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Die Stimme · 1931-06-11 · Heft 179 (11.6.1931) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 179 (11.6.1931)
Date
1931-06-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 179 — 11. Juni 1931 OIE STIMME Seite 3 £3ioaoaoaoaoaoBofloaoac3Bc:| 2 Wenn 3Ihnen unser o &lall gefüllt, n empfehlen Sie es, bitte, bet redet Gelegenheit allen Ihren Freunden und Be kannten i Geben Sie ans Adressen an, an die wir Probe* nummern unserer Zeitung absenden können. ■oaoaoioaoioaoioioioiol 5 L Uttgeafyttfe Erleichterung 'Hhel'erbddmng gefomtcn Organismus beiuirfcn bei Smcräerfdjeinungcn, lüie Genommen« heit, ©djttnnbelgefiiljl, Stopffönteracn, Sttcmnot, gidjiifche imb rljeumatiidje 93efdjtüeti>en Me ärailidh empfohlenen, fteiberfäuflidjen 9tabtof!Ieriit* Tabletten. DlaöiumljaltigeS JRobiOs fflerin förbeti Me ©Iutgtrlulafiott, berietet beit Slbertt bie nottoenötge ©laftiättät unb Beugt bnburrf) ÄoIfaBIflgerungen unb ben bamit aufantmeuljängcnöen Ülltcräerfcljeinungen bor. Sftabiumgeljalt anttlttf) geprüft, ©etteralbcpot unb Mitifunft: Slpothefe33ttper# SBien, I., SBotl^etTe 18. Ißrofpefte gratis unb franfo. Die Parlamentswahlen in Rumänien Der jüdische Reichsblock — Die Union der rumänischen Juden — Der Stimmenraub und die Umendiebstähle — Der Terror ohne Ende — 66.000 Stimmen für die jüdische Reichsliste — Vernichtende Niederlage der Assimilanten — Großer Sieg der nationalen Idee Von unserem rumänischen Berichterstatter Dr. Manfred Reifer. Die Judenschaft Rumäniens hat bei den letzten Parlamentswahlen eigene Listen aufgestellt, nachdem sie auf einem Kongreß in Bukarest, der am 4. Mai stattfand, die jüdische Reichspartei gegründet und den Beschluß gefaßt hat, zu den bevorstehenden Parlamentswahlen eine eigene jüdische Reichsliste aufzustellen. Das bedeutet in der Geschichte der Juden Rumäniens ein Novum,^etwas ganz Ungeheuerliches, das man sowohl den Juden als auch den Nichtjuden erst plausibel machen mußte. Die in den rumänischen Parteien eingeschriebenen Juden schrien Zeter und Mordio, klagten, daß die nationalen Führer die Juden ins Ghetto zurückführen wollen und in ihren Chor stimmten fast alle rumänischen Parteien ein, die den Führern der jüdischen Reichsliste Separatismus und Illoyalität ge- , J genüber dem Staate vorwarfen. In der TaUiedeutet flie **4 Wl4 Proklamierung der jüdischen Reicjislisteljein offenes Bekenntnis zur jüdischen Nation^ eine Heerschau der nationalbewußten Judenschaft^und eine Absage an all die jüdischen Parteien, welche die Juden Rumäniens bei den einzelnen rumänischen Parteien als mosaische Konfession zu lizitieren gewohnt sind. Die Führer der jüdischen Reichspartei befanden sich im letzten Monate mitten in einem Sperrfeuer, das vor! den jüdischen Assimilanten und den einzelnen jü lischen Parteien gegen sie eröffnet wurde. Gleichzeit \ verhandelten die jüdischen Assimilanten Rumäniens, mit Dr. Wilhelm Fildermann (Bukarest) an der Spitze, lie seit Jahr und Tag im Solde der liberalen Partei steh« n, mit der neuen Regierung Jorga und mit ihrem Inn« nminister Argetoianu, einem der klarsten Köpfe Rumi niens, bezüglich eines Kartells, wobei ihnen in der erste i Verhandlungswoche 8 Mandate zugesichert wurden. Ms in der Folge die jüdische Reichsliste proklamiert wurde und von allen Präfekten des Reiches beim Innei ministerium Berichte einliefen, daß sie von den jüdis hen Massen mit ungeheurer Begeisterung aufgenommej worden wäre, erklärte Innenminister Argetoianu, d iß er zwar den Pakt mit der Union der rumänischen J; den aufrecht erhalte, ihnen aber diese 8 Mandate auf den letzten Plätzen der Regierungsliste anweise, wo es einen schweren und aussichtslosen Kamp durchzuführen gelte und wo wenig Aussicht vorhanden sei, Mandate zu erlangen. Dr. Fildermtann lehnte dieses Ansinnen der Regierung ab, wodurch pas Kartell sich auflöste, eröffnete aber gleichzeitix einen ungeheuren Kampf gegen die jüdische Reichlliste. In Versammlungen und in ihrer Presse, der sich wie gesamte rumänische von jüdischen Assimilanten gaeitete Presse anschloß, proklamierten sie den Kampf gegen die jüdische Reichsliste unter dem Losungswcfte: KeineStimmefür die jüdische Reiche liste! Sie forderten die Judenschaft Rumäniens, nafchdem sie von der Regierung einen Fußstoß bekommen matten, auf, für die liberale Partei, die mit der Regierung kartelliert ist, zu stimmen, der Partei, die den bekaijnten Pogrom von Oradea- Mare auf ihr Schuldkonto i Der Kampf tobte auf d liehe jüdische Meinung sch u buchen hat. r ganzen Front. Die öffent-!ug sich aber auf die Seite der jüdischen Reichsliste ui d es geschah ein Wunder: die strengste Orthodoxie im Transsylvanien, die Neologen, die Zionisten und dieiNichtzionisten vereinigten sich im Kampfe für die jüdilche Reichsiiste gegen die Assimilation. Selbstverstäna|ich waren in diesem Kampfe die Zionisten führend und haben auch in 51 Bezirken Großrumäniens zum größten Teile die Listenführmgestellt. J0Die Propaganda, die in den einzelnen Provinzen Großrumäniens für die jüdische Reichsliste geführt wurde, machte die Regierung, die anfänglich dieser national-politischen Bewegung keine besondere Bedeutung beigemessen hatte, stutzig und brachte es dahin, daß die Regierung mit einem ungeheuren Terror gegen die jüdische Bevölkerung einsetzte, um dieselbe einzuschüchtern und sie so zu zwingen, für die Regierungsliste zu stimmen. Dieser Terror wurde ganz Das verläßliche, reinpflanzliche ABFÜHRMITTEL PASTAPALM ist in allen Apotheken erhältl. besonders in den Dörfern von untergeordneten Organen geübt und erreichte seinen Höhepunkt in B e s s a r abien, wo nicht weniger als 25.000 Stimmen aus den Urnen gestohlen wurden. Die Präfekten gebärdeten sich als die Allmächtigen, ließen alle von der Reichspartei nominierten und von den Gerichtspräsidenten als Wahlleiter mit Legitimationen versehenen Assistenten am Vorabend der Wahl einsperren, so daß keine Kontrollorgane von seiten 9er jüdischen Reichspartei beim Wahlgang und bei der Stimmenzählung vorhanden waren, und man offenkundig soviele Stimmen rauben konnte, als die Regierung für nötig hielt. In Chotin (Bessarabien) wurde der gewesene Deputierte Rechtsanwalt Michael Landau, der Listenführer in diesem Bezirke war, am Wahltage verhafte^ von den Polizeiorganen mißhandelt und gekettet in ein von Chotin 8 Kilometer entferntes Dorf entführt, wo er den ganzen Tag hindurch ohne Nahrung unter Aufsicht von Polizeiorganen verbleiben mußte und erst über Intervention beim Innenministerium — nach vollzogenem Wahlakt — freigelassen wurde. In Bessarabien, wo eine Viertelmillion Juden leben, und wo man mit über 40.000 jüdischen Stimmen gerechnet hatte, wurden im ganzen zirka 17.000 Stimmen der jüdischen Reichsliste zuerkannt. Charakteristisch für diesen Stimmenraub ist beispielsweise das Städtchen Nowosielitza, wo zirka 700 jüdische Wähler geschlossen für die jüdische Reichsliste stimmten, aber kaum 70 Stimmen für die jüdische Reichsliste gezählt wurden. Nur in der Bukowina, wo es eine jüdisch-politische Tradition gibt, fanden freie Wahlen statt, wiewohl auch in Czernowitz, namentlich aber im Süden des Landes am Tage vor der Wahl Terror zu verspüren war, indem die Polizeiorgane sich in den Dienst der Propaganda für die Regierungsliste stellten, Daß auch Juden dabei vielfach ihr Geschäftchen machten und ihre Volksgenossen bei den Behörden denunzierten, sei nur so nebenbei erwähnt. "> In Altrumänien und in Transsylvanien merkte man weniger vom Terror, wiewohl im Marmarosch-Szigeteir- Bezirk, wo die großen Judenzentren liegen, die jüdische Bevölkerung von den Präfekten eingeschüchtert wurde, indem man ihnen drohte, ihre Gewerbelizenzen zu entziehen und ihnen hohe Steuern aufzuerlegen. Trotzdem haben sich die Juden Rumäniens mit den Führern der jüdischen Reichspartei (Dr. Mayer Ebner, Rabbiner Z i r 1 s o h n, Dr. Theodor Fischer, Dr. Josef Fischer, Michael La n d a u, Dr. Samuel Singer)] solidarisch erklärt und sich in ihrer überwältigenden Die Juden im christlichen Spanien Von Dr. Robert Sonnenwald. Der Vormarsch der Araber, die im Jahre 711 als Sieger den Boden der pyrenäischen Halbinsel betreten hatten, fand sein Ende an einer durch die beiden Flüsse Ebro und Duero gebildeten natürlichen Grenzlinie, hinter der sich eine Reihe von kleinen christlichen Staaten etablierte, Asturien, Leon, Navarra, Aragonien u. a. Während nun die arabische Herrschaft auf der Halbinsel den Zusammenhang mit der allmählich in Bedeutungslosigkeit verfallenden übrigen arabischen Welt langsam verlor und sich dazu in dynastischen Kämpfen und Bruderkriegen selbst auf rieb, konsolidierten sich die christlichen Reiche und gewannen, gestützt auf die gesamte Christenheit, Schritt für Schritt den verlorenen Boden zurück, um schließlich mit der Eroberung Granadas 1492 der arabischen Macht in Spanien ein Ende zu machen. Bis vor ungefähr zwei Jahrzehnten war die hochbedeutsame und interessante Geschichte der Juden in diesen christlichen Staaten kaum Gegenstand einer systematischen wissenschaftlichen Erforschung und Bearbeitung gewesen; wohl hatte die klassische jüdische Historikerschule um Graetz jene Zeiten darzustellen versucht, es zeigt sich aber, daß solche Darstellungen vielfach ohne das grundlegende Quellenmaterial erfolgten und daß daher einerseits große Lücken klaffen, andererseits die allerdings geniale historische Einfühlung an die Stelle von dokumentarischen Tatsachen treten mußte. Diesem Mangel soll eine Publikation der Akademie für die Wissenschaft des Judentums ein Ende machen: Fritz Baer «Die Juden im christlichen Spanien», deren vorliegender erster Band die Archive der Königreiche Aragonien und Navarra erschlossen hat. Ein vielfältiges jüdisches Leben ist hier aufgerollt, die Fülle der Ausbeute ist so überraschend groß, daß •ine behutsame Auswahl des Wesentlichen und Charakteristischen getroffen werden mußte. Den reichsten Aufschluß gab das Generalarchiv der aragonischen Krone in Barcelona, dessen Dokumente insbesondere für die öffentlich-rechtliche Stellung der Judenheit von Bedeutung sind, da sie die grundlegenden Gemeindeprivilegien und die bezüglichen Verwaltungsakte der Könige enthalten. Daran reihen sich für das vierzehnte Jahrhundert die Rechnungsbücher des königlichen Kammerarchives in Barcelona, aber auch die wichtigsten Archive von Kirchen, Klöstern und Orden, schließlich die Notariatsarchive mit ihren Beurkundungen privatrechtlicher Beziehungen mußten in Betracht gezogen werden; von lokalen Archiven konnte aus technischen Gründen nur Barcelona erfaßt werden. In Navarra fanden sich die wesentlichen Dokumente im Generalarchiv der Rechnungskammer von Pamplona, deren Originalbelege vorhanden sind. Hier gab es auch einen überraschenden Fund bisher unbekannter hebräischer Dokumente, wie Bibel- und Talmudfragmente, Eheurkunden usw., die als Einbanddeckel für die Rechnungen verwendet sind und offenbar die Reste jüdischer Gemeindearchive darstellen. Leider ist diese wichtigste Quelle, die Archive der jüdischen Gemeinden, sonst vollkommen verschlossen, alles scheint nach der Vertreibung der Juden zugrunde gegangen zu sein und nur die Tatsache kann über einen solchen Verlust hinweghelfen, daß das vorhandene Material ein instruktives Gesamtbild bietet, in welchem keine wesentlichen Züge mehr fehlen dürften. Als seit dem 11. Jahrhundert die christlichen Staaten zur Offensive übergingen, erfuhr auch Aragonien, das sich 1035 als selbständiges Königreich von Navarra losgelöst hatte, durch die Eroberungen arabischen Gebietes einen Zuwachs an jüdischer Bevölkerung. Es bestand nun bei den Herrschern die grundsätzliche Tendenz, nicht nur durch F“eiheiten und Privilegien die Juden in den neu erworbenen Gebieten zurückzuhalten, sondern auf diese Art auch den Zuzug jüdischer Elemente möglichst zu fördern. Nach der Vereinigung mit Katalonien 1137 wurde diese auch dort geübte Praxis in verstärktem Maße beibehalten: Kapitulationsverträge und lokale Gesetze sicherten den Juden ihre Gleichberechtigung, man bedachte sie mit Rechten und Gütern der vertriebenen Mauren und der. Staat bediente sich in der Politik wie in seiner Verwaltung jüdischer Diplomaten, Dolmetscher und Staatsmänner, sowie der sachkundigen jüdischen Finanzleute, Das aragonische Gesetzbuch von 1247 befestigte dann die Rechte der Judenheit, politische Lage und staatliche Opportunität mögen für die konsequente und tatkräftige Förderung derselben maßgeblich gewesen sein, wie sie sich an den Namen James I. (1213—1276) knüpft und aus den Urkunden allenthalben hervorleuchtet. Sö kann es nicht wundernehmen, daß Arago'/:n vornehmlich in seinem am Meere gelegenen Teile eine dichte jüdische Bevölkerung aufwies, die sich hauptsächlich in den Städten, wie Saragossa und Barcelona, eines ruhigen Wohlstandes und damit kulturellen Lebens erfreute und ungehindert die Rechte allet übrigen Staatsbürger teilte. Da der Krieg gegen die Araber gleichsam als heiliger Krieg galt, so konnte es nicht ausbleiben, daß sich das siegreiche Vordringen allmählich auch auf religiösem Gebiete auswirkte, die Macht der Kirche zunahm und insbesondere der mit der Verfolgung der Ketzer betraute Orden der Dominikaner Einfluß gewinnen konnte. Langsam verdüsterte sich der heitere Himmel des jüdischen Spanien, worauf schon die Disputation zu Barcelona 1263 deutet, bei welcher der berühmte Nachmanides (Ramban) die Judenheit sä» folgreich vertrat; das Gift des Judenhasses sickerte in die ruhige Bevölkerung und etwa um 1300 kam es dann schon zu Verfolgungen. Die großen Katastrophen, von welchen die Judenheit im 14. Jahrhundert betroffen wurde, mußten ihre Wellen natürlich auch über die Pyrenäen werfen; 1320 wirkt sich der französische Pastorellenfeldzug blutig aus, im nächsten Jahre ertönt auch in Aragonien zum ersten Male die Verleumdung der Brunnenvergiftung und 1348 forderten die Unruhen, die die Pest mit sich brachte, auch hier ihre jüdischen Opfer, wobei die blühende jüdische Gemeinde Barcelona durch die Krankheit und die Verfolgungen ägf

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