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Die Stimme · 1931-05-28 · Heft 177 (28.5.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 177 (28.5.1931)
Date
1931-05-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 177 — 28. Mai 1931 OIE STIMME Saite 7 Der We4 nn IntnirrunU Verwirrung herrscht in zionistischen Reihen. Ein Chaos, ein Tohuwabohu. Losungen, Meinungen, Kombinationen und Kompositionen ohne Ende. Quot capita, tot menses. Wir sind mit Zionismen gesegnet. Wir haben einen demokratischen, einen radikalen, einen revisionistischen, einen linken, einen rechten und Gott weiß was noch für einen Zionismus. Wir haben aber alle diese Zionismen satt. Als Herzl die Organisation schuf, gab es nur einen: den reinen, unverfälschten, adjektivlosen Zionismus. Aber Herzl ist tot. Und wie oft wird sein Name mißbraucht von denjenigen, die behaupten, seine alleinigen Erben zu sein. Heißt denn nicht Zionismus: Streben nach Aufbau des jüdischen Landes durch das jüdische Volk und für das jüdische Volk? Die allgemeinen, die «Stam»-Zionisten, die Zionisten ohne Adjektiv und ohne Nebenbei-ldeologie, haben immer so und nicht anders unsere Volksbewegung verstanden. Sie haben in den schwersten Zeiten alle Lasten und die ganze Verantwortung getragen. Niemals waren sie in der vorteilhaften Lage der Opposition, niemals haben sie mit billigen Argumenten und Phrasen gearbeitet. Worte haben andere geschleudert — die allgemeinen Zionisten haben gearbeitet. Sie waren immer das Fundament unserer Weltorganisation, sie sind heute die Stütze der Bewegung. Sie werden immer den Hauptstock des Zionismus bilden. Es gibt Männer der Tat und solche des Wortes. Es gibt auch Gruppen im Zionismus, die nur fruchtbringende Arbeit anerkennen, und solche, die sich an schön klingenden, jedoch leeren Phrasen berauschen. Wer ernst und sachlich denkt, wer weitblickend und politisch geschult ist, wer noch nicht vom Phrasendreschen verwirrt ist, wer mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele Zionist ist, der weiß, daß die vielgeschmähten, oftbeschimpften, grundlos bekämpften und rücksichtstos beleidigten allgemeinen Zionisten der wichtigste Teil unserer Bewegung sind; der wird auch bei den Wahlen zum XVII. Kongreß seine Stimme für die Xisle der Jltff&emeinen Zionisten, Sistenfütkrev Ar. Cstkar 9rünftauvn, abgeben. Im Zuge der Renaissance Von Samu H a 1 p e r n. Unser Sehnen nach Palästina hat hauptsächlich zwei Bestrebungen zum Ziel, die allerdings eng miteinander verbunden sind. Unser Streben, in Palästina nach jahrtausende iangCr Zerstreuung eine nationale Heimat zu finden, die eine nationale und kulturelle Entwicklung des jüdischen Volkes auf eigenem Boden ermöglicht und fördert, ist eng mit der realen Forderung verknüpft, das anormale wirtschaftliche Leben der Diaspora, das seinen Hauptausdruck darin findet, daß sich die Juden in ihrer wirtschaftlichen Betätigung immer mehr von der Urproduktion entfernen, allmählich umzugestalten und zu ändern. Palästina als Land der jüdischen Bauern und Arbeiter ist sicherlich geeignet, auch die Diaspora in dem Sinn der produktiven Arbeit und Rückkehr zu den sogenannten Mittelstadien zu beeinflussen. Daß Palästina selbst diese Rückkehr zur normalen wirtschaftlichen Betätigung mitmacht und seine jüdische Bevölkerung in Berufen tätig ist, die das sind, was man in der Oekonomie als „gesunde“ bezeichnet, das lehren uns die später folgenden Zahlen. Zahlen sind trocken, aber dennoch geeignet, den zu belehren, der lernbegierig ist. Und angesichts des schweren Kampfes, den unser Werk in Palästina gerade in den letzten Zeiten mitmaohen muß, ist es doppelte Schweix — Orlndclwald — Berner Oberlead Inmitten der lmpo«*nte»ten Qebirgewelt HOXEL SILBERHORN, Tel 79 Vorstügliobn Verpflegung, müßig* Preise - Gleiche« Beos: Zoetmo Pension Villa Montana Saison: Februar bis Juni, September bis November — Bes Frau F. Kahn Pflicht, unsere Augen und Herzen offen zu halten und immer wachend die Entwicklung des jüdischen Palästina ln jeder Hinsicht zu verfolgen. Im März 1930 nahm die Histadruth (Arbeiterorganisation) zusammen mit der Jewish Agency eine Zählung der jüdischen Arbeiter in den Städten, Privatkolonien und selbständigen Arbeiterwirtschaften vor, und es wurden zirka 90 Prozent aller Arbeiter erfaßt. Es wurden gezählt in den Arbeiter Arbeiterinnen Städten. 11.732 4.343 Privatkolonien. 6.323 1.412 Selbst. Arbeiterwirtschaften . 1.846 1.654 Insgesamt . 14.901 " 7.449 Diese 27.310 Arbeiter und Arbeiterinnen bilden mit ihren 18.000 Kindern gegen 58.000 Familien, das ist zirka ein Drittel der gesamtjüdischen Bevölkerung Palästinas. Nach Berufen verteilt sich die jüdische Arbeiterschaft folgendermaßen: Landwirtschaft. . 8.633 31.6% Industrie, Bauten und Handwerk 8.794 32.2% Transportwesen, Handel und Versicherung .... . 1.492 5.5% Beamte im Handel u. freien Berufen 6.365 23.3% Hauspersonal . . 1.779 6.5% Verschiedene ...... 247 0.9% M,"er ""1ÜUÄ ' Schon aus diesen Zahlen ersehen wir, daß -icht weniger als zwei Drittel der jüdischen Arbeiterschaft in richtigen Bauern- und Arbeiterberufen tätig sind. Noch mehr verschiebt sich das Bild zugunsten unserer palästinensischen Arbeiterschaft, wenn wir die Prozentzahl der Juden ln den Vier Ländern Palästina, Polen, Rumänien und Ukraine, also Ländern jüdischer Massensiedlung (von Amerika abgesehen) betraohten. Von städtischen Arbeitern waren beschäftigt (N iss Juden, NJ cs Njchtjuden): PtlUttat PölM Bam&aion Ukrtto* P IO* nt Bauarbeit J- 30.0 2.9 7.3 1.0 NJ. — 8.1 15.5 4.3 Metallindustrie J. 17.3 5.9 9.6 17.8 NJ. —. 13.6 17.6 25.8 Holzindustrie J. 8.6 5.8 7.4 5.5 NJ. 8.5 15.5 3.1 Bekleidung J. 8.2 43.6 54.7 14.5 NJ. — 9.5 21.6 1.1 Nahrungsu. Genuß. J. 7.9 12.5 7.7 16.6 NJ. — 10.1 12.4 6.2 Druck und Papier J. 6.7 3.4 2.1 9.4 NJ. — 2.6 2.7 1.5 Textil J. 4.7 13.7 5.9 4.2 NJ. — 20.1 4.6 1.5 Steinu. Mineralind. J. 4.7 0.6 0.3 1.9 NJ. — 5.1 2.7 2.8 Lederindustrie J. 4.6 5.1 3.3 13.3 NJ. — 1.3 3.1 2.8 Gas, Elektrizität J. 2.8 0.1 — 1.5 NJ. — 1.2 — 6.4 Chemische Industrie J. 1.2 1.3 0.6 1.2 NJ. — 2.4 3.0 0.7 Bergwerke J. — 1.5 — 0.1 NJ. — 14.0 — 25.9 Kleineres Handwerk J. 3.3 3.3 1.1 13.0 NJ. — 3.5 1.3 17.9 Während von arbeitenden Juden außerhalb Palästinas im Baugewerbe in Polen kaum drei Prozent, in Rumänien sieben Prozent und in der Ukraine gar nur ein Prozent tätig waren, sind in Palästina in diesem Berufe nicht weniger als dreißig Prozent der jüdischen Arbeiter beschäftigt. Aehnlich verhält es sich in anderen Berufen, die in der Qaluth wenig Juden beschäftigen und im Lande ein stärkeres Eindringen der jüdischen Arbeit auch in diesen Berufen zu konstatieren ist. Interessant ist die Entwicklung in der Bekleidungsindustrie, wo eine umgekehrte Entwicklung zu verzeichnen ist. Von den 27.310 statistisch erfaßten Arbeitern waren 20.165 (74 Prozent) in der Histadruth organisiert. Die am stärksten gewerkschaftlich erfaßten Gruppen sind: Landwirtschaft!. 77 Prozent, Textil 75 Prozent, Bau 74 Prozent, Bahn und Post 08 Prozent, Metall 67 Prozent und Druckereien und Papierbranchen 64 Prozent. ♦ Das Hauptbureau des K. K. L. in Jerusalem hat ein dünnes Bändchen erscheinen lassen; es umfaßt nicht mehr als 26 Seiten, aber sein Inhalt ist trotzdem aufschlußreich. Nach dem Muster des Wiener Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums und dessen Bildstatistik wurde eine Menge wissenwertes Material über Palästina in diesem unglaublich knappen Raum zusammengetragen und bildlich veranschaulicht. Da erfahren wir zum Beispiel viel über die Bodenverhältnisse. Nach den Berichten der verschiedenen königl. britischen Fachleute muß bekantlich den Arabern der Boden erhalten werden, da der vorhandene Boden angeblich nicht ausreicht, wenn nicht die Chaluzimeinwanderungen gesperrt werden und dem K. K, l. jeder Bodenankauf untersagt wird. In Wahrheit gibt es Boden genug. Vor allem nicht weniger als 11,350.000 Dunam, der zur Bearbeitung noch nicht geeignet ist. Aber außer diesen Boden gibt es volle 5,000.000 Dunam, fruchtbarer aber unbearbeiteter Boden. Bearbeitet eind im ganzen 6,000.000 Dunam. 2,000,000 Dunam Weideland und 630.000 Dunam Wälder und Haine ergänzen die Bodenstatistik. Wir erfahren aus diesem Heft auch die Entwicklung des jüdischen Bodenbesitzes. 1903: 202.837 Dunam; 1913: 389.821 Dunam; 1923: 750.392 Dunam und 1929: 1,215.000 Dunam. Diese 1,215.000 Dunam jüdischen Besitzes verteilen sich auf folgende Eigentümer: K. K. L. 295.000 Dunam P. f, C. A. 374.000 Dunam Privatbesitz . 546.000 Dunam Zum Schluß noch eine Zahl über die Entwicklung des Orangenexportes seit 1889. Er ist im ständigen Wachstum begriffen: 1889: 106.000 Kisten; 1912: 1,418.000 Kisten, 1919 : 647.000 Kisten; 1922: 1,239.000 Kisten; 1925: 1,868.000 Kisten; 1927 : 2,658.000 und 1929: 2,700.000 Kisten. So gibt uns das kleine Büchlein Aufschluß über vieles in Palästina. Dem Verfasser J. Zimon gebührt Dank für diese Arbeit. Der bilige Preis (2 Schilling) macht es jedem Freund unseres Renaissancekampfes leicht, sich über die Verhältnisse in Palästina zu informieren. Je mehr Interesse wir unserer Sache entgegenbringen, um so schwieriger wird es unseren Feinden sein, unsere Bestrebungen zu durchkreuzen. Sonderbare Werbearbeit Herr Oberbaurat Stricker ließ sich für sein Blatt einen überschwänglichen Bericht über seine Triumphe in Bielitz einsenden. Wir halten es daher für unsere journalistische Pflicht, einen anderen — vielleicht autoritativeren — Bericht abzudrucken^ den das offizielle zionistische Organ in Bielitz, «Jüdisches Volksblatt», über die revisionistische Reise des Neurevisionisten in einer der letzten Nummern bringt (Red.). Aus Gründen zionistischer Gemeinbürgschaft, die den Mut zur Großmut zu finden weiß, möchte man R. Strickers Vortrag: «Die Wahrheit (1!) über die gegenwärtige politische Lage im Zionismus» fürwahr nicht mit scheltenden Worten bereden — allein es fällt verflucht schwer, Schweigsamkeit oder Zurückhaltung zu üben, denkt man an die bei diesem Anlaß zusammengebrauten Plattheiten und die ungehemmte Bedenkenlosigkeit in den Methoden des Wähierfanges für den bevorstehenden Kongreß. Zu einer ehrlichen und sachlichen Auseinandersetzung gehört eine gewisse Uebereinstimmung des geistigen und sittlichen Niveaus, eine Uebereinstimmung der von beiden Seiten anerkannten moralischen Voraussetzungen: des Verantwortungsbewußtseins, der Voranstellung gemeinsamer Interessen der Bewegung, des geschärften zionistischen Gewissens. — Auswüchse aber einer niveaulosen und trivialen Polemik verdienen nur — niedriger gehängt zu werden. Mit dem edlen Feuergeist wladhrrit Jabotinsky kann man in ritterlicher Art die Klingen kreuzen, den neo-revisionistischen Wortführer, Robert Stricker — nur in seine Schranken zurückweisen, wenn er seine sattsam bekannte Wühlarbeit in der Wiener zionistischen Organisation auch auf das deutsch-sprechende Polen auszudehnen gedenkt. Jabotinskys Revisionismus ist das heroische, wenn auch plötzlich verfehlte, Vabanquespiel von Menschen, die nicht einsehen wollen, daß ihr angepriesenes AH-Heilmittel, die Waffe der Jericho-Trompeten, für die Bewältigung der realen Schwierigkeiten des Palästinaaufbaues auf die Dauer nicht ausreicht und daß sie durch ständigen Gebrauch in ihrer Wirkung abstumpft. Strickers frischgebackener Revisionismus ist die reine, nichtssagende Negation, ist eine, vielleicht unbewußte, Minierarbeit gegen die grundlegenden finanziellen Instrumente unserer Aufbauarbeit. Das prominenteste Mitglied der Radikalen, Dr. Nahum Goldman, noch vor kurzem der trutzigste Kampfgenosse Strickers, konnte nicht umhin, als er nur etliche Wochen mit den Realitäten der Politik in Berührung kam, dem verdienstvollen Führer Dr. Weizmann den Tribut schuldiger Anerkennung zu zollen — Herr Stricker hingegen leistet sicn das Bravourstückchen, ihn als armseligen Kompromißmeier zu beschimpfen, der den Juden bloß das lumpige Geld äbzuknöpfen verstehe; er steht auch nicht an, mit viel Worten und wenig Witz die zionistischen Aemter dem Volkszorn zu denunzieren und einen Platzregen von Segnungen und Wonnen für den Fall seines Sieges zu prophezeien. Solche Versprechungen sind bekanntlich wohlfeil wie Brombeeren und werden von jedem Urteilsfähigen auf das richtige Maß zurückgeführt. Aber zarten Jünglingen Im Pubertätsalter kann man noch weismachen, daß es der zionistischen Weisheit letzter Schluß ist, «unsere Freunde, welche die gegenwärtige Leitung stumm gemacht hat, zum Reden zu bringen». Mit Reden und Sympathiekundgebungen unserer Freunde könnte man ganze Bibliotheken füllen. Niemand hat übrigens stärker als die gegenwärtige Exekutive, den Zusammenhang des Zionismus mit allen Freiheitstendenzen gefördert; niemand aber hat mehr als die militanten Revisionisten den Zionismus durch Rückfall in reaktionär-nationalistisches Wortgeschmetter diskreditiert. Die Bielitzer Judenheit, die die mühe- und dornenvolle Aufbauarbeit der stammzionistischen Organisation seit über 30 Jahren stützt und würdigt, läßt sich nicht von falschen Propheten am Gängelband führen; sie wird auch nicht aen Gefallen tun, ihnen wie ein hypnotisiertes Huhn zu Füßen zu liegen. Der politisch reifen und disziplinierten Bielitzer Judenheit brennt die Not der Gegenwart, der gegenwärtigen Palästina-Siedlung auf der Seele — sie fragt, unbekümmert um die Pilpulistik über die letzten, heute noch unübersehbaren Dinge, zunächst, was morgen und übermorgen zu geschehen hat — sie fühlt es vor allem lebendig, daß durch unverantwortliche Selbstzerfleischung alles in Frage gestellt werden kann, was jahrzehntelang mühselig gepflanzt wurde. Durch ihre auffallend schwache Teilnahme am Vortrag hat sie den Beweis erbracht, daß sie der „aflemseligmachenden Kirche» im Zionismus fernsteht und nicht geneigt ist, vor läppischen Soldatenspielereien auf und außerhalb der Rednertribüi:-:!?n eitel Bewunderung zu ersterben . . . Sie wird es wohl verstehen, daß man gegen diese Art von «zionistischer Aufklärungsarbeit» mit sachlichen Argumenten allein nicht aufkommen kann und daß ein offensichtlicher Unfug eingedftmmt werden muß. Defizit im Regierungsliaushalt Palästinas Jerusalem, 20. Mai (J. T. A.) Wie die Palästina-Regierung offiziell mitteilt, haben die Ausgaben der Regierung iin Jahre 1830 die Einnahmen um 146.959 Pfund überstiegen.

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