Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 179 (11.6.1931)
- Date
- 1931-06-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 OIE STIMME Nr. 179 — 11. Juni 1931 Jtn unsere 3. 3. Abonnenten f Wir bitten diejenigen unserer Bezieher, deren Abonnementgebühren am 1. Juli (drittes Quartal) fällig sind, mit Rücksicht auf die kommende Urlaubszeit die Beträge jetzt schon mittels der unserer heutigen Nummer beigeschlossenen Posterlagscheine auf unser Konto abzuführen. Für diese Gefälligkeit dankt im Voraus bestens »die stimme “. Jtdministration mssr.Jt Palästina auf der nächsten Tagung der Mandatskommission Shiels und Young Vertreter der englischen Regierung — Ein englischer Kommentar zu Weißbuch und Macdonald-Brief — Die Vorausetzungen für das Erlöschen eines Mandats Bei den Beratungen über das Palästina-Mandat auf der Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, die am 9. Juni in Genf eröffnet wird, wird die englische Regierung durch den Unterstaatssekretfir für die Kolonien Dr. Drummond Shiels und den Chefsekretär der Palästinaregierung Mark Aitchison Young vertreten sein. Die Mandatskommission wird sich auf dieser Tagung mit der Behandlung des Jahresberichtes der britischen Palästinaverwaltung für das Jahr 1930, sowie mit dem im Oktober 1930 veröffentlichten Weißbuch der englischen Regierung über Palästina und mit dem Briefe des Ministerpräsidenten Macdonald an Dr. Weizmann zu befassen haben. Ferner wird der Mandatskommission der Bericht Sir John Hope Simpsons vorgelegt werden. Wie der JTA-Vertreter in Genf erfährt, hat die britische Regierung der Mandatskommission ein neues zusammenfassendes Dokument zugestellt, in dem die politischen Akte des letzten Jahres (Weißbuch, Macdonald-Brief usw.) kommentiert und die Richtlinien der künftigen englischen Palästinapolitik, vor allem im Zusammenhang mit der Palästinaanleihe und dem Landentwicklungsplan, bekanntgegeben werden. Seitens der Jewish Agency wird der Mandatskommission auf ihrer nächsten Tagung der übliche Jahresbericht vorgelegt werden, in dem die Agency, ohne die politischen Probleme zu berühren, eine Uebersicht über ihre Leistungen in Palästina während des abgelaufenen Jahres auf ökonomischem, kulturellem, sanitärem und anderen Gebieten gibt. Dieser Bericht wird von einem Schreiben Dr. Weizmanns und einer ausführlichen Beantwortung, des John Hope Simpsonschen Memorandums begleitet sein. Es ist vorläufig noch unbekannt, in welcher Form die Agency zu den politischen Ereignissen des letzten Jahres (Passfieldsches Weißbuch, Macdonald-Brief, Entwicklungsplan usw.) Stellung nehmen wird. Das die Entgegnung der Jewish Agency auf das Weißbuch darstellende Memorandum Leonard Steins wurde der Mandatskommission bisher zwar noch nicht offiziell überreicht, doch wurden Exemplare dieses Memorandums den Kommissionsmitgliedern privat zur Einsichtnahme zugestellt. Die Mandatskommission wird sich auf ihr» Juni-Tagung auch mit einer Reihe Petitionen bezüglich Palästinas zu beschäftigen haben. Von besonderer Bedeutung werden die Beratungen über die Voraussetzungen für das Erlöschen eines Mandats sein. Bekanntlich wurde die Kommission durch den Völkerbundsrat beauftragt, diese Frage im Zusammenhang mit dem Beschluß der britischen Regierung, im Jahre 1932 die Aufgabe des Irak-Mandats vorzuschlagen, zu studieren. Die Untersuchung der Mandatskommission soll nicht auf den Spezialfall Irak beschränkt bleiben, sondern versuchen, eine Klärung der prinzipiellen Frage herbeizuführen, wann das Mandatsregime in einem Mandatsterritorium zu beendigen sei. (J. T. A.) Vertag Josef Brenner, Wien, II. Soeben erscheint Marburg, Dr. Fritz: Der Antisemitismus In der deutschen Republik steif broschiert . ... . Mark 2.— mit zahlreichen aktuellen Illustrationen auf 16 Kunstdrucktafeln. Vorrätig in allen Buchhandlungen. Wo nicht lagernd, verlange man direkt vom Verlag. der «Times» gebraucht hier das hebräische Wort), des Hochverrates, bezichtigt. Das Programm des Verbandes der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter spricht sich nachdrücklich für eine Hebung des Lebensniveaus des Fellachen aus, betont die Solidarität des jüdischen mit dem arabischen Arbeiter usw., zugleich aber wendet er sich gegen die Zulassung arabischer Arbeiter auf dem jüdischen Arbeitsmarkt. In jeder jüdischen Unternehmung verlangt das Programm hundertprozentige jüdische Arbeit. Kürzlich erschien ein kleines Buch über die Kreuzzüge von dem Sohne des zionistischen Führers Ussischkin. Das kluge Buch zieht eine Parallele zwischen den Ursachen des Unterganges des lateinischen Königtums in Jerusalem im Mittelalter und den Gründen, die für ein Fehlschlagen des Zionismus in Betracht kommen. Der Autor sieht die einzige Erfolgsmöglichkeit des Zionismus in der Schaffung einer jüdischen Majorität in Palästina während der ersten Welle des zionistischen Enthusiasmus. Diese Parallele könnte deprimierend erscheinen, wenn nicht ihre Geltung beeinträchtigt wäre durch die Tatsache, daß noch ein drittes Element vorhanden ist: Mandatarmacht, bezw. der Völkerbund. Dies führt zu der zweiten beunruhigenden Erscheinung im jüdischen Palästina: Die heftige Unzufriedenheit, die die Juden gegen die lokale britische Administration empfinden, und der Glaube der Juden, daß die britischen Beamten im großen und ganzen mehr odef weniger feindlich gegenüber der Idee des Jüdischen Nationalheims eingestellt sind. Dies ist eine schwierige Fragen deren Ursprünge bis aut die Zeit der militärischen Besetzung zurückgehen und die zum großen Teil auf die Psychologie des osteuropäischen Juden und des Durchsclinittstypus des britischen Beamten zurückgehen. Es ist eine beklagenswerte Tatsache, daß sogar nach zwölfjähriger Beamtenschaft die beiden Elemente auffallend wenig geistige und soziale Berührungspunkte haben. Der einseitige Enthusiasmus und die Ueberempfindlicllkeit muß sich notwendigerweise verletzt fühlen durch den Mangel einer entsprechenden enthusiastischen Gegenhaitung bei den Beamten, deren Pflicht es nicht so sehr ist, Sympathien zu zeigen, als vielmehr die jüdische Gemeinschaft so friedlich als möglich durch ein schwieriges Sfadium ihres palästinensischen Entwicklungsganges hindurchzusleuern. Wer die beiden Parteien kennt, wird ohne Schwierigkeiten bei dem lebhaften, idealistischen, phantasiereichen osfr* europäischen Zionisten Züge feststellen können, die bei dem Durchschnittstypus des britischen Beamten kein sympathisches Verständnis finden können. Der Jude hat eine übertriebene Fähigkeit, jede kleinste Kleinigkeit in der Routinearbeit eines Beamten, die ihm unangenehm ist, als planmäßige antijüdische Handlung zu interpretieren. Der britische Beamte aut der anderen Seite ist kein Uebermensch und mag es wohl an Feinsinn und Anpassungsfähigkeit fehlen lassen; es braucht keineswegs als Akt der Geringschätzung aüfgefaßt zu werden, wenn er mit dex hebräischen Sprache nicht zurecht kommt oder wenn er es unterläßt, ein gründliches Studium der Geschichte, Philosophie und Sozialauffassung des Zionismus zu betreiben. „Times“ über Araber und Juden in Palästina Die Londoner «Times» veröffentlichten am 27. und 28. Mai eine zusammenfassende Darstellung der gegenwärtigen Lage in Palästina in Form von zwei Artikeln ihres Jerusalemer Korrespondenten. Der erste Artikel ist der arabischen Haltung gewidmet, der zweite der zionistischen. Die Führerschaft der palästinensischen Araber, so schreiben «Times», steht jetzt vor einer schwierigen Entscheidung. Die britische Regierung hat jüdische und arabische Vertreter eingeladen, Vorschläge für einen sich aus den Empfehlungen des Simpson-Berichtes ergebenden großzügigen Plan systematischer landwirtschaftlicher Erschließung mit Hilfe einer neuen Anleihe zu diskutieren. Die Mehrheit der arabischen Exekutive hat abgelehnt, Vertreter nach Europa zu schicken, aber sie war bereit, Verhandlungen mit der Regierung in Jerusalem oder mit nach Jerusalem entsandten Vertretern des Kolonialamtes zu führen, unter bestimmten Bedingungen, nämlich daß sie weder mit jüdischen Vertretern zusammen verhandeln noch die Balfour-Deklaration oder die «schwarze Interpretation» des Weißbuches (gemeint ist der Macdonald-Brief) anerkennen dürfen. Bisher hat sich die konsequente arabische Politik des Protestes und der Verweigerung der Zusammenarbeit in allen das jüdische Nationalheim betreffenden Angelegenheiten erfolgreich erwiesen. Die arabischen Führer vermochten die antijüdischen Gefühle zu einer gefestigten Anschauung zu gestalten. Shaw-Kommission, Simpson-Bericht und Weißbuch vom Oktober 1930 haben ihnen neue und wirksame politische Munition geliefert. Die Araber glauben auch (und in diesem Punkt stimmen die Juden mit ihnen völlig überein), daß die lokale Beamtenschaft jede Sympathie für den Zionismus. die sie vielleicht früher gehegt hat, verloren hat. (Denket an die Krawalle an der Handelshochschule! unentgeltliche9 Stellenvermittlung I der Hakoah ff »/Ver ausgebildetes, töohtlges und diszipliniertes Per-;i sonal aller Art und eher Branchen braucht, wende J sich an die | HAKOAH, l„ Wieslngerstr. 11 / Tel. R-25-O-tO :,ie _____S Die «schwarze Interpretation», welche alle Araber und die meisten Juden als eine völlige Zurücknahme der Weißbuch- Politik betrachten, hat von neuem die arabische Kampfeslust geweckt. Nun tritt an die arabischen Führer die Aufforderung heran, ihre negative Taktik zu ändern und an positiven Vorschlägen, die der Verbesserung der ökonomischen Lage des arabischen Landwirtes dienen, mitzuarbeiten. Einer der Führer der arabischen Exekutive hat geltend gemacht, man müsse unter allen Umständen die Anleihe ablehnen, weil die finanzielle Last der Anleihe unvermeidlich auf die arabische Majorität fallen werde, während das einzige für Entwicklung geeignete Land bereits in jüdischen Händen sei. Eine andere Ansicht arabischer Kreise ist die, daß der kaum verhüllte Zweck des Erschließungsplanes darin besteht, durch intensive Kultur das für die Erhaltung der arabischen Bebauer notwendige Landausmaß zu verkleinern und dadurch größere Bodenflächen für jüdische Siedlung freizumachen. Es erheben sich aber manche arabische Stihimen gegen eine kurzsichtige Politik der Non Cooperation, man begreift, daß, wenn das Parlament die Anleihe bewilligt, der Erschließungsplan durchgeführt werden wird, ob nun mit oder ohne Unterstützung der gegenwärtigen arabischen Führer. Eine gewisse Bedeutung mißt der Verfasser der Gründung des arabischen Nationalfonds nach Muster des Jüdischen Nationalfonds zu. Der jüdische Standpunkt In dem zweiten Artikel, der der jüdischen Haltung gewidmet ist, weist der Verfasser der «Times»-Artikel auf zwei ihm bedenklich scheinende Vorgänge Mn: auf die jüdische Haltung in der Frage einer Verständigung mit den Arabern und auf die Haltung der Juden zu der britischen Beamtenschaft. Ueber die Notwendigkeit ainer arabisch-jüdischen Einigung oder wenigstens eiues gewissen Maßes von Zusammenarbeit wird viel gesprochen, und in abstracto herrscht hierüber völlige Einigkeit; aber nicht nur gibt es nicht das geringste Maß von Erfolg, sondern auch verblüffend wenig wirklich auf dieses Ziel planmäßig gerichtete Tätigkeit. Nicht nur hält die große Mehrheit der jüdischen Führer das Problem der arabisch-jüdischen Annäherung nicht im Vordergrund, sondern wen« irgend ein Jude sich an die Schwierigkeiten dieses Problems ernsthaft heranwagt, wird er sofort der «Begidah» (der Berichterstatter < Exkönig Hussein von Hedschas gestorben Jerusalem, 4. Juni. (J. T. A.) Der frühere König Hussein von Hedschas, der in den letzten Jahren aiif Cypern in der Verbannung gelebt hat und vor einiger Zeit zu Besuch seines Sohnes, des Emirs Abdullah von Transjordanien, nach Amman gekommen war, ist dort heute gestorben. Mit Hussein von Hedschas ist einer der hartnäckigsten Feinde der zionistischen Bewegung und der Idee der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina dahingegangen. Seine Leiche wird nach Jerusalem gebracht und dort bestattet werden. Exkönig Hussein in der Omarmoschee bestattet Jerusalem, 5. Juni. (J. T. A.) Am 4. Juni fand in Jerusalem unter außerordentlich starker Beteiligung die Beerdigung des Exkönigs Hussein von Hedschas statt. An der Spitze des Trauergefolges, das noch größer gewesen sein dürfte als das beim Begräbnis des indischen Mohammedanerführers Mohamnred Ali, schritt«« die Söhne des Exkönigs, Abdullah, Mi und Said; ihnen folgten die Mitglieder der Palästina-Regierung und der transjordanischen Regierung, das Konsularlcorps, die führenden arabischen Persönlichkeiten Palästinas, ferner von jüdischer Seite Colonel Kisch als Vertreter der Jewish Agency, David Yellin; M. Kalwarisky und Vertreter des Rabbinats. Beim Dnmaskustor leistete eine Abteilung englischen Militärs vor dem Trauerzuge die Ehrenbezeigung. Der Sarg wurde in die Omarmoschee gebracht, um in der Nähe der Gruft Mohammed Alis beigesetzt zu werden. Am Tage des Begräbnisses hatten alle Konsulate auf Halbmast geflaggt. Das Unterrichtsdepartement der Regierung hatte alle für diesen Tag angesetzten Sportmeetings der Schulen abgesagt. Die Beisetzung Exkönig Husseins in Jerusalem wird allgemein als ein Beweis für die fortgesetzten Bemühungen des Großnrufti angesehen, Jerusalem zu einem Heiligtum der mohammedanischen Welt vom Range Mekkas zu machen. QQQGIQQfilQaiQGIOlQQaifüfi'r^ Stenotypist(in) tüchtig, womöglich mit Adtuhiistfeljö. praxis, für Wochenblatt gesucht. Zuschrüte mit Zeugnisabschriften unter «Intelligent 817» a. d. Exped.