Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 175 (14.5.1931)
- Date
- 1931-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. BEZUGS- BEDINGUNGEN Oesterreich montt lieh S 1*50, viertel jBhrL S 4*20, gatutiährl . . S 16*— Deutschld. viertel* jährl. RM 3*— Tschechoslowakei viertelj. Kc 24'— Jugoslawien vierteljährl. Dia 40*— Polen vierteljährlich Zloty 6*50 Ungarn Vierteljahr lieh Pengö 4*®ö Rumfinien viertel ifihrL Lei 120 - Uebrige» Ausland viferteljähri Schw Franken 4*50 4. Jahrgang Wien, Donnerstag, 14. Mai 1931 (27. Ijjar 5691) Jüdisdke Zeitung Preis 35 g Cr sch ei? SH jeden ct- Donners <f * >-* <D <J H Redaktio 2 ® und Adminisf hf h* 0} er Wien, I.. K& M. ölstrafe 2 Tel. R-27 etf-f A*OJ CT fy Postspark» * h>* & f M Konti; Oesten. D li„ .O fl Polen . . 191.199 Tschechoslowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 Nummer 175 Montag,den 1. Juni 1931,8Uhr abends spricht Professor S. Brodetsky im Saale des Hotel „Bayrischer Hof“, II., Taboi straße 39, über unsere Politische Lage Die Pläne von Professor Weizmann James Fott'ld der zukünftige es GROSSBKTRIEB FÜR HRUSUtfSCHE - Basel und Wien In wenigen Wochen wird die kleine Stadt Basel erfüllt sein von der Menge der Kongreßteilnehmer aus allen Ländern der Welt. Die gastfreundliche Stadt und ihre gastfreundlichen Bewohner werden alles tun, um uns den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Handel und Wandel werden sich beleben, die Hotels, Pensionen, die Banken und Geschäfte werden ihren Vorteil haben und wir werden mit unserem Aufenthalte zufrieden . sein. Tausende Juden werden von Basel aus die ganze Schweiz bereisen und zu Hause durch ihre Reiseberichte für die Schweiz neue Freunde werben. Das bringt immer mehr Freunde, immer neue Besucher Und damit immer einen neuen Zustrom von Geld. Das ist der Erfolg einer guten Propaganda für den Fremdenverkehr und wir wollen ihn der Schweiz sicherlich von Herzen gönnen. Wir österreichische Juden als gute Bürger unseres Landes müssen neiderfüllt zwischen Basel und Wien einen Vergleich anstellen. Erinnern wir uns doch an den letzten Wiener ZionistKnköngreß! Die Stadt glich einem Heerlager, tausende Polizisten waren aufgeboten, um das Konzerthaus, den Sitz des Kongresses, vor den Hakenkreuzbuben zu schützen, Kongreßteilnehmer wurden überfallen und in der Stadt herrschte Pogromstimmung. Keinem Kongreß kann man zumuten, sich ein zweites Mal derartigen Exzessen auszusetzen, mögen sie auch von «jugendlichen, unverantwortlichen Elementen» in szeniert worden sein. Und doch! Stellen wir uns einmal vor, der 17. Zionistenkongreß würde nicht in Basel, sondern in Wien stattfinden. Im Herzen Europas gelegen, für die großen jüdischen Zentren Mitteleuropas leicht erreichbar, selbst das größte jüdische Zentrum Mitteleuropas mit einer großen jüdischen Vergangenheit, wurde Wien, abgesehen von Gästen aus den Nachbarländern, tausende Kongreßbesucher anlocken aus Amerika, England, Australien, Südafrika und anderen Ländern. Wien, das so sehr unter der Wirtschaftsnot leidet, hätte einen solchen Zustrom von Besuchern und damit von Geld zu verzeichnen, wie ihn alle Kongresse des vergangenen Jahres zusammen nicht brachten. Die Wiener Geschmacksindustrie würde neue Abnehmer finden, neue Handelsbeziehungen würden angeknüpft, die österreichischen Alpenländer würden sich neue Bewunderer erwerben. Es ist keine Uebertreibung, wenn wir sagen, Wien hätte ein Vielfaches der Besucher gehabt, die Basel haben wird; und wir übertreiben nicht, wenn wir sagen, daß Wien, weil es heuer nicht unsere Kongreßstadt ist, einen sehr großen materiellen Entgang haben wird. Wir selbst sind die Leidtragenden, weil wir Juden einen wesentlichen Teil der Wirtschaft dieser Stadt repräsentieren, aber wohlgemerkt, nicht als eine jüdisch bewußte Masse. Denn sonst wäre es nicht möglich, daß wir trotz der Gleichheit aller Staatsbürger so wenig in diesem Staate bedeuten, daß Juden weder ordentliche Hochschulprofessoren noch Richter, noch Staatsbeamte werden können und daß der Staat nicht einen Groschen gibt für unsere Kultusgemeinden. Wir österreichische Juden müssen uns unseres Wertes erst bewußt werden, dann werden auch die maßgebenden Kreise und mit ihnen die Oesterreicher sich dessen bewußt werden, daß wir es sind, die einen ungeheuren Anteil daran haben, daß Oesterreich in der Weltwirtschaft sich behaupten konnte, wir und nicht die Antisemiten, die Oesterreichs Ruf im Ausland schädigen» Dem «H a j n t» wird aus Jerusalem gemeldet: In den hiesigen Kreisen der Jewish Agency herrscht die Meinung, daß Professor Welzmann unter keinen Umständen seine Zustimmung dazu geben werde, als Präsident der zionistischen Weltorganisation weiter zu fungieren. Man behauptet, daß' Präsident Weizmann sich schon seit längerer Zeit bemüht, den Baron Edmonde Rothschild zu beeinflussen, dieser solle seine Zustimmung dazu geben,’ daß sein Sohn James Rothschild zum Präsidenten der Jdwish Agency gewählt werde. Vorerst wollte der Baron diesem Vorschläge nicht zustimmen, jetzt aber, nach dem m KA/5ER5TR. R3 i* Alserstr. 6 Die Verhandlungen werden fortgesetzt London. (J. T. A.) Die Mitteilung, daß die Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der Jewish Agency auf einen toten Punkt angelangt sind, weil sich in der Frage der Festlegung der Landentwicklungspolitik tiefgehende Meinungsverschiedenheiten ergeben hatten, wurde von einem Teil der ausländischen jüdischen Presse so aufgefaßt, daß die Verhandlungen unterbrochen oder gar abgebrochen worden waren. Wie jedoch der J. T. A, von maßgebender Seite mitgeteilt wird, kann von einer Unterbrechung oder gar von einem Abbruch der Verhandlungen keine Rede sein. Die Beratungen waren lediglich an einen Heuer gehen wir nach Basel, in die Stadt, die den ersten Kongreß in ihren Mauern beherbergte. Wenn wir, wie wir wünschen, wieder einen Kongreß in Wien haben werden, der Stadt, in der Herzl lebte und in der er begraben liegt, dann wird das ein Be. weis dafür sein, daß einerseits das Wiener Judentum Tode des Lord Melchett, ist er geneigt, Weizmanns Vorschlag zu akzeptieren. . .Es verlautet, daß Präsident Weizmann dem nächsten Kongreß ein Projekt unterbreiten wird, in dem er eine Koalitionsexekutive beantragt. An der Spitze sollen James Rothschild und Herbert Samuel stehen. Ingenieur Pinchas Ruthenberg soll als Vizepräsident fungieren, ferner sollen in die neue Exekutive M. M. U s s i s c h k i n, Doktor Arthur R u p p i n, Jakob S c h a p i r a und Dr. Abraham Schalom J e h u d a gewählt werden, der letztere als Leiter des Departements für arabische Angelegenheiten. An die Spitze der Leitung der zionistischen Organisation sollen Nahum Sokolow und Professor Brodetsky gewählt werden. Präsident Weizmann selbst wird in die Exekutive nicht eintreten. Er ist aber bereit, ihr in ihren Arbeiten, soweit es in seiner Macht liegt, behilflich zu sein. schwierigen Punkt gelangt, bei dem sich die Notwendigkeit ergab, eine kurze Verhandlungsp.mse einzulegen, um beiden Parteien die Möglichkeit zu geben, die Materie nochmals durchzudenken. Die Verhandlungen werden schon ln den nächsten Tagen wieder aufgenommen. Die Landentwickltingskommission Jerusalem, 7. Mai. (J. T. A.) Die arabisch« Zeitung «Sowt el Aschab» weist auf die Möglichkeit einer nochmaligen Ueberprüfung des gesamten Palästina-Problems durch die englische Regierung hin. Das Blatt erklärt, die Tendenz der palästinensisch-arabischen Führer gehe nicht dahin, die Verhandlungen mit sich auf sich selbst besonnen hat und daß andererseits die friedliebende, gastfreundliche Wiener Bevölkerung nichts gemein haben will mit denen, deren Ziel der exzedierende oder der wirtschaftliche Pogrom ist. Dr. Oskar Grünbaum. Inwiefern diese Nachrichten auf Wahrheit beruhen, ist einstweilen nicht festzustellen. Verhandlungspause, nicht endgültiger Abbruch m