließend werden im Memorandum die Vir» hältnUse ln der Verwaltung und im Siehcrheltewewn Palästinas dargeiteW und krltieiert, Nash den Unruhen im August 1939 war eine Reorganisation der palästinensiachen BietwheitepQliwi in Auisieht gestellt worden« hol der die Kahl der britischen und jüdischen Mitglieder des Poliielkerp« vermehrt werden «eilte. Bin« Vermehrung de« jüdiiehen Personal« hat hi« heute nicht stattgefunden, so daß da« Poliieihorp« auch heute noch, wie vor den Unruhen von 1929, hauptsächlich au« Arabern besteht, von denen viele nach dem Urteil britischer Richter ihre Pflicht nicht vollständig und loyal erfüllt bebin, Das transjordanlscbe örenzkorp«, du NM großen Tell aus palästinensischen Steuermitteln erhalten wird, ist ebenso judenrefo wie früher» Pie unmittelbar vor dem Ausbruch der Unruhen im Jahre 1929 aus den jüdische» Kolonien entfernten« versiegelten Warenlager wurden bis zum heutigen Tage nicht zurückgestellt* Vor kurzem wurden sie von der Polizei durch andere Lager ersetzt, die Schußwaffen enthalten, welsche in jene* Hinsicht minderwertiger sind als die der arabischen Marodeure und Mörder. Pen jüdischen Siedlungen wird in der Tat das Recht der Belhstverteidigung verweigert, Anderseits haben die palästinensischen Araber unbegrenzte Möglichkeiten, sieh Waffen in großen Mengen m verschaffen, In Transjerdanicn und in liidpalästina geht ein uneingeschränkter Waffenhandel vor sich, Unter solchen Umständen erscheint das Gefühl der Unsicherheit unter den Juden Palästinas erklärlich und gerechtfertigt, Wirtschaftliche Folgen der politischen Unsicherheit Während die palästinensische Jndenheit die wirf? sehaftllcljen Folgen der Unruhen des Jahres 1939 und des nachfolgenden arabischen Boykotts dank den Hilfsmaßnahmen und dem Wiederaufbau werk des Weltjudentums vollständig überwinden konnte, haben der ShawsBeriebt und die Erklärungen der englischen Re* gierungevertreter vor der Mandatskommission, in denen sie sich mit den Ansichten der Majorität der ghaw» Kommission identifizierten, im Verein mit der Suspendierung tjer jiidischen Arbeitereinwanderung das vertrauen der Juden zur Politik der englischen Regierung ernsthaft erschüttert. Die politischen Enttäuschungen und die Unsicherheit bezüglich der künftigen politischen Entwicklung haben sieh auf das Einströmen neuen Kapitals und au? die wirtschaftliche Lage im allgemeinen überaus ungünstig ausgewirkt. Slmpion-Baricht) Weißbuch und d«r MioDonald'Britf Es folgt nunmehr eine kritische Betrachtung des Simpson-Beriqhtes und de« Weißbuches. Vom Mac* Donald-Brief wird gesagt, daß seine Interpretation die jüdische Gemeinschaft Palästinas nicht befriedigt und faß er ohne jede praktische Wirkung auf die Verwaltungsprexli in Palästina geblieben ist. Forderung flach freier Einwanderung Zu in Schluß werden die Forderungen des Waad Leumi an die Mandatskommission folgendermaßen zusammengefaßt; Indem wir diisi« Memorandum der Permanenten MafflteWmmmlirtfm uüterbrftteo, «rfaatei wir dte Forderung, daß das Versprechen bezüglich der Errichtung des Jüdischen Nationaiheims in Wirklichkeit ümgesetzt werde. Im Hinblick auf die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina, Im Hinblick darauf, daB diese Verbundenheit von allen Kulturstaaten offiziell anerkannt worden Ist, fordert die organisierte Juden« heit Palästinas, die zu vertreten wir die Ehre haben, daß die Tore des Landes den jüdischen Einwanderern, die nicht als ausländische Immigranten, sondern als repatriierte Söhne des Landes gelten sollen, geöffnet werden. Dem Memorandum des Waad Leumi ist eine Liste von 17 Feststellungen angeschlossen. Sie lauten: 1. Auf Grund einer höchst zuverlässigen Schätzung umfaßt der kutturfähige Boden Palästinas, ohne Berücksichtigung des Beer-Scheba-Gebietes, 10j^ Millionen Dun am. 2. Im Beer-Scheba-Gebiet gibt es ausgedehnte Terrains, die kulturfähig gemacht werden können, sobald das Problem der Bewässerung gelöst ist. 3. Obwohl es in Transjordanien große Reserven bewässerbaren Landes gibt, wird dort keine jüdische Siedlung zugeiassen. 4. Das gesamte gegenwärtig unter Kultur genommene Gebiet Palästinas beträgt 5 bis 5% Millionen Dunam. Dies bedeutet, daß unter Ausschluß Transjordaniens und des Beer-Scheba-Oebietes 5 Millionen Dunam noch unbebauten, aber kulturfähigen Bodens in Palästina vorhanden sind. 5. Die Erschließungen dieses Gebietes allein wird die Absorbierung weiterer 55.000 bis 70.000 landwirtschaftlicher Familien ermöglichen. 6. Bei Entwicklung der latenten landwirtschaftlichen Möglichkeiten in Palästina kann das Land weitere 100,000 Familien aufnehmen, wobei weder Tfansjordanfen poch Siidp&fgstlna io Befracht gezogen werden* 7. Bei gründlicher Urbarmachung und Landaufschließung in Transjordanien und in Südpaiästina wird es möglich sein, diese Zahl netjer Siedler beträchtlich zu vermehren. 8. Das Ausmaß der jetzt zur Verfügung stehenden Staateländereien ist begrenzt, da sie zum größten Teil von der Regierung an die Araber in Parzellen von-Hunderfen und selbst Tausenden von Dunam pm Familie, Ausmaße, die weif Uber das Angebrachte hinäusgefteh, verteilt wurden. 9. Diese so zur Verfügung gestellten Ländereien werden, da sie zu groß sind; um voa den Besitzern bearbeitet werden zu können, nunmehr ganz offen verkauft. Da der Kaufsehilllng aber der Regierung noch nicht völisfäiVdig wringt wurde;"Stehen* diese Ländereien noch formell in ihrem. Eigentum, so daß diese unbillige Verteilung noch abgeändert werden könnte. 10. Die Wurzel der schlechten Lage des Fellachen liegt nicht im Mangel an Boden, sondern in seiner Schuldenlast und dem Wucher der Effendis. 11. Es gibt in Palästina beachtenswerte Aussichten industrieller Entwicklung; besondere Aufmerksamkeit sollte der Textilindustrie, der chemischen Industrie, der Konservenerzeugung usw, zugewandt werden. 12. Die geographische Lage Palästinas, die Nähe der Märkte des Mittleren Ostens und des ßuezkanals, der jetzt im Bau befindliche Hafen von Haifa und die Bag* dad*Haifa-Eteenbabn, alle diese Momente weisen darauf hin. daß Palästina, wenn es eine große unterneh* mungslustlge Bevölkerung erhält, sich zu einem industriellen Zentrum für das gesamte ausgedehnte Hinterland entwickeln wird. 13. D|« jährliche Einwanderung einiger zehntausend Menschen, die Palästinas einzige Hoffnung auf Rettung ist, liegt somit nicht außerhalb der tetsäeh» liehen Aufnebfnekapezität dieses Landes. 14. pi« Ermutigung einer solchen Einwanderung großen Maßstabes beeinträchtigt weder die bürge** liehen Rechte der gegenwärtigen Bevölkerung PaläStl* nae, nach schädigt sie ihre wirtschaftliehe Wohlfahrt. |5. In dieser Hinsicht können die Wirkungen äsi «neuen» Kolonisation von denen der «alten* Kolonisation nicht unterschieden werden. Die Versuche einer Unterscheidung zwischen diesen beiden Kolonisations- Perioden sind ungerechtfertigt, da sie nicht auf Tatsachen basieren. 16. Obwohl die jüdischen Unternehmungen naturgemäß dazu neigen, vorwiegend Juden zu beschäftigen, bilden die Araber 20 Prozent der in jüdischem Dienst stehenden Arbeiter. Dahingegen sind in arabischen Unternehmungen so gut wie gar keine Juden angestelit, 17. Wir sehen uns zu dem gchluß genötigt, daß der von Sir Jahn Hope glnwson in seinem Bericht in den Vordergrund gestellte Landentwieklungsplan auf Prämissen und Annahmen beruht, die in den Tatsachen nicht begründet sind, weshalb wir es für überflüssig erachten, auf ein« Analyse im einzelnen einzugehen. ate Wamungizeiehen gibt die Natur durch ßehwiri« , vorzeitige Ermüdung, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Ohrensausen usw, Diese Beschwerden zeigen zumeist den Beginn der gefährlichen Adernverkalkung an. Be» kämpfen Sie diese, eite es zu spät wird, durch Radio» eklerln, die seit Jahren ärztlich anempfQhlenen, frei verkauf» liehen Tabletten, welche die BluUirkuiatign in den Schlagend Pultadern fördern, geistige und körperliche Arbeit»- awte«t «sr