Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 176 (21.5.1931)
- Date
- 1931-05-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. BEZUGS- BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1*50, viertel jährl 6 4*20, gantjahrL . . S 16*~ Deutschld. viertel- ISbrL RM 3*~ Tschechoslowakei viertel]. Ke 24*— Jugoslawien vierteljährL Din. 40*— Polen vierteljährlich Zlotj 6*50 Ungarn Vierteljahr lieb Pengö 4*20 Rumänien viertel Öltrl. Lei 120ebriges Ausland vierteljahrl Schw Franken 4*50 Jüdisthe Zeitung Preis 35 g i-1 n t-1 P H* a w* it E H* O ag rO ffi Ul H* IQ dtion V m* p: C*" C"f p: m n ercf rf . p.?6 P ü* M H* senc O .546 p cf ■t1 U99 7 CD B ).230 fugoslawien 40.879 4. Jahrgang Wien, Donnerstag, 21. Mai 1931 (5. Siwan 5691) Nummer 176 Anschließend an den Herzl- Grabgang! Meeting Kongreßprogramm der allgemeinen Zionisten Oesterreichs zum XVII. Zionistenkongreß Sonntag, den 31. Mai 1931, 11 Uhr vorm. Festsaal des Restaurant Türkenschanzpark Redner: Professor S. BRODETSKY Mitglied der Zion. Exekutive, London, über: »Die politische Lage« TELEFON B 24-5 GBOSSBVfBIEB FÜR HBUSUJtiSCHE ’WTM Politik und Sachlichkeit Die moderne Sachlichkeit hat sich nahezu auf allen Gebieten des Lebens einen Platz erobert. Mode, Literatur, Wirtschaft, darstellende und bildende Kunst wurden von ihr beeinflußt. Auf einem Gebiete der menschlichen Tätigkeit und nicht auf dem unwichtigsten aber vermißt man sie: auf dem Gebiete der Politik. So verlockend es wäre, diese Tatsache allgemein zu behandeln, wollen wir uns doch auf die zionistische Politik beschränken. Gerade die zionistische Politik und die derzeitige Lage im Zionismus eignet sich besonders für eine derartige Betrachtung. Tausendjähriges Sehnen des jüdischen Volkes, Öle Balfour-Deklaration und das Mandat auf der einen Seite, die Araberfrage, eine.übelwollende,.Palästinäverwaltuhg, die Weltwirtschaftskrise und eine noch schwerere Judennot auf der anderen Seite sind die gegenüberstehenden Faktoren, unter deren Auspizien an der Verwirklichung des zionistischen Programms gearbeitet werden muß. Diese Arbeit ist ungeheuer schwer und erfordert die Mitarbeit jedes einzelnen Zionisten. Die richtige Erfassung der jeweiligen politischen Lage erfordert eine Ruhe und Sachlichkeit, die leider vielfach zu vermissen ist. Wer aber die Absicht hat, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, darf sich nicht von politischen Schlagworten leiten lassen, die seine sachliche Entscheidung behindern. Denkt er aber egozentrisch, weil er nur die Sehnsucht seines Herzens kennt und den dornenvollen Weg nach Zion nicht sieht, dann mag er sich eine Zeitlang berauschen an der Zustimmung Gleichgesinnter, er wird doch früher oder später mit »einer Schlagwortpolitik zu Fall kommen; denn seine Politik geht an Tatsachen vorbei, die duroh Schlagworte nicht überwunden werden können, seine Politik ist unsachlich; er arbeitet mit dem politischen Rüstzeug der Vorkriegszeit, das sich trotz der Nachkriegserscheinungen nicht geändert hat; er rechnet mit den leicht entflammbaren Herzen der Menge und sieht nicht die Gefahr, die uns droht, wenn diese himmelhoch jauchzenden Herzen urplötzlich zu Tode betrübt sein werden, wenn die graue, nüchterne Wirklichkeit sie zur politischen Sachlichkeit zwingen wird. Das Verkennen, der gegebenen weltpolitischen Voraussetzungen geht Hand in Hand mit unsachlichen Kampfmethoden. Das ist eine der Erwägungen, die zur Ablehnung der revisionistischen Kampfmethoden führt, es ist aber nicht die einzige. Die Assimilation an die Kampfweise politischer Parteien in den europäischen Parlamenten ist so weit gegangen, daß der Revisionismus, der dooh lOOprozentiges Judentum und lOOprozentigen Zionismus auf seine Fahne geschrieben hat, sich für berechtigt hält, alles In den Kot zu zerren, was Exekutive heißt. Er meint, es sei ihm gestattet, sich im politischen Kampfe so 2u benehmen, wie es eine radikale Opposition in Irgend einem Parlament tut, und vergißt dabei, daß diese radikale Opposition sich in einem Staate betätigt, der bereits existiert, während die revisionistische Opposition in eine Zeit fällt, die der Bildung der nationalen Heimstätte vorangeht. Die revisionistische Opposition glaubte sich auch berechtigt, sich bei dem in letzter Zeit auch nach revisionistischer Ansicht braven Onkel England zu verwahren jpgen die eigene Mutter, die da heißt zionistische Weltorganisation. All das gehört in die Rezeptur der Die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina (Baseler Programm) bedeutet für uns die einzige Lösung der Judenfrage, durch die die Not des jüdischen Volkes behoben werden kann. II. Die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Erez Israel zu einem Gemeinwesen, das dem jüdischen Volke die Möglichkeit geben soll, auf eigenem Boden frei und unbehindert nach seinem eigenen Willen zu lebpn und zu schaffen, erfordert die Zusammenfassung aller im jüdischen Volke vorhandenen, auf die Erneuerung des selbständigen n atlonalen Lebens abzielenden Kräfte. III. Zur Erreichung des zionistischen Endzieles erscheinen uns unerläßlich: Die Sicherung der politischen Voraussetzungen und Bedingungen für die ungestörte Fortsetzung des Aufbauwerkes In Palästina; die Stärkung des Jtschuw; die Festigung und Erweiterung der Im Lande bestehenden zionistischen Institutionen und Schöpfungen; die Vermehrung des jüdischen Bodenbesitzes; eine dauernde und großzügige Einwanderung mit dem Ziele einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit in Palästina. politischen Kampfmethode der Vorkriegszeit. Dazu gehört auch die Tatsache, daß unangenehme Vorkommnisse der Vergangenheit vergessen werden sollen, daß man auch mit der Vergeßlichkeit der jüdischen Massen rechnet. In dieses Kapitel gehört die unwiderlegliche Tatsache, daß Jabotinsky das Weißbuch des Jahres 1922 mitunterfertigt hat, daß er aber nicht nur seine, Partner bei der Unterzeichnung, die seither die ungeheure Last der Verantwortung im Zionismus trugen, in ihrer Arbeit nicht unterstützt hat, sondern sich auch noch das Recht nimmt, sie zu verhöhnen. Daran ändert die Tatsache nichts, daß er kürzlich in Wien erklärte, er habe für die Führer Gefühle der Verehrung. Diese Kampfmethoden sind abzulehnen. Die Unduldsamkeit einer politischen Meinung darf sich nicht so weit austoben, daß Theodor Herzls großes Werk, die zionistische Weltorganisation, von der Gefahr der Sprengung bedroht ist, das Werk jenes Theodor HerzI, dessen politische Universalerben zu sein die Revisionisten behaupten* iv. * Mit den auf Palästina gerichteten Bestrebungen muß eine System atischeGalutharbeit Hand in Hand gehen, die sich zum Ziele setzt: Unsere Organisation in ihrer Integrität wiederhefzusteilen; den Fonds erhöhte Mittel zuzuführen; die zionistische Idee in die Herzen der Jugend einzupflanzen; die Chaluziuth zu fördern; die nationaljüdischen Kultur- und Erziehungsaufgaben zu pflegen; die hebräische Sprache zu verbreiten; und im jüdischen Leben der Diaspora den Gedan? ken der Einheit des jüdischen Volkes mit Nachdruck zu vertreten. V. Im Vertrauen auf den Willen des jüdischen Volkes sein nationales Leben im Lande der Väter zu erneuern^ sind wir der zuversichtlichen Ueberzeugung, daß das jüdische Volk dem Lande die Menschen und Mittel geben wird, das begonnene Werk des Wiederaufbaues seiner Vollendung näher zu bringen. Es Ist Aufgabe der zionistischen Organisation, all# im jüdischen Volke vorhandenen, auf das zionistische Endziel gerichteten Energien zu erfassen und zu beein*, flussen. Pflicht jedes Zionisten und aller zionistisch«! Gruppen ist es, dazu beizutragen, daß alle diese Kräfte^ ohneAblenkungaufdasGebietunfrucht« barer innerer Streitig’keiten, auf die im Augenblick wichtigste zionistische Auf-* Natürlich, wird man sagen, die böse Opposition soll wieder der Sündenbock sein. Dieses Thema ge^: hört auf ein anderes Blatt. Hier ist nur von den Me^ thoden des politischen Kampfes (wir verweisen In diesem Zusammenhänge auf die Vorkommnise in Warschau beim Vortrag des Abgeordneten Grün*' bäum. Anm. d. Red.) die Rede, von Methoden, die [(Fortsetzung auf Seite 2, Spalte 2.) m KAtSERSTR. m #. AlSE&STR. 6