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Die Stimme · 1931-06-03 · Heft 178 (3.6.1931) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 178 (3.6.1931)
Date
1931-06-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 179 — 9. Juni 1891_ PIE 9TIMMC____Seite » Die Stimme der jüdische7 i Frau Beilage der „Stimme“ Juni 1931 Die zionistische Frauenorganisation vor ihrem Kongreß Von Dr. Martha Hofmann. Def diesjährigen VI. Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen in Basel, die für diese Organisation dasselbe bedeutet wie der Kongreß für die allgemeine zionistische Bewegung, wird gleich diesem mit besonderer Spannung entgegengesehen. Vielleicht ist es gut, daß der Kongreß der Frauen vor den XVII. Zioni3tenkongreß fällt, denn nur so wird es möglich sein, tatsächlich unbeeinflußt von der politischen Atmosphäre und Konstellation, ohne Rücksichtnahme auf diese oder jene neue Exekutive, unbeirrt das selbstgewählte Aufgabengebiet der Frauen, den inneren Bedürfnissen und organischen Wachstumsgesetzen folgend, zu bearbeiten und auszubauen. Gerade über die Fortentwicklung der Weltorganisation zionistischer Frauen, sowohl über die Organisationsform in der Oaluth als über Ihre Konstitution und— mehr als das — über ihr weiteres Arbeitsprogramm in Palästina werden von dieser Konferenz entscheidende Beschlüsse gefaßt werden. Wohl darf Im großen und ganzen gesagt werden, daß sich innerhalb der Ffauenorganisation die Krise des Zionismus weniger akut geäußert hat, als auf anderen Gebieten der nationalen Palästinabewegiing, ja, mit einiger Kühnheit kann vielleicht behauptet werden, daß die Wizo und ihr Weg unabhängig von der politischen Konstellation im Zionismus sind. Von der politischen — möglicherweise. Nicht aber von der ökonomischen. Auch das Budget der Wizo ist bedroht und das ist bei dieser jungen, bisher vorwärtsstürmenden Organisation besonders verhängnisvoll. .. Weniger nämlich als von der Zionistischen Organisation wurden von der Weltorganisation zionistischer Frauen bisher die verschiedensten Schichten des Judentums erfaßt. Die Wizo hat sich in jedem Lande bisher auf eine ziemlich dünne Schicht von Frauen beschränkt, sie ist. nicht in die Massen eingedrjingen, sie hat kaum den Versuch dazu unternommen. Weder die assimilierte Frau, noch die breitere Menge der arbeitenden Frauen wurde bisher von der Wizo erfaßt. Und gerade die Wizo hätte dank ihrem alle Kreise und alle Klassen ansprechenden wirtschaftlichen und sozialen Programm die innere Berufung dazu, die Organisation der großen Menge jüdischer Frauen in allen Ländern zu werden. Aber auch die besitzende Klasse der jüdischen, ja selbst der zionistischen Frauen wurde nur in einem bescheidenen Maße organisatorisch erfaßt. Man stand noch halb und halb am Anfang, man durfte vor zwei Jahren — in jenem Kulminationspunkte zionistischer Erwartungen — die Hoffnung hegen, daß die Wizo nun anfangen werde, sich auf breiterer Basis mit Hinzuziehung immer weiterer Kreise jüdischer Frauen für dieses große soziale und kulturelle Werk der jüdischen Frauen in Palästina zu entwickeln. Aber auch hier ist ein Stillstand im großen und ganzen eingetreten, wenngleich keine tiefergreifenden Rückschläge wie in der Zionistischen Organisation — und wenn auch an vereinzelten Punkten des Erdballes weitere Fortschritte nicht zu bestreiten sind. Im ganzen darf trotz allem wiederholt werden, daß die Wizo, gerade wenn sie sich ihrer überpolitischen sozialen, pädagogischen, national-kulturellen, produktive Werte für die jüdischen Frauen in Palästina und in der ganzen Welt schaffenden Aufgabe und Bedeutung bewußt ist, zu der Erkenntnis gelangen wird, daß sie dank ihrer unpolitischen Programme von jeder äußeren und inneren politischen Krise des Zionismus unversehrt bleiben kann, wenn sie ihre organisatorische und erzieherische Aufgabe nut einigermaßen erfüllt. In dieser Stunde der Erkenntnis und der Rechenschaftsablegung hat jeder einzelne Landesverband der Weltorganisation, ja mehr als das, jedes einzelne Mitglied jeder Gruppe eines Landesverbandes, sich die ernste und verantwortungsvolle Frage vorzulegen, ob von ihm diese organisatorische Aufgabe erfüllt wurde, ob es für Verbreitung und Vertiefung der Palästinaidee und für die Heranziehung aller erfaßbaren Frauen für das Werk der Wizo alles getan hat, was in seinen Kräften stand. Noch Ist es nicht zu spät, noch ist kein wesentlicher Rückgang in der Wizo zu verzeichnen, wenngleich gerade für diese junge Organisation gesagt werden muß, daß Stillstand Rückschritt wäre. Aber noch gibt es,große Möglichkeiten und es besteht keinerlei Berechtigung, mit Hinweis auf irgendweiche inneren und äußeren Schwierigkeiten des Zionismus die Verantwortung von sich zu schieben. Nicht einmal die materielle Krisenlage der Gegenwart ist solch ein Grund, denn di* Wizo verlangt geringe Beträge von ihren Mitgliedern: Beträge, die zu entrichten keiner nur einigermaßen verantwortlichen jüdischen Frau schwerfallen kann. Der im Anschluß an die Zehnjahrfeier der Wizo und den Besuch der Frau Dr. Hanemann aus Jerusalem vor wenigen Wochen eingeleitete Mitelioder- Drive der zionistischen Frauenorganisation Oesterreichs, für welchen ein eigenes Organisationskomitee geschaffen wurde, nimmt seinen Fortgang. Es ist zu erwarten, daß alle diejenigen Frauen, die ihren Mitgliedsbcitrag für diese Arbeitsperiode noch nicht entrichtet haben, den fälligen Betrag unverzüglich an die Schatzmeisterin der Wizo in Wien, Frau Sabine Paßweg, IX., Schlickgasse 5, senden werden. (Jährlicher Mitgliedsbeitrag S 7.—.) Der Weltkonferenz der Wizo entgegen Von Ada Flschmrann Im Rahmen der bevorstehenden Vt. Konferenz der Wizo in Basel werden schwerwiegende prorammatische Fragen Über die künftige wizorbeit zur Entscheidung kommen. Der Konferenz liegt das sogenannte «Szoldsche Programm» vor, wonach Wizo und Hadassah künftig gemeinsam das Schulbudget der Jjewish Agency für Palästina garantieren sollen. Abgesehen von der Frage, ob die Wizo gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt stark genug ist, solch 'große Lasten auf sich zu nehmen, würde dies eine völlige Verschiebung des Arbeitsprogrammes der Wizo bedeuten, das bisher der Frauenarbeit im engeren Sinne, vor allem der Erziehung der Frauen und Mädchen in Haus- und Landwirtschaft, Hygiene und Oekonomfe, Kinderpflege, gewerblichen: Arbeiten, kurz der Produktivierung der Frauen und Mädchen des Landes als nützliche, wirtschaftliche und soziale'Faktoren, gewidmet war. Die untenstehenden Vorschläge der bekannten Arbeiterführerin, die neben Channah Meisel-Schochat eine der ältesten und richtunggebendsten palästinensischen Führerinnen der Wizo bisher gewesen ist, dürften in mancher Hinsicht zu weit gehen, sind jedoch sichtlich aus der Befürchtung geboren, daß die Wizo im Begriffe stehen könnte, ihre Hand von . den landwirtschaftlichen Arbeiterinnen zu ziehen, deren Budget dann fast gänzlich ungedeckt bliebe. Jedenfalls ist zu erwarten, daß der Appell einer erprobten Führerin wie Ada Flschman auch dort, wo finanzielle Schranken gesetzt werden müssen, im Prinzipe richtig verstanden und gehört werde. Ein Jahrzehnt fruchtbarer und schöpferischer Arbeit hat die Weltorganisation zionistischer Frauen hinter sich. Sie ist heute zu der Weltorganisation jüdischer Frauen in allen Ländern der Galuth geworden, die die Aufgabe der zionistischen Frau in der öffentlichen und kolonisatorischen Tätigkeit im Lande richtig erfaßt hat. Der besondere Aufgabenkreis der Wizo, in dessen Erfüllung Schritt auf Schritt wichtige Werte auf dem Arbeitsgebiete der Frau in Palästina geschaffen werden, das Arbeitsprogramni dieser Organisation, das die Keime einer Umwertung der Werte in der gesellschaftlichen Stellung der Frau trägt, rechtfertigt ihre Existenz als besonderer Frauenverband und verpflichtet zur Tätigkeit auf dem klarumgrenzten und wichtigen Felde, das von ihr erobert wurde. Die Vorbereitung der Frau zur landwirtschaftlichen Arbeit und zum Leben auf dem Lande bildet nur die erste Stufe des Aufstieges der arbeitenden Familie. Allerdings ist dieser erste Schritt von besonderer Bedeutung für den Aufbau der selbständigen Wirtschaft. Durch die Ausbildungstätigkeit allein ist jedoch das Arbeitsfeld der organisierten zionistischen Frau nicht erschöpft. Der Weg der Frau In der Siedlungsarbeit ist an Schwierigkeiten reich, auch nachdem sie die Prüfung der Ausbildungsperiode bestanden hat. Auf diesem Felde der Siediungsarbeit der Frau ist die Fortsetzung der Arbeit der Wizo im Lande und die Erweiterung des Rahmens dieser Arbeit erforderlich. Die Organisation der zionistischen Frauen muß die Möglichkeit finden, die Chaluzoth des jüdischen Volkes auf Ihrem Wege in der Wirtschaft der arbeitenden Familie zu begleiten. Wie dafür gesorgt werden muß, daß die landwirtschaftliche Ausbildung als Pflicht einem jeden jüdischen Mädchen obliegt, das den | Weg der landwirtschaftlichen Arbeit wählt, ebenso muß die - grüßte Aufmerksamkeit der Entwicklung der Haus- und Hofwirtschaft zugewendet werden, die das Arbeitsgebiet der Frau in der Wirtschaft bildet und in der sie die bei der Ausbildung erlangten Kenntnisse zum Besten Ihrer Familie verwerten kann. Die Erkenntnis ist zum Gemeingut geworden, daß die arbeitende Familie auf dem Lande nur dann von ihrer Hände Arbeit leben kann, wenn die Frau und Mutter fähig Ist, ihre Tatkraft und Kenntnisse so einzusetzen, daß die Hauswirtschaft entwickelt und gehoben wird. Allerdings ist die Befürchtung wohl begründet, daß die Haus- und. Hofwirtschaft dem Mangel an Mitteln, die der sich ansiedelnden Familie zur Verfügung stehen, zum Opfer fallen wird, und daß infolge der geringen Möglichkeiten für Kolonisation in erster Linie die Schaffung dieser Zweige auf eine «bessere Zeit» aufgeschoben werden wird, wie es bis heute in einigen Wirtschaften der Fall war. Diese Entwicklung zieht für die arbeitende Familie zwei Nachteile nach sich. 1. Durch den Entfall dieser Zweige der Haus- und Hofwirtschaft mangelt es der arbeitenden Familie an den ersten Bedürfnissen ihres Unterhaltes. 2. Durch diese Bedingungen wird das Arbeitsgebiet der Frau ln der Wirtschaft eingeschränkt, Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten werden brachgelegt und die besten Jahre ihrer Arbeit in der Landwirtschaft vergeudet. Die Zweige der Haus- und Hofwirtschaft, die zur Sicherung der Existenz der arbeitenden Familie unumgänglich notwendig sind, müssen also st schnell als möglich und sofort nach Beginn derSiedlung aufgebaut werden. In diesen Zweigen wird die Frau einen ständigen Arbeitsplatz finden, der ihre Teilnahme an dem Aufbau und der Konsolidierung der Wirtschaft sichert. Die Wizo soll auf ihrer bevorstehenden Konferenz die Erweiterung des Rahmens ihrer Kolonisationstätigkeit verkünden. Hier erstreckt sich vor der zionistischen Frau ein breites Arbeitsfeld. Jeder Oruppe und jedem Verband der Arbeiter, in dem wenigstens die Hälfte der weiblichen Mitglieder entsprechend ausgebiidet wurde, sollen die erforderlichen Mittel für die Schaffung der oberwähnten Wirtschaftszweige als Anleihe in der Höhe von 100 bis 125 Pfund pro Familie gewährt werden. Die Anzahl der Anleihen soll jedes Jahr der Anzahl der sich ansiedelnden Familien gleich sein. Das Recht, eine solche Anleihe zu erhalten, soll auch einer einzelnen arbeitenden Familie nicht vorenthalten werden, die aus irgendwelchem Grunde von keinem Verband erfaßt wurde, sich auf einer Parzelle in der Nähe der Stadt oder Kolonie angesiedelt und ihre kleine Wirtschaft aufgebaut hat. Dieser Vorschlag, daß die Wizo-Frauenorganisatlon die Sorge für die Aufbringung der zum Aufbau der Haus- und Hofwirtschaft erforderlichen Mittel übernimmt, ist nicht auf eine bestimmte Klasse des Jischuw zugeschnitten. Er gilt der arbeitenden Familie, deren Schicksal mit der Landwirtschaft im Lande verknüpft ist und in der die Frau und Mutter sich die nötigen Kenntnisse angeeignet hat, die ihr die Arbeit in der Hauswirtschaft und Leitung der oberwähnten Zweige ermöglichen. Dieser Plan soll auch die Errichtung der Hilfswirt* schäften für die Kibbuzzim und Siedlerverbände ln den Kolonien, deren Haupteinnahmsquelle Lohnarbeit bildet und in denen die Elite der jüdischen Jugend vereinigt ist, töfta fassen. In all den verschiedenartigen Jugendgruppen befiriföß sich Hunderte von Chaluzoth, die die Sehnsucht zur Heimat und das Streben zur schaffenden Arbeit mit eigenen Händen hierhergebracht hat, um zusammen mit ihren Genossen an der Eroberung der Arbeit in den Kolonien teilzunehmen, bis auch an sie die Reihe zur Ansiedlung kommt. Die Hilfswirtschaften der Arbeitergruppen in den Kolonien werden einen Lichtstrahl in das sorgenvolle Leben der Chaluzjugend und Erleichterung in die gesamte wirtschaftliche Lage der Gruppen bringen. Die Teilnahme der Weltorganisation zionistischer Frauen an dem Kolonisationswerke Im Lande durch Schaffung der Hauswirtschaft für die arbeitende Familie wird mittelbar zur Erweiterung dieses Werkes überhaupt beitragen und die Fähigkeit der Jewish Agency, die Zahl der Siedler zu mehren, steigern. Jeder neue Aufgabenkreis, den man für die Wizo Vorschlägen mag und der die Kraft der Frau im Aufbau des Landes nicht steigert und ihre Möglichkeiten nicht mehrt, wird die organisierte zionistische Frau von ihrer direkten Aufgabe zu einer mechanischen Arbeit der Geldsammlung ablenken, die den erzieherischen Inhalt für die gesamte Bewegung der zionistischen Frauen entbehrt. Natürlich und folgerichtig wird dagegen die Fortsetzung der bisherigen Wizo-Tätigkelt sein, sowohl in der Ausbildung jüdischer Mädchen zur Arbeit im Lande, als in der Schaffung neuer Existenzmöglichkeiten in der Landwirtschaft — der Grundlage unserer Renaissance im Lande. VI. Konferenz der Wizo Basel, 22. bis 28. Juni 1931. Montag, den 22. Juni; Councilsitzung, Exekutivsitzung, diverse Vorbesprechungen, offizielle Eröffnung der Konferenz. , ,, Dienstag, den 23» Juni: Wahl des Konferenzprftsldiums, Rechenschaftsberichte, Debatte, Bericht der Siebener-Kommission, Probleme der Propaganda, Bericht des Kontinentalbundes, Antwort der Exekutive auf die in der Debatte aufgeworfenen Fragen. Mittwoch, den 24. Juni: Bericht der Galuth* schatzmeisterin, Ansprache eines ExekutivmitgUedtt der zionistischen Organisation, Vorlegung der Wahllisten durch den Permanenzausschuß bezüglich der Kommissionen für Finanzpropagandaorganisation, Sitzungen der Finanz- und Propagandakommission, Bericht der Kommissionen, Debatte. Donnerstag, den 25. Juni: Sitzung der Organlsationskommission. Freitag, den 26. Juni: Sitzung der Organisation«- kommissJon, Bericht der OrganisationskommissioiL Vorlage der Resolutionen, Generaldebatte* Sonntag, den 28. Juni: Generaldebatte, Abstbnmoqgeq, Wahl der Exekutive, Schluß <fcr KQfgpqg»,

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