Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 179 (11.6.1931)
- Date
- 1931-06-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette tö DIE STIMME Nr, 179 ~ 11, Junf 1931 Zlonlsflsclits Leben ln Wien Cfidtermin für die Abführung der Farteisteuer: 30. Juni Das Zionistische Landeskomitee macht darauf aufmerksam, daß der Endtermin der Verrechnung der ordentlichen Parteisteuer mit dem 30. Juni festgesetzt ist. Eine Verschiebung dieses Termins wird unter keinen Umständen erfolgen. Mißliches vom Herzlgrabgang Das Landeskoinitce stellt fest, daß unter seiner Intervention am Donnerstag vor dem Herzl-Grabgang zwischen den Chaluzim und den Couleurstudenten eine Einigung über die Bestellung der Ehrenwache beim Herzl-Grab erfolgt ist. Das Landeskomitee behält sich vor, zu den diesbezüglichen unrichtigen Angaben der «Neuen Welt» noch Stellung zu nehmen. ♦ Wie uns mitgeteilt wird, haben die Wiener Revisionisten, als nach Auflösung des Grabgangzuges unter den Teilnehmern für den Keren Kajemeth gesammelt wurde, ostentativ jede Spende für die blaue Büchse verweigert. Das nennt man Konsequenz: nicht nur auf die Fonds schimpfen, sondern auch in der Tat keinen Groschen für die Erlösung des Bodens geben. Dr. Isidor Schallt Zu seinem 6 0. Geburtstag. Die jüngste Generation kennt ihn wenig, diesen einst so agilen Dr. Isidor Schalit, den Führer der Zionisten Alt-Oesterreichs unmittelbar nach dem Dahingang Herzls. In den letzten Jahren zog er sich leider immer mehr an die Peripherie unserer Bewegung zurück. Da Schalit nun 60 Jahre alt geworden, erweckt dieser Name Erinnerungen, die ihn in ehrenvollste Stellungen in der zionistischen Bewegung weisen. Schalit war zunächst Mitschöpfer der ersten zionistisch-akadc- Dr. Ing. I E. Koffler Frieda Morgenroth Zaltiaesyki - Wien Pnemysl empfehlen sich als Vermählte mischen Verbindung der Welt, «Kadimah». Unter dem geistigen Antrieb Smolenskys rief er, zusammen mit dem alten B i e r e r, mit Schnierer und Birnbaum, auch unter Assistenz B r a i n i n s, diese wehrhafte Bewegung der national-jüdischen Studentenschaft ins Leben, zu einer Zeit, als Herzl noch lange nicht aufgetaucht war. Mit der «Kadimah» organisierte Schalit dann die große Petitionskundgebung an Herzl, um ihn für den Uebergang von der Theorie zur Praxis zu ermuntern. Mögen heute die meisten bei uns das Wesen der «schlagenden» Verbindungen perhorreszieren — Schalit selbst teilt jetzt diese Meinung —, so war doch das seinerzeitige Hervortreten der «Kadimah» unbestritten ausschlaggebend für die Rückkehr der jüdischen Intellektuellen zu ihrem Volkstum. Schalit war es hierauf, der unter Aufsicht Herzls den ersten Kongreß von Wien aus organisierte und, wenn auch ungenannt, eine Zeitlang die «Welt» redigierte. Unmittelbar nach Herzls Abgang, als die zentralen zionistischen Büros von Wien wegzogen, kam die zionistische Landespolitik in Oesterreich stark zur Geltung. Es war die Zeit des erst eingeführten allgemeinen Wahlrechtes, in der gleichzeitig die antisemitische Bewegung Luegers den Gipfelpunkt ihrer Macht erreichte. In Galizien gewann indes die neue Richtung der jüdischen Minderheitspolitik an Boden. Als Präsident der Zionisten Oesterreichs entfaltete nun Schalit eine emsige Tätigkeit, wobei obendrein mit seiner Person auch zum erstenmale eine zionistische Kandidatur in der Leopoldstadt präsentiert wurde. Seine Mitwirkung im Jahre 1904 an der Gründung eines Komitees nationaler Minderheiten zur Erwirkung nationaler Kataster, ebenso wie seine Intervention an der Spitze einer jüdischen Deputation beim Innenminister Graf Byandt- Reidt zwecks Erlangung eines jüdischen Katasters, führte allerdings — was Wunder? — zu keinem positivem Resultat. Während des Krieges intervenierte Schalit wiederholt beim österreichischen Kabinett im Interesse der Juden. Seine politischen Aktionen hatten auch eine Aktion der Mittelmächte zugunsten des Zionismus im Auge, eine Aktion, die durch das Kriegsende gegenstandslos wurde. Schalit betätigte sich auch noch später als Vizepräsident des Landeskomitees und als Vorstand der jüdischen Gemeinde Wiens. Vielleicht wird so manchen die Nachricht überraschen, daß Dr. Isidor Schalit der Sohn eines aus Galizien nach Wien eingewanderten 'Juden ist, der hier sofort die jüdische Zeitung (deutsch mit jüdischen Lettern) «Der Israelit» herausgab. Wie wir nun den alten Freund und Führer Doktor Isidor Schalit kennen, ist die Hoffnung berechtigt, daß er uns noch seine volle Aktivität bald wiedergibt. 8. Picker« Die Arbeit des Keren Kajemeth Silbernes Buch des Keren Kajemeth. Eintragung Nr. 20: Hochzeit Leo Schwarz—Chaje Landau. Versicherungen zugunsten des Keren Kajemeth. Die Versicherungsabteilung des Keren Kajemeth hat eine Aktion eingeleitet, die bezweckt, Versicherungen zugunsten des Keren Kajemeth durchzuführen, und zwar auf folgender Grundlage: im Erlebensfälle fällt die versicherte Summe ganz dem Keren Kajemeth zu, im Ablebensfalle die eine Hälfte den Erben des Versicherten, die andere Hälfte dem Keren Kajemeth. Durch die Aktion sollen dem Keren Kajemeth neben den Spenden neue Mittel zum Zwecke der Ausdehnung des jüdischen Bodenbesitzes für die jüdische Kolonisation zufiießen. Schon nach drei Jahren erhält der Keren Kajemeth gegen minimale Zinsen 65 Prozent der eingezahlten Prämien zu seiner freien Verfügung. Bisher haben 50 Personen Versicherungen auf insgesamt 60.000 S abgeschlossen. Die Juni-Büchsenleerung ist jetzt im Gange. Die Büchseninhaber werden dringend gebeten, von den Büchsenleerern unbedingt die Vorweisung der Legitimation, die nur für die gegenwärtige Leerung gilt, zu verlangen. Abrechnung der Büchsenleerung. In dieser Rubrik werden wir von nun an regelmäßig die Gruppen anführen, die ihre Leerung abgerechnet und die Beträge bereits abgeführt haben, und zwar in der Reihenfolge, wie dies durch die Gruppen erfolgen wird. Als erste hat bisher die «Vereinigung der zionistischen demokratischen Jugend» diese Leerung abgerechnet. Jugendaktion des V. Z. M. Der V. Z. M. hat seine Jugendaktion erst jetzt durchzuführen begonnen und als ersten Betrag S 66.20 abgeführt. Durcharbeit Ab 1. Juni wird im Keren-Kajemeth-Bureau durchgearbeitet, und zwar bis 4 Uhr. Außerdem täglich Journaldienst durch einen Beamten des Keren Kajemeth in der Zeit bis y2l Uhr abends. Sprechstunden der Leitung des Keren Kajemeth. Das Bureaupersonal des Keren Kajemeth wurde durch den Austritt einer Beamtin verringert, und an deren Stelle wird keine neue Kraft mehr aufgenommen. Da die gesamte Arbeitslast nun auf den Uebriggebliebenen ruht, andererseits aber die Bemühungen des Keren-Kajemeth-Bureaus dahin gehen, in den Arbeiten keinen Rückstand aufkommen zu lassen, wird ersucht, zur Kenntnis zu nehmen, daß die Sprechstunden der Leitung nicht vor 11 Uhr beginnen. Nur so wird es möglich sein, die Arbeit im ordnungsgemäßen Gange zu erhalten. Prfisidialsitzung des Keren Kajemeth. Diese findet Donnerstag, den 11. Juni, y27 Uhr abends statt. «Lanoar». Die neuesten Bücher dieser Bibliothek sind: «Haschomer», die Geschichte dieser in der Entwicklung unserer modernen Siedlung in Palästina so bedeutungsvollen Wächterorganisation, geschrieben vom bekannten palästinensischen Schriftsteller Ewer Hadani. Preis dieses Doppelheftes (Nr. 29/30) S 3.—. — «H a k a r m e 1», eine glänzende Schilderung dieses für die Zukunft Palästinas so bedeutungsvollen Landstriches, aus der Feder des um unsere Kolonisation hochverdienten Agronomen A. Ettinger. (Nr. 28.) Preis S 1.50. Den Keren-Kajemeth-Ausweis, der vorige Woche erscheinen sollte, finden unsere Leser in vorliegender Nummer (Seite 12). Herzl-Bilder. Die Nachfrage nach Herzl-Bildern konnte bislang nicht befriedigt werden. Gegenwärtig ist der Keren Kajemeth in der Lage, Interessenten Heliogravüren zur Verfügung zu stellen, welche nach einem Modell des bekannten Bezalel-Künstlers, Samuel Kretschmer, hergestellt sind. Preis S 3.—. Die neaerrichtete Selchwarenfabrik Brückner & Co. Die Selchwarenfabrik Brückner & Co. in Wien, II. Im Werd 11, die einzige von polnischen Juden gegründete Fabrik, ist zwar noch Jungen Datums und doch hat dieselbe eine Entwicklung genommen, die zu den besten Hoffnungen Anlaß gibt. Es ist begrüßenswert, daß nunmehr eine orthodoxe Selchwarenfabrik unter Aufsicht der Israelitischer. Kultusgemeinde in Wien vorhanden ist, deren Fehlen sich unter der Gemeindeorthodoxie Wiens bisher unangenehm fühlbar machte. Die Besitzer selbst, tüchtige, erfahrene Fachleute und gesetzestreue Juden, haben ihre Fabrik mit dem größten Komfort, um allen Anforderungen der modernen Hygiene zu entsprechen, ausgestattet. Erzeugt wird nur hochwertige prima Qualitätsware, die Preise ihrer Erzeugnisse sind verhältnismäßig niedrig gehalten, da die Erzeuger auf dem Standpunkt stehen, daß dem koscheren Selchwarenkonsumenten keine Mehrbelastung durch seine religiöse Lebensführung erwachsen darf. Der stets wachsende Abnehmerkreis ist ein schlagender Beweis für die Güte der Waren und der Konvenierung, welche die erzeugten Waren bei dem Publikum finden. Die Fabrik besitzt bereits Filialen in Wien: II., Glockengasse 11; II., Große Schiffgasse 19; eine Verkaufsstelle im Prater, Hauptallee, 2. Kaffeehaus, respektive Pavillon. Zu bemerken ist noch die Unterstützung und das Wohlwollen, dessen sich die Fabrik seitens der Israelitischen Kultusgemeinde im höchstes Maß erfreut. Reise zum XVII« Zionistenkongreß nach Basel Wie bereits mitgeteilt, veranstaltet heuer der Jugend* verein „Erez Israel" eine Reise nach Basel zum XVII. Kongreß. Nähere Angaben werden Mittwoch, den 8. Juni, beziehungsweise 10. Juni, im Vereinsheim, II., Zirkusgasse 38, bekanntgegeben. Schluß der Anmeldungen unwiderruflich 15. Juni 1931. Anmeldungen werden täglich im Sekretariate im obgenannten Heime zwischen 7 bis 9 Uhr entgegengenommen. Ankündigungen und Mitteilungen Die hebräische Sprach- und Bibelschule der israelitischen Kultusgemcinde, XX. Bezirk (Leiter S. Herzberg), die korporativ am Herzl-Grabgang teilgenommen hatte, wurde versehentlich im Bericht über den Grabgang nicht erwähnt, was wir hiermit nachholen. Histadruth Iwrith, II. Kleine Mohrengasse 3. Samstag, den 13. Juni, 8 Uhr abends, Pegischa, mit dem in Wien weilenden palästinensischen Schriftsteller und Publizisten Ben Ischai-Sicha: Neu hebräische Literatur in Palästina. Sonntag 8 Uhr früh Tiul. Treffpunkt: Stadtbahn, Schottenring. — Mosnajim und Ketuwim (40 Groschen), erhältlich II. Praterstraße 11; Tabaktrafik Taborstraße, Kiosk bei Cafd National, I. Schleife des 38er-Wagens, vis-ä-vis Wiener Bankverein. Aktion «Kinder aufs Land». Der Humanitätsverein für die westlichen Bezirke eröffnet wie alljährlich auch heuer seine Ferienkolonie in Vöslau, Florastraße 15. Aufgenommen werden Kinder von 6 bis 14 Jahren, und zwar in nachfolgenden Abteilungen: Erster Turnus vom 8. Juli bis 7. August; zweiter Turnus vom 11. August bis 10. September. Anmeldungen und Auskünfte im Sekretariat bei Herrn Präsidenten Karl Fröhlich, Wien, VL Mollardgasse 85, Telephon B 29-1-65, und bei dem Vorstandsmitglied Frau Helene Kanitz, Mensa acadcmica iuiaica, Wien, IX. Zimmermannplatz 8, Telephon A 25-2-28. Das Wiener Bet Hamidrasch und die Israelitischtheologische Lehranstalt Wien veranstalten anläßlich des 100. Geburtstages des Herrn Lektor Meir Friedmann s. A. eine Gedenkfeier, die Montag, den 15. Juni 1931, um 19 Uhr 30 Min. abends, im kleinen Tempel II. Tempelgasse 3, stattfindet. Die Gedenkreden werden halten Rabbiner Dr. M. Rosenmann und Professor Dr. Samuel Krauß. Für den Vorstand: Ernst Vogel m. p. Schriftführer; Doktor Jakob Ornstein m. p. Präsident. Jüdischer Angestellten-Verband «Emunah». S o nn t a g, den 14. d. M., Ausflug in den Wienerwald. Treffpunkt 2 Uhr nachmittags bei der Stadtbahnstation Schottenring. Dienstag, den 16. d. M., Monatsversammlung ira «Mirjamheim», I. Jordangasse 7, 8 Uhr abends. Vorlesung aus Saltens «Fünf Minuten Amerika» (Koll. Grünhut). Gäste willkommen. Trauerandacht für Rabbiner J. Twersky S. A. Der Misrachi-Landesverband für Oesterreich veranstaltet am Sonntag, den 14. d. (Erew Rosch-Chodesch Thamus), ura 11 Uhr vormittags, im Saale des Seudoth Schaboth, II. Malzgasse 2, eine Trauerandacht für Rabbiner Jakob J. Twersky S. A. Herr Rabbiner Horowitz wird die Trauerrede halten und Herr Oberkantor Fränkel wird das El molex rachmim vortragen. Sprechsaal der „Stimme“ (Für die Mitteilungen, die in dieser Rubrik erscheinen, übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Zweck dieser Zeilen ist es nicht, die revisionistische Partei als solche anzugreifen, sondern eine Episode wiederzugeben, die sich am Wahltag zum Zionistenkongreß vor dem Wahllokal Caf6 Metropol, IX. Berggasse 33, abgespielt hat. Sie mögen zeigen, wohin demagogische und unverantwortliche Schlagworte mancher Revisionistenführer bringen können. Die Sache ist um so bedauerlicher, als der Held der Tat Student, also Intelligenzler ist. Vor dem genannten Wahllokal Cafö Metropol befanden sich unter de« Zettelverteilern verschiedener Richtungen auch einige Jugendliche (Makkabi, Hazair und Blau-Weiß), also nach revisionistischer Ansicht nicht hundertprozentige Zionisten« (Nebenbei gesagt: hundertprozentig zionistisch ist es aber, wenn revisionistische Couleurstudenten anläßlich des Herzl- Grabganges an der Ehrenwache des unvergeßlichen Führers sich demonstrativ nicht beteiligen, weil Chaluzim auch eine Ehrenwache gestellt haben . . .). Diese Jugendlichen sammelten vor dem Wahllokal für den Keren Kajemeth, als ein Wachmann auf sie hinzukam und fragte, ob sie schon 18 Jahre alt seien; diese Frage wurde bejaht. Der Wachmann gab sich damit zufrieden und wollte schon Weggehen, da kam ihm ein «Hunderprozentiger» zu Hilfe und meinte, einer der Jugendlichen könne nicht nach weisen, das 18. Lebensjahr erreicht zu haben« Daraufhin führte der Wachmann sämtliche Jugendlichen, fünf an der Zahl, auf das Kommissariat, wo ihnen die K. K. L.-Blichsen abgenommen wurden. Der Angeber, Herr A. D., der einer seriösen Studentenverbindung angehört, hat sich also als hundertprozentiger Zionist vorzüglich bewährt. Es soll daraus kein Hehl gemacht werden, daß manche Jugendliche auch Stimmzettel für das Arbeitende Palästina und für die Allgemein Zionistische Liste verteilt haben, aber das ist doch noch lange kein Grund, Kinder, die sich zionistisch betätigen, von einem Wachmann abführen zu lassen, nur weil sie Stimmzettel verteilen, die nicht revisionistisch sind. A. Ziarkower, Geehrte Redaktion! Ich ersuohe Sie höfllchBt um Aufnahme folgender Zuschrift in Ihrem geschätzten Blatte: Als Ich zu Pfingsten eine Tour duroh die Wachau machte, kam ich iin Dorfe Emmersdorf an einem Marterl vorbei, das folgende Inschrift hatte: „Die Unduldsamkeit der Juden hat Jesus den Prediger der Nächstenliebe aM Kreuz geschlagen. Merkts Euch, ihr Christen!M Kann dieser antisemitischen Verhetzung vom Staat oder vom I and Niederiisterrelch kein Abbruoh getan werden? Es zeichnet mit Zlonsgrüßen '>-cr\ Otto ctioati4