Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 174 (7.5.1931)
- Date
- 1931-05-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette $ DIE STIMME Nr. 174 — 7. Mal 1931 Das zionistische ßandeskomilee für* Oesterreich spricht seinem Mitglied Herrn DokloF J. 21 KöeneF anläßlich des schweren Verlustes, den dieser erlitten hat, das autrichligsle 3 eileid aus. Prof. Dr. Nedeljkovic über das jüdische Palästina Der Generaldirektor der jugoslawischen Postsparkassen hält begeisterte Vorträge über das neue jüdische Palästina (Von unserem jugoslawischen Berichterstatter.) Beograd, im Mai. Der bekannte jugoslawische Universitätsprofessor Dr. M. Nedeljkovic, der vor Jahren von einer Studienreise nach Palästina zurückkehrte und sich voll Bewunderung über das zionistische Werk im Lande äußerte, hielt kürzlich, von der Osijeker jüdischen Gemeinde und dem Nationalverein eingeladen, seinen dritten großen Vortrag über Palästina. Die ersten zwei wurden mit einem ungeahnten Erfolge vor großen Auditorien in Beograd und Novi-Sad abgehalten. ln dem großen, prunkvollen Saale des Osijeker Gemeinderates hielt am 19. v. Mts. Prof. Dr. Nedeljkovic vor einer tausendköpfigen Menge seinen Vortrag. Die objektiven Aeußerungen eines nichtjüdischen Gelehrten waren für uns umso interessanter, als er aktuelle Fragen behandelte und Gegnern des Zionismus eine gebührende Antwort erteilte. Den von hoher ethisch-kultureller Anschauung durchdurngenen Gedanken des Vortragenden über das unbestreitbare Recht des jüdischen Volkes auf Palästina konnte sich keiner der Zuhörer entziehen. Unvergeßlich wird uns seine Botschaft bleiben, die er zum Schlüsse seines Vortrages verkündete: «Juden! 6000 Jahre Eurer glorreichen und schöpferischen Geschichte blicken auf Euch herab; beweiset, daß Ihr würdige Träger des großen Erbes seid!» Bei dem Vortrage und dem darauffolgenden Bankette waren die Spitzen der Verwaltung, des Heeres, der Geistlichkeit aller Konfessionen wie auch Vertreter aller Jüdischen Korporationen anwesend. Im Laufe des Festabendmahles wurden einige Trinksprüche gehalten, in denen die Sympathie des jugoslawischen Volkes und seiner Regierung für das Renaissancewerk des Zionismus ausgesprochen wurde. Herr Generaldirektor Prof. Dr. Nedeljkovic verließ die begeisterten Osijeker mit dem Versprechen, in der größten jüdischen Gemeinde Bosniens, Sarajevo, seinen Vortrag zu wiederholen. Karl Friedman. Vom Judentum in Italien Auf Grund des neuen italienischen Gesetzes über die jüdischen Gemeinden wurde der Advokat Felice Ravenna, Präsident der jüdischen Gemeinde und früherer Vizepräsident des Jüdischen Konsistoriums (Conzorzio) zum königlichen Kommissär des neugeschaffenen Gemeindehauses bestellt. In dieser Eigenschaft hat Ravenna den für das Jahr 1932 vorgesehenen Kongreß der jüdischen Gemeinden zu organisieren. Ravenna ist ein alter Zionist. Er war vom beginn der zionistischen Bewegung bis 1923 Präsident der zionistischen Organisation in Italien. Mit Herzl war er befreundet. Herzl besuchte ihn in Ferrara und erwähnt ihn in seinen Tagebüchern als «mein guter Ravenna». Ravenna vermittelte seinerzeit auch die Audienzen Herzls beim Papst und beim König von Italien. Gleichzeitig mit der Ernennung Ravennas zum königlichen Kommissär des Gemeindebundes erfolgte die Ernennung des Advokaten Pio Tagliacozzo, des bisherigen Vorstehers des jüdischen Waisenhauses in Rom zum Regierungskommissär für die jüdische Gemeinde in Rom, Die Regierungskommissäre der verschiedenen Gemeinden führen die Gemeindegeschäfte auf Grund des neuen Gesetzes bis zu den Wahlen, die in sechs Monaten stattfinden werden. Sie müssen Juden sein und werden vom Unterrichtsminister nach Befragung der betreffenden Gemeinden ernannt. Im italienischen Judentum herrschte Beunruhigung über den Unterricht in den staatlichen Schulen, die seit dem Konkordat Mussolinis mit dem Vatikan in durchaus katholischem Geiste geführt wurden. Durch den mündlichen Unterricht und durch die staatlichen Schulbücher bestand die Gefahr der Proselytenmacherei unter der jüdischen Jugend. Unliebsames Aufsehen erregte es außerdem, daß die schöne Kuppel der großen Synagoge in Rom dem StadtregulierungspJan zum Opfer fallen sollte, weil sie sich angeblich in das Stadtbild nicht harmonisch einfügt. Auch hier glaubte man vatikanische Einflüsse zu erkennen. Vor einigen Tagen sprach nun der Oberrabbiner von Rom, Dr. Sacerdoti, bei Mussolini vor, um die Beschwerden der Juden vorzubringen. Blättermeldungen zufolge hat Mussolini die Herausgabe von eigenen Schulbüchern für die jüdische Jugend und die Erhaltung der &*$•! ln etwa« stfäodirtif Ffipq Mgutfr Die jüdische Mutter Zum Muttertag. Es ist eine der schönsten Errungenschaften der letzten Jahre: den zweiten Sonntag im Monat Mai der Mutter zu widmen. Es geht darum, einmal, an einem Tage, der bestehenden Liebe und Anhänglichkeit Ausdruck zu verleihen, Handtaschen nur von JMigator Mariahilferslraße 88 Rotenturmafraße 19 Gute Ware, niederst festgesetzte Preise in irgendeiner Form der Mutter vor Augen zu führen, daß sie für uns das wichtigste auf Erden ist. Es ist einleuchtend, daß der Gedanke des Muttertages insbesondere unter der jüdischen Bevölkerung sich ausbreiten mußte. Ist doch die jüdische Mutter seit jeher ein Symbol der Zärtlichkeit, der Treuherzigkeit, der ganz besonderen Zuneigung. Wir alle wissen es, und wir alle wissen es auch zu würdigen. Nun wäre es aber an der Zeit, auch bei uns der schönen Muttertagsidee mehr Platz als bisher einzuräumen. Es wäre an der Zeit, daß es sich jeder jüdische Kum MulleFlag??? Bonbons! 11 Sohn und jede jüdische Tochter zum Prinzip mache, am zweiten Maisonntag der Mutter ein Geschenk zu überreichen, als realen Ausdruck des Gefühles der Liebe. Italien gegen den Mufti Rom, 29. April (J. T. A.) Die einflußreiche römische Zeitung «Tevere» befaßt sich mit dem Protestmemorandum, das der Oberste Muslemanische Rat vor kurzem dem italienischen Konsul in Jerusalem betreffend angebliche Verfolgungen der Araber in Tripolitanien überreicht hat. Die Zeitung weist darauf hin, daß das Organ des Jerusalems Mufti, «Al Jamea el Arabija», übertriebene Berichte über angebliche Grausamkeiten des italienischen Militärs gegen die Araber in Tripolitanien veröffentlicht hat, und wirft dem Mufti, der in einem Manifest zum Boykott italienischer Waren aufgefordert hat, Interessenpolitik vor. Die Zeitung «Tevere» erinnert den Mufti an die grausamen Massaker, die seine Anhänger — wie man behauptet, auf des Mufti Anstiftung — im Herbst 1929 an Juden begingen und die die ganze Welt erschüttert haben. Es ist unmöglich, schreibt «Tevere», daß oooooooooooooooooooooooooooooooooooooo Huthaus „SOBEL“ II., Glockengasse Nr. 10 veranstaltet einen billigen Serienverkauf von Herrenhiiten zum Preise von S 5*—, 7'— und 9*—. Neuelnführung: Krawatten in allen Modedessins von S V— und S 3*— Markenhüte zu den billigsten Preisen oooooooooooooooooooooovooooooooooooooo dem Mufti nicht bekannt sein soll, daß Italien in Tripolitanien mit viel mehr Recht und Gerechtigkeit regiert, als zum Beispiel die Mandatarmächte in Syrien und Palästina. Die Zeitung wirft der englischen Mandatarmacht vor, daß sie die Boykottpropaganda des Mufti wohlwollend dulde und damit eine Unfrieden stiftende Politik fördere. Wirtschaftsantisemitismus in Amerika New York (J. T. A.). In einer Sitzung des vom American Jewjsh Congress eingesetzten Landeskomitees zum Studium des Wirtschaftsantisemitismus berichtete Rabbi J. Cohen von der New Yorker Free Synagogue u. a., eine antisemitische Woge überflute augenblicklich die großen Industriezentren der Vereinigten Staaten. Für jüdische Arbeitslose sei es so gut wie ausgeschlossen, in einem christlichen Hause Stellung zu finden. Eine Reihe von Arbeitsvermittlungsbüros hat in ihren Warteräumen Anschläge folgenden Inhalts angebracht: «Arbeitsangebote von Juden werden derzeit nicht entgegengenommen.» In dem Büro einer Stadt im Westen der Vereinigten Staaten war die merkwürdige Aufschrift zu lesen: «Buchhalter und Juden werden ersucht, wegzubleiben.» Von den jüdischen Arbeitsuchenden, erklärte Rabbi Cohen, wird die Frage nach dem Glaubensbekenntnis am meisten gefürchtet. Gewisse Arbeitsvermittlungsbüros verwenden Ziffern zur Kennzeichnung der Religion des Arbeitsuchenden: 1 bedeutet Protestant, 2 Katholik, 3 Jude; mitunter wird auch die Konfession des Arbeitsuchenden durch ein Geheimzeichen in einer Rubrik des Fragebogens angedeutet. Folterung eines jüdischen Arbeiters in einer sowjetrussischen Fabrik Moskau (J. T. A.). In der Fabrik Izpolit Nr. 2 bei Minsk wurde der junge jüdische Arbeiter Newelewski, der wegen seines Eifers bei der Befolgung der von der Regierung erteilten Weisungen ehrenhalber zum Mitglied des «Industriellen Stoßtrupps» ernannt worden war, von drei mißgünstig gesinnten Arbeitsgenossen erst schwer mißhandelt und dann an den Händen aufgehängt. Als Newelewski das Bewußtsein verlor, lösten seine Peiniger das Seil, mit dem sie ihn aulgeknüpft hatten, wiederholten jedoch die Folterung^ Eine neue Zigarre E Die Poitorico-Zigarre kann in ihrer heutigen Qualität zu dem bisherigen Preise nicht mehr hergestellt werden. Da eine ausreichende Preiserhöhung bei dem kleinen Format dieser Zigarre untragbar wäre, entschloß sich die Tabakregie, die Portorico aufzulassen und an ihrer Stelle ab 2. Mai 1. J. eine neue, modern fassonierte Zigarre «Spezi» zum Preise von 14 g in den Handel zu bringen. Die Spezi enthält weniger kräftige Rohtabake als ihre Vorgängerin; ihr Geschmack ist angenehm und mild. Sie ist in Schachteln zu 100 sowie in Kartons zu 25 und 5 Stück erhältlich. ggBggggg. . —.WIHWg« als ihr Opfer das Bewußtsein wieder erlangt hatte. Die Fabriksleitung behauptete, der Vorfall sei auf die Unwissenheit der beteiligten Arbeiter zurückzuführen. Die Gewerkschaft jedoch, der Newelewski und die Täter angehören, hat die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben, die die Verhaftung der drei Antisemiten anordnete. Die Beschuldigten werden vor ein offenes Volksgericht gestellt werden. Die Gewerkschaft hat außerdem eine neue Fabriksleitung eingesetzt. Der Vorfall hat unter den jüdischen und nichtjüdischen Arbeitern große Erregung hervorgerufen. Abermals antisemitische Ausschreitungen in Paris Paris (J. T. A.). Am Sonntag, den 26. April, kam es im jüdischen Viertel von Paris, in der Rue du Teinple und ihren Nebenstraßen, abermals zu antisemitischen Ausschreitungen, wie sie in den letzten Monaten häufig geworden sind. Die von einer Gruppe von etwa 30 Camelots du Roi veranstaltete Kundgebung trug diesmal einen noch aggressiveren Charakter als sonst. Die Camelots du Roi, die einen ihrer in letzter Zeit üblichen Demonstrationsspaziergärtge durch das jüdische Viertel veranstalteten, wobei gehässige und drohende Rufe gegen die Juden laut wurden, drangen plötzlich ohne jeden Anlaß in ein Cafe ein und begannen auf die jüdischen Gäste loszuschlagen. Eine Anzahl junger Juden eilte, mit Stöcken bewaffnet, zur Abwehr herbei und es entspann sich ein etwa halbstündiger Kampf zwischen den beiden Parteien. Ein stärkeres Polizeiaufgebot trennte schließlich die Kämpfenden und nahm zehn Personen aus beiden Gruppen fest. Ein Polizist und eine Zivilperson wurden verletzt ins Spital eingeliefert. Eine jüdischnationale Reichspartei in Rumänien Bukarest (J_. T. A.). In Bukarest fand eine Sitzung der Mitglieder des Jüdischen Parlamentsklubs und der Exekutive der jüdisch-nationalen Partei des alten Königreiches unter dem Vorsitz des Senators Dr. Mayer Ebner statt, in der über die Frage der Gründung einer jüdisch-politischen Reichspartei sowie die Stellungnahme zu den allgemeinen Parlamentswahlen beraten wurde. Einmütig kam die Ansicht zum Ausdruck, daß die in allen vier Provinzen des Reiches bereits bestehende jüdisch-politische Organisation sich zu einer Reichspartei zusammenschließen solle. Es wurde ein provisorisches Komitee eingesetzt, bestehend aus den vier Mitgliedern des jüdischen Klubs und dem Präsidium der jüdischnationalen Partei des Regates. Dieses provisorische Komitee hat sich durch Vertreter aus allen vier Landesstellen zu ergänzen. Die Stadt Frankfurt verleiht Bruno Asch die Ehren* Plakette Frankfurt a. M., 28. April (J. T. A.). Der Magistrat der Stadt Frankfurt beschloß, dem zum Stadtkämmerer von Berlin gewählten und aus dem Frankfurter Magistrat ausscheidenden Stadtrat Bruno Asch die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt zu verleihen. Der jüdische Arbeiter in der Moschawah Der unter diesem Titel in der letzten Nummer der «Stimme» zum Abdruck gelangte Aufsatz enthält durch Weglassung einiger Zeilen manche Unklarheiten, die im folgenden berichtigt werden. Die im Absatz 2, erste Spalte, angeführte Zahl von rund 8 000 (genau: 7783) Arbeitern betrifft die Zahl der Arbeiter in den Kolonien (also die selbständigen Siedler in den Kibbuzim und Moschawim sind nicht inbegriffen!), und diese Zahl stellt eine fast sechsfache Vergrößerung gegenüber dem Jahre 1925 dar — damals waren es bloß 1 3 9 2. Die Zahl der selbständigen Siedler beträgt 3496, so daß insgesamt in der Landarbeiterorganisation 11.279 Arbeiter vertreten sind, was 3 7.9 Prozent der der allgemeinen Arbeiterorganisation (tiistadruth) angeschlossenen Arbeiter ausmacht — ihre Zahl betrug am 1. Jänner 1931 3 0.0 6 0. Zahlenmäßig stellt also die Landarbeiterorganisation nicht, wie es in einer Wiener Zeitung heißt, die «überwiegend größere Hälfte» dar, an Bedeutung ist sie aber zweifellos überwiegend. Es ist nicht ganz klar, warum, wie es im ersten Absatz, zweite Spalte heißt, die Spaltung der Landarbeiterorganisation zurückgewiesen werden soll: eben weil es schon heute unverkennbare Interessengegensätze zwischen dem selbständigen Siedler und dem Lohnarbeiter gibt, muß durch die gemeinsame Organisation darüber gewacht werden, daß sie sich nicht in unnötiger Weise verschärfen und vertiefen! VAu