Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 176 (21.5.1931)
- Date
- 1931-05-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Süfr 4 DIE STIMME Nr. 176 — 21. Mal 1931 Indent Gedenket reichlich des Keren Katemelh anläßlich der Jetast laufenden Büchsetileeriifig. Verlanget von den Mitaibeitern die Vorweisung der Keren Kajemeth-Legitlmationen. Ing. Kaplansky Aber aktuelle zionistische Probleme Verhandlungen — Parlament — Notwendigkeit der Koalitionsbindungen Die Legende von den landlosen Arabern Ing. S. Kaplansky, ein führender Mann der poalezionlstischen Weltbewegung und Mitglied der zionistischen Exekutive London, gab Dienstag, den 19. Mai den Vertretern der Wiener Presse anläßlich eines Empfanges folgende ln« formationen über unsere Lage und unsere Aussichtent «Die Frage der Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der britischen Regierung ist augenblicklich das wichtigste politische Ereignis. Bekanntlich geht es jetzt in dieser Phase der Verhandlungen um die Entscheidung Uber den Landentwicklungsplan. Die Regierung, die seinerzeit im Parlament mitgeteilt hat, sie wäre bereit, eine Anleihe von 2,500.000 Pfund Sterling für Palästina zu garantieren, pflegt seit Anfang Mai Besprechungen mit der Jewish Agency einerseits und mit den arabischen Führern andererseits: «Ich betone ausdrücklich: die Verhandlungen wurden nicht abgebrochen, nicht einmal unterbrochen, wie es in vielen jüdischen Blättern hieß; aber sie haben xum Gegenstand ein schwieriges Problem, das Sachkenntnis verlangt, und werden deshalb wahrscheinlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Wir hofften ursprünglich, daß an diesen Verhandlungen auch Araber teilnehmen würden, wovon uns wir raschere Verständigung versprachen. Leider haben die arabischen Führer die Beratung zu dritt abgelehnt; das erscheint nicht verwunderlich, da doch der Landentwicklungsplan den Fellachen helfen würde, woran die Effendis kein Interesse haben. Die arabischen Großgrundbesitzer, die führenden Männer des arabischen Nationalismus, möchten nicht den Anschein erwecken, daß als Folge der Fühlungnahme mit Juden die Lage des Fellachen gebessert wurde. Außerdem verlangten sie, daß der MacDonald-Brief nicht als Grundlage für die Verhandlungen diene. Dies hat die Regierung natürlich abgelehnt, und in der Folge finden nur halboffizielle Verhandlungen mit Arabern in Jerusalem statt. All diese Umstände wirken natürlich verzögernd, von einer Unterbrechung aber kann nicht die Rede sein.» <A% Arbeiter», führte der Gast weiter aus, «gehen nach Basel mit dem festen Entschlüsse, die zionistische Organisation auf den Weg der positiven Verständigung mit den Arabern zu drängen. Gegen den englischen Vorschlag einer gesetzgebenden Körperschaft in Palästina müssen wir uns aussprechen, da diese uns der Gefahr der Majorisierung aussetzen würde und nicht im Einklänge mit dem Mandate stünde. Trotzdem ist eine negative Politik in dieser Angelegenheit unmöglich, und wir erhoffen vom Kongreß konstruktive Gegenvorschläge, die, ohne für uns eine Gefahr der Majorisierung zu bedeuten, der Not- III. DieNachtigall. Die Geschichte vom Sünder, der nicht sterben konnte, stimmte mich traurig. Wie anders klangen die Erzählungen meiner Mutter! Sie atmeten Liebe, Milde, Barmherzigkeit und Vergebung. Ich wagte leise zu bemerken; . «Wissen wir Menschen denn, wer ein Sünder ist? Essteht geschrieben, daß man den Genossen nleht richten dUrfe, ehe man sich ln seiner Lage befindet. Nun, können jemals zwei Menschen in derselben Lage sein? Sagten Sie selber uns Schülern nicht, der tiefe Sinn dieses Satzes sei, daß man überhaupt nicht richten solle?» «Welche Geschichte deiner Mutter ist dir da gerade eingefallen?» «Die von der Nachtigall. Ein Nachtigallvater träumte in seinem Nest einen bösen Traum, Er erschrak heftig und erwachte klopfenden Herzens. Als er aber sein Weibchen mit den drei Kindern im tiefsten Schlaf neben sich liegen sah, ward er ruhig und glücklich. Er beschloß, ein Dankgebet anzustimmen, schwang sich leise und behutsam, um die Familie nicht zu stören, Uber die Brüstung seines Nestes und flog auf einen Baum. Tief im Schlafe lag der Wald. Vater Nachtigall zog Immer höher werdende Kreise gegen den Himmel und sang aus voller Kehle: Trü-lü-lü! (Wie war ich erschrocken!) Tra-la-la-laf (Wie bin ich nun glücklich!) Ein Habicht erwachte bös aus dem Schlafe und zerriß den kleinen Sängf r In der Luft — Noch ln späten Tagen erzählte die Naohtlgallmutter ihren Kindern, daß sie ihr Mann in finsterer Nacht schnöde und für immer verlassen hatte. Und die Nachbarn zwitscherten sich gegenseitig zu, der Lump wäre auf Abenteuer ausgezogen und hätte dabei den Tod gefunden,» Rabbi Salman ergriff meine Hand und ließ sie erst frei, als wir in der Stadt voneinander Abschied nahmen« wendigkeit der Selbstregierung der Palästina-Bevölkerung doch Rechnung tragen. Wir wollen auch die Auffassung im Zionismus bekämpfen, daß der Aufbau Palästina» einen Zusammenstoß zwischen Nationalismen mit sich bringen müsse. Natürlich ist es notwendig, daß auch die Palästina-Regierung den Wunsch der Verständigung teile und mit Ihm die Festigkeit ln der Erfüllung des Mandates verbinde, Bisher war das leider nicht der Fall. Der Wechsel in der Person des High Commisalonera wird darin hoffentlich eine Aenderung schaffen. Aber nicht politische Fragen allein werden den Kongreß beherrschen. Die nicht minder bedeutungsvollen wirtschaftlichen lauern im Hintergrund. Es gilt, das Siedlungswerk auszubauen, denn leider herrscht jetzt in Palästina wenn nicht Krise, so doch Stillstand. Aus diesem Grunde wollen wir in Basel auch unsere nichtzionistischen Partner aktiv machen. Die Nachahmer de3 überhitzten Nationalismus in unseren Reihen predigen auch auf wirtschaftlichem Gebiete andere als nationale Kolonisationsmethoden. So werden auch diesbezüglich auf dem Kongresse die Meinungen aneinanderprallen. Heute wird in erster Reihe die Ansiedlung von kapitallosen oder kapitalsschwachen Elementen gefördert. Auf industriellem Gebiete haben wir den Achtstundentag und große Einflußnahme der Arbeiterschaft auf die Produk¬ Prof. Wilhelm Stein nnd Frau teilen mit, daß die Bar Mizwah ihres Sohnes Gideon Hans Stein Samstag, den 23. Mat 1931, um 10 Uh»- yoym.Vt_ im Tempel, XIX., Dollinergasse 3 stattfindet tion durchgesetzt. Dies ist eine umso höher einzuschätzende Leistung der machtvollen palästinensischen Arbeiterorganisation, als sie in einem orientalischen Lande, wo billige arabisch« Arbeitskraft gefährliche Konkurrenz schafft, vollbracht wurde. Unseren Gegnern Ist dieser Zustand natürlich ein Dorn im Auge, und sie möchten mehr Raum für die Initiative des Privatkapitals lassen. Bezüglich der zukünftigen zionistischen Leitung glaube ich, daß weitgehende Koalitionsbindungen notwendig sind. Aber die zionistische Arbeiterschaft kann nicht zusammen fnit revisionistischen Gruppen arbeiten. Daher wird es unsere Bestrebung auf dem Kongreß sein, eine Mehrhcitsblldung zu ermöglichen, die die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft in Palestlna wahrnehmen soll.» Nach diesen Ausführungen fand eine Aussprache statt, in deren Verlauf Ing. Kaplansky noch einige interessante Einzelheiten mitteilte. So erklärte er die inr Simpson-Bericht vorkommende Legende von 25.000 landlosen arabischen Familien, die vom Weißbuche prompt übernommen wurde, folgendermaßen: «Der Simpson-Bericht basiert auf einer Publikation der Regierungskommission, die vor einem Jahre veröffentlicht wurde und die eine Statistik über 104 arabische Dörfer beinhaltet. In der Tabelle ist zu lesen: Es gibt dort 70.6 Prozent Bodenbesitzer und 29.4 Prozent Landlose. Zu bemerken ist jedoch, daß In diesen 29.4 Prozent auch alle Pächter, alle Dorfbewohner, die nicht Landwirte sind, und schließlich auch wirkliche Landarbeiter enthalten sind. Es Ist erstaunlich, daß Simpson diese Tabelle so oberflächlich gelesen hat, denn seine Behauptung über die landlosen Araber Ist nichts anderes, als eine falsche Auslegung dieser Tabelle. Ebenso erstaunlich ist es, daß die Regierung diese Behauptung in das Weißbuch übernommen hat «Bezüglich des MacDonald-Briefes: dieser ist nicht bloß eine Einkehr, sondern eine Umkehr. Der Arbeiterregierung kam es zu Bewußtsein, daß das Weißbuch ein Fehler war und daß das Vertrauen in die palästinensische Bureaukratie große Gefahren heraufbeschwören kann. Noch zu der Angelegenheit der Verhandlungen: Die Engländer sind Empiriker; und deshalb wollten sie zuerst eine Regierungsstelle in Palästina schaffen und dieser Stelle erst später die Realisation des Landentwicklungsplanes überlassen. Wir unsererseits verlangten, daß zuerst Uber die Verwendung der Qelder gesprochen werde, denn wir wollten es vermeiden, einen neuen ewigen Zankapfel zu bilden. Ich hoffe aber, daß sich ein Ausweg finden und daß die Regierung eins« Kompromißvorschlag unterbreiten wird.» Beratung über die künftige Leitung Warschau. i4. Mai. (J. T. A.) Das zionistische Zentralkomitee Polens hat für den 28. Juni eine Konferenz nach Basel einberufen, In der ein dem Kongreß zu unterbreitender Vorschlag bezüglich der Zusammen« aetzung der künftigen zionistischen Leitung ausgearbel« tet werden soll, ln der Einladung zur Konferenz weist das Zentralkomitee auf die Notwendigkeit hin, mit einer vorbereiteten Lösung zum Kongreß zu kommen, da eine Behandlung der Leitungsfrage r.uf dem Kongreß und dem Council der Jewish Agency erst Im letzten Augenblick zu einem Chaos führen müßte. Beratungen über das Budget der Jewish Agency für 193l/3ü Jerusalem, 12. Mal (J, T. A.) Die aus dän In Palästina ansässigen Mitgliedern des Council der Jewish Agency bestehende Budgetkommlsslon hielt bisher zwei Sitzungen zur Beratung des von der Treäßury der Jewish Agency ihr vorgelegten öudgetdntwurfes für das Jahr 5692 (193N32) ab. Dieses Budget balanciert mit einem Betrage von 425.000 Pfd, Sterling einschließlich Hadassah. Ein arabischer „Palästina-Tag* Jerusalem, 12. Mal. (J. T. A.) Das Organ da* Großmuftl «Jamea el Arnbla» schlägt vor, einen «Palästina-Tag», wie er am 16. Mal v. J. von den Moham« medanern Indiens veranstaltet worden ist, alljährlich atizuhaltcn, und richtet an die palästinensisch-arabische Exekutive den Appell, Vorbereitungen zur Veranstaltung eines «Palästina-Tages» nicht nur In Palästina selbst, sondern ln allen mohammedanischen Ländern zu treffen. An diesem Tage sollen Streiks organisiert und Kundgebungen aller Art abgehalten werden. Palästina auf dem Internationalen Handelskammerkongreö Washington, 12, Mai. (J, T. A.) In der letzten Sitzung des Internationalen Handelskammerkongresscs wurde ein vom Mitglied des Exekutivkomitees der Vereinigung palästinensischer Industrieller Nahum Lipsqhitz eingesandtes hebräisches Memorandum verlesen, in dem darauf hingewiesen wird, daß Palästina das einzige Land der Welt ist, das seine Kriegsschulden vollständig begleichen konnte', und daß ln Palästina infolge des starken Kapitalszufjusses in Form von Kapitalien, die von jüdischen Einwanderern ins Land gebracht werden, und von Mitteln, die von den Juden ln allen Teilen der Welt für das Wlederaufbaiiwerlc zur Verfügung gestellt werden, das Arbeltslosenproblem auch nicht annähernd so bedeutend ist wie in anderen Ländern. Noch immer kHne Sühne für das Ver brechen von Yadjur Das Organ der palästinensischen Arbeiterschaft, «Dawar», erklärt anläßlich der «Schloschlm», des Ablaufes der 30tägigen Trauer für die bei dem Ueberfall in der Nähe von Haifa getöteten drei jüdischen Arbeiter aus der Siedlung Yadjur, «der Eifer der Regierung scheine sich zu verflüchtigen, wenn es sich um die Sühne für die Vernichtung jüdischen Lebens handle». Die Regierung trage die Verantwortung für die unschuldigen Opfer und dafür, daß das Verbrechen von Yadjur bisher ungesühnt blieb. Julius Siinou President der Palesttae Economic Corporation New York, 15. Mai. (J. T. A.) Auf der Jahresversammlung der Palestlne Economic Corporation wurde Julius Simon als Nachfolger des aus Gesundheitsrücksichten zurückgutre« tenen Bernard Flexner zum Präsidenten gewählt. Dem Rechenschaftsbericht war zu entnehmen, daß die Aktiv«« der Corporation seit der Gründung im Jahre 1926 um 1,050.000 Dollar auf 2,575.000 Dollar gestiegen sind. Ernste Warnungszeichen gibt die Natur durch Schwindelgefühl, vorzeitige Ermüdung, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Ohrensausen usw. Diese Beschwerden zeigen zumeist den Beginn der gefährlichen Adernverkalkung an. Be« kämpfen Sie diese, ehe es zu spät wird, durch Radio* sklerin, die seit Jahren ärztlich anempfohlenen, frei verkäuflichen Tabletten, welche die Blutzirkulation ln den Schlag- und Pulsadern fördern, geistige und körperliche Arbeitsfähigkeit erhöhen. Radiumgehalt amtlich überprüft, Depot und Auskunft: Apotheke Bayer, Wien, 1., Wotlzeile 13. cQeoeoooeeoooeoooooooooooooocotooeoooe Huthaus „SOBEL“ II., Glockengasse Nr. 10 veranstaltet einen bililgon Sorlenverfcaut von Merrenhüten zum Prelao von S 5*—, 7*— und 0*—. Ncueinführung s Krawallen in allen Mododcssins von S 1’— und 8 3*~* MarkenhiUe au den billigsten Preisen