Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 179 (11.6.1931)
- Date
- 1931-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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?r:te 4 DTE STIMME Nr. 179 — H. Juni 1931 JUDEN! Dia BOchtenlearung ctet Keren K 9 8AMIfitll tat im Gange« S Spendet reichlich bei dieser Gelegenheit, lmCi|wlllwlll Verlanget vom Mitarbeiter die Vorweisung der Legitimation. Mehrheit für die jüdische Reichsliste ausgesprochen. Den höchsten Prozentsatz der Wahlbeteiligung und des offenen Bekenntnisses für die nationale und politische Emanzipation der Juden Rumäniens erreichte die Bukowina, wo von Dr. Ebner und Df. Reifer eine nationale Bewegung entfacht wurde, die ihren Ausdruck darin fand, daß nicht weniger als 12.360 Juden ihre Stimmen für die jüdische Reichsliste abgaben. In Transsylvanien stimmten 25.000 Juden für die jüdische Reichsliste, in Bessarabien 17.000 und im Alten Königreich 12.000. Das war der große Triumph der national-politischen Bewegung in Rumänien und gleichzeitig eine vernichtende Niederlage der in der Union der rumänischen Juden organisierten jüdischen AssimilantenyEs war ein offenes Bekenntnis zum nationalen Judentum^ eine große Volksbewegung, die ihren Ausdruck jfkrin fand, daß sich die jüdischen Massen frei zu/ jüdischen Nation bekannten und sich als rumänisone Staatsbürger jüdischer Nationalität deklarierten. .Tf . - ♦ Im Augenblick ist das Wahlresultat noch nicht endgültig feststehend. Eines aber ist sicher: daß die jüdische Reichsliste die im Wahlgesetze vorgeschriebenen 2 Prozent der gesamten abgegebenen Stimmen erreicht, ja dieselben nach den bisherigen Resultaten weit überschritten, hat. Die jüdische Reichsliste wird aller Wahrscheinlichkeit nach 6 Mandate erobern und überdies noch zwei Senatsmandate im Wege der Handelskammern erlangen. Es ist dies in erster Linie ein Sieg der Zionisten Rumäniens, welche die Idee der jüdischen Reichsliste proklamierten, die Massen für dieselbe vorbereiteten und sie zum siegreichen Ende führten. Die nationalen Juden Rumäniens haben auch in politischer Hinsicht durch diese Wahlschlacht den absoluten Sieg davongetragen. Zum erstenmal hatten sie Gelegenheit, ihre Visitenkarte bei den rumänischen Parteien und bei der rumänischen Regierung abzugeben und gleichzeitig Heerschau zu halten. Die öffentliche Meinung Rumäniens wird endlich einmal genau wissen, wer die Repräsentanten der Judenschaft dieses Landes sind. Mit diesem Si§glhat die Todesstunde der in rumänische Parteien eiagtfiichriebenen Juden geschlagen. 'fthuh-föotn ‘Wien, 2., %ahorstraße SVn 8a S)ie Qrenze der Xeistungsfähigkeit für moderne Qualitätsschuhe gefähr ein l-unitel zusanu.iuiseimiulz. ln energischer Weise nahmen die Könige für die Juden Steilung, die Unruhen wurden möglichst unterdrückt, exemplarische Strafen verhängt, die lokalen Behörden streng mit dem Schutze der Juden beauftragt. Gewiß hat dieser wirkungsvolle Schutz große finanzielle Opfer von seiten der Verfolgten gekostet, immerhin aber muß eine konsequente und charaktervolle Haltung der aragonischen Könige festgestellt werden, zumal da die Juden nicht nur dem Pöbel, sondern auch den Ständen gegenüber in Schutz genommen werden mußten. Doch die Hetze verdichtete sich und 1391 nahm ein «heiliger Krieg» von Kastilien aus seinen Weg auch über Aragonien, die Bevölkerung begehrte soziale Reformen, deren Spitze sich gegen die Juden richtete, der Pöbel der Städte begann damit, Zünfte und Landbevölkerung folgten, die religiösen Gefühle wurden durch die Geistlichkeit aufgepeitscht, und so konnte auch der fortdauernde königliche Schutz die Verelendung und Vernichtung der jüdischen Gemeinden nicht mehr aufhalten. 1412 beginnt die berüchtigte Disputation zu Tortosa, die durch zwei Jahre dauert und für die Juden schließlich nur Zwangstaufen, Umwandlung der Synagogen in Kirchen und jene blutigen Verfolgungen bedeutet, die sich seit 1413 an das Wirken des Dominikaners Vincente Ferrer knüpfen. Drückende gesetzliche Bestimmungen aus den Tagen dieser Verfolgungen wurden wohl um 1420 wieder aufgehoben, aber die jüdischen Gemeinden konnten sich von den Schlägen nicht mehr erholen, besonders seit durch die Verehelichung Ferdinand II. mit Isabella von Kastilien die beiden Reiche vereinigt wurden und so der Judenhaß Kastiliens einen neuen Wirkungskreis fand. Dazu taucht das Schreckgespenst der Inquisition auf, der Ruf nach Verjagung aller Ungläubigen wird immer dringender, schon gab es Vertreibung aus einzelnen Städten, wie 1486 aus Saragossa; mit dem Fall Granadas konnte man dann die jüdische Mitarbeit gänzlich entbehren “lind das Vertreibungsedikt für ganz Spanien erlassen. (Schluß in der nächsten Nummer.) 4 jüdische Mandate Am Montag, den 1. Jtrni, wurden in Rumänien die Wahlen zum Parlament durchgeführt. Die Wahlbeteiligung betrug im allgemeinen 60 Proaent. Die vom früheren Senator Dr. Mayer Ebner geführte Jüdische Partei, die im Altreich wie in den neuen Provinzen, Siebenbürgen, Bukowina und Bessarabien, eigene Listen aufgestelll hatte, hat 2.33 Prozent der Gesamtsummen erreicht, also den Mindestquotienteii überschritten. Nach dem amtlichen Wahlergebnis wurden bei den Wahlen zum rumänischen Parlament insgesamt 2,927.000 Stimmen abgegeben, von denen 83.000 für ungültig erklärt wurden. Von den gültigen 2,844.000 Stimmen erhielten die Nationale Union (Jorga-Partei und Liberale) 1,390.000 und 299 Mandate, die Nationale Bauernpartei (Maniu) 439.000 Stimmen und 27 Mandate. Die liberalen Dissidenten (Georg Bratlanu) erhielten 11, die Averescu-Partel 9, die Ungarische Nationale Partei 9, die Lupu-Partel 6, die von Cuza geführte antisemitische Partei 7, die Stere-Partei 5, die Sozial demokraten 6, die Jüdische Nationale Partei 4, die Kommunisten 4 Mandate. Die von Cuza abgesptlttertc antisemitische «Eiserne Garde» erhielt kein Mandat, well sie unter der vorgesebriebenen 2prozent!gen Stimmenzahl blieb. Die Jüdische Nationale Partei, die, trotzdem ihr durch die Annullierung ihrer Liste im Bezirk Balti mehrere tausend Stimmen verloren gingen, rund 65.000 Stimmen auf ihren Listen vereinigte, hatte mit sicheren 5, ja sogar 6 Mandaten gerechnet. In natloRc!::i jüdischen Kreisen Rumäniens herrscht große Freude über diesen Erfolg der ersten selbständigen jüdischen Listen in Rumänien. Man ist aber enttäuscht über die zu geringe Zuteilung der Mandate und glaubt, daß die jüdische Partei ihren Anspruch auf mindestens noch ein Mandat kräftig vertreten wird. Vorläufig erscheinen von Kandidaten der Jüdischen Partei als gewählt: Dr. Mayer Ebner und Dr. Max Dlamand in der Bukowina, Michael Landau in Bessarabien und Dr. Josef Fischer ln Siebenbürgen. Man hofft, daß sich noch ein Mandat für Dr. Theodor Fischer oder für Dr. S. Singer ergeben werde. In der Bukowina wurden für die Jüdische Liste mehr als 12.000, in Siebenbürgen 18.117, in Alt-Rumänien 9455 Stimmen abgegeben, wobei die Resultate aus einigen Wahlkreisen noch ausstehen. In Bessarabien wurden bisher etwa 17.000 Stimmen für die Jüdische Reichsliste gezählt. (J. T. A.) Warschauer Brief Die Wahlen in die Warschauer Kultusgemeinde — Schwache zionistische Agitation und starke agudlstische Propaganda — Der Parteitag der Radikalen Zionisten — Eine neue jüdische Tageszeitung in polnischer Sprache — Kleines Interesse für den Vortrag Strickers — Die «Good Will»-Bewegung Von unserem Warschauer Berichterstatter Dr. Arnold Friedmann. Warschau, im Juni. Im jüdisch-politischen Leben der polnischen Metropole geht es in den letzten Wochen ziemlich lebhaft zu. In den Vordergrund des allgemeinen Interesses sind drei wichtige Ereignisse getreten: 1. die Wahlen in die Kultusgemeinde, die hier aus 50 Mitgliedern besteht; 2. die Vorbereitungen zum XVII. Zionistenkongreß in Basel und 3. die von einem polnisch-jüdischen Komitee in Amerika ausgehende Good-Will- Bewegung. Die negativen Momente in der Organisation des jüdischen Gemeinwesens sind bei den Wahlen am deutlichsten zutage getreten. Gestützt auf die eklatante Protektion der Regierungskreise hat die Aguda eine heftige Wahlkampagne begonnen und von vornherein versucht, alle ihr unliebsamen und feindlich gesinnten Elemente von der Beteiligung auszuschließen. Auf Grund des berüchtigten § 20 kamen viele Streichungen in den Wählerlisten zustande. Ueberdies wurde der Wahltag auf einen Werktag verschoben, um so die beruflich in Anspruch genommene Wählerschichte, in erster Linie die zionistischen und sonst werktätigen Gruppen, von der W'ahlurne fernzuhalten. Die in den Bethäusern und Rabbinatsstuben konzentrierte agudistische Vorstoßtruppe konnte öich nun umso freier und hemmungsloser entfalten. An dem heißen Wahltag über wogen irr» Straßenbild die charakteristischen Gestalten der agudistischen Wahlschlepper, während die anderen Wählergruppen seltener zum Vorschein kamen. Die zionistische Werbearbeit ließ besonders viel zu wünschen übrig. Gerade in die Wahlperiode fiel der heftige interne Parteizwist zwischen Radikalen und Revisionisten. Es ist also klar, daß von keiner Seite für die gemeinsame Liste ein besonderer Propagandaeifer entwickelt wurde. Die Hauptarbeit fiel, wie immer, den Allgemeinen Zionisten zu. Die der zionistischen Idee innewohnende Kraft hat auch diese größten Schwierigkeiten überwunden; trotz aller Hin¬ * Schwa!« - Qrlndalwald — Bwn*r Ob«rlao4 Inmitten de» Jmpoeinteiten Gebirg«w«lt HO TEL SILBERHORN, Tel 79 VoMügllrbe Veipflegung, mlblge Pr«im ■ Gleiche* Haust Loetrno Pension Villa JUoutau» Saison: Pebioar bw Jont, September bn November — lies Frau F- Kabu dernisse hat der Wahlausgang erwiesen, daß die Zahl der neuen Kultusräte, die verschiedenen zionistischen Gruppen angehören, den Erwählten der Agudah gleichkommt. Je 19 Mandate können beide um tüe Vorherrsche!* )i\ der jüdischen Gasse kämpfenden Parteien als ihren Erfolg buchen. Unter den neuen zionistischen Kultusräten wären die auch ln Wien bestbekannten Gesinnungsgenossen: der Radikale Dr. Ignatz Schipper und der Revisionist Dr. Dralitsch zu nennen. Der Schwerpunkt des Wahlkampfes um die Führung der Kultusgemeinde liegt bei den restlichen 11 zumeist «wilden» Mitgliedern der Kultusgemeinde. Verschiedene Kombinationen werden diskutiert. Es ist anzunehmen, daß im letzten Moment die bessere Einsicht obsiegen und die Leitung der Geschäfte der Kultusgemeinde bei den Zionisten verbleiben wird. In die Zeit der heftigsten Wahlschlacht fiel der diesjährige Parteitag der Radikalen Zionisten, der unter Beiseln de» Dr. N. Goldmann, Berlin, im Einstein-Saal des jüdischen Akademikerheimes abgehalten wurde. Die Beratungen waren recht interessant, wenn dabei auch die Würze einer Opposition fehlte. Ernst und würdig wurden die Probleme der zionistischen Politik analysiert und besprochen. Die Diskussion beschäftigte sich vielfach mit der Bekämpfung der revisionistischen Gefahr und der Begegnung der revisionistischen Kampfmethoden. Abgeordneter Grünbaum hatte Gelegenheit, seine Tätigkeit in der politischen Kommission zu verteidigen und die Delegierten aus der Provinz zum Kongreßwahlkampf einzupauken. Dr. Goldmann half seinem Parteifreund eifrig in der Schaffung einer für die Radikalen günstigen Wahlstimmung und verfaßte die inzwischen durch die J. T. A. verbreiteten Resolutionen, in denen insbesondere von der Resignation Weizmanns die Rede ist. Die Radikalen haben seit drei Wochen ein eigenes bedeutsames Sprachorgan in der vom ehemaligen Abgeordneten Dr. Inster redigierten Tageszeitung «Nowe Slowo». Diese Zeitung wird viel nützliche Erziehungsarbeit zu leisten haben, um das Niveau des Lesepublikums auf ihre geistige Höhe zu bringen. Mit viel Geschick wird die sogenannte gaiizische Methode auf den spröden Warschauer Boden verpflanzt. Sokolows Europäische Briefe schmücken jede Sonntagsnumrmer der neuen Zeitung und geben ihr Würde und Profil. «Nowe SIowo» verdient jedenfalls Beachtung und . wird sicherlich zur Stärkung der radikalen Gruppe beitragen. Wie überall haben auch in Warschau die Revisionisten eine wüste Parteihetze vor den Kongreßwahlen begonnen und suchten durch Terror und Radaumacherei die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der für den Vorabend des Wahltages angesetzte Vortrag Robert Strickers hat wenig interessiert. Der Besuch war gering, da gleichzeitig auch Versammlungen idler anderen Gruppen abgehalten wurden. Der Presseempfang Strickers hat am wenigsten Begeisterung zu erwecken vermocht. Die Agenzmitglieder in Polen haben vor den Wahlen auch ein Lebenszeichen gegeben und bereiten sich zum Kongreß vor, halten Vorkonferenzen ab und führen Ergänzungswahlen durch. In diesem Briefe soll auch auf die sogenannte «Good- Wilb-Bewegung hingewiesen werden, die schon lange in einem vornehmen, aus der Elite der polnischen Gesellschaft bestehenden Verständigungskomitee ihren Vorläufer hatte. In gewissen Zeitabständen fanden seit jeher Diskussfonsabende statt, an denen jüdisch-polnische Probleme von einer höheren Warte aus diskutiert und behandelt wurden, Der polnische Gesandte in Amerika hat nun eine analoge Organisationsform in New York geschaffen und von jüdischer Seite den bekannten Gesinnungsgenossen Dr. Tennenbaum, einen in New York naturalisierten polnischen Arzt, tüf seine Ziele gewonnen. Diese Bewegung, die unter dem verheißungsvollen Motto des guten Willens ins Leben gerufen wurde, soll nun auch in Warschau und den großen Judenzentren der Provinz ein Echo finden. Bedauerlicherweise werden aber zu dieser Aktion nicht die offiziellen Vertreter der Judenschaft herangezogen, wa» vielleicht eher auf einen Regiefehler als auf eine tendenziös« Behandlung der zionistischen Wortführer zurückzuführen Ist. Anläßlich der KongreBreise soll Dr. Tennenbaum nach Warschau kommen und der jüdisch-polnischen oder bessev gesagt der polnisch-jüdischen Good-Will-Bewegung auf die Beine helfen. ,v, M&Wn’s 'Wwpwm imainllM, K«Heihu täglich 5-Uhr-Te« SEMMERING TELEPHON U Hochstraße 43 neben Hotei Panhans. Mäßige Preise, vorzügliche Küche, Zimmer m. Pension S 12.— aufwärts. Zentralheizung, fließendes Warm* und Kaltwasser in Jedem Zimmer. Auskunft unter Telephon U *27*6*24