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Die Stimme · 1931-06-03 · Heft 178 (3.6.1931) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 178 (3.6.1931)
Date
1931-06-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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DIE STIMME Nr. 178 — 3. Juni 1931 Sstti 8 Soll es so weitergehen? Schützt die verfolgte hebräische Kultur ln Sowjetrußland! Von L. Jehuda. Immer naher rückt die Zeit des XVII. Kongresses. In weniger als zwei Monaten wird d is jüdische Weltparlament in Basei zusammentreten. Nach einer festen Tradition, die sich auf den letzten Kongressen gebildet hat, wird man wiederum — das kann mit völliger Sicherheit vorhergesagt werden — der verfolgten hebrÄischen Kulturarbeit in Sowjetrußland und ihren Trlgern, die das Banner usw. usw. . . . hochhalten, einen feierlichen Gruß entbieten . . . Kein Zweifel, man wird sogar eine Protestresolution gegen diese Verfolgungen annehmen, begleitet von hörbaren Seufzern einiger Delegierten und Gäste. Vielleicht zerdrückt sogar der eine oder der andere eine heiße Träne des Mitleids mit unseren «armen, unglücklichen» Brüdern — alles so, wie ein angelerntes Zeremoniell es vorschreibt. All das, meine ich, ist vorauszusehen: denn ein bestimmtes Ritual ist in Geltung, dessen Ausführung bis ins kleinste Detail eifersüchtig überwacht wird, damit, Gott behüte, kein Verstoß vorkommt. Und was weiter? Nichts! Nachher wird alles wieder friedlich heimfahren, auch dies nach alter Ordnung: Die Delegierten gehen auseinander, ein jeder in sein Wohnland, nach seinem Wohnort, und wiegen sich in dem beruhigenden Bewußtsein: «Selbst ln dieser für uns so ernsten, sorgenschwangeren Stunde haben wir die hebräische Kulturarbeit in Rußland nicht vergessen und uns unserer Pflichten ihr gegenüber erinnert.» Und wie üblich wird auch die — zu nichts verpflichtende — Resolution mit der Masse der übrigen, die nicht zu praktischer Auswirkung kommen, in die Akten wandern. «Jewsekes» und russische Behörden werden den «Heiligen Krieg» des Kommunismus weiterführen: gegen «Klerikalismus», «Chauvinismus», «Religion», «Konterrevolution» und was dergleichen Schimpfworte mehr sind, die man der hebräischen Sprache und Kultur anhängt; die Träger dieser Kultur, Hebräisch- Lehrende und -Lernende, werden weiter mit barbarischer Grausamkeit gepeinigt werden. Und unsere Gesinnungsgenossen, unsere Brüder in Sowjetrußland, dieses schwache, verfolgte Häuflein, das sich in konvulsivischem Todeskampf windet — sie werden dennoch ihr geheiligtes Werk in den Grenzen des Möglichen fortführen, werden die hebräische Sprache, Lite- I&tpr und Kultur treu und aufopfernd verbreiten, ges$fkt durch den Glauben, daß sie nicht völlig preisgegeben sind, daß sie überall in der Welt Freunde und Brüder haben, die bereit sind, für ihre Schmach Vergeltung zu fordern und ihnen beizustehen. Von Kongreß zu Kongreß wiederholt sich dieses Spiel, ln der Zwischenzeit aber öffnet sich kein Mund auch nur zu einem Flüstern, niemand fühlt einen Schmerz, keiner kümmert sich. Die Führer sind blind, die Presse schlummert, es schweigt die Allgemeinheit, die jüdische wie die nichtjüdische öffentliche Meinung! Die Ehrvergessenheit ist auf ihren Gipfel gelangt! Tag um Tag, Jahr für Jahr wird der Hexensabbath toller; kein Gericht, kein Richter! Alles hat sich an diesen Zustand gewöhnt; diese Gewohnheit ist zur zweiten Natur geworden. So ist es bisher gewesen, so ist es noch heute. Darf es so bleiben? Schon daß man diese Frage stellen muß, treibt zu schäm- und schmerzerfülltem Protest gegen die bei uns herrschende Gleichgültigkeit in einer Sache von so brennender Aktualität. Was Ist aus uns geworden? Sind wir denn wirklich so tief gesunken, ist uns so sehr jegliches Ehrgefühl gegenüber unseren heiligen Qütern abhanden gekommen, daß wir bereits diesen Zustand glutheißen und nicht einmal mehr zu protestieren wagen? Volle vierzehn Jahre hindurch wird bereits unsere hebräische Sprache und Kultur mit grausamer Gewalt aus dem Munde und den Herzen der Juden des Sowjetreiches ausgerottet. Nicht nur, daß kein Gedanke mehr ist an irgendwelche Kultur-Institutionen, wie Schulen, Klubhäuser, Erwachsenen-Kurse usw., selbst im Privatleben gilt Jede Spur des gesprochenen oder geschriebenen Hebräisch als gesellschaftliche Konterbande, die unweigerlich Boykott und Aechtung nach sich zieht. Hebräisches Buch und Zeitung sind verschwunden, und wenn sie wirklich einmal durch irgendein Wunder jemandem in die Hände geraten, dann nur ganz Im Verborgenen. Und wir? Wir stehen als uer dieser Tragödie da und schweigen. Für dieses beschämende Schwelgen, diese Untätigkeit, hört man gewöhnlich die Rechtfertigung: «Wir sind doch zu schwach», oder «Man muß vorsichtig sein, es könnte jemandem schaden» u. a. m. Ja, wenn jemand vor uns hintreten und bezeugen könnte; «Wir haben alles mögliche getan — so und so viele Memoranden verfaßt, Gemeinden zusammengerufen, so und so viele Vereine zum Schutz der Tarbuth in Rußland gegründet; wir haben die jüdische Oeffentlichkeit aufgerüttelt, das Gewissen der Nichtjuden angerufen; wir haben unaufhörlich protestiert und geschrlen — aber all das hat nichts geholfen,» In Wirklichkeit aber sehen wir doch das Gegenteil von alledem. Wir haben nur die Erfahrung eines vierzehnjährigen, hartnäckigen lehweigeas, und was hat sie gezeigt? Hat sich Irgend- 1 etwas gebess' :, is' es nicht vielmehr nur schlimmer geworden? Ein altes Sprichwort sagt: «Schweigen bedeutet Einverständnis». Ist es bei uns so - ja, dann haben vielleicht unsere Feinde Recht, dann dürfen sie tun, was ihnen beliebt. Haben wir diese einfache Wahrheit vergessen? Von der Tribüne des sechzehnten Kongresses herab wurde in Zürich verkündet, in welcher Gefahr die hebräische Kulturarbeit in Rußland schwebt. Damals durfte man glauben, daß unter dem Eindruck des Gehörten das nationale Gewissen endlich erwachen würde. Was geschah aber? Wiederum sind zwei Jahre vergangen, und es regte sich kein Laut. Der Ruf Ist verhallt, wie die «Stimme, die in der Wüste ruft». Gewiß bedeuteten diese beiden Jahre auch eine Periode des Mißgeschicks und der Sorgen für die ganze zionistische Bewegung, für das ganze jüdische Volk. Aber ist die Gleichgültigkeit in der Frage der russischen Tarbuth wirklich erst eine Folge der bekannten Ereignisse? Wie war es denn in den sogenannten «normalen» Zeiten, ln den zwölf Jahren, die den August-Ereignissen vorangegangen sind? War damals unser Verhalten besser? Es ist höchste Zelt, Schluß zu machen mit diesem Verhalten, die Schande des Schweigens von der Zionistischen Organisation und dem jüdischen Volke zu nehmen. Der siebzehnte Kongreß muß einen Wendepunkt bedeuten. Er muß die schwere Last auf sich nehmen und die Angelegenheit der hebräischen Kultur Jtlle orientalischen fpexialllfllen am ff!oht u. fpieß {Jfiawnaitxen, JRusclkft usvr.) Restaurant Mirabell wmmmmmmmmmmmmmmmmmmm 1.20es., JlaAsftuv^ erfasse 6 JKßcßenflhe/ 9eor^escu in Rußland zum Integrierenden Bestandteil seiner Arbeiten machen, der gleichberechtigt neben anderen Punkten auf der Tagesordnung steht. Man darf sich auch nicht mit dem Gedanken beruhigen, daß schon heute und morgen die Lösung eines derart schwierigen und komplizierten Problems gefunden werden könne, eines Problems, das unerhörte Anstrengung und Beharrlichkeit erfordert. Eins steht jedoch fest: So, wie bisher, darf es nicht weltergehenl Kein Zögern mehr; die Lage Ist ernst genug, die zwölfte Stunde naht heran. Wenn wir nicht unverzüglich handeln, wenn wir nicht retten, was noch zu retten ist — wer weiß, ob es (dann nicht zu spät sein wird! Laßt uns zusammenstehen zum Schutze der bedrohten hebräischen Kultur ln Sowjetrußiandl Rückkehr nach Hebron Hebron, 27. Mal. (J. T, A.) Die Rückwanderungsbewegung der Juden nach Hebron, wo sich, wie bereits gemeldet, schon vor dem Schewuoth- Fest 24 sephardische Familien wieder niedergelassen haben, hält weiter an. Im Laufe dieser Woche kehren abermals zehn sephardische Familien nach Hebron zurück. Die jüdischen Rückkehrer haben bereits Ihre Vertretungekörperschaft, den «Waad», konstituiert. Dem Großmufti wird die Einreise nach Syrien verweigert Jerusalem, 27, Mai, (J. T. A.) Die syrischen Behörden haben die Erteilung eines Visums für den Großmufti von Jerusalem, der die Absicht hatte, sich nach Damaskus zu begeben, um dort mit Emir Adel Arslan eine Besprechung abzuhalten, abgelehnt. Kisch zurückgetreten? Die hebräische Tageszeitung «Poar Hayom» meldet, daß Colonel F, rl, Kisch sein Amt ala Mitglied der Exekutive der Jewish Agency niedergelegt hat. Die Verhandlungen zwischen der Palästinaregierung und der arabischen Exekutive Die arabische Zeitung «Meraat ei Shark» teilt mit, daß in den Verhandlungen zwischen der Palästinaregierung und der arabischen Exekutive über den Landentwicklungsplan der libanesische Missionär Oliver als Unterhändler fungiert hat, Der Ueberfall auf Moza im Jahre 1929 vor Gericht Jerusalem, 19. Mai. <J, T. A.) Trotz dos »wioohen der Kolonie Mosa und dem Arabischen Naohbardorf Colonial» abgesohloeeenen Friedenepakt bat der aeneralstaataonwalt e» abgelehnt, da» Verfahren gegen die 14 Araber nlederzu» »oblagen, die unter der Anklage etehen, das Haue de« Kolonisten Broza während der Auffuetunruhen im Jahre 1929 angegriffen «u haben. Am SS. Mai wurde die Verhandlung: «regen diese 14 Araber eröffnet, Bel der Konfrontierung der Angeklagten mit Broza und Mitgliedern »einer Familie ag* noasierten die»# einige von den Arabern ai« Teilnehmer an dem UeberfnU im Auguet 1929. Der jfldtsche Jugendtag in Graz Die ganze* ■ Wochei vor Pfingsten stand das jüdische Graz irn Zeichen der Vorbereitungen, die für das Jugendtreffen notwendig waren. Hieß es doch, daß hundert junge Zionisten aus Wien kommen und diese Zahl wurae dann noch übertroffen. Es war eine Kundgebung des zionistischen Zusammengehörigkeitsgefühls und des Strebens zur Einheit, wie wir sie schon seit Jahren nicht sahen. Dieser Jugendtag, der vom jüdischen Jugendbund Haschomer Hazair-Blau Weiß unter dem Ehrenschutz der Kultusgemeinde, der zionistischen Ortsgruppe und des Sportklubs Hakoah veranstaltet wurde, erfüllte auch wirklich aüe Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden. Samstag abends fand im großen Sitzungssaal der Kultusgemeinde ein zionistisches Meeting statt, mit dem die Tagung eröffnet wurde. Vizepräsident Kar! Schwarz, der das Meeling eröffnete, konnte einen überfüllten Saal begrüßen. in seiner Rede betonte er, daß die Grazer Judenschaft das Strehen unserer Jugend nach Verwirklichung unterstütze und warnte vor den Gefahren der Assimilation, denen nur eine starke zionistische Jugendorganisation entgegen wirken kann. Tür den Haschomer Hazair-Blau Weiß sprach dann Schulmann (Haifa), der die Ziele unserer Bewegung in einer eindrucksvollen hebräischen Rede darlegte und die Versicherung abgab, daß die Jugend die Hoffnungen, die die zionistische Bewegung in sie, als die Träger ihrer Verwirklichung, setze, erfüllen werde. Nach dem noch Alfred Weiß ftir die Grazer Jungzionisten die Tagung begrüßt hatte, erstattete F e n i g e r (Wien) einen Bericht über den Stand der zionistischen Jugendbewegung in allen Ländern. Am Sonntag morgens fand ein Propagandaaufmarsch der Schomer*Blau Weiß-Bünde von Graz und Wien durch die Straßen der Stadt statt, bei dem die frohen Jungen und Mädchen in ihrer schmucken Tracht dem zionistischen Oedanken neue Anhänger gewannen. Das Ziel des Aufmarsches war der Hakoah-Platz, auf dem eine Morgenhodaah, mit Begrüßungen, die den lebhaften V/iderhail zeigten, den der Jugendtag in der Grazer Judenschaft weckte, abgehalten wurde. Beendet wurde diese Veranstaltung mit einer Horrah. Der Nachmittag war internen Beratungen und der Besichtigung der Stadt gewidmet. Abends fand dann die große Akademie, wieder vor einem überfüllten Saal, statt. Eingeleitet wurde dieses Fest mit einer Rede des Präsidenten des zionistischen Landeskomitees, Dr. Oskar Grünbaum, der diese unproblematische, lebenstüchtige und tatkräftige Jugend, die Chaluzim, als das wirkliche Ziel der zionistischen Jugenderziehung darstellte und den Gegensatz zu anderen Bewegungen, deren nationalistisches Phrasentum nicht auf unsere Jugend übergreifen dürfe, aufzeigte. Die Rede wurde von den versammelten Gästen mit stürmischem Beifall aufgenommen. Es folgte nun die eigentliche Akademie, die geistreiche Unterhaltung mit ernstem jüdischen Kulturwüten verband. — Zum Abschluß des Jugendtageis fand Montagv vormittags das Jugendsportfest, verbunden put den Kämpfen um den «Dr Manka-Splegel-Prels», statt, in*denen die Grazer Jugend den Preis errang. An dieser Stelle muß auch die mühevolle Arbeit de» Grazer Vorbereitungskomitees erwähnt werden, da» di» Veranstaltung mustergültig organisierte. Der Jugendtag, der dem zionistischen Lehen in Gras neue und starke Impulse gab, hat da» Band unserer gemeinsamen Idee verstärkt und alle Beteiligten wünschen Isssen, den Kontakt zwischen den beiden Orten, der durch dl« Jugendbtlndc hergestelt wird, zu verstärken und auszubauen. Wieder sahen wir auch, wie befruchtend unsere chaiuzlsche Jugendbewegung auf das zionistische Leben unseres Landes wirkt und wie diese Jugend sich auch Ihrer Verantwortung für die Bewegung in der Galuth bewußt ist. Erfolgreiche Intervention der Jewish Agency für SowjetflüchtUnge •Jerusalem, 28. Mai, (J. T* A.) Nach Hmonatlger Irrfahrt durah Afghanistan, Persien, Irak und Syrien eind 12 Juden* die au» Sowjet-Buchara geflüchtet waren, In Peläetlna ein* getroffen und wurden im Hauptbüro der Jowiah Agency von Colonel Kisch empfangen. Sie dankten für die Intervention der Jewish Agency, durch die sie vor der Auslieferung Aue Persien nach Rußland bewahrt blieben. Antisemitismus In den sowjetrussischen Fabriken Moskau, 27. Mal. (J. T. A.) Angesicht» der Verstärkung der antisemitischen ßtrümung in den »owjetruaslaoben Fabriken, die besonder» darin »um Auadruok kommt, daß immer häufiger Mitglieder der komrounletischen Partei oder der Jungkommunietenilga an antlaemltiechen Verfolgungen und Ausschreitungen tellnahmen, beginnen die jüdischen Arbeiter aus eigenem Abwehrmaßnahmen au treffen. In vielen Fällen verlassen sie ihre Arbeitspläne, um anderwärts Arbeit zu suchen. Damit wollen sie erreichen, daß eine Anklage wegen „Industrieller Desertion“ gegen sie erhoben wird und sie anläßlich de» Prosa»»«» Gelegenheit haben« öffentlich Uber die Oründe, die eie »um Verlassen ihrer Arbeitsstellen bewogen haben, zu sprechen und gegen di« Fabriksbehörden Beschwerde zu führen. Das bisherige Ergebnis des Palästinadrives In Amerika New York, 26. Mai. (J. T. A.) Da« bisherige Brgebubl der amerikanischen Palä»tlnn.Kampagne beträgt 700.000 Dollar. In diesem Betrage ist die duroh den New Yorker Drive aufgebrachte Summe von 900,000 Dollar und das Ergebnis der von der Hadaasah im ganzen Lande durohgeftthrteA Sammlung von »00,000 Dollar roltlnbegrtffen. Vltlfi mm re«!| Ir Hebrälsohe Schreib ma«ohlnen-Arbeit u, Var« vielfältigen (auoh Deuteoh) «orpfKItlg und reell — XX., JägeretreB« Nr. 08

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