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Die Stimme · 1931-05-21 · Heft 176 (21.5.1931) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 176 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 mE STIMME Nr. 176 — 21. Mai 1931 langung einer Stellung sowie Unterricht in der spanischen Sprache erhielten. Im Jahre 1925 rechnete man in führenden jüdischen Kreisen von Mexico City damit, daß die. jüdische Bevölkerung Mexicos nach zehn Jahren, also im Jahre 1935. auf 50.000 Seelen angewachsen sein würde. Intervention der polnischen Regierung Warschau, 14. Mai. (J. T. A.) Das polnische Ministerium des Aeußern übergab der Jüdischen Telegraphen-Agentur das folgende Kommunique «Im Verlauf der letzten Monate wird auf dem Territorium der Republik Mexico eine scharfe Aktion gegen Ausländer, in Wirklichkeit gegen Juden jeder Staatsangehörigkeit, also auch gegen polnische Juden, geführt. Hintergrund dieser Aktion ist der Konkurrenzkampf des ausländischen Großhandels gegen die jüdischen Kleinhändler und Industriellen, die sich mit einem nur geringen Gewinn zufrieden geben. Da nun diese Aktion in der letzten Zeit einen beunruhigenden Umfang angenommen hat, und da durch diese Aktion zahlreiche polnische Bürger betroffen wurden, hat der polnische Konsul in Mexico, Herr Merdinger, in dieser Angelegenheit beim Außenminister Mexicos interveniert. Der Außenminister hat die Intervention sehr freundlich entgegengenommen und dabei mitgeteilt, daß diese Angelegenheit seit längerer Zeit einer eingehenden Betrachtung seitens der Ministerien des Innern und des Aeußern unterzogen wird. Endgültig wird der Fall durch eine speziell hierfür geschaffene Kommission einer Erledigung zugeführt werden. Sollte aber diese Kommission nicht in der Lage sein, die Standpunkte der beiden Ministerien miteinander in Einklang zu bringen, so wird die Angelegenheit der Entscheidung durch den Präsidenten der Republik überlassen werden.» Kleine Nachrichten ausPalästina Ein amerikanischer Legionär soll nach neunjährigem Aufenthalt aus Palästina deportiert werden. Jerusalem, 8. Mai. (J. T. A.) Die Immigrationsabteilung der Palästina-Regierung hat die Deportierung des in Kfar Jezechiel lebenden Fleischers Chajkel Bernstein, eines ehemaligen amerikanischen Legionärs, nach Rußland angeordnet. Bernstein war anfangs i91S als Freiwilliger mit dem lür den Feldzug in Palästina bestimmten jüdischen Regiment ins Land gekommen. Nach der Demobilisierung kehrte er nach Amerika zurück und kam im Jahre 1922 mit seinen Eltern zum zweiten Male nach Palästina, wo er sich verheiratete. Der Ehe sind zwei Kinder entsprossen. Anläßlich seiner wegen einer Bagatellsache erfolgten Verhaftung wurden seine Papiere polizeilich überprüft, wobei es sich herausstellte, daß er und seine inzwischen verstorbenen Elternio* Jahre 1922 auf Grund von Touristenvisen nach Palästina gekommen und ohne dauernde Aufenthaltsbewilligung im Lande geblieben waren. Bernstein, der im Jahre 1910, vor nunmehr 21 Jahren, aus Rußland nach Amerika eingewandert war, die amerikanische Staatsbürgerschaft aber nicht erworben hat, ist staatenlos. Sollte die Palästina-Regierung ihre Absicht, ihn nach Rußland zu deportieren, ausführen, so würde sie ihn damit im Hinblick darauf, daß er Zionist ist, Verfolgungen seitens des Sowjets aussetzen. Rückkehr nach Hebron. Jerusalem, 11. Mai. (J. T. A.) Etwa 20 jüdische Familien werden um die Mitte dieses Monats nach Hebron zurückkehren. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, haben sich führende Araber aus Hebron an die jüdischen Führer Palästinas mit dem Ersuchen gewandt, alle aus Hebron geflüchteten Juden zur Rückkehr in diese Stadt zu bewegen. Die Kolonie-Scheuer von Nathania abgebrannt. Jerusalem. (J. T. A.) Die Scheuer der zu Ehren des verstorbenen Nathan Straus Nathania benannten Kolonie im Gebiete Vadi Havarith ist mit der gesamten diesjährigen Getreideernte der Kolonie abgebrannt. Es besteht der Verdacht, daß Araber den Brand gelegt haben. Der Schaden ist außerordentlich groß. Der diesjährige Orangenexport. Jerusalem, 12. Mai. (J. T. A.) In der jetzt beendeten Orangensaison wurden im ganzen 2,606.470 Kisten Orangen und andere Citrusfrüchte ins Ausland geschickt, gegenüber 2,643.620 Kisten im Vorjahre. Für das nächste Jahr ist mit einer großen Steigerung des Exportes auf etwa vier Millionen Kisten zu rechnen, da eine große Reihe neuer Pardessim fruchtreif werden und die Aussichten für die Orangenernfe als sehr gut beurteilt werden. Wechsel in der Leitung der palästinensischen Sicherheitspolizei? Jerusalem, 12. Mai. (J. T. A.) Der Leiter der palästinensischen Sicherheitspolizei Oberst Mavrogordato ist am Frei- Denket an die Krawalle an der Handelshochschule! unentgeltlich»9 Stellenvermittlung I der Hakoah Wer ausgeblldetes. tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art und aller Branchen brauoht» wende sich an die HAKOAH, 1, Wieslngerstr. 11 / Tel. R-25-0-10 tag, den 8. Mai, aus Palästina abgereist und dürfte nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren. Es verlautet, daß der Generalpolizeiinspektor von Ceylon, Sir Herbert Dowbiggin, der nach den Unruhen im August 1929 mit der Reorganisierung der palästinensischen Polizeikräfte betraut worden war und zu Beginn dieses Jahres in den Ritterstand erhoben wurde, als Nachfolger Oberst Mavrogordatos in Aussicht genommen ist. Arabische Bfoschüre der jüdisch-palästinensischen Arbeiterorganisation. Die arabische Abteilung der Exekutive der Histadruth Haowdim gab eine arabische Broschüre über Arbeiterf.'agt n heraus. Die Broschüre begegnete dem Widerspruche der arabischen Presse. «Felestin» versucht vor allem der Regierung klar zu machen, daß diese Broschüre erschienen ist, um die Lizenz der Regierung für eine arabische Zeitung der Histadruth zu umgehen. Am stärksten ist «Felestin* über die Propoaganda für den Achtstundentag entrüstet. Ein Araber klagt auf Rückgabe eines Beitrages für Brith Schalom. Wie «Al Hayat» meldet, beabsichtigt Mohammed Al Teiti aus Nablus, das ehemalige Mitglied der Zionistischen Palästina-Exekutive Kalvarisky auf Rückerstattung eines diesem seinerzeit für die Zwecke des Brith Schalom übergebenen Betrages von 750 Pfund einzuklagen. Das neue jüdische Gemeindegesetz in Italien Eine jüdische Deputation beim König und bei Mussolini Eine Deputation von Vertretern der italienischen Judenheit wurde vom König Victor Emanuel im Quirinal in Audienz empfangen. Sie dankte dem König namens der italienischen Judenheit für die Erlassung des neuen jüdischen Gemeindegesetzes und überreichte ihm zur Erinnerung an diesen Gesetzesakt eine von dem berühmten italienischjüdischen Bildhauer Arigo Minervi entworfene goldene Medaille. Auf der Vorderseite weist die Erinnerungsmünze Abbildungen der Gesetzestafeln und eine Menorah, sowie folgenden hebräischen Satz aus dem Talmud auf: «Wäre die Thora nicht gegeben worden, so gäbe es weder Himmel noch Erde.» Die Rückseite der Medaille zeigt einen Mögen Dovid, sowie die Widmung: «Dem König Victor Emanuel III.» — «Dem Regierungschef Benito Mussolini —• Die jüdischen Bei Herzleiden und Adernverkalkung, Neigung zu Gehirnblutungen und Schlaganfällen sicnert das natürliche «Franz-Josef»-Bitterwaser leichten Stuhlgang ohne Anstrengung. Es ist in Apotheken und Drogerien erhältlich. Gemeinden Italiens zum Andenken an das Gesetz vom 30. X 1930.» Die Audienz währte dreiviertel Stunden und trug einen sehr jierzlichen Charakter. Nach der Audienz beim König sprach die Delegation beim Ministerpräsidenten Mussolini und beim Minister für Justiz und Kultus Alfredo Röccb Vor, denen ebenfalls Erinnerungsmedaillen Überreicht wurden. ■ Abends fand im großen Saal des, jüdischen Gemeindehauses zu Rom ein feierlicher Empfang zu Ehren Senator Berios, des Vorsitzenden der Regierungskommission, die das neue jüdische Gemeindegesetz ausgearbeitet hat, und der übrigen Kommissionsmitglieder statt. Zum Zeichen der Dankbarkeit der jüdischen. Bevölkerung Italiens wurden auch den Mitgliedern der Kommission goldene Erinnerungsmedaillen überreicht. Nachdem den Mitgliedern der Regierungskommission die Erinnerungsmedaillen überreicht worden waren, wurden die zahlreichen Begrüßungstelegramme verlesen, die von allen größeren jüdischen Gemeinden Italiens, vom Chief Rabbi von England Dr. Hertz, vom Grand Rabbin von Frankreich Sylvain Levi, vom Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation Dr. Chaim Weizmann, vom Präsidenten der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow u. v. a. eingelangt waren. Beschlüsse des Landesverbandes ungarischer Zionisten Budapest, 14. Mai. (J. T. A.) Die Jahreskonferenz des Landesverbandes Ungarischer Zionisten, die am 10. Mai in Budapest abgehalten wurde und aus der Hauptstadt wie aus der Provinz gut beschickt war, hat u. a. die folgenden Beschlüsse angenommen: Die Konferenz stellt fest, daß durch den Brief MacDonalds die Basis für eine Kooperation mit der Mandatarmacht wieder hergestellt ist. Mit Rücksicht darauf, daß Präsident Weizmann, dem dei Zionismus nach Herzl das Meiste verdankt, seinen Rücktritt angekündigt und eine Wiederwahl abgelehnt hat, ist die Frage der Leitung eine ganz außerordentlich schwere geworden, die in der heutigen Zeit mit ganz besonderer Sorgfalt einer Lösung zugeführt werden muß. Die Konferenz betont, daß ein friedliches Zusammenwirken mit allen in Palästina wohnenden Bevölkerungsteilen die Grundlage der nationalen Heimstätte in Palästina sein muß. Grundsatz unserer Politik muß die Möglichkeit der freien Einwanderung und Kolonisation sein, deren Grenze bloß durch Willen und Fähigkeit des jüdischen Volkes sowie durch Aufnahmefähigkeit des Landes gesetzt werden könne. Die Konferenz mißbilligt es, daß durch politische Aktionen, bei denen Ort, Zeit und Art der Aktion ohne Einvernehmen mit der Exekutive gewählt wurden, unsere politische Arbeit gefährdet werden konnte und betont, daß in der Zukunft von keiner Gruppe politische Aktionen ohne Einvernehmen mit der Exekutive der Zionistischen Organisation, die allein zur politischen Arbeit berufen ist, unternommen werden dürfen. In den neuen Landesverband wurden gewählt: Präsident Dr. Ede Izsak, Geschäftsfiibrender Präsident Dr. Friedrich Fried, ferner Joseph Engel, Dr. Ladislaus Gerö, Doktor Bela Gondos, Armin Horvath, Stefan I.rsai, Dr. Mo.ses Richtmann, D. Ezra Weiß, Mano Werner. In aller Kürze Bei der Hochwasserkatastrophe in Lettland wurde die Synagoge von Druje vollkommen weggeschwemmt. * Die Universität Oxford beabsichtigt, Prof. Albert ftta* stein das Ehrendoktorat zu verleihen. * Der Friedhof der jüdischen Gemeinde in Kitzingen wurde Ende April zum zweitenmal geschändet. * Der hervorragende Chemiker und Erfinder Dr. Isidor Kitsee, der sich rühmte, ein direkter Nachkomme von Moses Maimonides zu sein, ist kürzlich im Alter von 87 Jahren in Philadelphia gestorben. * Samuel Lubarski, der Chefagronom des Agrojoint in Rußland, der vor acht Monaten in Moskau durch die G. P. U. in Haft genommen wurde, ist am 10. Mai aus der Haft entlassen worden. * Der von nationalsozialistischer Seite eingebrachte Antrag, in Plauen (Vogtland) ein Schächtverbot zu erlassen, wurde am 6. Mai abgelehnt. Am gleichen Tage wurde in Zwickau ein bereits im Mai v. J. beschlossenes Schächtverbot aufgehoben. * Im polnischen Heer dienen laut Mitteilungen des Warschauer Militäroberrabbiners Major Dr. Fränkel augenblicklich 11.000 jüdische Soldaten und 37 aktive jüdische Offiziere, ferner vier Militärrabbiner, deren Zahl aber demnächst auf elf erhöht werden soll. * Der vor kurzem in Genf abgehaltene 37. Delegiertentag des schweizerischen Zionistenverbandes hat in einer Resolution den Inhalt des MacDonald-Briefes zur Kenntnis genommen und Dr. Weizmann das Vertrauen ausgesprochen. * Aus Kairo wird von einer dort gegenwärtig betriebenen heftigen antijüdischen und antieuropäischen Propaganda berichtet. Palästina auf der Pariser Kolonialausstellung Die Vorbereitungen für die Beteiligung des jüdischen Jischuw an der Pariser KoloniaiaussteHung lagen in dett Händen eines Komitees, dem die Herren Dlzengoff (Vorsitzender), Hoofien, Telkowsky, Schenkar, Smilansky, Rosow, Meriminsky, Markus, Echtmann, Thischby und ein Vertreter der Gesellschaft «Mis’char W’TaasstJan» ange«?, Hören. Der palästinensische Pavillon der Ausstellung umfaßt drei Säle von je 100 Quadratmeter. Der erste Saal zeigt eine Parallele zwischen dem Palästina vor zehn Jahren und dem von heute und enthält neun Ausstellungsstände, in denen die industrielle und landwirtschaftliche Produktion, da* Erziehungs- und Gesundheitswesen, Ausbeutung des Toten Meeres, Elektrifizierung, Eisenbahn, Tel-Aviv, Jerusalem und Haifa in Diagrammen, Lichtbildern und anderen modernen Ausstellungsmethoden dargestellt werden. Der zweite Saal enthält Ausstellungsstände der palästinensischen Fabriken und sonstiger industrielle Arbeit leistender Unternehmungen. Der dritte Saal ist der landwirtschaftlichen Produktion gewidmet. Hier zeigt die Jewish Agency, zusammen mit Keren Hajessod und Keren Kajemeth, eine große Karte Palästinas vor der jüdischen Kolonisation, auf der durch Beleuchtv.ngseffekte zum Vergleich die heutige Lage dargestellt werden kann. Metallreliefs zeigen die Entwicklung von Industrie, Landwirtschaft, Erziehungs- und Gesundheitswesen. Auch die PICA, die Tenuva, die landwirtschaftliche Versuchsstation der Jewish Agency, die Orangenpflanzer, haben interessante Ausstellungsobjekte für diesen Saal geschickt. Im ganzen nehmen 210 palästinensische Institutionen und Firmen an der Ausstellung teil. Statistische Daten über die Juden in den Vereinigten Staaten Dr. Harry S. Llnfield, der Direktor des Statistischen Departements des Amerikanisch-jüdischen Komitees, veröffentlicht folgende Daten über die jüdische Bevölkerung; ln den Vereinigten Staaten: Es gibt derzeit in U. S. A, 4,228.000 Juden, von denen '4,077.000 in 871 großen Städten leben; in diesen Städten gibt es 3118 religiöse Vereine. Dia Aufwendungen für diese Vereine betrugen im letzten Jahre zirka 44,000.000 Dollars. Es gibt fünf Rabbinervereinigungen mit zusammen 925 Mitgliedern. In fünf Rabbinerseminaren studieren derzeit 575 Studenten. Von den 250.000 jüdischen Kindern besuchen zirka 200.00 Jüdische Elementarschulen. In englischer Sprache erscheinen €5 Zeitungen, ln jiddischer Sprache 41 und ln hebräischer Sprache 8. Es gibt mehr als 4000 Wohltätigkeitsvereine, und 607 Gesellschaften gewähren Darlehen. Für Palästinazwecke gibt es 12 Organisationen, die 120.000 Mitglieder zählen. Großfleischhauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse IV, Tat, A l/-3-99u. 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