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Die Stimme · 1931-05-14 · Heft 175 (14.5.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 175 (14.5.1931)
Date
1931-05-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Stft# 4 otcr »rowe Nr. 175 — 14. Mal 103f Büchsenleerung: ln der Zeit vom 17. Mai bis 7. Juni findet die neue Kcreil KajemcIIMHtCllSCnlecrang statt NurmitLegitimat.(die bloß auf diese Leerung lauten) versehene Mitarbeiter sind zur Leerung berechtigt einem milderen, leidenschaftsloseren Urteil Uber Menschen und Menschenwerk zu gelangen. In diesem Sinne Ist Freud als Umstürzler zu bezeichnen. Er hat alle gegensätzliche Einteilung der Menschen In Oute und Öüse, Sittliche und Unsittliche, allen Dunkel der Macht vor der Schwäche, jedes Oben und Unten über den Haufen geworfen, Indem er die inneren Bedingtheiten der menschlichen Seele Aufzeigte; er lehrte uns verstehen, wieviel Gegensätzliches in jedem von uns zutiefst schlummert, wieviel Böses Im Guten, wieviel Kleines im Großen zu finden ist. Durch seine fein- Die Lage der Juden Die neue republikanische Regierung in Spanien hat bekanntlich die Gleichberechtigung aller Religionen verkündet. Unter den führenden Männern Spaniens gibt es einige, die eich schon im Jahre 1016 in einem offenen Brief gegen die Unterdrückung spanischer Juden in Französisch-Marökko aussprachen.' Zu den Unterzeichnern dieses Briefes gehörten u. a. der derzeitige spanische Außenminister Alejandro Lerraux und der derzeitige Minister des Innern Miguel Maura. Der Unterrichtsminister Fernando des Klos, ebenfalls ein Judenfreund, ist ein Verwandter des Historikers Armador de ios Kios, des berühmten Forschers der Geschichte der spanischen Juden. Schon im Jahre 1876 beschloß das spanische Parlament ein Gesetz, das den Nachkommen spanischer Juden Freiheit der Religionsausübung zusichern sollte. Es gab damals führende Männer in Spanien, die auf Grund dieses Gesetzes Propaganda für die Rückkehr der spanischen Juden nach Spanien machten, Dr. Angel Pulido, ein bekannter Physiker, der Bankier Julio Jonas, von dem man annimmt, er sei der erste Jude gewesen, der sich im 19. Jahrhundert ln Spanien ansiedelte, ferner J. Lopez Lapuya gründeten ein «Zentrum für die jüdische Einwanderung» (Ccntro Espagnol de Immigrüciön Israelita). Ein gewisser Dr. Pulido bereiste Europa und besuchte Überall die sephardlschen Gemeinden. Im Jahre 1905 erschien dann sein Buch «Espanoles sin Patria» (Spanien ohne Vaterland). Dieses Buch fief eine zahlreiche Literatur hervor, die sich mit diesen Problemen befaßte. — Manuel Örteag schrieb Uber die Juden in Marokko und über arabische und jüdische Themen in seiner Zeitschrift «Revista de la Raza», Erwähnt sei auch der im Kriege gestorbene spanische Historiker Pater Fita. Es hat auch an anderen Bemühungen nicht gefehlt, die Spanier auf das Unrecht der Judenaustreibung durch Ferdinand und lsabeila hinzuweisen und die Spaniolen zur Rückkehr nach Spanien aufzufordern. Ein nennenswerter Erfolg war nicht zu verzeichnen. Man schätzt die Zahl der heute in Spanien lebenden Juden auf zirka 5000. Sie leben in Barcelona, Madrid und Sevilla. Die größte jüdische Gemeinde ist Barcelona mit 2000 Seelen; die Gemeinde entstand während des Weltkrieges, Die älteste jüdische Gemeinde besteht in Sevilla, ihre Mitglieder sind im Exportgeschäft (Oel, Zuckerwaren, Honig, Datteln usw.) beschäftigt. In Sevilla existiert noch das Viertel, In dem die juden vor ihrer Vertreibung aus Spanien lebten und oine Gasse heißt heute noch «Calla de la Juderia». In Madrid wurde eine jüdische Gemeinde erst im Jänner dieses Jahres gegründet. Ihr Gründer und Vorsteher ist Ignacio Bauer-Landauer, Bankier, Besitzer eines großen Verlages und ein großer Phllantrop, Im Jahre 1020 schenkte er der hebräischen Universität in Jerusalem 6000 Bücher spanischer Autoren. —■ In Madrid starb 102ä^de.r: Jude Dr, Felipe Hauser, ein bekannter Arzt, nach 30j|liriger- Tätigkeit. Bekannt ist auch, daß Prof. Jahuda acht Jahre lang den Lehrstuhl für Hebräisch an der Universität in Madrid innöftätte. Auch Max Nördau lebte während des Krieges in Spanien, in Madrid leben heute Juden, die weit über ihren Kreit hinaus bekannt sind, so z. B. die Malerin Laura Albeniz, Joe J. Parache, der Rabbi Jehuda Gabiroll «Keter Malchuth» in Spanische Ubertrug, der Professor an der Bergbau-Ingenieurschule Enrique Hauser u. a, Ob die wledurholten Aufforderungen an die Sephardim, nach Spanien zu kommen, Erfolg haben werden, das hängt von der Entwicklung ab, der Spanien entgegengeht. Das Spanien Isabellas und Torquemadae hat die Juden vertrieben, die bis heute in Ihrer epanioliichen brache einen Zusammenhang mit dem Lande, ln dem ihre Ahnen eine Mühende Kultur schufen, bewahrt haben. Es wird auch möglich sein, daß jetzt, da der Druck der Kirche vielleicht nicht mehr Zionisten! Schicket euere Kinder In die jüdische Schule! Cnajesma oymnasium Oeffanti'chkeitsreoht StaatsgO'tige Zeugnisse Laieh, Enghsch, Hebräisch Aufnahme in alle Klassen II, Castellezgam 35, Tel. R48-2-85 sinnigen Untersuchungen des Seelenlebens der Urvölker i könnte er nicht nur viel Stoff für das Verständnis des | gesunden und kranken Kulturmenschen Zusammentragen, sondern auch nachweisen, daß der Mensch In seiner Tiefe über alle Stammes - und Volksgegensätze hinweg immer und überall der Gleiche ist. Freud einigt die Menschheit, indem er die Götzen der Ueberheblichkelt stürzt und der Heuchelet rücksichtslos die Maske vom Gesichte reißt. Er dient in diesem Sinne der Idee des Friedens, des jüdischen «Schalom» und hilft die messianische Sendung des Judentums erfüllen. so stark sein dürfte, neue Marranetigemeinden aus dem Dunkel auftauchen werden. J. b e n A w r a h a m. Der spanische Ministerpräsident und zwei seiner Minister Abkömmlinge von Marranen Es wird erst jetzt, da alle Phasen der Lebensgeschichte der heutigen Führer der neuen spanischen Republik Interesse gewinnen, bekannt, daß drei von Ihnen Marranenfnmilien angehören. Sowohl der Ministerpräsident Alcala Zamora als auch der Innenminister Miguel Maura und der Justizminister Fernando de los Rlös haben also eine mehr oder weniger weitreichende blutsmäßige Verbindung mit der Judenheit. Am stärksten ist sie bei Maura, dem Minister des Innern. Ihm wurde erst vor kurzem im spanischen Parlament offen seine Abstammung von den «Chuetas», den Marranen der Insel Malorca, vorgeworfen. Sein Vater, der berühmte Politiker Antonio Maura, ist noch in der letzten Marranengemeinde von Spanien aufgewachsen und hat also die wenigen jüdischen Gebräuche, die sich hier, Im kleinen Ghetto von Palma, erhalten haben, noch selbst In seiner Kindheit beobachtet. Wenngleich die «Chuetas» (Schweinefresser) offiziell IGOR GORIN der hier urrer dem flamen Igor Grflfibtrg beiten; bekannte Sänger, Ist von seiner flmerlkalcurnee zurüekgekeftrt und gibt seinen ersten Arien-und Liederabend mitlwotfi, den 27. ITH halb 8 Uhr abends fm Mittleren Ko. *«rthau..sMl Hm KlGOier: Prof. Erich Meller Karlen erhfiffltdt fn der Konsertdlrektton $u(fmann sämtlich zum Katholizismus übergetreten sind und Ihre Treue zur katholischen Kirche mit allen Mitteln beweisen, haben sie sich doch verschwommene Vorstellungen und Traditionen von Pessach, Jom-Kippur usw. erhalten. Zamora und de Iob Rios entstammen Familien, die selbst in den letzten zwei Generationen keine betätigte Verbindung mit dem Judentum mehr gehabt haben. Beide aber tragen, auch In weit zurück verfolgbaren Linien ihrer Vorfahren, rein spanisch-jüdische Namen und es ist anzunehmen, daß bei der in diesen Kreisen allgemein Üblichen Inzucht nur wenig nichtjüdisches Blut in ihren Adern rollt. In den der republikanischen Regierung nahestehenden Kreisen huscht die Ansicht vor, daß eine ausdrückliche Annullierung des bisher de jure in Kraft gewesenen Vertreibungsodikts von 1492 unnötig sei. Da es schon In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts von keiner Behörde je erwähnt worden ist und jüdischer Einwanderung seither kein« Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, hält man eelna feierliche Aufhebung für überflüssig, das um so menr, als ja ohnedies der Großteil aller bourbonischen Gesetze überhaupt mit dem Tage des Umsturzes seine Gültigkeit verloren hat. Von maßgebender Seite ist aber geäußert worden, daß die Regierung, wenn die ausländischen Juden es wünschen, gleichsam als Demonstration für die neue Epoche gerne eine feierliche Annullierung des Gesetzes vornehmen würde. Spanien will die Naturalisierung der Sephardim erleichtern Der spanische Finanzminister Indalecio Prleto hat dem Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Madrid, Ignacio Bauer, mitgeteilt, daß die spanische Regierung bereits Schritte unternommen habe, um die Naturalisierung der Spanisch sprechenden Juden zu erleichtern. Der Finanzminister bezog sich bei dieser Mitteilung auf eine Rede, die der Innenminister Miguel Maura vor kurzem In Bilbao gehalten hat und in der er die religiöse Intoleranz verurteilte, die bisher In Spanien hinsichtlich der Behandlung der Marranen oder heimlichen Juden bestand. Der Flnanzmtnlster erklärte, Spanien Werde die Garantie dafür übernehmen, daß der Glaube dieser verfolgten Menschön künftighin respektiert werde und daß sie selbst nicht, w!« in früheren Zeiten« dir Verfechtung auigeietzt Uten, Bezüglich der sephardlschen Juden, der Abkömmlinge der aus Spanien gellücliteten Juden, die jetzt In anderen Ländern leben, erklärte der Minister, der Regierung sei es bekannt, daß es viele sephardische Juden fn Nordafrika gibt und daß eine noch viel größere Anzahl von ihnen im weiteren Orient sowie in vielen Ländern Europas lebt. Diese Juden sprechen bis auf den heutigen l ag ein altes Kastilia» nisch und haben ihre Liebe zu Spanien bewahrt. An uiesen» führte der Minister weiter aus, garantieren wir für persönliche Sicherheit; wir verbürgen uns dafür, daß sie nicht wie Pestkranke qn abgesonderten Plätzen isoliert gehalten werden sollen. Eine offizielle Kundmachung seitens der Regierung bezüglich der Wiederzulnssting der sephardischen Juden nach Spanien ist bisher nicht erfolgt. Die Regierung hat sich bis jetzt auf allgemein gehaltene Aeußerungen der Sympathie beschränkt, in denen sie die Versicherung abgab, daß sie das zugestandene Unrecht, das den spanischen juden durch ihre Vertreibung aus Spanien tm Jahre 1402 zugefügt wurde, wieder gutmachen wollte. Doch wurde bis jetzt noch nichts Uber die Grundsätze und Bedingungen vertautbart, die far die Wiederzulassung der sephardischen Juden nach Spanien maßgebend sein sollen. Die Möglichkeit einer jüdischen Einwanderung nach Spanien Madrid. (J. T. A.) Der Präsident der jüdischen Gemeind« von Madrid, Ignacio Bauer, erklärte in einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter, er habe bei der Unterredung mit den Mitgliedern des neuen Kabinetts die Ueberzeugung gewonnen, daß es die aufrichtige Absicht der Regierung sei, den Juden die Einwanderung nach Spanien zu ermöglichen. Von einer Masseneinwanderung könne wohl keine Rede sein, doch würden die Tore des Landes Juden mit Kapital und initiative und hochqualifizierten Arbeitern offen9tehen. Interviews mit spanischen Ministern Der Standpunkt der neuen spanischen Regierung bezüglich der staatsbürgerlichen Stellung der Juden und der Möglichkeit einer jüdischen Einwanderung nach Spanten, kam in einem Interview zum Ausdruck, das die Minister für Justiz, Finanzen und Inneres einem Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen-Agentur gewährten. Die Mitglieder der neuen spanischen Regierung erklärten, es würde binnen kurzem eine Verordnung erscheinen, durch die die nunmehr verkündete Gleichberechtigung aller spanischen Bürger festgelegt werden soll. Die Minister ersuchten den JTA-Vertreter, die einmütige Entschlossenheit der spanischen Regierung, den Juden die gleichen Rechte wie allen anderen Bürgern Ohne Jeden Unterschied zuzuerkennen, sobald als möglich der Oeffentlichkeit zür Kenntnis zu bringen. Schließlich betonten die Minister, es könnten keine Zweifel darüber bestehen, daß die gegenwärtige Regierung keine Gegnerin der Errichtung des Jüdischen Natlönalheims in Palästina ist. Auf eine eingehende Erörterung dieser Frage wollten sie sich jedoch mit Rücksicht darauf nicht einlassen, daß der Außenminister, In dessen Ressort diese Frage fällt, an der Besprechung nicht teilnahm. Die Krise im Weltmisrachi kulminiert Berlin, 6. Mai. (J. T. A.) Die seit längerer Zeit bestehende innere Krise im Weltmisrachi hat jetzt ihren Höhepunkt erreicht und drängt einer Lösung zu. Die Meinungsverschiedenheiten grundsätzlicher und taktischer Art sowohl in politischer als auch in finanz- und verwaltungstechnischer Hinsicht, die zwischen dem deutschen Misrachi, dem holländischen Misrachi, einem wesentlichen Teil der Misrachisten In der Tschechoslowakei, kleineren Misrachigruppen in anderen Ländern, sowie erheblichen Teilen des Zelre Misrachi und des Hflpoel Hamisrächi einerseits und der Leitung de» Weltmisrachi andererseits bestanden und die sich schon anläßlich der vom Merkas olami vorgenommenen Zurückziehung der MBrachivertreter aus der Weltexekutive der Zionistischen Organisation zugespitzt hatten, haben sich seither weiter vertieft und nun in den den Charakter eines Ultimatums an den Weltmisrachi tragenden Beschlüssen des Delegiertentages des deutschen Misrachi, der am vergangenen Sonntag in Berlin stattgefunden hat, ihren prägnantesten Ausdruck gefunden. Wie die Entscheidung fallen wird, ob der Weltmisrachi sich nun der Erfüllung der Forderungen der Opposition geneigter zeigen wird als bisher, oder ob es zu einer Spaltung des Weltmisrachi und zur Schaffung eines linksmisrachistischen Verbandes kommen wird, ist heut« noch nicht endgültig zu übersehen. Die letzte Auseinandersetzung wird auf der dem XVII. Zionistenkongreß Vorangehenden Weltkonferenz des Misrachi stattfinden. jmammmmmmmmmmmmmmmmmammm Denket an die Krawalle an der HandeleHooh-chulal unentgeltliche® Stellenvermittlung I der Hakoah Wer ausgebildetes, 'Oohnges und diszipliniertes Personal «iler Art und alter Branchen braucht, wende sich an die HAKOAH, I.. Wleslngerstr, 11 ' Tel. R*25‘0*10 Das neue Spanien

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