Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 175 (14.5.1931)
- Date
- 1931-05-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 175 — 14. Mal 1031 SeHc 2 _ DIE STIMME Sonntag, 31. Mai 1931, Gang der Wiener Zionisten zum Grabe Theodor Herzls. — Treffpunkt halb 70 Uhr vorm. Hochschule für Bodenkultur der englischen Regierung zu sabotieren. Die zu erwartende neue Entwicklung der Dinge werde es den arabischen Führern ermöglichen, im Verlauf der nächsten Woche In offizielle Beratungen mit der Regierung einzutreten. Aus anderer Quelle erfährt die Jüdische Telegraphen-Agentuf, daß die Regierung die arabischen Führer von ihrer Absicht verständigt hat, eine Landentwicklurigskommission einzusetzen, die aus einem Engländer als Vorsitzenden und je einem jüdischen und arabischen Berater bestehen und mit der Machtbefugnis eines Regierungsdepartements ausgestattet werden soll. Die Möglichkeit einer jüdisch-arabischen Annäherung London, 3. Mai. (J. T. A.) In einem Leitartikel von «Near; East and India» wird uusgeführt, der letzte Besuch .;Weizmanns ifl_ Palästina habe deutlich gezeigt, daß die Führer der Araber weit davon;entfernt sind, sich mit den Führern der Juden auf gemeinsamer Basis zu einigen. Auch sei kein Anzeichen einer Annäherung zwischen den beiderseitigen Gefolgschaften festzusteilen. Das Feld werde gegenwärtig vom Landentwicklungsplan, auf den die Mandatarmacht als konkreten Beweis für ihren Wunsch, die Wohlfahrt der Bewohner Palästinas zu fördern, hinweisen könne, beherrscht. Daher könne die Hoffnung, daß Araber und Juden zusammen schrittweise näher kommen werden, nicht als übertrieben gelten. Die Politik Englands, die bisher passiv gewesen sei, sei nunmehr aktiv und fortschrittlich geworden. Durch diese Aenderung werde vermutlich ein Erfolg herbeigeführt werden. Die. Frage der Palästina-Enfwicklungsanieihe Jerusalem, 5. Mai. (J. T. A.) Das Organ der palästinensisch-arabischen Exekutive «Felestin» erklärt, die ayabische Exekutive habe es zwar abgelehnt, in Verhandlungen mit der Regierung einzutreten, es bestehe aber kein Hindernis, daß sie die Vorschläge der Regierung bezüglich der Palästinaentwicklungsanleihe enfgegennehme oder gegebenenfalls billige. Anfrage im Unterhaus über die Veihandlungen London. (J. T. A.) Colonel Howard Bury richtete in der am 4. Mai abgehaltenen Sitzung des Unterhauses an den Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels die Frage, ob er in der Lage sei, Mitteilungen über die im Zuge befindlichen Verhandlungen zwischen dem Kolonialamt und den jüdischen Organisationen Palästina zu machen. Dr. Drummond Shiels erwiderte, es hätten vor kurzem Unterredungen mit Vertretern jüdischer Organisat.bnen über vorgeschlagene Entwicklungsarbeiten in Palästina stattgefunden. Er könne es jedoch nicht als nützlich erachten, in diesem Stadium weitere Einzelheiten mitzu teilen. Colonel Howard Bury: Kann uns Dr. Shiels zumindest die Versicherung geben, daß die Bestimmungen des Weißbuches nicht weiter verstümmelt werden sollen? Dr. Shiels: loh glaube nicht, daß Colonel Howard Bury eine Antwort auf diese Frage erwartet. Witd Chancellor England auf der Tagung der Mandatskommission vertreten? Die hebräische Tageszeitung «Haarez» meldet, daß nicht der Chefsekretär der Palästina-Regierung Young, sondern der High Commissioner Sir John Chancellor, dar sich augenblicklich auf der Reise nach London befindet, neben dem Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels der akkreditierte Vertreter Englands auf der Tagung der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, die am 9. Juni in Genf eröffnet wird, sein werde. Chefsekretär Young werde als stellvertretender High Commissioner in Palästina bleiben. nen Kultur geschaffen wird, ohne daß die Juden in das Leben eines anderen Volkes eindringen. Er, Weizmann, habe den Eindruck, daß das Jüdische Nationalheim, Obwohl Palästina gerade jetzt eine sehr schwere Zelt durchzumachen habe, jenen Grad der Entwicklung erreicht hat, der sein Fortbestehen sichert, sogar, wenn die zionistische Organisation und die Jewish Agency verschwinden sollten. Wir erwarten nicht, erklärte Dr. Weizmann zum Schluß, daß das Jüdische Nationalheim morgen oder in der Zeit der nächsten Generation vollendet sein wird. Es wird sich fortentwlckeln, so lange Juden in der Welt leben. Nachdem Philip Guedalla den Toast auf die Mandatarmacht gesprochen hatte, hielt Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Stilels eine Ansprache, der die Anwesenden mit großer Spannung folgten. Dr. Drummond Shiels führte ungefähr folgendes aus: Die Mandatarmacht ist, vielleicht naturgemäß, die Zielscheibe der Kritik seitens beider Teile der palästinensischen Bevölkerung und Ihrer Vertreter hier und anderwärts. Wir sehen ein, daß Kritik unvermeidlich ist, was wir aber verlangen, ist, daß die Kritik konstruktiv und fördernd sei und daß sie verbunden sei mit dem Glauben an den aufrichtigen Wunsch der Regierung, alle Beteiligten gerecht und mit Sympathie zu behandeln. Unsere Instruktionsurkunde macht schwierige Entscheidungen unvermeidlich und läßt sehr verschiedene Ansichten darüber, worin unsere Pflicht in Wirklichkeit bestehe, zu. Wir sind mit den früheren britischen Regierungen in gleicher Richtung geblieben, indem wir die Art, wie wir unsere Mandatspflichten auffassen, möglichst klar gemacht haben. Das Kolonialamt wurde mitunter beschuldigt, der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims unsympathisch gegenüberzustehen. Ich glaube, daß diese Beschuldigung völlig ungerechtfertigt ist. Wir sind der Auffassung, daß das von uns übernommene Mandat, das wir ehrenhaft und vollständig durchzuführen wünschen, dem Jüdischen Nationalhelm einen sehr bestimmten Platz bei der Gestaltung der Zukunft Palästinas anweist. Ebenso müssen wir unserer Verpflichtungen gegenüber den nichtjüdischen Einwohnern Palästinas eingedenk sein. Meiner Ansicht nach stellt die Herstellung besserer Beziehungen zwischen der arabischen und jüdischen Bevölkerung Palästinas die dringendste Notwendigkeit in der gegenwärtigen Situation dar. Die Einstellung der arabischen Führer gegenüber dem Mandat hat sich, soweit mir bekannt ist, nicht geändert, doch bin ich sicher, daß sie, sobald sie die Gewißheit erlangt haben, daß die Mandatarmacht ihren Verpflichtungen auch ihnen gegenüber nachzukommen bestrebt ist, elnsehen werden, daß die Herstellung eines modus vivendi in ihrem eigenen Interesse ungemein wünschenswert ist. (J. T. A.) Kriminalität in Palästina Ihre Zunahme unter der arabischen Bevölkerung. Jerusalem, 4. Mai. (J. T. A.) Unter Nichtberücksichtigung der während der Massakers im August 1929 verübten Mordtaten ist die Zahl der Kapitalverbrechen in Palästina von 96 im Jahre 1929 auf 126 im Jahre 1930 gestiegen. Die Zahl der Mordversuche stieg von 154 auf 179, die der Fälle schwerer Körperverletzung von 274 auf 347; dagegen sind die Fälle von Straßenraub, Diebstahl, Einbruch und Sexualverbrechen nicht zahlreicher geworden. Diese Tatsache wird in der hebräischen Presse als Beweis gegen die Behauptung der arabischen Agitatoren, die Zunahme der Kriminalität sei eine Folge der Verschlechterung der Wirtschaftslage, angeführt, da in diesem Falle vor allem eine Vermehrung der Fälle von DieBstahl und Raub hätte eintreten müssen. Dagegen sei die Ursache für die starke Vermehrung der Fälle von Mord und versuchtem Mord darin zu sehen, daß der Fellache, dem im Jahre 1929 gesagt wurde, er könne Juden, gegen die er keinen persönlichen Groll hegte, ermorden, nunmehr glaubt, um so eher seinen Nachbar umbringen zu dürfen, gegen den er seit langem ein unbefriedigtes Gefühl des Hasses hegt. Die Fälle von Betrug, Veruntreuung und Fälschung sind von 251 im Jahre 1929 auf 342 im Jahre 1930 gestiegen, die Fälle von Meineid von 292 im Jahre 1929 auf 279 im Jahre 1930 gesunken. 52 Personen wurden im Jahre 1930 |ii lebenslänglichem Kerker, 19 zu löjährigem Gefängnis verurteilt. Die Zahl der zu Gefängnisstrafen von 5 bis 15 Jahren Verurteilten beträgt über 300. Etwa 3000 im Jahre 1930 Verurteilte haben Gefängnisstrafen von weniger als zwei Monaten zu verbüßen. Im Jahre 1929 wurden in Palästina 7, im Jahre 1930 6 Personen hingerichtet, während die Zani der Hinrichtungen in Großbritannien bei einer Bevölkerung von ungefähr 50 Millionen im Jahresdurchschnitt bloß 10 beträgt. Die Juden, die 20 Prozent der palästinensischen Bevölkerung ausmachen, stellen bloß 5 Prozent der Kriminellen. Auf je ein von einem Juden verübtes Vergehen entfallen 20 von Mohammedanern verschuldete Gesetzesverletzungnn, auf jedes von einem Christen verübte Vergehen 17 solche, djt sich Mohammedaner zuschulden kommen ließen. Das Cecil.BanketT des Palestine-Club Bedeutsame Reden von Lord Cecil, Ormsby-Gore, Prol Weizmann und Dr. Shiels Der ehemalige Unterstaatssekretär für die Kolonien, Ormsby-Gore, sprach den Toast auf das Jüdische NaÜonaiheim. Das gegenwärtige Stadium des Zionismus stelle bloß die Grundlage für das Jüdische Nationalheim dar. Erst nach einigen Generationen werde sich die jüdische Nation in einer eigenen jüdischen Sphäre entwickeln, in der ihr Gepräge so jüdisch Der A'nglo-Palestine-Club gab am Dienstag, den 5. Mai, zu Ehren Lord. Cecils ein Bankett in London, das sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für den Aufbau des Jüdischen. Nationalheims und für den nationalen Frieden in Palästina gestaltete. Den Vorsitz führte der Präsident des Klubs, James de Rothschild. Außer dem Ehrengast Lord Cecil, dem Vertreter der englischen Regierung Dr. Drummond Shiels und dem Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann waren zahlreiche hervorragende Vertreter des gesellschaftlichen und politischen Lebens Englands anwesend. ln seinem Trinkspruch auf Lord Cecil legte James de Rothschild dar, warum ein Staatsmann vom Range Lord Cecils eine Bewegung wie die zionistische unterstützen müsse. Er wies auf die großen Opfer hin, die die Judeniieit. für den PalästinarAufbau gebracht, hat. Die -Judenheit, von dem erhabenen Ideal der Freiheit beseelt, stellt nicht nur große Geldsummen, sondern auch die Menschen zur Verfügung, die freudig harte Arbeit leisten und schwerste Entbehrungen ertragen. Zur Besprechung der Araber-Frage übergehend, erklärte James de Rothschild, die Juden hätten immer aufs neue den Vorschlag auf Einberufung einer Round Table-Konlerenz gemacht. Er gab der Hoffnung Ausdruck, Lord Cecil werde den Bestrebungen, eine Einigung zwischen den beiden palästinensischen Nationen zuständeziibringen, seinen Beistand leihen. . Lord Ceci 1 entwickelte in der Beantwortung der Ansprache James de Rothschilds seine Auffassung vom Zionismus als einem der bedeutendsten Elemente für die Sicherung der Welt Wohlfahrt. Vielfach, erklärte Lord Cecil, herrsche die Vorstellung, daß jede revolutionäre Bewegung ihre jüdischen Teilnehmer habe. Wenn er auch selbst diese Vorstellung nicht teile, müsse er doch darauf hinweisen, daß eine Revolution das r Ergebnis der YoJksverzweiflung ist, und daß in vieler! Teilen der. Weit die Juden allen Anlaß haben, verzweifelt zu sein. Aus ideellen und praktischen Gründen sollten daher alle, die für den Frieden, die Aufrechterhalturig der Ordnung und die Wohlfahrt ln Europa eintreten/auf das Gedeihen des Zionismus bedacht sein. Der Wunsch nach Verständigung zwischen Juden und Arabern sei zu begrüßen; er werde die Bestrebungen, den Frieden zwischen Juden und Arabern berbeizoführen, in vollstem JViaße unterstützen. JcAuA'doin Wien, 2., *5aborstraße SVr. 8a 2)ie Qrenze der Xeistungsfähigkeit für moderne Qualitätsschuhe sein wird, wie England englisch und Schottland schottisch ist. Das jüdische Volk werde in einem Lande zusammen mit anderen Volksstämmen, die einer wahren jüdischen Kultur nicht feindlich gegenüberstehen, ein bodenständiges Leben führen. Das Jüdische Nationalheim ist nicht nur eine palästinensische Angelegenheit, es steht nicht allein im Brennpunkt des Interesses von 15 Millionen Juden, sondern es geht die ganze Welt an. Auf die Rede Ormsby-Gores antwortete der Präsident der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann. Er führte u. a. aus: Wenn ich auch nicht glaube, daß das Jüdische Nationalhelm jenen astronomischen Umfang erhalten wird, von dem manche Leute träumen, glaube ich auch nicht, daß es auf jenen mikroskopischen Umfang reduziert werden kann, an dem manche jüdische «Gönner» denken. Das Jüdische Nationalheim wird etwas darstellen müssen, das einen entsprechend großen Umfang besitzt und das mächtig genug ist, um die Grundsätze, aur denen es aufgebaut ist, und die Hoffnungen, die an seine Errichtung geknüpft werden, zu verwirklichen. Acht Millionen Juden leben ln Gebieten, wo ihre Existenzbasis erschüttert ist. Da ihnen keine anderen Einwanderungsländer offen stehen, bildet Palästina ihre einzige Hoffnung. Obwohl New York allein zehnmal mehr Juden hat als Palästina, erweckt Palästina doch das größere Interesse im Hinblick darauf« daß dort ein neues Leben mit einer eige-