Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1931-05-14 · Heft 175 (14.5.1931) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 175 (14.5.1931)
Date
1931-05-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3053911-3053929--2341-3057762
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 175 — 14. Mal 1931 DIE STIMME Seite S Ebenso regelmäßig wie wir essen und trinken, sollten wir den Schädigungen entgegenwirken, die der überlastete Verdauungsapparat unserem Körper zufügt. Für den Großstädter ist jeder Tag ein Sensenruck gegen den Lebensfaden. Jeder Tag kann aber auch ein Baustein für die Gesundheit werden. Beginnen Sie noch heute mit der Prosan-Kur, durch welche Sie die gesundheitsfördernden Säfte und Gele des Knoblauchs auf Ihren Darm wirken lassen. Sie werden sich leicht daran gewöhnen, jeden Tag von dem schmackhaften Emmentalerkäse zu essen. Wenn Sie dafür sorgen, daß Ihr Verdauungsapparat jeden Tag aufs neue „Prosanierf" wird, befolgen Sie eine Lebensregel, die sich seit Jahrhunderten bewährt hat. PROSAN w'r<^ aUS ec^em Emmentalerkäse hergesfeilt und enthält überdies einen Zusafs von Knoblauch in natürlichem Zustand. PROSAN ist ein vollwertiges Nahrung*« mittel, das zugleich alle gesundheitsfördernden Eigenschaften besitzt, die dem Knoblauch so« wohl durch die überlieferte Volksheilkunde wie durch die klinische Erfahrung der modernen Ernährungstherapie zugeschrieben werden. Essen Sie PROSAN-Käse. Geruchlose Packung. Hervorragend im Geschmack. PROSAN ist in allen guten Lebensmittelgeschäften erhältlich. Achten Sie beim Einkauf auf nebenstehende Schachteletikette. CHALET KÄSE A. G., ZUG (Schweiz) Vertretung und Lager« •ntholfend fLtT THEODOR ETTI & W. BERGEL, A. G., WIEN, I., Akademiestraße 1! Zur Beamtenfrage Widerhall eines offenen Briefes. Von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem. In seinem Blatt richtet der Neurevisionist Oberbaurat iStricker einen Offenen Brief an Präsidenten Weizmann und straft ihn wegen der Ansprache, die er kürzlich in Jerusalem an die zionistische Beamtenschaft hielt, Lügen. Wenn Weizmann dort die Beamten wegen der von ihnen jahraus jahrein erlittenen, aus zionistischen Kreisen stammenden Kränkungen getröstet und sich dabei gesorgt habe, daß kein anständiger Mensch mehr zionistischer Beamter sein oder bleiben wolle, so sei all dies aus der Luft gegriffen; denn die Opposition habe ja stets nur eine Kontrolle des Beamtenapparats verlangt, um die wirtschaftliche Gebarung zu sichern. Weizmann solle sich wegen seiner Mißdeutung rechtfertigen! — Nun scheint es sehr unwahrscheinlich, daß er hierfür Zeit hat; ist er ja vorläufig noch mit einem anderen wichtigen Brief ausreichend beschäftigt, mit jenem des Ministerpräsidenten MacDonald. Da nun Gg. Strickers Brief mangels einer Antwort den Eindruck wecken könnte, als spreche er die Wahrheit, sei es mir — zur Klärung der Sache — erlaubt, einzuspringen. Natürlich hat Weizmann mich dazu nicht beordert, noch ermächtigt. Aber da ich vor zehn Jahren meinen Zivilberuf in Wien aufgab, um als zionistischer Parteibeamter zu dienen, darf dies als Fachlegitimation ausreichen. Strickers Anklagebrief, der an Weizmanns Schuldregister das vorläufig 123. Kapitel fügt, rechnet mit der Unkenntnis, Gleichgültigkeit und Vergeßlichkeit der Masse. Wir Beamten, als die Nächstbetroffenen, wissen da besser Bescheid. Vor allem sei, um das Kampffeld von störender Spreu zu säubern, festgestellt, daß die zionistische Beamtenschaft selbst sich meines Wissens nie gegen die Einsetzung irgend welcher Kontrollinstanzen gesträubt hat. Leider ging sie in ihrer Uneigennützigkeit und Bescheidenheit noch viel weiter, indem sie auch zu den wirklichen, von Weizmann erwähnten Kränkungen so lange schwieg. Das war ein schweres Unrecht, voran am Zionismus selbst. Die Beamten wurden dadurch „hefker“, vogelfrei, und die üble Hetze artete zum Nationalsport aus. So kam es, daß ich letzthin, zweimal knapp hintereinander, von guten Freunden, Kampfgenossen noch von Herzls Tagen her, liebenswürdige Episteln erhielt, in denen unsere Beamten — „natürlich“ mich ausgenommen — als Lebewesen definiert wurden, die „vom Zionismus leben". Wißt Ihr überhaupt, was so ein .zionistischer Beamter alles für Stücke spielen muß? Daß er seine Pflicht erfüllt, wie sonst wer, ist ja selbstverständlich. Auch wenn sein Dienst komplizierter, weniger schablonenhaft ist als anderwärts. Daß er grundehrlich, gegen jede Bestechung gefeit ist, wie kaum anderwärts, ist auch keiner Rede wert. Er ist eine Art Staatsbeamter, Beamter wenigstens eines werdenden Staates. (Gerade hier kann doch kein „Judenstaatler“ widersprechen?) Solche Beamte erfreuen sich anderwärts ais Zubuße zum Gehalt verbürgter Vorrückung und sicherer Alterspension und überdies besonderer Ehren, wie Titel, Uniformen usw. Bei uns treten an deren Stelle zusätzliche Pflichten, nach der palästinensischen Erfahrung zunächst zur Tragung erhöhter Geldlasten. Bei den fluktuierenden Verhältnissen Israels hält man sich dort naturgemäß zuerst an die zionistischen Beamten, die leicht in Evidenz zu nehmen sind. Jeder von ihnen ist schriftlich verpflichtet, allmonatlich den nationalen Fonds, dem Waad Leumi, dem Waad Hair und noch einer Reihe anderer bestimmter Zwecke von allgemein nationalem Wert bestimmte Quoten beizusteuern, die bei der Gehaltsauszahlung vorneweg in Abzug kommen. Geht in Ordnung! Doch es bleibt nicht nur beim Geld. Als ich z. B. 1922 die Uebersiedlung des KKL- Hauptbüros vom Haag nach Jerusalem durchgesetzt hatte, ließ dort der neue Präsident, Herr Ussischkin, die frischeingelangten Beamten auf einen Leiterwagen setzen und zur Anmeldung als palästinensische Bürger abspedieren. Mein Einwand, ich würde dadurch für immer das Recht auf die österreichische Advokatur einbüßen, blieb ohne Eindruck, und als ich nun, mit Hinweis auf meine fast durch ein Vierteljahrhundert dem KKL unentgeltlich geleisteten Dienste, zumindest einen Anstellungsvertrag erbat, hieß es, Verträge gäbe es bei zionistischen Beamten überhaupt nicht und Ausnahmen seien unzulässig. Auch gut! Doch darüber hinaus glaubt jede zionistische Fraktion, ja jeder jüdische Volksgenosse, ein Mitbestimmungsrecht an dem zionistischen Beamten, an „ihren" Beamten zu haben, in finanziellen und auch Gewissensfragen. Freilich gehört das schon fast ins Purimblattei. Als ich einmal einem Sendling der allmächtigen Arbeiter fraktion, der unser Jerusalemer Büro abgraste, es höflich abschlug, Aktionär der Bank Hapoalim zu werden, und als ich ihm auf seine brüske Frage, warum ich allein dies wage, Bescheid gab, daß ich es aus Prinzip täte, da ich als Zionist jede Fraktion verpöne, drohte er mir, das werde mich die Stelle kosten. Der Zufall fügte es, daß bald darauf ein heißer Misrachist Sabbats meine Frau im Autobus ertappte; er schrie ihr Schmähworte nach und begann mich mit vorwurfsvollen Briefen zu bombardieren, wobei er auf meine Pflicht als Parteibeamter pochte und es seiner Gnade anheimstellte, mich nicht der vernichtenden Rache seiner Presse preiszugeben. Keine leere Drohung, wie der nächste Fall zeigen mag. Auf einer strapaziösen Berufsreise in die Sommerglut Aegyptens war mir, der sonst letzter Klasse zu fahren pflegt, ein — nicht einmal vom KKL bezahlter — Schlafwagenplatz gelöst worden. Dabei verlor ich meine Uhr. Durch die Verlustanzeige erfuhr ein findiger Journalist von meinem schwelgerischen Attentat auf das VoJksvermögen und nagelte es in einem eigenen Feuilleton des führenden palästinensischen Tagblattes (Tendenz diesmal rechtsradikal) gebührend an, wobei er gleich das schlichte Nickel meiner Uhr in gleißendes Gold verwandelte. Oder noch toller; Ein Schwarmgeist, nebstbei Arzt der Hadassah, der vom Geld seines Vaters einen Prachtpardess gekauft hatte und sich seither als Landwirt fühlt, verfocht vor mir bitteren Ernstes die These, dem Palästinaaufbau sei nur zu helfen, wenn jedem zionistischen Beamten 20 Prozent vom Gehalt für Kauf einer Parzelle abgezogen und darauf sein Erstgeborener, der zum Landwirt zu erziehen sei, zwangsweise angesiedelt wird. Wahrscheinlich war jeder Beamte, der keinen Sohn stellt, strafweise zu entlassen. Dpch genug dieser Beispiele! Wie, das seien nur Einzelfälle? Oh, hat man schon vergessen, daß die Oppositionellen immer wieder versucht haben, den zionistischen Beamten in zionistischen Fragen den Mund zu verbieten, ja sogar die Wählbarkeit zum Kongreß zu nehmen? .Dies mit der Begründung, daß ja jeder Beamte ohnehin nur das Lied der „Regierung" singe, deren Brot er esse. Eine blutige Beleidigung der gesamten Beamtenschaft, als wären ausgerechnet ihr so was wie Idealismus und Ueberzeugung fremde Begriffe, als wäre in ihr nicht die Elite, sondern der Abhub der Zionisten vereint. Und doch liegt es so nahe, daß eben die Beamten aus ihrem täglichen Berufdie Bedürfnisse der Bewegung und Erez Israels am besten kennen. Umso schlimmer für die Opposition, wenn solche Beamte die Ueberzeugung hegen (und demnach pflichtgemäß aussprechen), eine festgefügte Organisation sei besser als eine zerfahrene und jeder neue Ziegel für den Aufbau sei mehr wert als rhetorisches Feuerwerk und blitzende Sprengkörper. Dabei drapiert sich diese Hetze noch als demokratisch! Bestenfalls ohne Ahnung davon, daß beamtenfeindliche Allüren dieser Art eine schwere Schädigung, ja Ertötung jeder Demokratie bedeuten. Wo gibt es denn ein demokratisches Land, das sich vermißt, seine Beamten mundtot zu machen? Und wie doppelt widersinnig erst bei uns Zionisten, wo doch naturgemäß durch das Medium der Beamtenschaft aus dem Urkern des Volkes die Führer aufsteigen. Unterbände man diesen Aufstieg, dann würde eben der Typ jener reichen, auf Beamtensold nicht angewiesenen Notabein im Zionismus ans Ruder kommen, jener volksfremden Plutokraten, die der Opposition so grimmig verhaßt sind, daß ihr nicht einmal deren Bundesgenossenschaft neben der Zionistischen Organisation erträglich erscheint. Hatte die Opposition kein anderes, demokratisches Mittel, als die Mundsperre gegen uns Beamte, um die von ihr so tief beklagten Unheilsfolgen unserer Abhängigkeit von der „Regierung“ zu vermeiden? Lag es nicht so nahe, die zionistische Beamtenschaft durch ein vernünftiges Statut wenigstens vor willkürlichen Entlassungen zu schützen und ihr dadurch mit dem Bewußtsein der Unabhängigkeit den vollen Wert und somit die ungeschmälerten demokratischen Bürgerrechte zu sichern? Hat die Opposition auch nur ein Zehnteil ihrer Mühe, ihrer Lungenkraft dieser schönen, wahrlich volkstümlichen Aufgabe geweiht? Nichts davon! Dann aber muß jedermann mißtrauisch fragen, welchen Zweck denn die ganze Beamtenhetze dient. Betrachtet man nun den Chorus der heftigen Ankläger und Korruptionstöter, dann fällt es auf, daß darunter nicht wenige sind, die selbst einmal bei uns Zionisten oder a nd e r w ä r t s beamtet waren und mit Pensionen, Abfertigungen und sonstigen Delikten behaftet sind, oder gar solche, denen es nach derlei Stellen gelüstet. Doch wir wollen von jedem das Beste denken. Speziell von OBR. Stricker darf man überzeugt sein, daß es ihm gar nicht so darauf ankommt, den Beamten wehzutun. Für ihn gibt es nur e i n Lebensziel: Weizmann herunter! und dazu ist jedes Mittel« also auch die „Beamtenreform“, gut genug. Und just dies Mittel ist probat. Denn keine Propaganda lohnt sich so, als die, welche die unedlen Instinkte der Menschen aufkitzelt und dabei gefahrlos nach der Richtung des kleinsten Widerstandes weist. Gegen den Beamten mit seinem fixen Gehalt wird in einer Zeit, wo alles — einschließlich des Einkommens — schwankt, Neid und Haß am leichtesten mobil gemacht. Auch kann der Beamte sich nicht gut wehren, will er nicht Gefahr laufen, das Kreuzfeuer der Rache auf sich zu lenken. Seht doch den von unserer Opposition so oft zitierten und mißbrauchten Herzl! Als er, der Nationalheros, vor einem Menschenalter schon eine bezahlte Berufsbeamtenschaft als Voraussetzung jedes zionistischen Fortschrittes vom Kongreß verlangte, wollte er selbst aus Angst vor beamtenfeindlichen Anwürfen keine bezahlte Stelle annehmen, und zog es vor, sich als Zeitungsschreiber totzurackern. Und doppelt grötesk, wenn solche Angriffe von den behaglichen Kaffeehauswinkeln und süffigen Beiseln Europas her jene Beamten treffen, die immerhin inmitten des Jischuw die be-« sonderen Gefahren Erez Israels teilen. Die Folgen der Beamtenhetze für die zionistische Sache, und darauf kommt es an, waren schon bisher.. schlimm genug. Wie mußte der Arbeitseifer der Beamten unter den ständigen Herabsetzungen, unter der Angst vor. den Razzien der Gehaltskürzungen und Entlassungen leiden! Die Fortdauer dieser Zustände aber droht unserer Organisation Vernichtung. Weizmann hat vielmehr recht, wenn er sagt, unter solchen Umständen könne kein anständiger Mensch zionistischer Beamter bleiben; vielleicht die paar monomanen Narren ausgenommen, die da glauben, im Hochgefühl ihrer Mission trotz allem ausharren zu müssen. Der gute Durchschnitt jedenfalls wird die erste Gelegenheit ergreifen, um sich in einen anderen Beruf zu flüchten, zumal dieser sich oft genug besser bezahlt macht. Nebstbei ein Beweis, daß diese Beamten so schlecht nicht sein können. Manche werden gar vom Moment ihrer Amtsniederlegung an zionistisch rehabilitiert, so der vordem verketzerte Privatsekretär Weizmanns, Leonhard Stein, dessen prächtige Repliken den Völkerbund gegen das britische Empire auf die Beine brachten. Und wer von unseren Beamten aus Unvermögen, für sich und die Seinen ein anderes Brot zu finden (und dies gilt insbesondere für Erez), im Parteipferch bleiben muß, ist dreifach bedauernswert — und gefährlich* Denn eben jetzt tritt die Korruption, vor der wir so beweglich gewarnt wurden, als Versuchung an den Beamten heran. Erst neulich prahlte ein revisionistischer Meteor in Jerusalem vor mir, soeben habe ihm eine Gruppe Beamter der Zionistischen Exekutive geschrieben, die sich insgeheim als Revisionisten bekennen und für den Fall des Umsturzes dem Wohlwollen der kommenden Regierung bestens empfehlen.. * Darum ist es nicht nur natürlich, sondern Pflicht und Schuldigkeit des Präsidenten Weizmann, daß er sich gegen eine solche Verarmung und Depravierung unserer Organisation auflelint. Und wenn er dies jetzt erst tut, da er von der Macht scheidet, kann dies als Beweis mehr gelten, daß nicht Eigensucht ihn leitet. Schon sind wir am Schluß. Nur ungern trat ich aus der Reserve meiner Arbeitsstube hinaus. Trotz der knappen Fassung hoffe ich auch Parteigegnern, wenn sie sich nur vor dem Stirnrunzeln ihres Clanhäuptlings ein Quäntchen Urteil und unter ihrer Fraktionskokarde einen Rest Gewissen bewahrten, einigen Stoff zum Nachdenken gegeben zu haben. Kommt einmal wieder eine emst&re Zeit in unserer Bewegung, eine Zeit, da sachliche Fragen sachliche Behandlung finden, wird niemand eifriger an einer wahrhaften Be« amtenreform mitwirken als der zionistische Beamte selbst Vorläufig aber kann ich angesichts dieser „Korruptionstöter“ nur zitieren, daß hier der Geist am Werke Ist, dtt angeblich das Gute will, sicher aber das Böse schafft ,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.