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Die Stimme · 1931-05-21 · Heft 176 (21.5.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 176 (21.5.1931)
Date
1931-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Hr. 170 — 21. Mai 1931 DIE STIMME Seite 5 Aufklärung erwünscht . . Die aus wirtschaftlichen Motiven geforderte Kalenderreform, geeignet, eine weitklaffende Bresche in die Tradition zu schlagen, bliebe für die sie verfechtenden Wirtschaftskreise doch nur eine Rationalisierungsmaßnahme, während sie für das jüdische Volk in vieler Beziehung, namentlich ln wirtschaftlicher, einen historischen Wendepunkt bedeuten müßte. Es ist nun geradezu verblüffend, daß, während alle anderen Völker aus verschiedenen Kreisen gebildete Nationalkomitees zum Studium der Sache einsetzten, auf jüdischer Seite die Angelegenheit, trotz größter Kompliziertheit, allein in die Hand eines Rabbiners gelangte, der, wie ich schon in anderen Publikationen nachgewiesen, sich der Aufgabe keineswegs gewachsen zeigt. Aufgabe der jüdischen Vertreter war und ist, die Interessen einer um ihre Existenz bangenden Millionenmasse sozusagen auf dem glatten Parkett von Genf zu verteidigen; wie wenig geeignet der Betreffende dazu ist, hat er damit bewiesen, daß er sechs Jahre nach Beginn der entsprechenden Tätigkeit die Materie nicht mehr beherrschte als anfänglich. Ein Versuch, das Problem — ich gebrauche absichtlich den folgenden Ausdruck — sozusagen mit dem Futter nach außen umzudrehen, wurde nicht unternommen. Wie man sich zur Sache stellte — beherrschen mußte man sie. Es ist sogar unterlassen worden, die jüdische Oefentlichkeit selbst entsprechend aufzuklären, was aus folgendem zu ersehen ist: In einer weitverbreiteten jüdischen Tageszeitung erschien vor Monaten ein Artikel, in dem ausgesprochen wurde, ein «wandernder Sabbat» wäre nicht nachteiliger als ein stabiler. Der Schreiber des betreffenden Artikels weiß nicht, daß ein «wandernder Sabbat» in sehr vieler Hinsicht nicht nur für die Juden, sondern auch für ihre christlichen Geschäftsfreunde eine Kalamität wäre. Zwei Beispiele: Eines der Argumente für die Reform ist, daß man dauernd die Märkte für einen bestimmten Tag festlegen könnte, was jetzt, wegen der Kompliziertheit des Kalenders, nicht der Fall ist. Würde der Sabbat wandern, so könnten die Märkte In gewissen Ländern auch weiter nicht stabilisiert werden, da sie auf manchen Sabbat fallen müßten, wodurch die jüdischen Käufer ausbleiben würden. Ein zweites Argument: Beim Ausstellen von Wechseln muß man jetzt im Kalender den Wochentag der Fälligkeit feststellen, während man es nach der Reform ohne Zuhilfenahme des Kalenders wüßte. Durch den «Wandersabbat» müßte man bei jüdischen Akzeptanten wieder zum Kalender greifen. Ein frommer Jude könnte sozusagen überhaupt keinen Schritt ohne Kalender machen. Warum hat das jüdische Kalenderreformkomitee auf derartige Artikel nicht aufklärend erwidert? Es ist mir sehr peinlich, fortwährend Fehler vorzuhalten, aber es geht um das Wohl von Millionen. Das Elend in der Judengasse ist ohnehin groß genug. Den für die begangenen Fehler verantwortlichen Personen sei gesagt: Für den Fall eines Mißerfolges werden sie von der Masse verantwortlich gemacht werden. Sie sollen endlich fähige Wirtschaftler heranziehen. Sie sollen rechtzeitig in entsprechender Welse öffentlich aufklären, was sie unternommen haben. Marcus Silberschatz. Die amerikanischen Poale-Zio« nisten gegen die Kwuzoth Das Organ der Amerikanischen Zionistischen Organisation «The New Palestine*» bringt in seiner Ausgabe vom 24. April d. J. den Abdruck eines Artikels «Neue Wege» von D. Gogal, der im New Yorker poale-zlonistischen Organ «Der Jüdische Arbeiter» erschienen ist. Gogal schreibt: «Es gab eine Zelt, in der wir Palästina auf folgender Basis aufbauen wollten: Wir dürfen nicht zulassen, daß der Aufbau auf kapitalistischer Basis erfolgt, denn das würde die Etablierung einer Klasse von Grundbesitzern und Spekulanten bedeuten, die von der Arbeit der Proletarier leben würden. Als Sozialisten, die den Wiederaufbau der Gesellschaft auf gerechter Grundlage erstreben, können wir nicht unsere Hilfe einem Aufbau des Nationalhelms auf einer Basis gewähren, die wir zerstören wollen. Jetzt aber sind wir nüchtern geworden. Die Zählung in Palästina hat nämlich ergeben, daß von 27.000 jüdischen Arbeitern nur 3000 in den Kwuzoth beschäftigt sind. Alle anderen sind In privaten oder kapitalistischen Unternehmungen beschäftigt.» Gogal fordert dann die Poale Zionisten auf, neue Wege zu suchen und schreibt: «Wir müssen das gegenwärtige System zugunsten des individualistischen aufgeben. Alles was wir tun können, besteht darin, Sie Möglichkeiten, die Palästina bietet, aufzuzeigen. Die Juden sollen nur kommen, Kapital bringen und aufbauen. Machen wir Schluß mit den Wohltätigkeitsfonds für Kolonisationszwecke! Ziehen wir Kapitalisten Ins Land, statt sie zu entmutigen.» Diese Stellungnahme des führenden poale-zionittlschen Blattes Amerikas wird wohl lebhaftes Aufsehen erregen, Kongreßbewegung Bevorstehende Gründung eines Weltverbandes Allgemeiner Zionisten Krakau, 15. Mai. (J. T. A.) Auf Initiative des auf dem 16. Kongreß gebildeten Organisationskomitees zur Schaffung eines Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten wurde In Krakau eine Konferenz eröffnet, an der Zionisten aus ganz Polen teilgenommen haben. Unter den Konferenzteilnehmern aus Kongreßpolen befinden sich Leon Levite, Dr. Hindes und Dr. Rosenblatt; Ostgalizien Ist durch Dr. Schmorak, Rabbiner Lewin und Prof. Tubs, Westgalizien durch Dr. Schwarzbart, Dr. Feldblum u. a. vertrerten. Das Präsidium besteht aus den Herren Leon Levite, Dr. Schmorak und Dr. Schwarzbart. Nach eingehenden Beratungen wurden einstimmig mehrere Resolutionen gefaßt, in denen folgende Grundsätze zum Ausdruck gebracht werden: 1. Anstreben der Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in Palästina mit jüdischer Mehrheit. 2. Primat der jüdischen Interessen gegenüber den Interessen einzelner Gruppen. 3. Notwendigkeit, alle Kräfte im jüdischen Volk zusammenzufassen. 4. Organisierung der Privatinitiative neben der Chaluzarbeit. Es wurde die Schaffung eines Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten beschlossen. Sämtliche auf der IGOR GORIN der hier un'er dem Hamen Igor Orftnberg bestens be* kannte Sänger, Ist non seiner Bmerlkatournee zurückgekehrt und gibt seinen ersten Arien-und Liederabend mttlwodi, den 27. IHaf, halb 8 Uhr abends fm Mittleren Ko. zerthau^saal Hm Klauten Prof. Erich Meller Karten erhältlich In der Konzeridlrehflon Sulfmann Konferenz vertretenen zionistischen Organisationen haben sich zum Eintritt in den neuen Weltverband bereit erklärt. Die Beratungen werden fortgesetzt und erstrecken sich auch auf die Probleme des bevorstehenden Zionistenkongresses und die Frage der Leitung der Zionistischen Gesamtorganisation. Kongreß-Vorkonferenz der Allgemeinen Zionisten Ha ästinas Jerusalem, 15. Mai. (J. T. A.) ln Tel-Aviv fand eine Vorkonferenz der Allgemeinen Zionisten Palästinas zur Beratung der Probleme des bevorstehenden Zionistenkongresses statt. Herr Estermann führte aus, es sei der Tenor der meisten auf dieser Konferenz gehaltenen Reden gewesen, daß das Ausscheiden Dr. Weizmanns aus der Leitung eine nahe bevorstehende Lösung bedeute. Doch werde der Baseler Kongreß in zwölfter Stunde erkennen, daß Dr. Weizmann der einzige Mann ist, der das Verantwortungsgefühl aufbringt, eine Last auf sich zu nehmen, deren Uebernahme von anderen abgelehnt werden wird. Die Voraussichtliche Stärke der Landsmannschaften auf dem Kongreß Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, werden ln der Zeit vom 24. Mai bis 7. Juni 1931 in ungefähr 45 Ländern die Wahlen der Delegierten zum XVII. Zionistenkongreß vorgenommen werden. Die Zahl der Delegierten wurde von der Zionistischen Exekutive auf Grund der in jedem Lande innerhalb der letzten zwei Jahre abgesetzten Schekalim festgelegt. Es werden voraussichtlich entsenden: Die Vereinigten Staaten (85.000 Schekalim), 28 Delegierte, Westgalizien (32.000) und Tschechoslowakei (31.500) je 11 Delegierte, England (28.500) 10 Delegierte, Deutschland (25.500), 9 Delegierte, Südafrika (22.500), 8 Delegierte, Litauen (16.500), 6 Delegierte, Jugoslawien (13.000) und Oesterreich (10.500) je4 Delegierte, Belgien (4600), 2 Delegierte. Für die übrigen Länder, darunter Polen und Rumänien, liegen noch keine Ziffern vor. Palästina dürfte eine Delegation von 38 Mitgliedern zum Kongreß entsenden. Zügellose antisemitische Agitation n« ' eg m Mexiko Mexico City, 11. Mai. (J. T. A.) Die antisemitische Bewegung in Mexico breitet sich zusehends aus und wird immer ungehemmter in der Wahl ihrer Methoden. Zahlreiche jüdische Kaufleute haben Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, das Land innerhalb 24 Stunden zu verlassen, sonst würden «ihre Leichen in ihre Heimatländer zurückbefördert werden». Die Erregung und Verzweiflung der mexikanischen Judenhelt Ist angesichts dieser zügellosen Agitation aufs äußerste gestiegen. Die Intervention des amerikanischen Botschafters hat sich bisher noch nicht fühlbar gemacht, und die Juden amerikanischer Staatszugehörigkeit sehen mit ungeduldiger Spannung der erwarteten Hilfsaktion der amerikanischen Juden entgegen. Eine jüdische Delegation, die beim Präsidenten von Mexico Vorstellungen erheben wollte, wurde von diesem nicht empfangen. Daraufhin wurde ein schriftliches Memorandum ausgearbeitet und dem Präsidenten übersandt, in dem die ln jüdischen Kreisen wegen der Vertreibung der jüdischen Händler von den Märkten und der allgemeinen judenfeindlichen Propaganda herrschende Verzweiflung geschildert und dem Präsidenten die Bitte unterbreitet wird, darauf hinzuwirken, daß den jüdischen Händlern ihre Marktstände wfeder zugewiesen werden und dem antijüdischen Boykott Einhalt geboten wird. Berichten zufolge, die bei der amerikanisch-jüdischen Handelskammer aus Vera Cruz eingelaufen sind, wurden mehrere jüdische Händler verhaftet und, nachdem sie den Nachweis ihres rechtmäßigen Aufenthaltes erbracht hatten, zwar freigelassen, aber mit einer Steuer von 48 Pesos monatlich belastet, was Im Hinblick darauf, daß das durchschnittliche Betriebskapital eines jüdischen Markthändlers etwa 200 Pesos beträgt, gleichbedeutend mit wirtschaftlicher Vernichtung Ist. David Golder der grandiose Tonfilm, den Jeder Jude gesehen haben muß] bis aut weiteres täglich im Rotenturm-Kino ]., Fieisohmarkt Nr. 1 — Telephon R-29-1-59 Beginn 5, 7 und 9 Uhr, Sonntag ab 8 Uhr Das amerikanische Außenamt läßt Erhebungen anstellen New York, 10. Mai. (J. T. A.) Auf Grund einer Intervention des Ordens Bnei Brith in Amerika, der bei der Organisierung der jüdischen Einwanderung nach Mexico Anfang 1925 eine bedeutende Rolle spielte, hat das Washingtoner State Department den amerikanischen Gesandten in Mexico telegraphisch beauftragt, die Meldungen über Mißhandlung von Juden zu überprüfen und festzustellen, ob hierbei amerikanische Bürger betroffen wurden. Sollten sich unter denjenigen, gegen die sich die jüngsten antisemitischen Maßnahmen der mexicanischen Behörden richten, keine amerikani-; sehen Bürger befinden, so würde es der amerikanischen •; Regierung mit Rücksicht auf die internationalen Ge- Sehwals — Orlndalwald — Perner Oberland Inmitten der Imposantesten Gebirgsirelt HOTEL SILÖERHORN, Tel 79 Vorzügliche 'VejpfJeguug, mäßige Preise — Gleiches Haus: Locarno 'WW Pension Villa Montana 8aison: Fehmar bi. Juni, Beptetnbar bis November — Dos Frau F. linhn pflogenheiten schwer fallen, Vorstellungen, wie sie von den amerikanischen Bnei Brith gewünscht werden, zu erheben. Doch rechnet man in amerikanisch-jüdischen Kreisen damit^ daß schon die Tatsache, daß die amerikanische Regierung es für notwendig befunden hat, sich mit der Angelegenheit zu befassen, eine moralische Wirkung auf die mexicanische Regierung ausüben wird. Im Jahre 1925 erstatteten' der Direktor der Bnei Brith in Mexico City, Weinberger, und andere jüdische Führer dieser Stadt einen Bericht an den Orden Bnei Brith Über die Lage der Juden in Mexico, aus dem hervorging, daß es damals keinerlei Antisemitismus in Mexico gab. Eine Gruppe von einigen hundert Juden wandte sich damals an die Vertreter der amerikanischen Judenheit um Unterstützung bei der Errichtung einer landwirtschaftlichen Siedlung. Seitens der mexicanischen Regierung fanden die jüdischen Kolonisten wohlwollende und entgegenkommende Behandlung. Es bestanden eine Reihe hebräischer Schulen und eint starke Sektion der Young Men’s Hebrew Association, Die Zahl der Juden in Mexico City wurde im Jahre 1925 auf 17.000 bis 18.000 geschätzt. Auch in anderen mexicanischen Städten, wie Monterrey, Torreon, Chiguahua und Tampico, gab es damals bereits größere Judengemeinden. Es fand eine ständige Zuwanderung ausländischer Juden statt, die zeitweilig auf 400 bis 500 Seelen monatlich stieg. Fast alle Einwanderer wandten sich an das Bureau der Bnei Brith in Mexico City, wo sie Unterkunft und Verpflegung bis *%t Btt

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