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Die Stimme · 1931-06-03 · Heft 178 (3.6.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 178 (3.6.1931)
Date
1931-06-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME . > r. 178 — 3. Juni HmI m Zwischen den Zeiten JOB* dev Opposition Jichte niemals darauf, was dir sagt die Exekutive, Ü9 illige nicht deren Handeln, auch wenn's gekrönt von Erfolg. 1'Chancellor will mit Weizniann schaffen die Legislative, Sßuntm sind die Allgemeinen, dumm ist das jüdische Volk. Zlend ist unsere Lage, schuld ist natürlich nur Weizmann. (führer Ist Jabotinsky und Robert Stricker der zweite, &roße Qehälter gibt man Beamten — mit Aufbau geizt man —• Haben nicht wir allein vorausgesagt stets die Pleite? tn Palästina beherrschen die Arbeiter alles, was wichtig, ff osef Sprinzak, Bin Gurion, Ben Zwl und wie sie noch heißen — Heiner von uns versteht das; wir wissen, daß es nicht richtig! JEaßt uns doch endlich die Herrschaft der Pioniere zerreißen! ytt acDonalds Brief ist ja schlimmer noch als das Weißbuch von Passfleld ytntürlich versteh'n sie ihn falsch, die dummen paar Optimisten. Oberstes unserer Gesetze: wer gegen Weizmann Haß fühlt, (faßt zur einzig richtigen Richtung der Revisionisten. C ttälend ist nur der Gedanke: Ihr gebt uns wenig Mandate, n edet Euch endlich ein, daß wir nur retten die Lage! find wir denn nicht die Elnz*gen, die reden vom jüdischen Staate? (Taten lassen wir andern, des Aufbaus Mühsal und PlageI UW Wie schwer ist die Arbeit der unproduktiven Kritiken! Vereinigt Euch endlich also, um uns zu unterstützen — Wisset: Revisionismus wird die Bewegung beglücken! X-mal sagten wlr*s schon, aber es wollte nicht nützen. Wes! Wir haben gelehrt Euch hundert Prozent Zionismus: Zflon wird auf erstehen nur dank dem Revisionismus! Sem Großfleischhauerei SIEGM. KORN MEHL Zentrale IX, Berggasse 19, r«>. A li-a-On. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für "ltl?3-Fleisch ■ uw-»» unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kaobiaat* der lirae- Utlschen Kultusgemeinde Wien Autosueteiiung xoiientot IX, Berfgasse i XVili, WShrfnererstrafie 79 kommen und Uber die «Politische Lage» 2U sprechen. Ein bereits festgesetzter Termin mußte auf den 31. Mai verschoben werden und das Landeskomitee meinte, daß das Meeting am besten am 31. Mai in Anschluß an den Her2l-Qrabgang stattfinden solle. Niemand hat hierbei Nebengedanken gehabt, mit Ausnahme der Opposition natürlich. Als die in der «Neuen Welt» angeführten Briefe der beiden Verbände an das Landeskomitee gelangten, war von London aus die telegraphische und schriftliche Absage Brodetskys bereits unterwegs. (Wir verweisen auf die vorige Nummer der «Stimme». Die Red.) Man stelle sich nun aber vor, welcher Terror hier inszeniert werden sollte. Herr Oberbaurat Stricker und sein Anhang verlangten die sofortige Abberufung der Versammlung, verwiesen auf eine «große Erregung» In Zionistenkreisen — die Volksseele kochte also, wie man sagt —, und machten das Landeskomitee «für alle Vorfälle verantwortlich». Offenbar Heß der Ruhm der polnischen Revisionisten die Wiener Revisionisten nicht ruhig schlafen, sie wollten auch einmal eine Versammlung sprengen. Warum soll es ln einer jüdischen Versammlung nicht auch weiße Mäuse, Gummiknüttel, Stinkbomben und Sprengkolonnen geben? Durch die zufällige unvorhergesehene Verhinderung Prof. Brodetskys ist nicht festzustellen, ob es die Wiener Opposition tatsächlich gewagt hätte, die angedrohte Sprengung der Versammlung durchzuführen. Die Opposition möge aber davon überzeugt sein, daß das Landeskomitee vor dem Terror nicht zurückgeschreckt wäre und es darauf hätte ankommen lassen, Ob die Opposition ihre Drohungen in die Tat umsetzen würde. Wir hätten der Opposition die Beantwortung der Frage überlassen, ob im Zionismus schon derartige Kampfmethoden erlaubt sind, ob wir schon so tief gesunken sind, daß ein Mitglied der Exekutive, das in dieser Eigenschaft eine Rede halten will, am Sprechen gehindert und eventuell insultiert wird. Der Gang zum Örabe Herzls findet sein, Ende mit dem Verlassen des "rHiEKöfes und es wäre jedem Zionisten freigestanden, USuttfan vom Landeskomitee veranstalteten Meeting zu gehen oder nicht. Die Opposition hätte Gelegenheit gehabt, sich nach dem Grabgang zu entfernen und nach Hause zu gehen. Das hätte man allenfalls noch als würdige Demonstration gegen Brodetsky verstehen können. Die Tatsache aber, daß es die Revisionisten waren, die ihre militanten außenpolitischen Methoden Leben und seinen Fragen gegenüber übereinstimmten.r Und irgendwie prophezeite er in ihnen seine eigene Zukunft und verwirklichte wieder seine Romane in seinem Tun. Der gleiche Geist der Sehnsucht nach.orientalischer Märchenferne, die sich in seinem «David Alwy» oder «Tancred» ausspricht, zeigt sich auch in seiner Politik, die dahin zielte, seine Königin zur Kaiserin Indiens zu machen; sein Ehrgeiz, seine;Zukunftspläne, finden ihren Ausdruck in «Vivian Qrfiy» und «Contarini Fleming», seine Bestrebungen auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet in «Conigsby» und «Sybil oder zwei Nationen» usw. Seine schriftstellerische,Tätigkeit hat ihm viel Feindschaft und Verachtung .zugezogen. Dennoch ist er ihr treu g&bjieben, weil er aus einem inneren Bedürfnis heraus schrieb. In Djsraelis Leben spielen Frauen eine große Rolle, wenn auch nicht die erste und grundlegendste. S|e sind ihm Helferinnen, Freundinnen, aber immer fühlen sie seine Ueberlegenheit und dienen ihm. Frauen sind es, die seine Persönlichkeit zuerst erkennen und anerkennen, die für die Verbreitung seiner literarischen Werke sorgen, die ihn in die Gesellschaft einführen und ihn im Wahlkampf unterstützen. Da ist zuerst seine Schwester Sarah, der er alles erzählt, die ihn versteht und Leid und Freud mit ihm teilt; und dann Mary Ann, seine Gattin, die Witwe seines Freundes. Sie ist um zwölf Jahre älter ais er, sie gilt als dumm und beschränkt und dennoch heiratet er sie, weil er ihren praktischen Sinn erkennt ijrid weil er bei ihr die treue Zärtlichkeit findet, die er braucht, um glücklich zu sein, die restlose Hingabe an ihn und seine Lebensaufgaben. Auch die Königin, der er diente, fühlte die überlegene Macht seines Geistes und fügte sich in allen politischen Fragen seinen Wünschen. Nicht plumpe Schmeichelei war es, dje sie für ihn gewann, wie seine Feinde behaupteten und immer noch behaupten, sondern die Tatsache, daß er die Königin verstand, weil er die Menschen kannte und gerade ihr in vieler Beziehung geistesverwandt war. - So ist denn Triumph und Verkennung in dem Schicksal des Menschen Disraeli aufs engste miteinander verknüpft. Und trotz aller Erfolge, trotz allen Glanzes; der seinen Namen umgibt, erkennen wir in ihm auch die kämpfende, leidende Persönlichkeit ln Oesterreich auch gegen ein Mitglied der Exekutive ln Szene setzen wollten, sei für alle Zelt hier festgenagelt. Ich hoffe und wünsche, daß die ruhigen Elemente auch bei der Opposition die Ueberhand gewinnen werden und daß diese traurige Verrlrrung endgültig der Vergangenheit angehört. «Zurück zu Herzl» Ist die Wahlparole der Revisionisten. Aber zu Herzls Zeiten arbeiteten die Zionisten nicht mit Terror und njeht mit Warschau, 28. Mai. (J. T. A.) Die gegenwärtig in ganz Polen vor sich gehenden Wahlen in die Verwaltungskörperschaften der jüdischen Gemeinden nehmen das stärkste Interesse der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit in Anspruch. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf den Ausgang der gestern durchgeführten Wahlen in die jüdische Gemeinde der polnischen Hauptstadt Warschau. Wider Erwarten war die Wahlbeteiligung in Warschau verhältnismäßig schwach. Nur 32 Prozent von der Gesamtheit der 69.431 Wahlberechtigten schritten zur Urne. Das Ergebnis der Wahl ist folgendes: Die Agudas Jisroel errang 19, die Zionisten erhielten 12, Misrachl 4, die Partei der Unparteiisch- Kranke Frauen erfahren durch den Gebrauch des natürlichen «Franz-Josef»-Bitterwassers ungehinderte, leichte Darmentleerung, womit oft eine außerordentlich wohltuende Rückwirkung auf die erkrankten Organe verbunden ist. In Apoth. u. Drog. erhältl. Religiösen 3, die Polen mosaischer Konfession 2, die Demokraten 2, die Gruppe der Grodzisker Chassidim 2, die von Prilucki geführte Jüdische Volkspartei (Folldsten) 2 Mandate, die Linken Poale Zion, der Verein Chesed schel Emes, die Altstadtgruppe, die Gruppe der Hauswirte erhielten je 1 Mandat Die Agudas Jisroel hat gegen früher 2 Mandate gewonnen, die Zionisten haben 2 Mandate verloren. Ebenso verzeichnen Misrachl und Linke Poale Zion Verluste von je 1 Mandat Insgesamt gelangen 50 Mandate zur Verteilung. Nach dem jetzigen Wahlausgang verfügt keine Partei samt ihrem Splitteranhang über eine absolute Majorität, so daß verschiedene Kombinationen bezüglich der Bildung von Koalitionen bestehen. Resultate aus der Provinz Wariohau, 29. Mal. (J. T. A.) Bol der Neuwahl der Vertretung der jüdischen Gemeinde in Lublin errangen dlo Zionisten 6 Mandate, die Aguduh 6. die Folklaten 3, dlo Handwerker 3, der Misrachl 1, die Unparteiischen Chaasldlm 8, die Kleinhändler 1 und die Linken Poale Zion 1 Mandat. Aus Radom wird folgendes Wahlresultat gemeldet: Zionisten 6, Agudah 9, Handwerker 4 Mandate. In K1 e 1 c e erhielten der zionistisch.mlsrachlstlsche Block, die. Agudah uijd die Unparteiischen Chassldim je drei Mandate, die Kleinhändler 1 und dlo Handwerker 2 Mandate. Dlo neue Gemeindevertretung zählt Insgesamt 9 zionistische oder dem Zionismus nahestehende Mitglieder. GunimiknUtteln. «Zurück zu Herzl» sollte endlich such die Losung der Opposition sein, zurück zu Herzl, der nach dem Erscheinen des «Judenstaates» mit dem Baseler Programm einverstanden war, das den Revisionisten nicht mehr gut genug ist. Und so bringen uns die Revisionisten ein sonder« bares Programm und sonderbare Methoden. Die Zionisten der Tat und nicht die Zionisten der großen Worte werden mit dem Stimmzettel die richtige Antwort geben. In Lodz hatten 20 verschiedene Gruppen WahlVoV» »chläge eingebracht. Am Abend des Wahltages verbreitete sich das Gerücht, daß zahlreiche Mißbräuche bol der Abstimmung vorgekommen seien. Vielen Personen sei, als sie ihr Wahlroht ausüben wollten, erklärt worden, daß eohon eine andere Person auf ihren Namen die Stimme abgegeben habe. Bel der Eröffnung der Sitzung der Wahlkomraleslon, in der das Skrutlnium vorgenommen werden sollte, erklär« ton die Vertreter der Zionisten, Folkisten und Unparteiischen, daß sie wegen der vorgekommenen Wahlmißbräuche das Wahlresultat nicht anerkennen und bei der KrelsbehOrde die Annullierung der Wahl fordern würden. Als es eich im Verlauf der Stimmenzählung herausstellte, daß tatsächlich Unregelmäßigkeiten erfolgt waren, wurde da« Skrutlnium abgebrochen und die Sitzung der Wahlkommlsalon vom agudlßtlschon Vorsitzenden geschlossen. Ein gesetzlicher Feiertag zur Erintierung.au die Ver* treibung der jüdischen Marktleute in Mexiko Mexiko City, 28. Mal. (J. T. A.) Der Verband der mexikanischen Kleinhändler hat für Montag, den 1. Juni, eine Massenversammlung gegen die jüdlsohen Händler naoh Mexiko City einberufen, an der etwa 40.000 Mexikaner teil« nahmen werden, um dem Präsidenten der Republik* Rublo» öffentlich ihren Dank für seine Unterstützung der mexikanischen Kleinhändler ln ihrem Kampf gegen die jüdlsohen Händler auszuaprechen. Die Tatsache, daß der Präsident nicht nur die Abhaltung dieses Massenmeetings genehmigt, sondern auch seine persönllohe Teilnahme zugesagt hat, hat in den Kreisen der jüdlsohen Bevölkerung Mexikos größte Beunruhigung und Bestürzung hervorgerufen. Der Präsident hat ferner soine Zustimmung dazu gegeben, daß der 1. Juni zur Erinnerung an die Vortreibung der jüdischen Händler von den öffentlichen Märkten zum gesetzlichen Feiertag erklärt werde. Unsere geehrten Leser werden atif das Inserat der Fein- Waschanstalt «Habsburg», Zentrale: VI., Wällgasse Nf» 4 (Seite 1) aufmerksam gemacht. Die Firma ist als einzig« dieser Branche Mitglied der Rabattsektion des Keren Kalt* meth, und die Mitglieder dieser Sektion genießen bei Ba* Stellung den üblichen Rabatt. I Denket an die Krawalle an I der Handelshochschule! ■ unentgeltliche0 Stellenvermittlung I der Hakoah I Wer ausgebildetes, iQohtlges und diszipliniert«» P«r» I sonal aller Art und aller Branohen braucht, wend« ■ »loh an die ■ HAKOAH, I.. Wleslngarelr, 11 ' Tel. R.2S-CM0 I mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmern Die jüdischen Gemeindewahlen in Warschau Schwache Beteiligung, starke Stimmenzersplitterung — Kleine Gewinne der Agudah, kleine Verluste der Zionisten

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