Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 176 (21.5.1931)
- Date
- 1931-05-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 DIB STIMMB Nr. 176 — 21. Mal 1931 Sonntag, 31. Mai 1931, Gang der Wiener Zionisten zum Grabe Theodor Herzls. — Treffpunkt 9 Uhr vorm. Hochschule für Bodenkultur gäbe konzentriert werden, das im Werden begriffene Werk in Palästina zu festigen und zu erhalten. Von der Stärke unserer Position in Erez Israel und den Fortschritten unseres realen Schaffens im Lande wird jederzeit die Wertung unserer Leistung, die Achtung der Welt und die Gestaltung der Bedingungen unserer Arbeit abhängig sein. VI. Nur eine tragfähige zionistische Organisation, der sich alle ihre Teile willig unterordnen, wird den von ihr in Palästina und in der Galuth zu erfüllenden Aufgaben gewachsen sein. Wir erwarten vom XVII. Kongreß, daß er die Konstitution der zionistischen Weltbewegung einer Revisioh unterzieht und bei Aufrechterhaltung der demokratischen Grundlagen unserer Verfassung und bei Wahrung der vollen Freiheit der zionistischen Meinungsäußerung der fortschreitenden Zersplitterung unserer Bewegung Einhalt tut und denZusammenhangderFraktionen und Föderationen mit den zionistischen Landesverbänden und der zionistischen Weltorganisation wiederh e r s t e 111. VII. Die Führung der zionistischen Politik muß ausschließlich der hierfür verantwortlichen Stelle Vorbehalten bleiben. Ihre Einheitlichkeit darf durch Sonderaktionen einzelner Gruppen nicht durchbrochen werden. VIII. Wir wünschen die Herstellung eines auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Verhältnisses zwischen der Mandatarmacht und der Jewish Agency sowie eine friedliche Verständigung mit dem arabischen Volke unter Festhalten an der Unantastbarkeit der durch das Mandat gegebenen Rechtslage. Es ist Aufgabe der zionistischen Politik, darüber zu wachen, daß die durch das Mandat gegebenen rechtlichen Grundlagen unserer Arbeit in Palästina weder durch Interpretationen, die den Sinn der dem jüdischen Volke gegebenen Zusagen abschwächen, noch durch eine der Schaffung des jüdischen Nationalheims zuwiderlaufende Verwaltungspraxis in Palästina ln nachteiliger Weise geändert werden, tlö■''" vor allem ist die eheste Beseiti- ,gung der Beschränkungen der freien ^Einwanderung und Kolonisation mit allen Mitteln anzustreben. Wir anerkennen und billigen daher die diesen politischen Grundsätzen Rechnung tragenden Aktionen des Präsidenten Weizmann, der Exekutive und der Politischen Kommission. IX. Wir fordern die Einsetzung einer durch das Vertrauen der Kongreßmehrheit zu berufenden Leitung, die durch ihre Zusammensetzung und Ihren Rückhalt in der Bewegung die Durchführung der vom Kongreß zu beschließenden Politik gewährleistet Die allgemeinen Zionisten Oesterreichs werden auf dem XVlI. Zionistenkongreß eintreten für: 1. Das unbedingte Festhalten an dem durch das Baseler Programm formulierten Endziele der zionistischen Bewegung. 2. Die Erhaltung und Festigung des Jischuws und der bestehenden zionistischen Einrichtungen und Schöpfungen in Palästina. 3. Die Förderung der kollektiven Aufbauarbeit, der Mittelstandskolonisation und der privaten Initiative in Palästina. 4. Die systematische Intensivierung der Galutharbeit. 5. Die verstärkte Arbeit im Dienste der Fonds. 6. Die Konsolidierung der zionistischen Organisation. 7. Eine auf den unverrückbaren Boden des Mandates fußende zionistische Politik und eine gerechte Lösung des Araber-Problems. 8. Die Einsetzung einer durch das Vertrauen der Kongreßmehrheit zu berufenden Leitung. Die allgemeinen Zionisten Oesterreichs kandidieren als Listenführer Herrn Dr. Oskar Grünbaum, Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich. 'fthuh-!Dorn Wien, 2., ‘Gaborstraße üir. 8a 3)ie Grenze der Xeistungsfähigkeit für moderne Qucüitätsschuhe Politik und Sachlichkeit. (Fortsetzung von Seite 1, Spalte 3, unten.) schädlich und überflüssig sind. Der Revisionismus kann auch ohne diese Methoden seinen Standpunkt vertreten. Man kann Revisionist sein und die revisionistischen, unduldsamen Kampfmethoden verdammen und Soli sie verdammen. Sollte es derartige Kampfmethoden in anderen zionistischen Gruppierungen geben, dann sind sie ebenso zu verwerfen. Der Zionismus, der eine Erneuerung des jüdischen Menschen bedeutet, muß sich frei machen von politischen Kampfmethoden, die ein Produkt der Assimilation sind; denn diese Kampfmethoden vergiften das Leben im Zionismus; politischer und persönlicher Haß unter Kämpfern für eine gemeinsame Sache sind die bedauerlichen Folgen. Die Nachahmung politischer Unsitten im zionistischen Parteileben, wie demonstrative Austritte aus der Exekutive, politische Extratouren und Sprengung von zionistischen Versammlungen durch Zionisten beweisen, daß der tiefste Sinne von Herzls Zionismus, die Zusammenfassung aller Volkselemente für das eine Ziel, Zion, auch vielfach denen fremd geblieben sind, die Zionisten sind. Gründliche Abkehr tut hier not. Keine Meinung soll mundtot gemacht werden. Jeder Meinungsaustausch muß aber herausgehoben werden aus den Niederungen eines landläufigen Parteigetriebes. Jeder Zionist hat das Recht und die Pflicht, dort warnend seine Stimme zu erheben und für seine Meinung zu werben, wo ihm Anlaß zu Protest gegeben scheint. Nie aber darf dieser Protest zur Anwendung von Mitteln führen, durch die die Organisation, sei es nun die Landesorganisation oder gar die Weltorganisation oder der Jischuw, gefährdet wird. Derartige Angriffe sind nicht zu entschuldigen, denn unsere Organisation ist demokratisch und auf freiwillige Mitarbeit aufgebaut. Die Stimmen werden gezählt und nicht gewogen. Jede Richtung hat die Möglichkeit, wenn sie die Mehrheit der Wähler auf ihrer Seite hat, die Mehrheit im Kongreß zu erreichen und die Leitung zu bestimmen, Dann aber wird sie auf die Mitarbeit jener angewiesen sein, . die von ihr vor der Wahl durch häßllohe persönliche Angriffe, und durch das Untergraben der Autorität der. Leitung bekämpft wurden. Will sie nicht, daß ihre Methoden Nachahmung finden ~ was ebenso bedauerlich Wäre — will sie nicht, daß sich die Arbeit des einzelnen im Kampf gegen die Leitung erschöpfe, dann muß sie selbst radikal Schluß machen mit ihren Methoden des politischen Kampfes. Auch hier gilt noch im verstärkten Maße, was Coudenhove-Kaiergi in seinem Aufrufe für die Paneuropa Union sagte: «Wer ins 19. Jahrhundert schielt, hat keinen Platz im 20. Jahrhundert». Wer nicht das Ende der Weltgeltung des Zionismus will, möge das bedenken. Sache der Führer wird es daher sein, den politischen Kampf in die richtigen Bahnen zu lenken und den Geführten beizubringen, daß sie im politischen Gegner nicht den Feind zu sehen haben. Sache der Geführten wird es sein, sich der Mitverantwortlichkeit bewußt zu werden. Sache aller Zionisten muß es sein, den Kampf der politischen Meinungen sachlich zu führen, unbeschwert von assimilatorischen Methoden, getragen von der Verantwortung für die Zukunft des jüdischen Volkes, und dieser Kampf muß ausgetragen werden in unserer demokratischen Weltorganisati o n: nicht durch Gewalt, sondern durch den Geist. Dr. Oskar Grünbaum. Passfield demissioniert Colonel Wedgwood — Nachfolger Chancellors? Die «Jewish Chronlcle» bringt die sensationelle Nachricht, daß schon in der nächsten Zeit die lange vorausgesagte Demission Lord Passfield von der Leitung des Kolonialamtes zu gewärtigen sei. Seine Stelle soll der gegenwärtige Dominienminister Thomas oder Lord Buxton einnehmen. Dasselbe Blatt berichtet auch, daß zum Nachfolger des palästinensischen Oberkommissärs Chancellor, dessen Amtstätigkeit!m Juni dieses Jahres abläuft, Colonel Wedgwood oder Commander Kennworthy ernannt werden soll* Die Einwanderung wird wieder gedrosselt Statt 1450 nur 500 Zertifikate. — Protest derJewIshAgency. Jerusalem, 18. Mai. (J. T. A.) An Stelle der von der Exekutive der Jewish Agency angeforderten 1450 Blnwanderufigszertifikate hat die Palästina-Regierung bloß 500 Zertifikate bewilligt, die an Angehörige von den in Palästina ansässigen Juden und Personen, die auf Grund eines Touristenvisums nach Palästina ge* kommen sind, und die Absicht haben, Sich dauernd Im Lande niederzulassen, ausgegeben werden sollen. So* mit werden für die Einwanderung von Chaluzlm keine Zertifikate verfügbar sein. Das Einwanderungsdepartement der Palästina* Regierung hat außerdem angeordnet, daß bei der Aus* gäbe der neuen Zertifikate nur jene Bewerber berück* sichtigt werden sollen, deren Gesuche bei der Regierung registriert sind, nicht aber Jene, die bei der Jewish Agency um ein Zertifikat eingekommen sind. Gegen diese Verfügung haben die Vertreter der Exekutive der Jewish Agency schärfsten Protest er* hoben und außerdem erklärt, daß sie gegen die weit« gehende Kürzung der Zahl der auszugebenden Zer* tiflkate Berufung einlegen werden. Die Klagemauer ist nur den Juden heilig Günstiger Bericht der Klagemauer* Kommission Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, bildet die Feststellung, daß die Klagemauer den Juden allein heilig ist, einen der wichtigsten Schlüsse, zu denen der bisher noch unveröffentlichte Bericht der Klagemauer-Kommission gelangt. Damit macht sich die Kommission den während der Verhandlungen von jüdischer Seite vertretenen Standpunkt, daß nur die Juden, nicht aber in gleicher Weise auch die Moslems, die Klagemauer als verehrungswürdiges Heiligtum betrachten, zu eigen. Der Gesamtinhalt des Berichtes scheint im allge* meinen auf einen der jüdischen Sache günstigen Ton abgestimmt zu sein, wenn auch die praktischen Vorschläge jene Juden, die erwartet hatten, es würde den Juden ein größeres Ausmaß liturgischer Freiheit gewährt werden, als jenes, das die Kommission als herkömmlich und dem Rahmen des Status quo entsprechend anerkannt hat, einigermaßen enttäuscht haben dürften. Anscheinend wird auch der Gebrauch von Thorarollen und änderen Ritualgegenständen bei der Klage« mauer, auf den die jüdischen Unterhändler in den inoffiziellen Verhandlungen zu verzichten bereit waren, zugelassen sein. Der Präsident der arabischen Exekutive zurückgetreten Wie «Al Hayat» meldet, ist Muza Kazim Pascha mit Rücksicht auf sein hohes Alter vom Präsidium der arabischen Exekutive zurückgetreten. Es verlautet aber, daß nicht Alters- und Gesundheitsrücksichten, sondern politische Differenzen bezüglich des Standpunktes der arabischen Exekutive gegenüber dem Landentwicklungsplan für den Rücktritt Muza Kazim Paschas maßgebend waren. Revisionisten stören Jizchak- Gr iinbaum-Versammlungen Warschau, 15. Mai. (J. T. A.) Ein Massen* meetlng, auf dem Abg. J. Grünbaum über die politische Lage 1m Zionismus sprechen sollte, wurde wegen dauernder lärmender Kundgebungen der Revisionisten von der Polizei aufgelöst. Wie das zionistische Zentralkomitee der Jüdischen Telegraphen-Agentur mlttellt, hat die Leitung der Revisionistischen Union in Polen ihre Anhänger in einem Rundschreiben aufgefordert, jede Versammlung zu stören, in der Grünbaum als Redner auftritt. Das zionistische Zentralkomitee hat der Leitung der revisionistischen Union mltgeteilt, sie werde sich gezwungen sehen, von allen ihr auf Grund des Statuts der Zionistischen Organisation zustehenden Mitteln Gebrauch zu machen, um «derartigen wilden Kundgebungen, der Verbreitung von Anarchie und der Zersetzung der Zionistischen Organisation» Einhalt zu tun. Bericht der Jewish Agency an die Mandatskommission Jerusalem, 11. Mai. (J. T. A.) Die Exekutive der Jewish Agency hat der Palästina-Regierung ihren Bericht für das Jahr 1030 zwecks Vorlage an die Man* datskommisslon des Völkerbundes anläßlich ihrer im Juni stattfindenden Tagung überreicht. Die Antwort der Exekutive auf den Simpson-Bericht erscheint Im Laufe dieser Woche ln London.