Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 174 (7.5.1931)
- Date
- 1931-05-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 174 — 7. Mal 1931 Würdigung. Bs wurde hier von den Jungen Leuten gründliche, wertvolle Arbeit geleistet. Eine große Karte Europas: blaue und rote Figuren: das ist die Verteilung der nichtjüdischen und jüdischen Bevölkerung unseres Kontinents um das Jahr 1930. Es folgen Tabellen, Diagramme und Karten, die alle mit augenfälliger Deutlichkeit die einzelnen Entwicklungsabschnitte des jüdischen Volkes vorführen: Wir wandern in einer kurzen Stunde durch die Geschichte des jüdischen Volkes und halten schaudernd und nachdenklich inne vor seiner trostlosen Gegenwart, aus der uns immer wieder der Hinweis auf Erez Israel wie ein leuchtender Sonnenstrahl hinausführt. Das Verfahren, auf die Landkarte als farbigen Grund in durchsichtigen, übereinander gelagerten graphischen Darstellungen J** Veränderungen in den einzelnen Zeitabschnitten aufzuzeigen. wirkt besonders anschaulich. Das tritt gleich in der ersten Darstellung (die Entwicklung des jüdischen Volkes bis 70 n. Chr. — Zerstreuung) in Erscheinung. Wir machen die Wanderung Abrahams mit, die Auswanderung nach Aegypten, die Rückwanderung nach Palästina, das erste Exil usw., bis uns einige Pfeile nach allen Weltrichtungen die zweite Zerstreuung sinnfällig vor Augen führen. Es geht dann weiter: Von 70 n. Chr. bis 1500, von 1500 bis 1800, und wir gelangen schließlich zum letzten Abschnitt: von 1800 bis 1925. Wir werden das rapide Wachstum gewahr: Im Jahre 1800 zählte man 2 Millionen Juden auf der ganzen Welt und im Jahre 1925 — IG Millionen! Dieses Wachstum steht ohne Beispiel da. Auch die anderen Völker haben sich in diesen Jahren vermehrt, aber mit der Vermehrung des jüdischen Volkes läßt sich das nicht vergleichen; auch das zeigt uns eine figürliche Darstellung mit aller Deutlichkeit. Was machen diese 16 Millionen Juden? Darauf erhalten wir eine Antwort, die uns die ungenügende und unnatürliche Berufsgliederung des jüdischen Volkes zum Bewußtsein bringt: Vereinsamt steht die Figur mit der Sense am Fuße jeder dieser Tabellen, und erschreckend groß ist die Zahl der Pultmenschen und der Berufslosen. Die Juden sind das «verstädtertste» Volk, nur zu vergleichen mit dem englischen, das die zweite Stelle einnimmt. Wie sich die Verstädterung vollzieht, wie die Konzentrierung in den Städten immer größer wird und mit der Ausbreitung der Städte wächst, das zeigen uns wieder Karten und Figuren. Und immer wieder der Hinweis auf Palästina: Während im Verhältnis des Anteils der Juden an der allgemeinen Bevölkerung ihr Anteil an der Landwirtschaft in Ungarn beispielsweise 12mal, in Deutschland gar 25 mal so klein ist, so ist er in Palästina nur zweimal so klein. Und schließlich, wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß wir in Erez Israel der Normalisieung des jüdischen Volkes zielsicher zustreben, so ist er mit folgender Gegenüberstellung gegeben: In der ganzen Welt sind nur 2% Prozent der Juden in der Landwirtschaft tätig, das palästinensische Judentum aber hat 20 Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt und überflügelt damit beispielsweise England (nur 12% Prozent). Was Rußland betrifft, wo die Bolschewiken bekanntlich die Judenfrage «im eigenen Wirkungskreise« lösen wollen, werden dort nach Erfüllung des Fünfjahrplanes bloß 9.7 Prozent aller Juden in der Landwirtschaft tätig sein. Eine Ecke veranschaulicht den «ökonomischen Kampf des Jüdischen Arbeiters», und auch da sehen wir erhebliche Unterschiede gegenüber dem nichtjüdischen Arbeiter im gleichen Lande. Eine andere Ecke hält uns «ein halbes Jahrhundert jüdischer Massenwanderung», die natürlich zum Großteil in die U. S. A. gegangen ist, vor Augen. Und dann der letzte Hinweis: der Weg, den wir gehen. Der Weg des Chaluz: «Unser Kibbuz in Rischon Lezion.» Unterhalb eines sehr schön gezeichneten Plakates, das den Aufbau sehr sinnreich symbolisiert (ein Haus wird gebaut, ein Baum wird gepflanzt, der Boden auf gehackt, ein Traktor steht abfahrtbereit und aufsteigend auf Stufen, die aufwärts führen, ein lesender Arbeiter: neuer Boden, neue Menschen, neue Kultur . . .) auf schwarzem Grund: Photoaufnahmen von der Arbeit, der Ruhe am Abend, der stillen Wanderung am Feiertag . . . Es ist nur einiges von dieser sehr bemerkenswerten Ausstellung angeführt worden. Unsere Soziologen und Wirtschaftspolitiker werden nicht ohne Nutzen dieses kleine Ausstellungszimmer verlassen, aber auch unsere Jugendbünde sollen die Mühe nicht scheuen, einmal eine Stunde dieser Arbeit von jugendlichen Chawerim zu widmen. J. S. Jtlisxellen Das Wirtschaftsjahr 1930. Als Anlage zum Februarheft des «Commercial Bulletin» veröffentlicht die Regierungsabteilung für Zölle, Akzise und Handel einen Bericht für das abgelaufene Jahr, dem wir folgende Tatsachen entnehmen: Die Einnahmen dieses Departements betrugen im Jahre 1930: 1,234.957 Pfund Sterling gegen 1,166.421 Pfund Sterling im Vorjahre. Den wichtigsten Einnahmeposten stellen die Importzölle dar, aus denen im vorigen Jahre die Einnahmen 991.560 Pfund Sterling betrugen. Der Bericht hebt die große Anzahl von Konkursen im letzten Jahre hervor, bei denen die Gesamtmasse etwa % Million Pfund betrug. Die privaten Darlehensgeber forderten wucherische Zinsen, während die Banken den Zinssatz für Depositen auf etwa V/2 Prozent ermäßigten. Im ganzen war die Lage in Palästina wirtschaftlich wahrscheinlich besser als m manchen angrenzenden Ländern. Die Bautätigkeit war in den drei hauptsächlichsten Städten sehr stark, eine große Anzahl wichtiger öffentlicher Gebäude der Regierung, Banken, Hotels usw. wurden erbaut. Die Haifaer Hafenbauten machten große Fortschritte: 1049 Meter der Mole wurden gebaut. Es wurden im ganzen 1170 Arbeiter bei den Hafenarbeiten beschäftigt. Im Jahre J930 wurden 16 Tanks für Oelprodukte in der Petroleumzone von Haifa erbaut, davon 13 mit einer Fassungskraft von 19.000 t durch die «Shell»-Gesellschaft und 3 mit einer Fassungskraft von t durch die «Vacuirm»-Gesellschaft. Die üeberproduk* tu der Qliy.#ndl-Reduktion fuhrt* at «in«m groß«a Preissturz bis auf 30 Mils für das Kilogramm. Das daraufhin angeordnete Einfuhrverbot für ausländisches Olivenöl führte zu einer Steigerung der Preise bis 40 Mils. Fs wurden 6000 t Seife exportiert, gegenüber 5103 t im Vorjahre. Die mit Tabak bebaute Fläche ist um etwa 3000 Dunam erweitert worden. Der Ertrag wird auf 1,386.000 Kilogramm geschätzt, zirka 200.000 kg mehr als im Vorjahre. Es arbeiten 12 Fabriken mit etwa 1000 Arbeitern. Da nur 487.585 kg Zigaretten fabriziert wurden und der Tabakexport sehr klein war, ist die Lage der Tabakpflanzer eine sehr ungünstige. Der W e i n export betrug in diesem Jahre 10.748 Hektoliter, etwa dieselbe Menge wie im Vorjahre. Die «Nesher»- Zement fabrik arbeitete mit voller Ausnutzung ihrer Maschinen. Es wurden 12.351 t exportiert, größtenteils nach Syrien und Cypern, während der Export im Vorjahre nur 7639 t betrug. Auch die Salz Produktion zeigt einen Aufschwung. Der Index sank um 38.6 Prozent im Vergleich zum Jahre 1922 und um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahre. Die Großhandelspreise fielen um 15.4 Prozent gegenüber dem Vorjahre. Der Import war geringer als im Vorjahre: 6,985.258 Pfund Sterling gegenüber 7,166.593 Pfund Sterling. Der Export vergrößerte sich, nämlich von 1,554.262 Pfund Sterling im Jahre 1929 auf 1,896.095 Pfund Sterling in diesem Jahre. Technikum. Auf Grund eines Memorandums des Direktors des Unterrichts-Departements der Jewish Agency, das nach Beratung mit verschiedenen Sachverständigen ausgearbeitet worden war, ist die Exekutive mit Beratungen über gewisse Veränderungen im Studiengang und in der Verwaltung des Haifaer Technikums beschäftigt. Vorgeschlagen wird, daß drei verschiedene Arten von Ausbildung gegeben werden sollen: a) Der gegenwärtige Hauptkursus des Technikums, der Ingenieure und Architekten heranbilden will, soll in Zukunft mehr eine Richtung auf das Praktische erhalten. An Stelle des gegenwärtigen Kurses soll ein Lehrgang in Bautechnologie gegeben werden, mit dem Zweck, Aufseher, Zeichner und verantwortliche Gehilfen für Ingenieure und Architekten heranzubiiden. b) Die gegenwärtig bestehende Handwerkerschule für Elementarschulabsolventen soll fortbestehen und erweitert werden. c) Die Abendfortbildungskurse für Lehrlinge und Arbeiter sollen wieder eröffnet werden. Entsprechende Kurse sollen unter Aufsicht des Technikums auch in Tel-Aviv und Jerusalem stattfinden. Palästina auf der Pariser Kolonialausstellung. Der palästinensische Pavillon der Ausstellung umfaßt drei Säle von je 100 m2. Der erste Saal ist einem Vergleich Palästinas vor 10 Jahren und heute gewidmet und enthält Ausstellungsgegenstände, in denen industrielle und landwirtschaftliche Produktion, Erziehungs- und Gesundheitswesen, Tel-Aviv, Ausbeutung des Toten Meeres, Elektrifizierung, Eisenbahn, Jerusalem und Haifa in Diagrammen, Lichtbildern und anderen modernen Ausstellungsmethoden dargestellt werden. Der zweite Saal enthält Ausstellungsgegenstände der palästinensischen Fabriken und sonstiger industrielle Arbeit leistender Unternehmungen. Der dritte Saal ist nur der landwirtschaftlichen Produktion gewidmet. Hier zeigt die Jewish Agency, zusammen mit Keren Hajessod und Keren Kajemeth, eine große Karte Palästinas vor der jüdischen Kolonisation, wo durch Beleuchtungseffekte zum Vergleich die heutige Lage dargestellt werden kann. Metallreliefe zeigen die Entwicklung von Industrie, Landwirtschaft, Erziehungs- und Gesundheitswesen. Auch die PICA, die Tenuva, die landwirtschaftliche Versuchsstation der Jewish Agency, die Orangenpflanzer haben interessante Ausstellungsobjekte für diesen Saal geschickt (bisher 250 Kisten). Im ganzen nehmen 210 palästinensische Institutionen und Firmen an der Ausstellung teil. Die Kosten für die Anfertigung und Versendung der Ausstellungsobjekte betragen 1800 Pfund Sterüng, der Wert der nach Paris gesandten Ausstellungsobjekte und Waren etwa 10.000 Pfund Sterling. Jüdische Arbeit Die Regierung hat eingewilligt, ein Viertel der Chaussee Jericho—-Totes Meer, an deren Kosten die Potash Co. teilnimmt, durch jüdische Arbeiter bauen zu lassen. Einwanderung und Touristik 1930. Das «Commerclal- Bulletin» vom Februar 1931 veröffentlicht einen Bericht des obersten Immigrationsbeamten der Regierung, dem wir nachfolgend einige Ziffern entnehmen. Der Ueberschuß der Einwanderung über die Auswanderung war im letzten Jahre 3430. Die Zahl der einwandernden Juden betrug nach den Regierungsziffern 4944, die Zahl der Auswanderer 1679. Unter den jüdischen Einwanderern des letzten Jahres befanden sich 178 Personen mit einem Kapital von 1000 Pfund Sterling oder darüber. 541 Palästinenser und Transjordanier pilgerten im vorigen Jahre nach Mekka. Die Touristik zeigt eine Abnahme gegenüber dem Vorjahre. Die Regierung schätzt die Zahl der Touristen im Jahre 1930 auf 13.200, gegenüber 13.500 im Vorjahre. «Hamaschblr» im März. Unter den Kunden des Maschbir befinden sich die Palästinaregierung und die Beiruter Universität. Von den durch den Maschbir verkauften Waren sind 60 Prozent Tozereth Haaretz. Der Maschbir ist u. a. Agent folgender Firmen: Imperial Chemical Industries Ltd., London, Vacuum Oil Co., «Shemen» Ltd., Haifa, Cooperative Wholesale Society, Manchester. Rechtsanwälte in Palästina. Es gibt nach der «Official Gazette» in Palästina 258 Rechtsanwälte, davon 83 in Jerusalem, 53 in Tel-Aviv, 35 in Haifa, 27 in Jaffa, 12 ln Nablus, 6 in Nazareth und 5 in Gaza. Bodenkäufe 1930. Wie das Land-Departement der Regierung mitteilt, haben Juden im Jahre 1930 43.882 metrische Dunam zu einem Gesamtpreis von 817.260 Pfund Sterling gekauft. Frühkartoffeln nach England. Die erste Sendung von Frühkartoffeln aus den palästinensischen Siedlungen ist in England eingelangt; die Kartoffeln kamen in ausgezeichnetem Zustande an und erzielten gute Preise. Frühkartoffeln müssen vor dem Monat März in England eintreffen. Die Absatzmöglichkeit bei den bestehenden hohen Preisen ist natürlich nicht groß. Stellenvermittlung für jüdische Ingenieure und Techniker! Die Arbeitsgemeinschaft des Verbandes jüdischer Ingenieure und Techniker und des «Haboneh», Bund zionist. Ingenieure und Techniker in Wien hat Im Rahmen ihres Arbeitsprogrammes eine Stellenvermittlung ins Leben gerufen und hoffen wir, daß es uns trotz der tristen Wirtschaftslage gelingen wird, vielen Kollegen zu einer Erwerbsmöglichkeit zu verhelfen. Wir ersuchen daher alle stellenlosen Ingenieure und Techniker, Ihre Anschrift, mit Studien- und Praxisdaten belegt, an unseren Kollegen Ing, Leopold Schön, Wien, XX* KJosterneuburgerstraße 49, zu senden. GroßNeischhauorel SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, fei. A17-3-99 u, A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen <0p ityj-Fleiach unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinats der Israelitisch eo Kultusgemeinde Wien Autocustellang Kostenlos IX, Berggasse l!> XVIII, Währingerstraße 79 In aller Kürze In der Tilsiter Synagoge wurde bei einem Einbruch die Heilige Lade erbrochen, wobei jedoch von dem dort auf* bewahrten Thorasilber nichts gestohlen wurde. Es wird vermutet, daß es sich hierbei um politische Motive handelte. * Der bekannte jüdische Gelehrte Prof. Dr. Pribram aus Frankfurt a. M. erhielt von der Chicagoer Universität eine Einladung, dort eine Reihe von Vorträgen zu halten. * Auf Grund einer Verordnung des Ministers fiir Postand Telegrammwesen werden demnächst in Polen Telegramme in hebräischer Sprache zur Weiterbeförderung für das In- und Ausland, solche in jiddischer Sprache nur für das Inland übernommen. * ln Anerkennung seiner Verdienste wurde das Jüdische Mitglied des holländischen Staatsrates J. Limburg aus Amsterdam zum Großoffizier des Ordens Orange Nassau ernannt. * Der als Musikkritiker und Musiktheoretiker geschätzte Komponist und Direktor des Amsterdamer Konservatoriums Sem Dresden feierte letzte Woche seinen fünfzigsten Geburtstag. Das Studienkomitee für Kalenderreform ln Amsterdam hat sich einstimmig gegen das Kalenderreformprojekt des Blankotages und des 13. Monates ausgesprochen. * Dem Bankier Paul M. Warburg aus New York wurde das juridische Ehrendoktorat des Occidental College verliehen. * Der am 18. April verstorbene New Yorker Kaufmann Morton Meinhard hat für jüdische Wohlfahrtszwecke eine Million Dollars hinterlassen. * Das von Wladimfr Jabotinsky, dem Führer der Zionisten- Revisionisten, eingebrachte Gesuch um Einreisebewilligung nach Ungarn wurde von den ungarischen Behörden abschlägig beschieden. * Der von den Nationalsozialisten Badens eingebrachte Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes wurde vom Ausschuß in Karlsruhe abgelehnt. Die Lage der deklassierten Juden in Sowjetrußland Vor einigen Monaten begab sich Herr S. Koldowsky ön Aufträge des Verbandes der jüdischen Hilfsorganisationen Großbritanniens nach Rußland, um die Lage der jüdischen Bevölkerung und die Erfordernisse für die Hilfsarbeit an Ort und Stelle zu studieren und die notwendigen Vereinbarungen für die Durchführung des vom Verband mit der Sowjetregierung abgeschlossenen Vertrages zu treffen. Bekanntlich hat sich der Verband verpflichtet, jährlich einen Betrag von 20.000 Pfund für Wohlfahrtsarbeit zugunsten der deklassierten Juden in der Ukraine und Weißrußland zur Verfügung zu stellen. Herr Koldowsky, der vor kurzem nach London zurückgekehrt ist, hat nunmehr dem Verband der Hilfsorganisationen einen Bericht erstattet, aus dem hervorgeht, daß zwar eine beträchtliche Zahl jüdischer Jugendlicher in den gegenwärtig in großem Maßstab errichteten Industriebetrieben untergebracht wurde, daß sich aber die deklassierten Juden, d. h. die früheren Kaufleute und Handwerker, die aller Recht« beraubt wurden, sowie die Kinder und die. zur Arbeit phy«. sisch nicht Geeigneten ln einer höchst beklagenswerten Lag« befinden. Da sie keine Brotkarten besitzen, müssen sie die notwendigen Lebensmittel zu außerordentlich hohen Preisen im freien Handel kaufen. Der Deklassierte muß z. B. für ein Pfund Brot, dessen Preis offiziell mit 7% Kopeken festgesetzt wird, in Moskau 40 Kopeken, in der Krim gar 3% Rubel bezahlen. Die Lage hat sich in letzter Zeit noch dadurch ver* schlimmert, daß durch einen neuen Erlaß den individuell arbeitenden Kustaren die Brotkarten entzogen wurden. Zu dieser Kategorie gehört eine große Zahl von Händwerkemf Schneidern, Schustern, Barbieren usw., die auf eigene Initial tive gearbeitet haben. Alle diese Kustars sind nunmehr auf die Lebensmittelversorgung im freien Handel angewiesen, in dem die Preise infolge dieses Zustroms neuer Deklassierter ständig im Steigen begriffen sind. Die jüdische Bevölkerung in den Städten und Städtchen hat ebenso wie die in den neuen jüdischen Kolonien schwer unter Lebensmittelknappheit zu leiden. Herrn Koldowsky wurde in Rußland seitens der Behörden mitgeteilt, daß jetzt unmittelbare Hilfe durch Zusendung von Lebensmitteln und Kleidung für die Kinder noch dringender benötigt werde als konstruktive und industrielle Hilfe. Diese Aenderung der Verhältnisse ist eine Folge des gegenwärtig in den südlichen Teilen Rußlands herrschenden allgemeinen Mangels an Lebensmitteln. Der Zustand Sachers gebessert Jerusalem, 28. April (J. T. A.). In dem Zustand des schwer erkrankten Mitgliedes der Zionistischen Exekutiv« Harry Sacher ist eine Wendung zum besseren