Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1931-05-28 · Heft 177 (28.5.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 177 (28.5.1931)
Date
1931-05-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053911-3053931--2366-3057789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 DTE STOWE Nr. 177 — 28. Mai 1931 Zionisten! Gebt dem Keren Kajemeth Adressen von jüdischen Familien bekannt (Hochzeiten, Bar Mizwah u. dgl.). Führet bei diesen Gelegenheiten Sammlungen für den Keren Kajemeth durch! 5355 den. wohlweislich hüten, unseren friedfertigen Aufbau mit einem fluchbeladenen Kriege, dieser Geißel der Menschheit, zu vergleichen. Auch dem opferfreudigsten Volke darf nicht ein hundertjähriger Krieg zugemutet werden, wenn es nicht verzagen soll. Die Welt hat an einem vierjährigen auch übergenug gehabt. Es ist übrigens unrichtig, daß im Weltkriege die europäische Arbeiterschaft ihre sozialpolitischen Forderungen zurückgestellt hat. Sogar im damaligen reaktionären Oesterreich wurden der Arbeiterschaft während des Krieges bedeutende soziale Zugeständnisse (z. B. der § 1154 b) gemacht, um sie günstig zu stimmen. Ist es vernünftig, geradejetzt, wo wir alle unsere Kräfte für den Aufbau konzentrieren sollten, gegen unsere Arbeiterschaft Sturm zu laufen und so erst recht einen verschärften Klassenkampf zu provozieren? Hierbei darf aber auch nicht vergessen werden, daß sich die palästinensische Arbeiterschaft, vom Mangel einer sozialen Gesetzgebung abgesehen, mit einem Lebensstandard und mit Reallöhnen begnügen muß, die keinen Vergleich mit den meisten Ländern Europas aushalten, Sie muß erst die Arbeit erobern und hierbei mjt dem bedürfnislosen, zumeist auf einen kleinen ländlichen Besitz gestützten arabischen Arbeiter konkuricren. Die jüdischen Arbeiter haben wahre Pionierarbeit geleistet, indem sie allzu oft unter unmenschlichen Verhältnissen und unter Opferung ihrer Gesundheit und ihres jungen Lebens, malariaverseuchte Sümpfe austrockneten, in der sonnverbrannten Wildnis Straßen bauten und steinbedeckten Wüsteneien urbaren Boden abtrotzten. Wenn es gelungen ist, die hebräische Sprache in Palästina zur Sprache des Alltags zu machen und den Stempel unseres nationalen Lebens dem Lande aufzudrücken, so ist das in ersterReihe ihrVerdienst. Wenn die arabischen Pogromhorden ihr Ziel, den jüdischen Jischuw und unsere schwer errungene Position im Lande zu vernichten, nicht erreichten, so haben wir es zum Großteile, wenn nicht zur Qänze der aufopfernden Tapferkeit und todesmutigen Entschlossenheit des jüdischen Arbeiters zu verdanken. Diese Arbeiterschaft — man mag sich mit ihren sozialen Ideen identifizieren oder nicht — hat im wahrsten Sinne des Wortes Blutzeugenschaft für ihre nationale Gesinnung abgelegt. Sie zeichnete-sich immer durch ein nationales Verantwortungsgefühl und einen politischen Ernst aus, die auch für ihre Angreifer beispielgebend sein könnten; sie ist auch besonnen, selbst zuwissen, daß während des Aufbaues. ein rücksichtsloser Klassenkampf unmöglich und verderblich sei. Diese Arbeiter als engherzige Klassenegoisten, die nur auf ihre Interessen bedacht sind, hinstellen zu wollen, ist eine krasse Undankbarkeit. Da aber Druck Immer Gegendruck hervorruft, so ist gerade ein zionistischer Faschismus dazu geeignet, die Arbeiterschaft zu radikalisjeren und dem Kommunismus, der bisher in Palästina nicht Fuß fassen konnte, zuzutreiben. Es wird von der palästinensischen Arbeiterschaft verlangt, ihre Gewerkschaften sollen «unpolitisch* werden. Gibt es aber überhaupt unpolitische Gewerkschaften und werden die von den Revisionisten nunmehr zu bildenden Konkurrenzgewerkschaften unpolitisch sein? Können etwa die z. B. bei uns ln Oesterreich von der Heimwehr unter derselben Parole geschaffenen «unabhängigen Gewerkschaften* als unpolitisch betrachtet werden? Hier, wie überall hat der Ruf nach «unpolitischen» Gewerkschaften offenbar anderen Zweck, als die Schaffung eigener, ebenso politischer Organisationen, die lediglich eine Schwächung der Arbeiterschaft herbeiführen, zu rechtfertigen. Eine einheitliche und starke jüdische Gewerkschaftsorganisation liegt aber auch in unserem nationalen Interesse, weil nur sie der gefährlichen Bevorzugung arabischer Arbeit seitens eines Teiles der Kolonisten und industriellen Unternehmer entgegenzutreten in der Lage ist. Die Schaffung neuer miteinander konkurrierender Berufsorganisationen hetzt die so gespaltene jüdische Arbeiterschaft in einen gegenseitigen, brudermörderischen Kampf hinein, der unser Ansehen in Palästina äußerst beeinträchtigen muß. Auch das Verlangen, etwaige soziale Kämpfe ausnahmslos durch verbindliche Schiedssprüche entscheiden zu lassen, ist in Palästina derzeit schon aus dem Grunde undurchführbar, weil hierzu/ der Machtspruch einer Gesetzgebung notwendig ist, auf die uns fast jeder Einfluß versagt ist. Bisherige Versuche, soziale Streitfälle durch f r e io^oo^oooewwooooooowooooooooeoow Huthaus „SÖBEL“ II., Glockenaasse Nr. 10 veranstaltet einen billigen Serienverkauf von Herrenhttfen zum Preise voii S 5*—, 7*— und 9*—-. Neueinftihrur&g: Krawatten in ajlen Modedessins von S l*— und S 3v- Markenhüte au den billigsten Preisen <>OCK><XH><XKKJ»09<>00<K^>0<>W<>O0©O000«!<?Q00<><> willige Schiedsgerichtsbarkeit zu schlichten, sind bekanntlich allzu häufig gerade an der unnachgiebigen Haltung der Unternchmer gescheitert. Wenn der Arbeiterschaft zum Vorwurf gemacht wird, daß sie «sozialistische Experimente* unserer Kolonisation aufzwinge, so muß auch der sonst privatwirtschaftJich Eingestellte nach näherer Betrachtung der obwaltenden Umstände zugeben, daß eine jüdische Landwirtschaft in Palästina nur auf kollektiver Grundlage aufgebaut werden kann. Der nach kapitalistischen Methoden wirtschaftende Kolonist ist erfahrungsgemäß nicht davon abzubringen, den billigen arabischen Arbeiter zu beschäftigen. Die Folge davon Ist, daß der. jüdische Boden einem jüdischen Besitzer, aber gleich*.. zeitig vielen Arabern Existenzmöglichkeiten bietet. So kann aber nurein arabisches und nichtein jüdisches Palästina aufgebaut werden. Die so viel geschmähten kollektivistischen Methoden sind uns also in erster Reihe von unseren nationalen Interessen aufgezwungen worden. Gegen eine Privatinitiative, die mit unseren nationalen Bestrebungen im Einklang steht, hat die Arbeiterschaft nie etwas einzuwenden gehabt. Bei der Beurteilung des faschistischen Revisionismus darf auch nicht über die von seinen Anhängern in der letzten Zeit zur Anwendung gebrachten, bei uns bisher ungewohnten Kampfmethoden hinweggesehen werden. Wenn gehässige Verratsverdächtigungen, öffentliche Beschimpfungen, körperliche Mißhandlungen Andersdenkender und Sprengung gegnerischer Versammlungen zum täglichen Rüstzeug des inneren Kampfes gemacht werden sollten, so bedeutet das eine Verwilderung unserer politischen Sitten, die unsere Sache herabwürdigt Wenn unsere Nationalversammlung in Palästina gesprengt und als «Rumpfparlament» bezeichnet wird, (welch auffällige Analogie mit Deutschland!) so wird damit den Arabern und der palästinensischen Regierung ein Schauspiel geboten, das sicherlich nicht zur Stärkung, unserer Position beiträgt Wenn aber . gar von einer zionistischen Gruppe England gegenüber die offizielle Erklärung abgegeben wird, daß die schwer um unser Recht ringende Leitung unserer Weltorganisation nicht befugt sei, mit der englischen Regierung zu verhandeln und daß der zukünftige Kongreß ihre Abmachungen nicht anerkennen werde, so ' kann es diesen bedenkenlosen Methoden n u r g e 1 i n g e n, daßwiryonderWeltnicht mehr als ernst zu nehmender politischer Faktor gewertet werden. Wenn die Revisionisten von der Arbeiterschaft die Zurückstellung ihrer vitalsten Interessen fordern, so müßte man von ihnen erst recht ein hohes Maß nationaler Disz i p 1 i n und eine beispielgebende Selbstzucht voraussetzen. Aber noch ein anderes außenpolitisches Moment darf nicht außeracht gelassen werden- Eine FaschlslerungdesZionlsmuswürdeu ns, sollte sie wirklich gelingen, der wertvollen Sympathien aller demokratischen Faktoren berauben, die in der inte r n a t i o n a 1 e n Weltpolitik eine nicht zu verachtende Rolle spielen. Unsere Sache würde, ob wir es wollen oder nicht, ln den Augen aller f o r t s c h r 1111 i ch en Elemente, die uns bisher Ihren Beistand verliehen haben, als eine nationalistische, ar* belterfeliidliche Angelegenheit kompröipmitlert werden,'~~ Ob die zweifelhafte Gönnerschaft der Faschisten elnjgitf Länder, die zumeist unserem Volke raescnschützlerlsehfeindlich gegenüberstehen, einen vollwertigen Ersatz hierfür bieten könnte, ist sehr zu bezweifeln. Faschistische Prinzipien können erfahrungsgemäß nur mit den Mitteln des Zwanges und der diktatorischen Gewalt durchgesetzt werden. Unsere Organisation kann aber für niemanden eine Zwingburg sein, sondern nur auf freiwIIIlger und, trotz aller Gegensätzlichkeit, friedlicher Zusammenarbeit aller Zionisten beruhen. Weder ein selbstherrlicher Zelotismus, noch ein rechter oder linker Ueberfadjkallsmus können unserer Sache nützen. Zu einer Ze11, in welche rwlrdengigantischestenKampf unserer Geschichte durchzukämpfen haben, mußallcsver ml edenwerden, was die Inneren Gegensätze ins Ungeheuerliche * u s t etg c r n und unsere äu0ere Positlon zu schwächen geeignet ist. Die auf einer Sturzwelle der zionistischen Geschichte emporgekommenen faschistischen Träume sind unerfüllbar, Nicht nur der sozialistischen Oedankengängen ergebene, sondern auch der bürgerlich einge« stellte Zionist muß sie ebenso wie Verantwortung«* lose Kampfmethoden entschieden ablehnen, S i e s i h d eine Sünde wider den Geist, wider den jüdischen Otli^ stählt, verjüngt. Gings doch dem ganzen Judenvolk so in diesem wunderlichen Land. Hart ward es und zäh im Ringen mit der steinigen Scholle, und diese Kraft hat sich dann gegen eine Weit von Feinden, so über die Grenzen brach, schöpferisch bewährt, und selbst draußen noch, im langen Elend der Galuth, erhaltend nachgewirkt «Gelobt seist Du, Ewiger», quillt das Stoßgebet auf, «der Du unser Land so steinig gemacht!». — Also, was bin ich nun: Ein Ketzer oder gar ein Frommer? DerRömerstein. Und wieder ein Tag* Hatte ich nicht für heute Abend vor, dem Garten nur ein StUndleln zu widmen? Und nun riß es mich fort von Griff zu Griff, vöm Entsteinen zum Wasserschleppen, vom Jäten zum Wegebau. Schon steigt der Mond auf. Was wollte ich nur drin in der Stube? Ach ja, einen Aufsatz schreiben über MacDonalds allerjüngsten Superkommentar zur britischen Palästina-Politik, damit die Freunde in Wien doch wissen, was sich der Jischuw denkt. Je nun, mag ein anderer schreiben I Dje Feder führt fast jeder Jude flott. Dieser Garten aber ist ein Stück jüdischer Front, das es zu halten gilt mit Hacke und Karst. Schließlich, wer bleibt im Völkerringen Sieger: der schlauere Diplomat, das stärkere Heer oder der zähe Bauer? . . , Da blinkt aus der Erde schwarzem Grund ein Marmorwürfelchen — eins mehr für meine Sammlung, Derlei schmückte wohl einst als kunstvolles Mosaik den Estrich jener Prunkvilla, die einem Centurio oder gar dem Froconsul auf diesem schönen Hügel stand, Von hier sah er in sattem Stolz auf Aelia Capitolina hinab, das die Weltenherrscherin Rom zum ewigen Triumph über das vernichtete Judäa getürmt. Wahrlich, keine leere Phantasie von mir! Ja, ebenda am Hügelkamm schtang sich die Kette der Römerstraße nach Bethlehem hin. Pie Quadern ihres Fundaments säumen nun unsere Terra««® und am Tor der einsame Block dient mir, wie stets zu Feierabend, auch jetzt als Ruhesitz, als Träumespender . . Titus, MacDonald, Schall und Rauch. Siegen* siegen wird dar Jüdische Bagerl Die Bürgschaft der Zukunft. Doch seid nicht hoffärtigl Hat unser Volk wirklich ausgesorgt und steht unsere Front schon fest genug wider jeden Rückfall? Sind wir vor allem der Gefolgschaft unserer Kinder so gewiß? Während ich hier im Garten schanzte, spielt drin ein Töchterl Klavier und vorm Tor plauscht die zweite, wenngleich Iwrith, mit einer Freundin. Warum traten sie nicht lieber zum Vater und übernahmen das Werkzeug aus seiner müden Hand? Tat ich gut daran, daß ich sie Europa sehen und von der «Schönheit jawans» kosten ließ? Doch manch andere Eltern, deren Brut nie außer Land kam. klagen, auch sie rühre kein Gartengerät an. Wie das? Versagt da der magische Reiz dieser Landschaft, der Ahnen* spräche WerberW, das erhebende Schauspiel unseres Heidenkampfes um ein Vollsben in nationaler Größe und Ehre? All dies, sollte das auch keine Panaeee sein gegen die Selbstpreisgabe, gegen das Verbluten unseres Volkstums? Vielleicht, hoffentlich ist diese Haltung der Kinder nur Episode, nur ein natürlicher Ausdruck der Flegeljahre, die sich im Streben nach eigener Wltienabildung justament anders gebärden. Oder aber sitzt das Uebel tiefer? Könnte unseren Kindern zu banaler Selbstverständlichkeit verblaßt sein, was uns höchstens Streben ist, als Lebensziel und Lebenszweck vorschwebt? Oder droht gar die tragische Nemesis, daß unsere Kinder sich ebenso gegen uns und unsere Ideale auflehnen, wie wir es ln flammendem Jugendmut gegen das Geschlecht vor uns taten? «Väter und Söhne». Wir gegen jene Qötzen der Assimilation und unsere Kinder gegen — —, Undenkbar, unerträglich und unmöglich! Da rauschen im Silberlicht des Vollmonds die jung* schlanken Gipfel der Bäumchen, die ich mitpflanzen half, auf, als nähmen nun sie das Wort: «Sieh1, wir sprossen als fernste Nachfahren Jener Bäume, von denen die Bibel erzählt, daß dieser heilige Beden sie einst naeh Ihrer Art gebar, gesäugt und hochgebracht. Die Verheißung trügt nicht, ln unserem Schatten, in der treuen Hut dieser alt-neuen Bäume, die wir täglich er* starken, werden jüdische Enkel und Urenkel mit ihrem ersten Schrei das neue Leben in Erez begrüßen. S i e werden euer Werk «oüendeaU

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.